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Die Welt · 1899-06-16 · 24 (16.6.1899) · p. None

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
24 (16.6.1899)
Date
1899-06-16
Page
None (sequence 5)
Language
German
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Di? « Wdt #---i Redaction " Erscheint jeden Freitag. ' >-♦ Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern Die viermal gespaltene Petit¬ Wien. an die Redaction oder Administration: Wien, IX., zeile 10 kr. IX., Türkenstrasse 9. Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Telephon Nr. 8805. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. ♦-- > Manuscripte nicht zurückgesendet. < >--♦ Dnyn dCYlFAlC A1 Oesterreich -Ungarn: ganzjährig 6 fl. 12 Kr., halbjährig 3 fl. — 6 Kr. Für das Ausland: Deutsch- DunUgüplClüCi lanä ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 8hg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Gt. Nr. 24 Wien, 16. Juni 1899. 3. Jahrgang Rumänisch. Von 0. Erter. Wenn in Rumänien ein neues Ministerium ans Ruder kommt, so wird ihm zur Begrüssung ein solenner Judenkrawall veranstaltet. Das ist der Brauch in dem interessanten dacischen Königreiche. Es verschlägt dabei nichts, ob das neue Ministerium ein liberales oder ein conservatives ist, denn da in Rumänien die Juden bekanntlich „Fremde“ sind, so lässt sich jedes neue Ministerium ein solches Hekatömbchen scrupellos gefallen. Die Parteistellung hat damit nichts zu schaffen. Nur damit das artige Opferfest vor Monotonie und Gleichförmigkeit bewahrt werde, kommen sinnige Nuancen in Anwendung. Es wird beispielsweise je nach der politischen Farbe der neuen Regierungsmänner der Ort gewechselt^ etwa so, dass die Liberalen einen Judenexcess in der Moldau arrangieren, wenn die Conservativen das Heft in die Hand bekommen, und die konservativen in der Wallachei, wenn die Liberalen sich des Steuers bemächtigen. Die Moldau ist nämlich die Burg der Conservativen, in der Wallachei haben die Liberalen ihr pied-ä-terre. Oder man schickt, je nachdem, bald zuerst die Studenten und dann die „Battauschi“ (Knüttelmänner) oder bald diese zuerst und jene nachher zur Attaque. Das sind so landesübliche Finessen, die ausserhalb Rumäniens kaum begriffen, geschweige gewürdigt werden, wie sie es doch gerechtermassen verdienen. Diesmal ist das conservative Ministerium Cantacuzene angetreten, und so fanden die Judenexcesse in Jassy und etlichen anderen moldauischen Orten statt. Auf dem Boden ihrer politischen Herkunft musste den neuen conservativen Männern der erste Act blutiger Unordnung angehängt werden, damit sie nicht etwa pharisäisch den Liberalen vorzuhalten vermöchten, die letzten Bukarester Judenexcesse wären der Ohnmacht der liberalen Regierung zu danken gewesen. Man verstehe den tiefen Sinn! Den liberalen Ministerien wird in Bukarest von der conservativen, den conservativen Ministerien in Jassy von der liberalen Opposition die Huldigung dargebracht; in jedem Falle wird bar gezahlt mit blutigen Judenköpfen, mit geplünderten Judengewölben, mit demolierten Synagogen u. s. w. Die Juden, die selbst politisch rechtlos sind, liefern den Preis dieser vergnüglichen Unterhaltungen, mit welchen die Parteien sich gegenseitig necken. Aus der Moldau stammen die Bojaren, die den Kern der conservativen Partei bilden; sie remitieren sich zumeist aus den alten Phanariotengeschlechtern, und halten als Grossgrundbesitzer an allem fest, was morsch und überlebt ist. Die Moldau ist etwa dem preussischen Ostelbien vergleichbar, sie ist der Sitz des rumänischen Junkerthums. Cantacuzene, der neue conservative Ministerpräsident, heisst im Lande schlechtweg der „Nabob“. Sind nun vor anderthalb Jahren dem liberalen Ministerpräsidenten Demeter Sturdza in Bukarest Judenexcesse arrangiert worden, so erforderte es die rumänische Gerechtigkeit, auch den jetzigen conservativen Ministerpräsidenten Cantacuzene in Jassy mit Judenkrawallen zu begrüssen. Es soll keine Partei vor der anderen etwas voraus haben. Und merkwürdigerweise gieng es diesmal in Jassy ganz ähnlich zu wie damals in Bukarest. Hohe Beamte nahmen an den Versammlungen theil, in welchen die Rollen vertheilt wurden; die Polizeipatrouillen und die Truppen waren nirgends, wo man sie brauchte; in einer moldauischen Stadt gab sogar bei einem öffentlichen Concerte der Gapellmeister der concertierenden Militärcapelle das Zeichen zum Beginn des Ueberfalls auf die Juden. Compliciert war diesmal die Sache auch noch durch die Neuwahlen. Die Juden sind keine Wähler, sie sind „Fremde“. Aber den kleinen wallachischen und moldauischen Wähler muss man in die erforderliche Rage versetzen, der Wähler mit 20 Lei Einkommen oder 1200 Lei fundierten Besitzes bedarf eines Anreizes, um von seinem wertvollsten politischen Rechte Gebrauch zu machen, und diesen Anreiz liefert die Raufstimmung, welche durch die Judenexcesse erzeugt wird. Da es sich nur um die Haut der Juden handelt, so wäre der Wahlminister — diesmal heisst er Take Jonescu — ein Idealist, ein Platoniker, ein Schwärmer, wenn er sich daran kehrte, wieviel jüdisches Blut vergossen, und jüdischer Besitz zerstört wird. In Rumänien gibt es nur eine einzige Alternative: Das Ministerium ist liberal und heisst Sturdza, dann verräth es das Land an Oesterreich, oder es ist conservativ und heisst Cartargi oder Cantacuzene, so verräth es das Land an Russland. Das ist die Parole im regelmässigen Wechsel. Ist aus irgendwelchen Gründen ihre Zugkraft jezuweilen verringert,

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