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Die Welt · 1899-06-02 · 22 (2.6.1899) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
22 (2.6.1899)
Article
Ismael (Bessarabien)
Date
1899-06-02
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 22 „Die Welt“ Seite 13 Ismael (Bessarabien). 10. Mai. Dank der aufopfernden Thätigkeit der Herren Robinsohn, Plotkin und Kat z, sowie der Predigt des orthodoxen Rabbiners Herrn R. Reicher, die er am 2. Schewuotfcage in der grossen Synagoge hielt, und worin er den Zionismus für wohl vereinbar mit der Glaubenstreue erklärte, macht die zionistische Bewegung hierorts bemerkenswerte Fortschritte. Szczerzec (Galizien). Sonntag am 11. d.M. fand hierin der grossen städtischen Synagoge eine ausserordentlich stark besuchte zionistische Volksversammlung statt, an der auch der Cultusrath in corpore theilnahm und alle Classen der Bevölkerung gut vertreten gewesen sind. Der Einberufer Herr David Chili eröffnete und begrüsste die Versammlung mit einer schwungvollen Rede, die vom Zionismus und der Pflege der jüdischen Gemeinschaft handelte. Nach dieser beifällig aufgenommenen Rede ergriff das Wort Herr philosophiae Dr. Samuel Rappaport aus Lemberg, dessen mehr als zweistündige gedankenvolle Ausführungen das grösste Interesse erregten. Es folgte hierauf die Eröffnung des neugegründeten Vereines „Zion", zu dessen Präsidenten Herr David Chili, Vicepräsidenten H. Abraham Luft und zu Schriftführern die Herren K.Klinghoffer und L. Luft gewählt wurden. In Würdigung ihrer besonderen Verdienste wurden Herr Dr. D. Neumark, Rabbiner aus Rakowitz, (ein geborener Szczerzecer) und Hr. Dr. Samuel Rappaport aus Lemberg zu Ehrenmitgliedern des Vereines ernannt. Prag, 21. Mai. Vor einigen Tagen fand hier eine socialistische Handlungsgehilfen - Versammlung mit der Tagesordnung: „Zionismus und Socialismus“ statt. Die Zionisten wurden in der üblichen Weise beschimpft und verleumdet. Es verlief also alles programmmässig. Die Majorität der Zuhörer waren arische Arbeiter, welche aber die Redner, die Herren Kral und Rudolf Kohn, viel ruhiger und anständiger, sogar mit Beifall, anhörten, als unsere jüdischen Gegner. Kolomea. Im Laufe des Subscriptionsmonates, d. i. vom 28. März bis 28. April, wurden vom „Zionistischen Bureau für Galizien" in Kolomea in folgenden Orten Volksversammlungen arrangiert, resp. beschickt: Lemberg, Krakau (Referent Löbel Taubes), Rzeszow (2Referenten Löbel Taubes und Julius Hochfeld), Kalusz, Dolina (Ref. Juda Kressei), Czortkow (Referent F. Dunajer), Brody (Referent Litman Solcher), Sniatyn (Ref. H. " Feingold, stud. jur.), Kuty (Ref. Löbel Taubes), Radautz (Ref. Löbel Taubes). Suczawa (2, Ref. Dr. S. Rosenheck und Löbel Taubes), Stryj, Brzezany, Kozowa, Lancut, Jezierna, Zboröw (Ref. Löbel Taubes) Buczacz (Ref. Dr. S. Rosenheck),Zablotow (2, Ref. Marcus Lachs, stud. jur. und Sigmund Jolles), Przemysl (Referent Julius Hochfeld), Drohobycz (Ref. Einil Silberstein), Lezajsk, Zolynia (Ref. Löbel Taubes), Pistyn (Ref. Sigmund Jolles.) Zurawno. Sonntag den 30. April 1. J. hielt der hiesige Verein „Zion" eine von hunderten Damen und Herren aller jüdischen Volksschichten besuchte Volksversammlung unter dem Vorsitze des Herrn Al. Groll ab, die von grossem Erfolge begleitet war. Die Rede hielt unser hochgeehrter Gesinnungsgenosse Dr. Dawid Malz aus Lemberg. Peczenizyn. Am 3. Mai hielt hier Herr J. H. G e 1 b a r d aus Jazlowlce im Bethause des Herrn M. Rosenkranz vor einem zahlreich erschienenen Publicum einen Vortrag über „Zionismus", in dem er die Lage der Juden in Russland, Rumänien und Galizien schilderte und nachwies, dass jeder orthodoxe Jude in erster Reihe Zionist sein müsse Seine Rede wurde mit' allgemeinem Beifall aufgenommen. Halicz. Den 23. April fand hier die zweite Generalversammlung des hiesigen Vereines „Schare Zion“ statt, bei der die Herren Dr. Jonas und jur. N. Kauer aus Stanislau über den „Zionismus und die Colonialbank" sprachen. Von den hiesigen Mitgliedern ergriffen das Wort die Herren Seliger und Fahn. Dann fanden die Neuwahlen statt: Als Präses wurde Herr Chaim Spirmann und als Vicepräses Herr W eitz gewählt. N. K. Zlöczow. Montag den 1. d. hielt im Locale des Vereines „D egel Jeschurun“ der hei uns als Gast weilende, bekannte Literat Herr Lubecki einen interessanten Vortrag über „Strömungen im Zionismus", Dienstag und Donnerstag zwei grosse Reden in der grossen Synagoge, die jedesmal von mehr als 1000 Personen besucht war. Stürmischer Applaus lohnte die Ausführungen des Redners. Vereinsnachrichten. Wien. Die Generalversammlung des Zweigvereines „Füiifhau s" des Vereines „Z i o n" fand am 25. Mai, sechs Wochen nach der constituierenden Versammlung, in Herlinge r’s Restauration, XV., Reindorfgassi Nr. 42, statt und war vom besten Erfolge begleitet. Der Obmann Herr Dr. S. Krenberger eröffnete die Versammlung mit der Begriissung der Anwesenden und besonders des Festredners, des Herrn Director Heinrich York- Steiner und der befreundeten akademischen Verbindung „Libanonia". Bei den Ergänzungswählen wurde Herr Kaufmann Friedrich Fuchs zum II. Cassier, Herr S. M. Königsberg zum Cassarevisor und Herr Dr. Heinrich Keller zum Beirathe per acclamationem gewählt. Als Schiedsrichter wurden Hof- und Gerichtsadvocat Herr Dr. Max Deutsch, die Fabrikanten Herren Leo W e i s s und Julius Baad und der Holzhändler Herr Leopold Gei ringer nominiert. Herr Samuel Mohr referierte über Statutenänderungen, und der Vorsitzende machte Mitteilung von dem Gartenfeste, welches der Zweigverein „Mariahilf- Neubau" für den 27. Mai plante, und forderte zu zahlreichem Besuche auf. Auch zur Schekelzahlung ergieng die Mahnung angesichts der Nothwendigkeit, die Schekel bis 31. Mai’einzusenden. Hierauf übernahm der Erstchargierte der „Libanonia" Herr med. stud. Otto Weich das Präsidium, und das Gaudeamus erklang aus jugendlichen Kehlen. Nachdem die letzten Töne verhallt waren, ergriff Herr Director Heinrich York-Steiner das Wort zu der gedankenvollen Festrede: „Palästina, wie es war, ist und sein soll“, die mit dem grössten Beifalle aufgenommen wurde. Der Gommers trat hierauf wieder in seine Rechte. Toaste auf die heute Zusammenwirken den Vereine und auf die Zionsidee wechselten mit Chorliedern. Dazwischen hielt das active Mitglied der „Libanonia", Herr O.Rosenberger, in der Versammlung eine formvollendete, grosse Versiertheit in der Zionsfrage verrathende und echtes jüdisches Gemüth zeigende Tendenzrede. Wien. Der jüdische Schulverein für den zehnten Gemeindebezirk Wien hat am 23. d. M. seine constituierende Generalversammlung abgehalten. Dieselbe wurde vom Einberufer Herrn J. S. Strassber g, der für die gute Sache kein Opfer scheut, mit begeisterten Worten eingeleitet. Herr S. Knöpfeima'eher schilderte in markanten Zügen die Nothwendigkeit einer Stätte zur Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur, und das Interesse, mit dem sein Referat aufgenommen wurde, lässt lur die Zukunft das beste hoffen. In den Vereinsausschuss wurden gewählt die Herren Moritz F a 11 i t s c h e k, Samuel Knöpfelmacher, Dr. Moritz Kraus, Johann L a m p 1, Salomon P i s k, Dr. Max R o s e n t h a 1, Carl Seligm a n n, Dr. Josef Steiner, Jacob S. Strassberg und David W eis s. Der Ausschuss hat sich wie folgt constituiert: Zum Obmann wurde Herr S t r a s s b e r g, zum Obmann- Stellvertreter Herr Dr. Rosenthal, zum Schriftführer Herr S.Knöpfelmacher und zum Cassier Herr Dr. Josef Steiner gewählt. Der Verein, der schon vom Beginne des nächsten Schuljahres im zehnten Bezirke eine jüdische Schule ins Leben ruft, verdient, von uns allen begrüsst und aufs wärmste unterstützt zu werden. Dolina. Welche Popularität der Zionismus in unserer Stadt gewonnen hat. bewies das im Verein „Bnei Zion" an beiden Tagen des Schewuot-Festes veranstaltete Morgengebet. (M inj an). Alle Schichten der Judenschaft: Orthodoxe, Conservative und Fortschrittliche nahmen an ihm theil, und selbst der israelitische CultusVorsteher, Herr Moses Jäkel, ein Greis, erschien, um sein Interesse für den Zionismus kundzugeben. Die zur „Thora" gerufenen Personen machten unserem Führer Herrn Dr. H e r z 1 „Mische beirach" und spendeten aus diesem Anlasse ansehnliche Geldbeträge für unseren Verein. Nachmittag veranstaltete der Verein einen Gommers, bei welchem viel über Zionismus discutiert und auf unseren Führer Herrn Dr. TI e r z 1 toastiert wurde. Unser Rabbiner Herr J. H. Entvenstein, den wir bisher als Gegner des Zionismus betrachtet hatten, bewies das Gegentheil. An den Feiertagen wurde überall, wo sich Juden versammelten, über Zionismus gesprochen und Argumente für den Zionismus aus den Schriften der Propheten und des Talmuds beigebracht. Zeitschriftenrundschau. Die in Berlin erscheinende „Israelitische Rundschau“ behandelt in mehreren Fortsetzungen eingehend die Frage, die allerorten gebieterisch Antwort erheischt: „Können und sollen wir deutsche Juden Zionisten sein?" Verfasser ist J. Scheftelowitz. Seine Antwort ist klar und bündig: „Es ist die heiligste Pflicht aller Juden, die zionistischen Bestrebungen zu unterstützen!" Aus den trefflichen Ausführungen, die ein

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