Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 23 (9.6.1899)
- Article
- Rasgrad
- Date
- 1899-06-09
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 „Die A Welt“ Nr. 23 einen silbernen Reisepass tragen, der so gross wie 5 Francs ist* Sonst gehts den Juden gut. Palästina. Jaffa. Gelegentlich der russischen Osterfeiertage weilte der russische Botschafter in Constantinopel, Nelidoff, in Jerusalem. Gleichzeitig lag auch ein russisches Kriegsschiff, „Kaiser Alexander IL“, unter dem Commando des Admirals Stridlow in Jaffa vor Anker. 150 Matrosen wurden ausgeschifft und zum Besuche des heiligen Grabes nach Jerusalem befördert. Gegenwärtig kreuzen vor Jaffa 7 grosse Dampfer, die zur Aufnahme von russischen Pilgern, die in ihre Heimat zurückkehren, bestimmt sind. — Eine dunkle Partei treibt gegenwärtig in Palästina ihr Intriguenspiel, um einen der verdienstvollsten Männer, die für unsere Sache im Lande gearbeitet, Dr. Hillel Joffe, aus dem Präsidium des Waad hinauszudrängen. Hoffentlich schenkt das Odessaer Comite des Ghowewe Zion dem ganzen Treiben kein Gehör und eine wertvolle Kraft bleibt dem Wohle des Landes erhalten. — Inspector Meyersohn von der Alliance israelite in Paris ist zur Inspicierung der Allianceschulen hier eingetroffen. — Die Deutschen arbeiten zur Zeit emsig daran, bei Medjdel eine neue Colonie zu gründen. Auch behufs Gründung einer neuen Ansiedlung im Hauran sieht man sie allerorts eifrig bemüht. Zwei mit ansehnlichen Mitteln ausgestattete Mitglieder einer deutschen Templercolonie in Russland sind zur Unterstützung ihrer Volksgenossen in Jaffa angelangt. T. B. Allerlei Nachrichten In Hamburg starb im Alter von 88 Jahren der bekannte Musikkritiker Eduard Hamei. Er wirkte auch 20 Jahre als Dirigent am Hamburger Reform-Tempel. * Für den verstorbenen englischen Premierminister Gladstone wählte die Pariser Akademie für politische Wissenschaft den berühmten italienischen Staatsmann Luzatto und die belgische Akademie der Wissenschaft den eben jetzt an der Haager Friedensconferenz theilnehmenden Ass er zu Mitgliedern. * Tout com me chez nous — an dieses Wort wird man unwillkürlich erinnert, wenn man den Generalversammlungsbericht des „Verbandes der Synagogen-Gemeinden Ostpreussens“ liest. Er'beklagt sich in “stellenweise bitteren Ausdrücken über die vielen Gemeindevorstände, welche „das vom Gesetzgeber in sie gesetzte Vertrauen täuschen, indem sie siclUum ihre Gemeinde gar nicht oder in ungenügendem Masse kümmern, oder ihre Macht im einseitigen Sinne missbrauchen und sich von persönlichen Anschauungen bestimmen lassen, ohne Rücksichten auf die Gesammtinteressen. * In Arad erhielt Professor A. Grün zweig anlässlich seines 40jährigen Jubiläums als Chordirector die Civilmedaille nebst einem Anerkennungsschreiben des ungarischen Minister-Präsidenten S z e 11. Der Bürgermeister bemerkte bei der Ueberreichung, dass auch die christlichen Mitbürger stolz darauf seien, indem der Decorierte der erste ist, der in Arad in dieser Weise ausgezeichnet worden. * Im Pariser Tempel der Rue de la victoire wurden am 19. Mai 132 Knaben und 179 Mädchen comf1 rmiert. * In Karlsruhe starb unlängst Medicimilrath Dr. Seeligmann, der erste Vorsitzende und Mitbegründer der „Vereinigung Badischer Israeliten“, die im Jahre 1893 zwecks „Bekämpfung der antisemitischen Hochfluth“ im Grossherzogthum Baden gegründet wurde. In Berlin starb in voriger Woche ein auf talmudischem wie auf ärztlichem Gebiete hervorragender Gelehrter, der Arzt Dr. Max Rawitzki. Er war am 4. April 1841 in Lubranik (Russ.-Polen) geboren, widmete sich ursprünglich talmudischen Studien und absolvierte in Berlin, nach Besuch des Werder’schen Gymnasiums, die Universität. Trotz einer anstrengenden Berufsthätigkeit wusste er noch Zeit zu gewinnen für eine reiche, der talmudischen Medicin zugewandte literarische Productivität, die ihm in Fachkreisen einen klangvollen Namen erwarb. Er war lange Jahre im Vorstande der „Adast-Jisroel-Gemeinde“ und deren Schule, und zeigte sich da nicht nur als Arzt des Körpers, sondern, vielleicht noch mehr, als Arzt der Seele. Erst 59 Jahre alt, erlag er einem tückischen Magenleiden. * In Pressburg ist die Aufregung über die seitens des Professors Stierling einem jüdischen Handelsakademiker gegenüber gemachte Aeusserung: „Der Jude hat kein Vaterland“, im Wachsen begriffen. Nachdem die christlichen Blätter den „Fall“ acht Tage todtgeschwiegen, sehen sie sich nunmehr doch genöfchigt, in den sauren Apfel zu heissen und Farbe zu bekennen. Eines der Blätter schliesst seine Betrachtung mit den Worten: Wir sind gespannt darauf, welche Strafe den Professor erreichen wird, welcher den Ernst und die Heiligkeit seines Berufes so sehr vergessen konnte. ❖ Im Adele Brody-Kinderspital in Budapest, erhielten im abgelaufenen Jahre 8483 Kinder ärztliche Hilfe, 34 Percent jüdische und 06 Percent anderer Confessionen. Ausserdem benutzten zahlreiche Kranke die Poliklinik. Die Zahl der im Spital verpflegten Kranken betrug 819, je zur Hälfte israelitische und nicht israelitische. Gesammtausgaben fl. 37.361, Das Spital umfasst jetzt 117 Betten. * Lernwuth — nur mit diesem Ausdruck lässt sich die Thatsache bezeichnen, von der die T. W. aus Leeds Mittheilung macht. In einer dortigen nur von jüdischen Mädchen besuchten Schule sind 577 Schülerinnen, von denen während einer 1/monatlichen Periode die Durchschnittsbesuchziffer hundert Percent beträgt, also ohne jede Absenz; für weitere 9 Monate belief sie sich auf 99 Percent und für die Testierenden 7 auf 98 Percent. Der Durchschnitt beträgt für England 8 kW Percent; für Schottland 84-3 Percent und für Wales 76*61 Percent. * Beim ersten Bekannt werden der Nachricht, dass Zangwill seine „Kinder des Ghetto“ dramatisieren wolle, gieng ein Kopfschütteln durch die Welt. Man konnte nicht begreifen, wie der berühmte Romancier den Riesenstoffseiner Erzählung in ein selbts vier- oder fünfactiges Theaterstück zusammenzudrängen vermöchte. Jetzt erfährt man, dass nur der erste Theil des Romanes für die Aufführung bestimmt ist, und zwar wird die Disqualifikation der Heirat von Reb Samuels Tochter mit David Bromdon den Mittelpunkt des Conflictes bilden. Da ausserdem verschiedene charakteristische Personen im Drama fehlen werden, befürchtet man, dass der Eindruck bedeutend abgeschwächt werde. Die zionistische Bewegung Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind an das Bureau des Zionistencongresses, Wien, IX., Türkenstrasse 9, Schekelblocks, sowie- Juxten an das Bureau des Zionistencongresses, Basel zu senden. - Das Actions-Comite. Schönlanke (Provinz Posen — Deutschland). Vor kurzem hielt hiersei bst Herr Rechtsanwalt Kantorowicz aus Berlin einen äusserst interessanten, mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Der Zionismus und sein jetziger Stand“. Auch ist hier eine verhältnismässig grosse Anzahl von Actien der Colonialbank gezeichnet worden. Kolosvär (Ungarn). Im hiesigen Zionisten-Vereine hielt der Mitredactem* der „UngarischenW ochenschrif t“ Herr Julius Gabel, einen Vortrag über die ungarische Zionistenbewegung. Seine Ausführungen machten auf die Anwesenden einen überaus starken und günstigen Eindruck. Die Schekelsammlungen gehen überaus flott vor sich. Die Zahl der gezeichneten Actien für die Colonialbank ist auch eine beträchtliche. Herr Dr. Ronai aus Baläzsfalva hielt ebendaselbst einen lehrreichen Vortrag, mit dem wir die schönsten Erfolge für unseren, schon aus 200 Mitgliedern bestehenden Verein erzielten. Das Arrangement dieser beiden excellenten Vorträge haben wir dem Herrn Paschkusz, dem Begründer unseres blühenden Vereines zu verdanken. Neue Vereine. Fokschan. Hier wurde eine zionistischeSection, betitelt: „B'nei Zion Dr. K. Lippe“, gegründet. Unsere jungen