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Die Welt · 1899-06-16 · 24 (16.6.1899) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
24 (16.6.1899)
Article
Krakau
Date
1899-06-16
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Hr. 24 te io „t>ie $ Welt« die Rede mit grossem Beifall auf. Darauf machte der um das Wachsthum des Zionismus in unserer Stadt verdiente Vorsitzende Herr Schönwetter nochmals auf die demnächst stattfindende Delegierten wähl zum Congress aufmerksam und ermahnte die Versammelten,, ihren Schekel-Beitrag zu entrichten. Nachdem eine grosse Anzahl dieser Aufforderung Folge geleistet, wurde die erfolgreiche Versammlung geschlossen. — Der oben erwähnte Verein „Oh. E.-I.“ wird demnächst die Briefe der orthodoxen Rabbinen, welche dem Congress ihre Sympathie ausgedrückt haben, in einem Separatabdruck veröffentlichen. Dieses nützliche Werk wird mit einer Vorrede von unserem bekannten Gesinnungsgenossen Ahron Marcus versehen sein. Der wackere Ahron Marcus arbeitet auch sonst unermüdlich für unsere gr osse Sache. Sein letzter Artikel in der „Krakauer Jüdischen Zeitung“ über „Die Nationalbank“ hat wiederum das freudigste Aufsehen in der hiesigen jüdischen Bevölkerung erweckt. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir nicht unerwähnt lassen, dass man hier mit der bestimmten Absicht umgeht, in einiger Zeit ein neues hebräisches Wochenblatt herauszugeben, dessen Haupttendenz die Vertretung des streng politischen Zionismus sein soll. Mehrere wohlhabende Männer haben bereits ihre financielle Unterstützung zugesagt, und einige bewährte hebräische Journalisten sind für das Unternehmen gewonnen. Bricany (Bessarabien). Am zweiten Tage Schewuoth veranstalteten wir im hiesigen alten Bethause eine Feier, die einen glänzenden Verlauf nahm. Das zu hunderten erschienene Publicum hörte mit grossem Interesse den Ausführungen der Herren Kleinmann, Lenkowsky, Dr. Oichmann und besonders unseres Predigers Herrn Moses Lerner zu. der mit zahlreichen Citaten aus Talmud und Bibel die Einwände der Antizionisten widerlegte. Dank der unermüdlichen Arbeit der Herren Babanczik, Holtmann, Steinb er’g, Broida, Ris chn er und Rabbiner Barschewsky gelang es hier, in diesem kleinen, unbedeutenden Städtchen, 500 Shares zu sammeln. Die Subscription dauert fort, und wir hoffen noch einige hundert zusammenzubringen. J. O. Gliniany. Samstag den 13. Mai fand in der hiesigen Synagoge eine Volksversammlung statt, bei der der bekannte Volksredner Herr Döbel Taubes aus Kolomea die Agitationsrede hielt. Die Synagoge war stark besucht, denn mit Ausnahme des Wunderrabbi und seiner Anhänger hatte sich die ganze Bevölkerung der Stadt eingefunden. Der Redner stellte in seiner dreistündigen Rede die Lage des jüdischen Volkes dar und zeigte als das einzige Rettungsmittel den Zionismus. Er wies die Versammelten auf die Colonialbank hin und forderte sie auf. die Actien derselben zu kaufen. Die Rede hatte auch den Erfolg, dass sich noch am Abend desselben Tages ein Actionscomitd, bestehend aus den Herren H. P i n e 1 e s, S. D u b, Ch. B a r a 11, E. K a t z und M. J. Bade r bildete, und die Zeichnung von Actien und viele Schekel entgegennahm. Die zionistische Bewegung schreitet in unserem Städtchen vorwärts und wir hoffen, trotz der dreimaligen Abweisung der Vereinsstatuten, bald einen Verein zu haben, da es uns an arbeitsfähigen und arbeitswilligen Anhängern nicht fehlt. Vereinsnachrichten. Neue Vereine. Gologory (Galizien). Am Wochenfeste wurde hier auf Anregung der Herren O. M. Margulies und Isaak Dawidsohn eine Versammlung einberufen; man beschloss, einen Zionsverein zu begründen. Herr O. M. Margulies und Herr M. L. Basseches hielten die Ansprache, die einen grossen Eindruck auf die Zuhörer machte. Am 18. v. M. fand nun eine neuerliche constituierende Versammlung statt, bei der sich zahlreiche Mitglieder einschreiben Hessen. Zum provisorischen Obmann und Cassier wurde Herr O. M. M a r g u 1 i e s und zum provisorischen Schriftführer Herr Isak Dawidsohn ernannt. Berlslav (Gouv. Cherson). Am ersten Passah-Feiertage hielt in der Synagoge Herr D. Dunsky, der viel zur zionistischen Agitation beigetragen, eine warme Ansprache, die zur Folge hatte, dass am 8. April ein Verein unter dem Namen „Dorsche Zion“ gegründet wurde. In das Comitd wurden gewählt: zum Präsidenten Herr M. Abkin, zum Secretär Herr S. Katkow und zum Cassier Herr J. ’S c h r e i b e r. Das Comite berief am 22. April eine Volksversammlung, die von fast der ganzen jüdischen Gemeinde besucht war, in das Beth-Hamidrasch zur Aufklärung über den Zweck der Colonialbank. Herr D. Dunsky, Herr Bills und Jakob Kontorer erklärten die Ziele der Colonialbank und der Schekelsammlung. Das Resultat dieser Reden war die Vergrösserung des Vereines bis auf 150 Mitglieder und auch die Subscription auf Shares. Zeitschriftenrundschau. Die letzte Nummer der „Ungarischen Wochenschrift“ bringt einen bemerkenswerten Artikel „Zionismus und C osmopolitIsmus“ aus der Feder von Doctor Adolf Fried emann-Berlin. In einem längeren Artikel wendet, sich der „Warschauer Izraelita“ gegen tendenziöse Mystifikationen des Zionismus in der „Gazeta Warszawska“. Dieses letztere Blatt brachte nämlich unlängst einige, hebräischen Blättern entnommene, auf den Zionismus Bezug habende Notizen, unter ostentativer Beibehaltung vieler hebräischer Ausdrücke, die sonst, ganz harmlos sind, die jedoch geeignet sind, den Anschein zu erwecken, der Zionismus sei ein Geheimbund, und daher gemeingefährlich. Das Wort „Magid“ wird da aufgebauscht zu einem fanatischen zionistischen Agitator, der Seperatismus und Chauvinismus predigt. N. S. erörtert nun im „Izraelita“ das Wesen des Magidimthums und seine Geschichte, er zeigt, dass die zionistischen Magidim, dem Volke seine Ideale wieder in Erinnerung bringen. Bücherwelt. Literarisch-wissenschaftliche ' Vierteljahrschrift, herausgegeben von Dr. J. Günzig. Zweiter Band. Krakau 1899. Gross 8°, 295 S. (Hebräisch.) Das zeitgenössische hebräische Schrifthum krankt an der widernatürlichen Einseitigkeit seiner Entwicklung. Es besitzt kaum Ansätze eines Dramas, ist aber an Romanen und kleineren Erzählungen jeder Art und Schulrichtung verhältnismässig oder vielmehr unverhältnismässig reich. Es enträth des Epos und der poetischen Erzählung vollständig, zeigt hingegen eine unleidliche Hypertrophie der Lyrik und Afterlyrik. Es bringt eine Tagespresse hervor, die mancherlei zu wünschen übrig lässt, erfreut sich jedoch demgegenüber einer — wenn auch geringen — Anzahl gediegener Zeitschriften und Sammelbücher, deren Hochstand wohlthuend berührt und Achtung einflösst. Diesen periodischen Sammelwerken reiht sich die Vierteljahrschrift durchaus würdig an. Wir stehen mit Genugthuung fest, dass der uns vorliegende zweite Band seinen Vorgänger, sowohl was die Fülle als auch ganz besonders was den inneren Gehalt seiner Aufsätze betrifft, um ein Erkleckliches überbietet. Wir wollen im Folgenden die einzelnen hervorhebenswerten Beiträge der Reihe nach ganz kurz vornehmen, da die Beschränktheit des verfügbaren Raumes uns eine weitläufige, einlässliche Behandlung unmöglich macht. Der leitende Aufsatz, der vom Herausgeber herrührt, beschäftigt sich in anerkennenswert sachlicher und einsichtiger Weise mit dem II. Congress, dessen Beschlüssen und den Hoffnungen, die er gezeitigt hat. — Aus dem nächstfolgenden „Krieg im Frieden“ üb er schrieb enen Artikel von Josef Kl au s n e ir weht uns ein dumpfig-beklemmender Anhauch entgegen; wir wittern Culturkampflust aus den verschollendsten Zeiten der Aufklärungsperiode. Noch in höherem Grade gilt dies von Dr. S.Rubins Essay: „Drei seelische Grundeigenschaften Israels“. — Zwischen diesen beiden geharnischten Streitern wider die „Reaction im Zionismus“ und wider die „Unduldsamkeit und Erschwerungssucht“ des jüdischen 'Volksgeistes findet Dr. A. Friedemann mit einer lichtvollen Abhandlung über „Zionismus und Ethik“ Platz. — M. S. R e is e n schreibt über den polnisch-amerikanischen Juden Chaim Sa-lomon und dessen Antheil an dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. — Hierauf folgen drei Novellen von D. J. Silberbusch, David Rothblum und R. Brandes. Dazwischen ist eine anmuthige Legende von D. Frischmann eingeschoben. Daran reihen sich zahlreiche poetische und wissenschaftliche Beiträge. Unter den ersteren ragen blos die Gedichte von S. L. Gordon, M. M. Dolitzky und A. Lib oszitzky über das Mittelmass hinaus. Von den letzteren erwähnen wir: eine Studie über den Seelenwanderungsglauben unter verschiedenen Völkern von Dr. S. Ru bin, eine anregende Abhandlung über die Ureinwohner Palästinas von S. M. L a z a r, einen Artikel über die ökonomischen Zustände in Galizien mit Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage der galizischen Juden von H. Hei mann, Beiträge zur Geschichte der Juden in Polen von P. H. Wett st ein, Untersuchungen über die Lebensumstände berühmter Rabbiner in Zolkiew von

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