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Die Welt · 1899-06-23 · 25 (23.6.1899) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
25 (23.6.1899)
Article
Der Handel in Palästina
Date
1899-06-23
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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„Die A Welt“ Seite y Nr' 25 nach verschiedenen europäischen Ländern exportiert wurde, kann auf ungefähr 102.500- Dollars veranschlagt werden, während dieselben Artikel vor 2 Jahren bloss im Werte von 21.700 Dollars ausgeführt wurden. Die Wertsumme des palästinensischen Exportes nach England, erreichte im Jahre 1808 die Höhe von 300.000 Dollars, während der Import englischer Industrie-Erzeugnisse bloss 155.250 Dollars betrug. Der bedeutendste palästinensische Handelsplatz ist die Hafenstadt J af fa. Namentlich wird in dieser Stadt ein schwungvoller Orangenhandel betrieben, durch den auch zahlreiche Arbeiter lohnenden Erwerb finden. In letzter Zeit sind viele Fabriken errichtet worden, in denen die zur Verladung der Orangen erforderlichen Kisten erzeugt werden. Die fruchtbarsten landwirtschaftlichen Anwesen in der Umgebung von Jaffa sind die jüdischen Colonien. Hauptsächlich zeichnete sich im Jahre 1898 die Colonie „Rischon Lezion“ durch die grosse Menge und vorzügliche Qualität ihrer Weine aus. Man hat berechnet, dass diese Colonie im abgelaufenen Jahre 1,670.140 Kilogramm Wein und 85.325 Kilogramm Cognac erzeugt hat. Die Ansiedler der Colonie „Pethach Tikwah“ bepflanzten den grössten Theil ihres Bodens mit Apfelsinen, die ebenfalls einen schönen Ertrag abwarfen und in Europa reichen Absatz fanden. Dr. Haffkine, der rühmlichst bekannte Bakteriologe und Erfinder eines erfolgreichen Heilverfahrens gegen die Pest, dessen Rückkehr aus Indien wir vorige Woche meldeten, ist ein begeisterter Zionist. Die „Bene Israelites“, das sind Juden von schwarzer Hautfarbe in Indien, richteten an ihn vor dem I. Baseler Congresse die Bitte, er möge an demselben als ihr Vertreter theilnehmen. Dr. Haffkine musste damals ablehnen, da seine wissenschaftliche und ärztliche Thätigkeit keine Unterbrechung duldete. Er bewahrte jedoch lebhaftes Interesse für unsere Bewegung und verfolgte deren Fortschritte mit Aufmerksamkeit. Aus Anlass seiner Rückkehr nach London veranstaltete der dortige zionistische „Club of Maccabeans“ am 12. d. M. ein Bankett, bei dem zahlreiche Notabilitäten des öffentlichen Lebens und der Gelehrten weit anwesend waren. Den Trinkspruch auf Dr. Haffkine brachte Lord Liste r, Präsident der „Royal Society“ aus. Die Millionen des Dreyfus-Syndicat?. Der „Antijuif“, der bekanntlich in Frankreich durch ein gerichtliches Erkenntnis sistiert wurde und nun von Genf aus die Runde durch die französisch lesende Antisemiten weit, macht, brachte in einer seiner letzten Nummern eine genaue Statistik der Gelder, die von der „juiverie“ einzelner Länder dem Dreyfus- Syndicat zugewandt worden sind. Seltsamerweise erscheint die grösste Summe nicht, wie füglich zu erwarten stünde, von Deutschland, sondern von England beigesteuert, weshalb der „Antijuif“ zur Erzielung einer besseren Uebersichtlichkeit seine Aufstellung in englischer Währung vornimmt. Wir können nicht umhin, die ergötzliche Liste des Herrn Jules Guerin, die er einem „Mitgliede des Syndicats“ durch einen seiner Reporter hat entlocken lassen, unseren Lesern vorzuführen. Das Ding sieht sich so an: Ausländische Spenden für das Syndicat. England.£ 100.000 Deutschland ..„ 385.000 Vereinigte Staaten von Nordamerika. „ 372.000 Oesterreich-Ungarn . . . . „ 355.000 Italien.„ 330.000 Schweiz und Rumänien je £ 200.000 „ 400.000 Summe . . £ 2,232.000 Die St. Petersburger jüdische Volksschule wurde im verflossenen Schuljahre von 384 Kindern besucht. Die Einnahmen der Schule beliefen sich auf 23.727 Rubel. Den Unterricht ertheilten 17 Lehrer. Shakespeare im Jargon. Unter dieser Spitzmarke berichteten wir über eine jüdisch-deutsche Bearbeitung von „Romeo und Julie“, die nächstens in New-York in Scene gehen soll. Wie wir nun in einer Nevv-Yorker jüdischen Zeitung lesen, ist dieser Tage auch der „Kaufmann von Venedig“ in einer Jargon-Uebersetzung erschienen und von dem dortigen jüdischen Thalia-Theater zur Aufführung angenommen worden. Katechismus. In der zionistischen Abtheilung des in San Francisco erscheinenden Wochenblattes „Emanuel“ wird das Erscheinen eines neuen Katechismus für Antizionisten angekündigt und zur Probe folgendes Capitel daraus citiert: Frage: Sind Sie Jude? Antwort: Ja. Fr.: Warum? A.: Deshalb. Fr.: Sonst ein Grund? A.: Keiner. Fr.: Sind Sie Zionist? A.: Nein. Fr.: Warum? A.: Deshalb. Fr.: Sonst ein Grund? A.i Keiner. Fr.: Was sind denn diese Zionisten? A.: Wagehälse. Fr.: Weshalb sind sie Zionisten? A.: Weil sie das Heilige Land zu reclamieren wünschen. Fr.: Sonst ein Grund? A.: Ja; weil sie das Heilige Land für ihre unglücklichen Brüder wollen, die ohne gerechte Ursache verfolgt werden. Fr.: Warum sind Sie gegen solche Ziele? A.: Deshalb. Fr.: Sonst ein Grund? A.: Ja. Hoch die roth-weiss-blaue Fahne! Fr.: Haben Sie nicht gelernt, um eine Rückkehr nach Zion beten? A.: Nein. Fr.: Was haben Sie gebetet? A.: Gar nichts! Der Cantor betet für mich. Fr.: Mit einer gewissen Melodie? A.: Ja, Cavalleria Rusticana. Fr.: Denken Sie an die Millionen Menschen Ihrer Rasse, die ohne die Freiheiten leben müssen, die Sie gemessen? A.: Ja. Fr.: Was thun Sie für dieselben? A.: Am Jomkippur im Tempel sein . . . Die Juden von Kertsch. An der Meerenge zwischen dem Schwarzen und dem Asow’schen Meere liegt die Stadt Kertsch-Jenikale mit ihren 36.000 Einwohnern. Während die Juden nur 12 Percent der Einwohnerzahl bilden, machen sie 35 Percent der Kertscher Handwerkerschaft aus. Die Juden betreiben zumeist das Schneider- und Schusterhandwerk, sie beschäftigen sich aber auch mit Schlosserei, den kleinsten Percentsatz bilden die jüdischen Tischler und Zimmerleute. Seit einem Jahre existieren hier zwei rein jüdische Wohlthätigkeitsvereine. Der „Unterstützungsverein für arme Juden der Stadt Kertsch“ bespeist Arme in einer hierzu gegründeten billigen Volksküche und betheiit arme jüdische Reisende mit Schiffskarten. Der Wochenbericht des Matrikelamtes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien vom 11. bis 14. Juni weist 79 Geburten und 27 Sterbefälle aus. Aus „nationaler Begeisterung“. Ein Grazer Obergymnasialschüler wurde vom Einzelrichter des Bezirksgerichtes Stadt Graz zu einer Geldstrafe von fünfzig Gulden, eventuell fünf

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