Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 25 (23.6.1899)
- Article
- Der Hut des Präsidenten Loubet
- Date
- 1899-06-23
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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„Die # Welt« Nr. 2s tafele Summe von 2720 Dollars, das ist ungefähr 13.600 Frcs. jfrir den eingetrlefeöfien Cylinderrdes Präsidenten Loubet anfeofc. Natürlich wurde dieses Geschäft Vohi Elisee nicht nur nicht gemacht, sondern man hat nicht einmal atifdäs Offert geantwortet. Aber dieser charakteristische Zug amerikanischen Snobismus ist wert, vermerkt zu werden. Das amerikanische Goild schreckt vor nichts zurück, aber — so schreibt der „Figaro", und man wdiss nicht recht, ob das Folgende pathetisch oder ironisch gemeint ist — diese kleine Geschichte wird die überseeischen Millionäre doch lehren, dass ihnen nicht alles erlaubt ist. Immerhin sind 13.600 Francs ein hübsches Geld für einen verunstalteten Cylinder. Der berühmte Hut Napoleons hat niemals auch nur annähernd diese Bezahlung erreicht . . . Vis Befugnisse der türkischen Rabbiner. Die Constantinopler Blätter puhllcieren einen Eidäss der türkischen Regierung, der den von staats wegen anerkannten Rabbinern die Gerichtsbarkeit in bestimmten Civilsachen der Mitglieder ihrer Gemeinden zu erkennt und die ExecutivbehÖrden anhält, den .Entscheidungen der Rabbiner gegebenenfalls Geltung zu verschaffen. Amerika, Du hast es besser. In Br ookly n starb unlängst der jüdische Kaufmann Leopold Levy an den Folgen von Misshandlungen, die ihm von irischen Arbeitern auf offener Strasse zugefügt worden waren. Aus Kränkung darüber nahm sich seine Frau das Leben. Ebendaselbst wurden dem jüdischen Knaben Hyam B r aff von zahlreichen christlichen Altersgenossen mittelst einer glühenden Eisenstange auf Gesicht und Händen schwere Brandmale beigebracht — aus dem einzigen Grunde, weil er ein ^Jltdehbufe“ ist» (PefsonalnächRcht.) Äfn 13. ^uni Verschied in Freistadt in Schlesien unser ausgezeichneter Gesinhüngsgeftosse Dr. Moriz Korn blüh im 59. Lebensjahre. Müt ihm’ ist dem Zionismus nicht nur ein begeisterter Anhänger, sondern auch eine agitatorische Kraft ersten Ranges entrissen worden. Während seiner langjährigen Thätigkeit als Cultusvorsteher war er stets Förderer jeder guten jüdischen Sache, sowie er auch als gründendes Mitglied zahlreichen jüdischen Wohlthätigkeifcsvereinen an gehörte. Als vor zwei dähren unsere Bewegung ihren Anfang nahm, eilte er mit jugendliche!* Begeisterung nach Basel, wo er sich an den Verhandlungen des Gongresses init regstem Interesse betheiligte. In seine Gemeinde zurückgekehrt, begann er initiier Propaganda der zionistischen Idee. Ein gründlicher Kenner jüdischer Geschichte und Literatur und ein Meister der Rede brachte er die Gründung einer der ersten Ortsgruppen auf Grund des Baseler Progran mies zuwege. Mit hinreissender Beredsamkeit und geistvoller Satire bekämpfte er die „Assimilation" und trat, wo er nur konnte, in Wort und That für den Zionismus ein. An den Gründungen der meisten schlesischen Ortsgruppen hat er theilgenommen. Ehre seinem Andenken 1 N. R. Von Herrn W i 11 y Bambus erhalten wir die folgende Zuschrift, die wir mit Himveglassung einiger besonders schroffer, persönlicher Ausfälle pubiicieien: Sehr geehrte Redacti on! Die in Ihrer geschätzten Zeitschrift» vom 12. Mai enthaltene Zuschrift des Herrn Dr. A. Marmor ek ist in allen Punkten falsch. Richtig ist vielmehr das Folgende: Beim Schluss der Versammlung vom 18. März in Paris, in der ich einen scharfen Disput mit Herrn Dr. Marin orek hatte, sagte derselbe zu mir, als wir schon vor dem Hause standen: „Wir werden uns wohl in Basel Wiedersehen." Ich erwiderte darauf, dass ich diesmal nicht kommen würde, da ich nicht gewillt sei, mich dem neuen Wahlgesetze zu unterwerfen, denn ich erkenne dem Actionscomite nicht das Recht zu, ein solches ohne Befragen des Congresses zu erlassen. Ich würde also nicht nach Basel kommen, wenigstens nicht, als Delegierter. Darauf sprach Herr Dr. M a r m o r e k die folgenden Worte: „Dann hat das neue Gesetz ja seine Schuldigkeit gethan, wozu es geschaffen ist." Hochachtend ' " W. B a ui hu s. Seile 11 Hierzu schreibt uns Dr. Alexander Marmorek:' Geehrt e Red a e t i o n d e r „W e 1 t“! Auf die Berichtigung des Herrn B a m b u s habe ich kurz Folgendes zu erklären: ich erinnere mich deutlich lind genau an das von Herrn Bambus und rnir beim Verlassen einer zionistischen Versammlung in Paris geführte Gespräch. Auf meine Bemerkung, dass wir uns hoffentlich in Basel Wiedersehen Würden, antwortete Herr B a m b u s, dass er wohl nicht dorthin kommen werde, da er sich dem neuen Wahlgesetze Dr. Herzls nicht unterwerfen wolle Worauf ich sagte : Dann we r d en w i r uns ohne Ihro tJ n t e r- Stützung behelfen müssen." Die von Herrn Bambus angegebene Antwort ist eine Erfindung, ebenso Wie meine angebliche Bestätigung einer vom Actionscomite vorgelloMmenen Aenderung des Wahlgesetzes. H o ch a cht u n gs v o 11 Dr. Alex. M a m o r e k, Paris.. Correspondenzeti. Oesterreich-Ungarn. Wien. Der Oberirantor der Wiener israelitischen Cultusgemeinde. Joseph G o I d s 1 ei n, ist jäh verblichen. Budapest. Wir erhalten aus Budapest folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redaeteur! Die Nummer der „Welt" vom 2. Juni d. J. enthält einen Artikel mit der Ueberschrift „Ein dreißigjähriger Krieg" aus der Feder von Julius Gabel, in welchem die Behauptung vorkommt: „Herr David Schön, Religionslehrer dieser Gemeinde, hat erst unlängst — vielleicht aus unreifem Patriotismus — aus den Gebetbüchern der Jugend die auf Zion und Jerusalem bezüglichen Gebete gestrichen.*’ Ich habe Ihnen heute durch den Buchhändler Is. Deutschem Exemplar dieser Gebetbücher zusenden lassen und erstrebe Sie, sich zu überzeugen, dass auf Seite 8, 66 und 155 nmm *ri unverkürztem, lind unverändertem Texte aufgenommen ist; dass ferner in den Segenssprüchen nach der Seite 131 D|"H u. s. w. ebenfalls unverändert aufgenommen ist und dass schliesslich Seite 11-7 ’OJCISm u. s. w. nicht weggelassen wurde, dass also die auf p'SC bezüglichen Gebete alle an ihrer betreffenden Stelle sind. — Genehmigen Sie den Ausdruck meiner besonderen Hochachtung Ihr ganz ergebener David S e h ö n, Keligionsprofessor Bu dapest, Elisabeth ring 4. Deutschland. Berlin. Graf Pückler, der neueste Antisemitenhäuptling, hat hier in zwei Versammlungen gesprochen. Die eine wurde polizeilich aufgelöst, weil der Graf in allzu grausamer Weise die Vertilgung der Juden empfahl. — Zwischen Landbündlern und Antisemiten, die sich noch vor kurzem heftig befehdeten, hat eine Versöhnung stattgefunden. Frankfurt a. M. (E x c e s s in der S y n a g o g e.) Am zweiten Tage des diesjährigen Schewuothfestes wurde bebekanntlich in der Frankfurter Hauptsynagoge am Börneplatze ein grober Excess verübt. Die Attentäter, drei an der Zahl, wurden zu ' fünf, resp. 7 Monaten Gefängnis verurtheilt. Frankreich. Paris. 21. Juni. (D i e fr a n z ös i s c h e M i n i s t e rkrise.) Poinctfre hat die übernommene Mission der Cabinetbildung zurückgelegt. Auch die Mission W a I d eck- R o u s s ean ist gescheitert. Loubet gedenkt B o u rg e o i s mit der Cabinetbildung zu betrauen. Letzterer wurde aus dem Haag, wo er als Vertreter Frankreichs an der Friedensconferenz th eil nimmt, nach Paris berufen. Nach mehreren Berathungen mit L o übet hat auch B o u r g e o i s die Mission der,Cabinetbildung endgültig abgelehnt. Russland. Petersburg. (Die Excedenten in Nik olaj ew.) Wie die ..Nowosti" berichtet, hat vor dem Friedensrichter