Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 25 (23.6.1899)
- Article
- Lemberger Brief
- Date
- 1899-06-23
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 2 5 - „Die # Welt“ eine „eigene“ Wirtschaft ein, von deren erspriesslichem Wirken die verschiedenen „Affairen“ ä la Kilianski, Buynowsky e tutti quanti bestes Zeugnis geben können. Uni nun die entstandenen Deficite zu beseitigen, war es nur nöthig, neue Wege für Vergrösserung des Salzverschleisses und somit des Einkommens ausfindig zu machen. Bald ward ein Mittel gefunden. Bekanntlich sind die meisten Beamten der Salzverschleissämter dem Landesausschusse freundlich gesinnt. Jetzt kommen sie ihm zuhilfe. Seit einigen Monaten nämlich wurde den Privathändlern der ihnen zufallende Salzantheil entzogen, natürlich ohne irgendwelche Ermächtigung einer höheren Behörde. Dafür werden aber die den Privatverkäufern vorenthaltenen Salzantheile dem Landesausschusse nach Bedarf verkauft. Es gibt aber hierzulande niemanden, der sich um dieses Vorgehen der Salzverschleissbeamten kümmern wollte. Die Beschädigten, hauptsächlich die im Kaluszer, Drohobyczer und Stebnitzaer Sprengel wohnhaften,—zumeist Juden—haben zwar schon zahlreiche Beschwerden und Petitionen an die „entsprec henden“ Behörden gerichtet, aber ohne irgendwelchen Erfolg. K. Die Conferenz der English Zionist Federation. Die erste Jahresconferenz der English Zionist Federation wird am 20. d. M. stattfinden. Dr. H e r z 1 wird anwesend sein und eine Ansprache halten. Zu dieser Conferenz wählt jeder dem Verbände der Federation angehörende Verein von wenigstens 25 Mitgliedern 2 Delegierte, für jedes weitere hundert ausserdem je zwei Delegierte. In Provinzstädten, wo es nur eine zionistische Organisation gibt, hat diese — unabhängig von der Mitgliederzahl — das Wahlrecht. Die Tagesordnung der Conferenz enthält folgende Hauptpunkte: 1) Die nationale Idee; 2) die jüdische Colonialbank; 3) Organisation und Propaganda. Am Abend des Conferenz- Tages wird Dr. H e r z 1 in einem Massen-Meeting sprechen. — Dr. Gaster und Herbert Bentwich waren vergangenen Samstag in Cambridge als Gäste der dortigen Zionisten. Beide Herren hielten beifällig aufgenommene Ansprachen. Tribüne. An die zionistische Studentenschaft Galiziens. Wenn wir nach einiger Zeit die akademische Stätte unserer Studien verlassen, um ins praktische Leben hinauszutreten, werden wir früher oder später eine öffentliche Stellung einnehmen, die uns die Möglichkeit geben und die Pflicht auferlegen wird, für das Wohl unseres Volkes zu wirken. Die Umstände bringen es dann mit sich, dass wir an die Spitze der galizisehen Judenschaft werden treten müssen, um ihr die Mittel an die Hand zu geben, die zur Erreichung unserer nationalen Ziele dienen sollen. Dazu bedarf es aber einer Vorbereitung. Zwar nehmen wir schon jetzt rührigen Antheil an der nationalen Arbeit; zerstreut über ganz Galizien arbeiten wir auf e i n Ziel hin, auf die Verwirklichung der zionistischen Idee, auf die nationale Wiedeigeburt unseres Volkes. Doch unserer Arbeit fehlt es an Einheitlichkeit. Deshalb stehen auch die errungenen Erfolge oft ausser Verhältnis zu den gemachten Anstrengungen. Da wir unsere gegenseitigen Anschauungen und Bestrebungen nicht kennen und bisnün auch keine Gelegenheit hatten uns 1 darüber zu verständigen, ist »>s nicht ausgeschlossen, dass wir uns in Einzelheiten entgegenarbeiten! Der für den 25. Juli nach Lemberg einberufene Studententag der zionistischen Akademiker Galiziens soll ein möglichst einheitliches Vorgehen in den wichtigsten Fragen anbahnen. Von der Erörterung unserer Stellung der autocht honen Bevölkerung gegenüber und der Thätigkeit, die die gegen w är ti ge Lage unseres Volkes von uns heischt, werden wir zur Feststellung der zunächst anzustrebenden Ziele gelangen. Von der Ueberzeugung getragen, dass zur Erreichung dieser Ziele ein eiserner Wille und eine unermüdliche, ausdauernde Arbeit erforderlich ist, dass dazu nicht nur die geistigen, sondern auch unsere physischen Kräfte angespannt werden müssen, wollen wir der Ausbildung der letzteren unsere vollste Aufmerksamkeit zuwenden. Da sich unsere nationale Existenz in Palästina anfänglich auf Ackerbau stützen muss, müssen wir darnach streben, unseren Go 11 egen die Aneignung des erforderlichen agronomischen Wissens zu ermöglichen, damit sie auch auf diesem Gebiete ihrem Volke dienen können. Die erwähnten Aufgaben können nicht ohne entsprechende Organisation gelöst werden. Daher müssen wir uns organisieren. Wir müssen eine Phalanx bilden, die stark und selbstbewusst, unentwegt ihrem Ziele entgegen strebt. Neben dieser stillen, systematischen Arbeit, die er anregen wird, kann und muss der Studententag noch eine andere, nicht minder wichtige Aufgabe lösen. Die jüdische Intelligenz in Galizien steht bisnun nur th eil weise auf unserer Seite. Jetzt soll ihr die Gelegenheit gegeben werden, sich endgütig zu entscheiden. Wir wollen das Bindeglied werden zwischen ihr und dem jüdischen Volke, wir wollen ihr sagen, was wir und mit uns das jüdische Volk von ihr verlangen. Wer gegen uns ist, der soll es nur offen und ehrlich gestehen, dass ihn die Leiden und Hoffnungen des jüdischen Volkes nichts kümmern, dass er mit uns nichts gemein hat. Dann hat er aber auch sein Recht verwirkt, in jüdischen Angelegenheiten mitzusprechen. Andererseits wird von polnisch-ruthenischer S e i t e unserer Bewegung nicht die gebürende Aufmerksamkeit geschenkt. Man ist da über dieselbe schlecht oder gar nicht informiert. Und doch ist sie für Galizien von so grosser Bedeutung! Denn die unabsehbaren Folgen unserer Bewegung auf social-ökonomischem und geistigem Gebiete müssen Galizien umsomehr an gehen, als die Juden daselbst einen numerisch nicht zu unterschätzenden Factor bilden. Wir hoffen, dass sich Polen und Ruthenen, über den Zionismus aufgeklärt, von so manchem veralteten Vorurtheil befreien werden. Deshalb wenden wir uns an Euch, zionistische Akademiker Galiziens mit dem warmen Appell, dass Ihr, so zahlreich als möglich, an diesem Studententage erscheinet! „Bar-Kochb a“, akad. Club des Vereines „Erez Israel“, Stanislau. „Bar-Kochb a“, Vereinigung j ü d. H o c h s c h ii 1 e r aus Galizien in Wien. „Zionistische akademische Lesehalle“, Lemberg. „Akademischer Club“ des V ereines „Beth- I s r a e 1", Kolonie a, „Akademische Verbindung“ im Vereine „B n e i Z i o n“, Jaroslau. A kade m. Bildungsverein „Haschacha r“, Krakau. Programm des Studententages: 1. Begrüssung durch das vorbereitende Co mite; II. Wahl des Bureaus; III. Eröffnung durch den Präsidenten; IV. Referate: a) Unsere Lage in Galizien; b) Unsere Stellung im Judenthume; c) Organisation und Agitation; dj Sportclubs; e) Memorandum an die akad. Behörden betreffs Anerkennung der jüdischen Nationalität. f) Memorandum an den Baseler Congi ess betreffs Creierung von Agrarstipendien. Weltchronik. Der Handel in Palästina. Der Handelsagent der amerikanischen Union in Jerusalem, Consul W. Dickson, sandte dem Washingtoner Staatsdepartement zu Beginn dieses Monats einen Bericht über den Zustand des Handels in Palästina, dem wir die folgenden interessanten Daten entnehmen : Der Gesammtwert der im Jahre 1898 aus- und eingeführten Waren beträgt 3,140.050 Dollars, um 05.955 Dollars mehr als der* Wert des Warenumsatzes im Jahre 1897. Der Bodenertrag an Orangen und Wein war im Vorjahre überaus glänzend. Der Wert des Weines und Cognacs — grösstentheils in den jüdischen Colonien erzeugt — der