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Die Welt · 1899-06-23 · 25 (23.6.1899) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
25 (23.6.1899)
Date
1899-06-23
Page
None (sequence 5)
Language
German
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>-◄ Redaction > Erscheint jeden Freitag, < ►-♦ Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern Die viermal gespaltene Petit¬ Wien IX., Türkenstrasse 9. an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. zeile 10 kr. Telephon Nr. 8805. ♦-4 Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. t Manuscripte nicht zurückgesendet. < >-<► R A7TI dCLTITPic Aa Oester r.e ich - Ungarn: ganzjährig 6 fl. — 12 Kr., halbjährig B fl. 6 Kr. Für das Ausland: Deutsch- DCZmguJpi CluC« iand ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 8hg., halbjährig 7 8hg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Fres., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Gt. Nr. 25. Wien, 23. Juni 1899. 3. Jahrgang. BMP"* Da Ende dieses Monats eine grössere Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. ln der Stille. Von Max Aram. Was den Journalisten schlechthin bedrückt in der „Sauregurkenzeit66, wenn die Politik vollkommen ruht, die Parlamente geschlossen sind, und wenn das Kunstleben desgleichen schlummert mit seinen Premieren und Concerten — dieser Ausnahmezustand mag zur Permanenz werden für diejenigen Publicisten, welche immer wieder die Idee des Zionismus entfalten. Sie mögen an eine Henne denken, die über ihren Eiern brütet, ohne dass das Küchlein vorläufig auskriechen soll. Ihnen gehen die Tagesereignisse immer nur den Vorwand, das „alte Evangelium66 wieder vorzubringen; was Neues kann niemand, wenn er auch noch so lang entfernt war, inzwischen gelernt haben; es sind, wenn auch nicht die alten Lieben, so doch die alten wehmüthigen Dieder. Es mag fraglich sein und könnte durchaus verschieden beantwortet werden innerhalb der Partei, ob sich der Zionismus überhaupt einzumischen hätte in die Antipathieen und kleinen Tageskämpfe zwischen den in der Assimilation begriffenen Juden und ihren Wirtsvölkern; aber selbst wenn es allgemein zugegeben wird und allenthalben geschähe, dies bliebe doch immer bestehen, dass freilich der „Lauf der Welt66 stets vorwärts gehe, jedoch alles Jüdische nur einen gar winzigen Ausschnitt bilde vom Weltgeschehen. Es macht doch den Eindruck halben, ja völligen Wahnsinns, wenn die eigentlich antisemitischen Zeitungen (die radicalanti semitischen, für welche — im Gegensatz etwa zu feudalen oder klerikalen Blättern — der Judenhass nicht ein Mittel zum Zweck oder ein immerhin logisch er Bestandteil geschlossener Weltanschauung ist, sondern ein gleichsam animalisch instinetiver Selbstzweck) — wenn diese Zeitungen jegliches Ding sub specie ihres Antisemitismus betrachten, die höfischen Intriguen, diplomatischen Vorgänge* die innerpolitischen Begebenheiten nun vollends, die literarischen und künstlerischen Ereignisse, ja Krankheiten und Aerzte sogar. Und davon müssten die trüben Dünste auch zu der Abwehr hinüberziehen, welche dann, wie wohl überhaupt jegliche Defensive keinen anderen Eindruck machen könnte als den einförmigen des Verkümmerten. Noch weniger mag der Zionismus sich, wie sonst kräftig aufstrebende Jugend gegen die Alten, gegen seine Gegner wenden können innerhalb des Judenthums, gegen die liberalen sogenannten „Assimilationsjuden66. Diese sind seine geradezu leidenschaftlichen Gegner, wie z. B. Bernstein, der Dichter zarter, herziger Ghettonovellen, alle jüdischnationalen Aspirationen mit der nachdrücklichstenErbitterung gehasst haben soll. Aber diese Gegnerschaft lässt sich gar leicht psychologisch verstehen und demgemäss verzeihen: gerade indem ihre Natur darauf gestellt war, sich innig einzuschmiegen einem grossen Allgemeinen, wandte all ihres Herzens Sehnsucht sich dem Deutschthum zu, da sie im Judenthum wirklich nur ein Religionsbekenntnis sahen. Da sie jedoch zu charaktervoll waren, um die vollkommene Assimilation zu erreichen durch Abfall und Taufakt, so glaubten sie ihr neuesVolksthum, das sie so naiv ehrlich meinten,wenigstens dadurch energisch zu documentieren, dass sie alle jüdisch-n a tionalenGedanken bekämpften, was ihnen, nebenbei bemerkt,umso leichter ankam, als die ersten zionistischen Regungen in der That innig verknüpft waren mit der jüdischen Orthodoxie. Gerade sie wären in unserer jetzigen Epoche ebenso leidenschaftliche Zionisten geworden. Wozu noch kommt, dass sich einer ungerechten Befehdung dieser Männer der Zionismus umso leichter enthalten kann, als sie doch allgemach aussterben müssen, und die nachfolgende Generation bereits unter völlig veränderten Verhältnissen heranwächst, der Zionismus aber nicht mit Belehrungen und Beschwörungen seinePropaganda zu bewirken braucht, sondern sich völlig verlassen darf auf das wuchtige Schwergewicht einer naturnothwendigen logischen Entwicklung. Von ihr wäre nun, wenn der Zionismus nirgends an* k ä m pfen kann, um vorwärts zu gelangen, ja immer wieder neu zu vermelden; — geruhig und milde und vornehm als von etwas ständig Vorschreitendem. Aber solch ein betrübsames Constatieren des Wachsens der antisemitischen Gesinnung, der Leiden „unseres unglücklichen Volkes66, wobei vielleicht noch eine halbe unerfreulich bittere gallige Genugthuung verhalten scheint, dass die logischen Prophezeiungen Recht bekommen — dieses ewige nackte Constatieren, wie man es vorzüglich findet in den früheren, den ersten zionistischen Zeitschriften, mag etwas Peinliches, Beschämendes, gleichsam — in einem höheren Sinne — Schamloses haben, wie wenn zwei abstossend Kranke, Hässliche vor einander das feststellen und besprechen wollten, was sie niederdrückt

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