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Die Welt · 1899-06-16 · 24 (16.6.1899) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
24 (16.6.1899)
Article
London
Date
1899-06-16
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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«eite 8 „Die # Weit« MM kraten sich ferne hielten. Seien aber nicht alle Juden gleich? Die Orthodoxen als Gegner des Zionismus hin^ustellen, könne nur einem bewussten Lügner gelingen. Die vorhandenen Wohlthätigkeitseinrichtungen können, verglichen mit den Zielen der zionistischen Bewegung, keinen Respect einflössen. Sir M o u t e f i o r e, der sich als Zionisten von Tradition bezeichnete, versprach neuerdings, dem Zionismus all seine Kräfte zu widmen. In Beantwortung einiger Fragen, betreffend die Thätigkeit der English Zionist Federation, erklärte Dr.Gaster, es werde in nächster Zeit ein ausführlicher Bericht erscheinen. Das Bankmanifest der Federation habe viele Shareskäufe, auch seitens christlicher Parteien, veranlasst. Mr. Bentwich feierte die Verdienste Sir Montefiores, dessen Name die Bewegung in England ausserordentlich gefördert habe. Die Unterstützung, die den Antizionisten von Seiten einer Körperschaft zutheil geworden sei, die sich selbst Chowewi Zion nenne, habe wenig gefruchtet. Mr. Cohen erklärte, man dürfe in die Führer volles Vertrauen setzen, insbesondere in Dr. Gast er, der zur Zeit, als Dr. Herzl seine erste Reise nach London unternahm, seine Pflicht gethan habe, während die anderen, ebenfalls Berufenen, sich ferne hielten.— Dr. G a s t e r, den die Versammlung durch ein Dankesvotum ehrte, charakterisierte die Ausstreuung, als herrschten zwischen ihm und Dr. H e r z 1 Misshelligkeiten, als dumme Erfindung. Mit Hochrufen auf Dr. Herzl, Dr. Gast er, Sir Mont e fi o r e und die Federation giengen die Versammelten auseinander. * * * Gelegentlich einer Unterredung zwischen Präsident Krüger und Mr. Sam. Marks aus Prätoria bemerkte der sonst durch seinen Ernst in öffentlichen Angelegenheiten ausgezeichnete Präsident scherzhaft: Es ist wahr, Ihr Juden habt kein eigenes Land, Ihr seid aber dennoch meinem Herzen theüer. Erzählt nicht die Bibel auf jeder Seite von Eurer Grösse? — Dahingegen, setzte Onkel Paul nach einer Weile mit lustigem Augenzwinkern hinzu, wo findet man in der Bibel — sei es im alten, sei es im neuen Testament irgendein Wort von diesen Engländern, die jetzt solchen Lärm in der Welt machen? » * * Man weiss, dass kleine Gemeinden, um ihr Ausgabenbudget zu schonen, die Würden des Chasan und Schochet gerne in einer Person vereinigen. Ein englischer Richter, der das unseligerweise nicht wusste, verletzte das Ehrgefühl eines als Zeuge erschienenen Chasan-Schocket durch die Frage: Sie sind Mr. Jacobs, der Schächter?,— und erhielt folgende gereizte Abfertigung: Entschuldigen, Herr Richter, Schächter bin ich nu r für die Rinder, für die Menschen bin ich Qantor!, London, 9. Juni. Der „Jewish Chronicle“ hat eine kleine Schwenkung vollzogen und dreht verschämt den .Friedenszweig zyvischen den Händen, die noch vor kurzem sich mit den heftigsten Angriffen beschmutzten. Das beweist, dass der Chronicle den gerechten Zorn, der Zionisten zu fühlen beginnt. Es ist aber auch ein glänzender Beweis für die Fortschritte der zionistischen Bewegung in England. „Wenn der Trust“, so schreibt der „Jewish Chronicle“, „den Beweis liefert, dass er Vertrauen verdient, so wird er idi$ allgemeine öffentliche Unterstützung finden.“ — Sollen wir uns für diese Prophezeihuhg bedanken, die von einer Seite kommt, der, noch vor kurzer Zeit ein Erfolg der Bank g e f ä h r 1 ich e r schien, als eine Niederlage der Bank? .Was ist inzwischen geschehen^ um die Gefahr- Theorie zu entkräften? Das muss erklärt werden! r i. , Mr. A.; J e s s e 1 ist zum Vice-Präsidenfen der „United Synagogue“ gewählt worden. Mr. Jessel, einer der aufgeklärtesten und w;eitestbliekenden Männer der Gemeinde, soll der zionistischen Bewegung grosse Sympathien entgegenbringen. Allerlei Nachrichten Am 28. v. M. feierte der greise Oberrabbiner Professor Wertheimer in Genf sein 40jähriges Jubiläum als Genfer Rabbiner. Tausende armer russischer Familien wissen von seiner Aufopferung zu erzählen, und was er für die hunderte von russischen Studenten an der Genfer Universität jährlich — im wahren Sinne des Wortes — zusammenbettelte, um ihnen die Studien zu ermöglichen, lässt sich kaum beschreiben. Leider wurde seine Güte in den letzten Jahren wiederholt sehr missbraucht. Bei den Bundes¬ und Genfer Staatsbehörden ist Professor Wertheimer Persona gratissima. * Lord Rothschild wurde soeben zum zehntenmale zum Präsidenten der „Vereinigten Synagogen“ in London gewählt. Er bekleidet dieses Ehrenamt 20 Jahre, während er bereits viele Jahre vorher im Vorstande thätig war. * Am sogenannten ,Hospital-Sunday“ wird für den allgemeinen Londoner Spitalfonds gesammelt, das geschah zuerst im Jahre 1873. Man hofft, heuer 50.000 Pfund Sterling zusammen zu bringen und damit — seit Beginn — rund eine Million. Ein Mann, namens John Herring steht obenan dieses Jahr mit 10,000 Pfund. * Gegen die antisemitischen Velleitäten an der Budapester Universität hat der jüngst in Klausenburg stattgehabte Studentencongress Stellung genommen, indem er den Beschluss fasste, den Budapester Uniyersitätscluh „wegen seiner auf cönfessioneller Basis stehenden ’Parteigruppierungen“ seines centralen Charakters zu entkleiden, die Centrale der Studentenschaft nach Klausenburg zu verlegen und das amtliche Organ der Studentenschaft in Klausenburg erscheinen zu lassen. ' - Die neuen Erschwerungen für jüdische Kaufleute, die nach Russland reisen wollen, haben in Deutschland auch die Centralstelle für Vorbereitung von Handelsverträgen beschäftigt und diese Körperschaft veranlasst, sich mit einer Eingabe an den Reichskanzler zu wenden, in der .es über den letzteren Punkt heisst: ,Die verfassungsrechtliche Gleichstellung in Deutschland zeigt, dass soweit deutsche Unterthanen jüdischen Glaubens in Frage kommen, keinerlei Veranlassung vorliegt, ihnen weniger Vertrauen entgegenzubringen, als den Angehörigen irgend einer anderen Religionsgemeinschaft.“ Die Eingabe bittet darum, dass eine Milderung der härtesten Bestimmungen im Wege diplomatischer Verhandlung herbeigeführt werde. Die Hoffnung, dass der Reichskanzler diesem Ersuchen stattgibt, ist nicht ausgeschlossen, wohl aber jede Aussicht auf eine Zustimmung der massgebenden Behörden in Petersburg. * Die aut. orth. isr. Cultusgemeinde von Hermannstadt begieng dieser Tage die Feier der Grundsteinlegung für die neue monumentale Synagoge. * In Paris starb in voriger Woche der erste Ehrenpräsident am Cassationshof und Vicepräsident des israelitischen Centralconsistoriums Bedarrides. Er stand in solch grossem Ansehen bei seinen Collegen, dass, als er die Altersgrenze erreichte, er zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde. Im Jahre 1890 wollte man ihn sogar zum Präsidenten des Obersten Gerichtshofes machen, und nur seines Alters wegen bat er, man möge davon abstehen. Der Verstorbene gehörte zu den bedeutendsten Rechtskennern Frankreichs. * ' Herr Laferrierre, der Generalgouverneur von Algier, der seiner Zeit die Modification des Deeret Cremieux für „'wünschenswert“ erklärte, dürfte wahrscheinlich von seiner Stellung zurücktreten, da die Regierung fest entschlossen ist, jeden dahinzielenden Antrag zurüekzuweiseri. . : * - .. Der preussische Cultusminister hat durch besonderen Erlass die Schulbehörden angewiesen, dass kleineren jüdischen Gemeinden, welche einen jüdischen Religionislehrer für den Unterricht an paritätischen Schulen zu engagieren nicht im

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