Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 23 (9.6.1899)
- Article
- Nachklänge zu den rumänischen Judenexcessen
- Date
- 1899-06-09
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3315796-3315820-3388252--13199-3388354- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
„Die Welt“ Seite 9 Nr. 23 wie die Engländer sind, haben auch die englischen Juden im gewissen Sinne einen isolierten Zionismus, den sie — natürlich in gehörigem Contacte mit dem continentalen — auf sicheren kaufmännischen Principien und fester solider Basis grosszuziehen wünschen. Hier in England hat der erste Zusammenstoss zwischen Zionismus und jüdischen Cnltusgemeinden stattgefunden. Man geht daran, den Ausschuss der letzteren aus Zionisten zu recrutieren. Die Vinecourt-Synagogue ist allen mit gutem Beispiele vorangegangen, hier sind alle Ausschussmitglieder Zionisten. Die Zionist Federation bleibt für alle zionistischen Vereine und Angelegenheiten Englands die stabile und centrale Behörde. Interessante Vorlesungen werden von hier aus für alle Zionsvereine arrangiert, und sie sind meist sehr stark besucht. Und wie stark der Zionismus in England ist, ersieht man am besten aus der Zahl der Vereine. Sie beträgt 18, von denen einige mehr als 1000 Mitglieder haben. Für die wenigen Juden, die in England wohnen, gibt das einen schönen Percentsatz. Nachklänge zu den rumänischen Judenexcessen. Aus Jassy erhalten wir eine Reihe von Zuschriften, kleine Schilderungen, die uns wie Momentphotographien ein gutes Bild jener betrübsamen Ereignisse und Stimmungen geben möchten. Man meldet uns aus Jassy: Der hiesige Präfect, der General Jarke um Militärbesatzung angieng, erhielt eine abschlägige Antwort. Als die Manifestanten in Str. Wece, wo viele Juden wohnen, anlangten, wurden sie von dem wackeren Kapitan Wrabi aufgehalten. Hier entspann sich ein blutiger Kampf zwischen den Studenten und dem Kapitän Browi. Ein abscheuliches Individuum namens Karp schlug den Kapitän mit einem Knüttel blutig. Auch Subcommissär Pänu wurde in derselben Weise misshandelt. Der sehr humane Primär Bordero versuchte vergebens, den Studenten die Fahne mit der Aufschrift „Tod den Juden“ zu entreissen. Heute wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Die hiesigen österreichischen Unterthanen wendeten sich an den österreichischen Consul wegen einer Entschädigung. J. N. Bis spät in die Nacht wüthete die wilde Menge plündernd und verheerend. Als sie endlich in eine Synagoge einbrach und die heiligen Gerätschaften entweihen wollte, raffte sich eine geringe Judenschaar zur Gegenwehr auf. Es war ein Kampf auf Leben und Tod. Das Ende vom Liede war, dass mehrere Juden schwerverletzt ins G efängnis abgeführt wurden. Die Polizei hat nur da eingegriffen, wo der Jude sich verteidigen wollte . . . Am Tage darauf waren alle jüdischen Läden gesperrt. * * * Ein Telegramm eines hiesigen Berichterstatters an den „Adävärul“, worin ausführlich über die Excesse berichtet war, wurde auf dem Telegraphenamte nicht angenommen. Die freisinnigen Bukarester Zeitungen konnten erst auf brieflichem Wege Kunde erhalten. — Soeben fahrt an meiner Wohnung ein jüdischer Droschkenkutscher vorbei, der folgende Nachricht überbringt: Ein rumänischer Arbeiter hätte ihm einige Golduhren und -Ketten zum Kaufe an geboten. Der Kutscher meinte, er müsste zuerst einen bekannten Uhrmacher nach dem Werte derselben fragen, und so bestieg der Arbeiter den Wagen in der Meinung, dass er zu einem Uhrmacher gefahren würde, während er zu seinem Erstaunen auf die Polizei gebracht wurde. Auf die Frage, woher er diese Dinge habe, gibt er die Antwort, dass er dieselben bei den Juden geraubt habe. Dieses Geständnis wurde vorläufig mit einem „Gut gut“ beantwortet. Ob ernstere Schritte gegen dieses Piratenthum eingeleitet werden, wird die Zukunft lehren. Nach dem jüdischen Spital sind bis jetzt 5 verwundete Juden gebracht worden. x. Die jüdische Colonialhank. Vom Secretariate der Jüdischen Colonialbank erhalten wir folgende Zuschrift: Bezugnehmend auf eine Antwort im Briefkasten Ihres geschätzten Blattes von letzter Woche möchten wir zu Ihrer gefl. Information bemerken, dass Namenscertifi cate wohl übertragbar sin d, entgegen der von Ihnen ausgesprochenen Meinung, und zwar mittelst eines Cessions- Formulares, welches einer Stempelgebür nach folgendem Tarife unterliegt; Stempel-Tarif bei Besitzveränderung von Namensactien bei Emission vonl nhaberactien resp .V er vvan d lun g vo nN amensactien in Inhaberactien £ 1 M. 20— das Dreifache des neben- bis incl. stehenden Betrages £ £ 8 d Mk. £ s d Mk. 5 0 0 6 050 0 1 6 1*50 10 0 1 0 1 — 0 3 0 3*— 15 0 1 6 1*50 0 4 6 4*50 20 0 2 0 2*_ 0 6 0 O— 25 0 2 6 2*50 0 7 6 7‘50 50 0 5 0 5*— 0 15 0 15 — 75 0 7 6 7*50 1 2 6 22-50 100 0 10 0 IO — 1 10 0 BO*— J 25 0 12 6 12-50 1 17 6 37*50 150 0 15 0 15-— 2 5 0 45-— 175 0 17 6 17*50 2 12 6 52*50 200 1 0 0 20 — 3 0 0 60— 225 1 2 6 22*50 3 7 6 67-50 250 1 5 0 25 — 8 15 0 75 — 2/5 1 7 6 27*50 4 2 6 82*50 300 1 10 0 30- 4 10 0 90— 350 1 15 0 35*— 5 5 0 105 — 400 2 0 0 40— 6 0 0 120— 450 2 5 0 45-— 6 15 0 185*— 500 2 JO 0 50— 7 10 0 150*— 550 2 15 0 55*— 8 5 0 165*— 600 3 0 0 60— 9 0 0 J8<r— 650 8 5 0 65*— 9 15 0 195*— 700 8 10 0 70— JO 10 0 210 — 750 8 15 0 75-— 11 5 0 225*- 800 4 0 0 80— 12 0 0 2i0*— 850 4 5 0 85-— 12 15 0 255*— 900 4 10 0 90— 13 10 0 270*— 950 4 15 0 95*— 14 5 0 285- — 1000 5 0 0 100*— 15 0 0 300— * Das Secretariat der Jüdischen Colonial bank sendet uns folgende Aenderung der Coursnotierung zu : Rubel 9*50 £ 1 — Frcs. 2025 „ 1 — Mk. 20*50 „ P— fl. 12*10 „ 1 - Weltchronik. Der siebenarmige Leuchter. Bei den Fundamentierungsarbeiten der Cavourbrücke in der Tiber fand man den siebenarmigen Leuchter des Tempels in Jerusalem im Schlamme vergraben. Der Leuchter soll sehr gut erhalten sein, als Material ist Bronce verwendet. Er entspricht in Form und Aussehen genau dem Abbild auf dem Triumphbogen des Titus in der Nähe des Forum romannm. Mundgerecht. Ein heiterer Zwischenfall trug sich in einer der jüngsten Sitzungen des ungarischen Abgeordnetenhauses zu. Auf der Tagesordnung stancl der Gesetzentwurf