Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 22 (2.6.1899)
- Article
- Deutsche Landwirte
- Date
- 1899-06-02
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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„Die s^Welt“ Seite 9 Nr. 22 Weise gegen die deutsche landwirtschaftliche Ausstellung in Teplitz 1900 Stellung genommen und in einer Resolution gegen die Abhaltung derselben Verwahrung eingelegt. Der Bildhauer Alfred Nossig veranstaltet in der nächsten Zeit in Paris eine S on d er ausstell uug von Skulpturen, von denen viele ihren Stoff aus der jüdischen Geschichte und jüdischen Vorstellungen genommen haben. Wir finien da einen •„Ewigen Juden“, einen „Judas Makkabäus“ und den „König Salomon“, ferner ein Porträtmedaillon von Max Nordau. Die verjudete Friedensconferenz. An der gegenwärtig im Haag tagenden Friedensconferenz nehmen auch zwei Juden theil, nämlich der berühmte Jurist und Staatsrath Dr. Ascher als Delegierter Hollands und der Commereienrath R a f a 1 ovv i c z als Delegierter Russlands. Ausweisungen von Juden aus St. Petersburg. Wie russische Blätter melden,, haben die St. Petersburger Polizeibehörden neuerdings Weisungen erhalten, das Verbot des Aufenthaltes von Juden in St. Petersburg strenger zu handhaben, als dies bisher der Fall war. Daraufhin sind in den jüngsten Tagen zahlreiche jüdische Kaufleute, darunter auch ausländische Unterthanen, aus der russischen Hauptstadt ausgewiesen worden. Ahasver. Aus einer neueren Statistik ist zu ersehen, dass die Einwanderung russischer und rumänischer Juden im Hafen von New-York seit dem Jahre 1881 die riesige Zahl von 680.000 erreicht hat, mehr als 300.000 Juden sind in New-York verblieben. „Besserung“. Während die englischen Blätter von der traurigen Lage der Juden in Persien, namentlich in Schiras melden, berichtet der Director der Alliance - Schule in Teheran, dass sich deren Lage in letzter Zeit wesentlich gebessert hat. Deutschlands Antisemiten. Aus der Statistik der jüngsten deutschen Reichstagswahlen ergibt sich, dass die Antisemiten 3.67 Percent aller Stimmen erhielten; am meisten in Dresden 20.67 %, am wenigsten in Stettin 3,45. Von den grösseren Städten waren in Aachen, Düsseldorf, Nürnberg, Stuttgart und Strassburg überhaupt keine antisemitischen Stimmzettel abgegeben. Friedhofsgärtner. Um den Zöglingen der jüdischen Gärtnereischulen, die meistens auf conservativem Standpunkte stehen, in ihrem Fortkommen behilflich zu sein, ohne dass sie genöthigt wären, am Sabbath zu arbeiten, regt der deutsch-israelitische Gemeindebund deren Anstellung als F r i e d h o f s g ä r t n e r namentlich in den grösseren Gemeinden an. Der Wochenbericht des Matrikelamtes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 21. bis 27. Mai meldet 63 Geburten, 34 Trauungen und 52 Sterbefälle. Die „Lieder aus dem Ghetto“ vonRosenf eld sind nunmehr im Buchhandel erschienen und zwar in jüdisch-deutsch, aber mit deutschen Buchstaben. Die Bearbeitung ist von ProfessorLeo Wiener, der auch eine Vorrede, eineUebersetzung in englischer Prosa nebst Glossarium dazu geschrieben hat. Für Ahlwardt geht wieder der Klingelbeutel Tum. Zu seiner am 21. Mai stattgehabten silbernen Hochzeit soll ihm von seinen „Verehrern“ ein Geldgeschenk überreicht werden, als Anerkennung dafür, dass der Herr Rector aller Deutschen für die Befreiung des deutschen Vaterlandes, Amt und Ehre, Familienglück und Freiheit in die Schanze geschlagen hat. Das immune Land. In Budapest kam es vorige Woche im pharmaceutischen Hörsaale der Universität zu antisemitischen Flegeleien. Man glaubt... In D e t r o i t. Michigan, existiert ein Sonntagsgesetz, durch welches viele jüdische Geschäfte sich veranlasst sehen, ihre Läden Samstags zu schliessem weil ihnen infolge des Gesetzes gestattet ist, Sonntags geöffnet zu halten. Da viele Bauern aus der Umgebung Sonntags zur Stadt kommen, haben lediglich die jüdischen Geschäfte Nutzen davon. Man glaubt, dass sich infolgedessen viele Obristen zum Judenthume bekehren werden. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wien. Am 24. Mai fand die diesjährige Generalversammlung der israelitischen Allianz statt. Dieselbe gestaltete sich wie immer. Die Betheiligung war eine äusserst schwache und der Vorsitzende, Herr David Ritter v. Guttmann musste constatieren, dass alle Bemühungen, der Allianz einen weiteren Kreis von Mitgliedern zu verschaffen, an der Indolenz der Wiener Juden scheitere. Dr. Herzl knüpfte daran, sowie an den Rechenschaftsbericht an, um auseinanderzusetzen, dass für die Voraussetzung lind die richtige Constatierung der Thatsachen, wie sie in dem Jahresbericht der Allianz vorliegen, nur auch der richtige Schluss fehle. Das wäre der Anschluss an den Zionismus. Er begründete nun in längerer, oft von Beifall unterbrochener Rede die Bedeutung dieser Bewegung und die Art der Durchführung. Ein Mitglied interpellierte hierauf Dr. Herzl, was er unter politischem Zionismus verstehe. Auch diese Interpellation beantwortete Herr Dr. Herzl. Herr York-Steiner versuchte es nun ebenfalls darzulegen, dass der Zionismus mit den Bestrebungen der Allianz sehr gut vereinbar wäre. Der Vorsitzende verwahrte sich hierauf aufs Energischeste dagegen, dass die Allianz jemals irgend etwas gegen den Zionismus unternommen hätte und bat um Aufklärung darüber, wann ein Aehnliches seitens der Allianz geschehen wäre. Die anwesenden Zionisten nahmen diese Erklärung mit Befriedigung zur Kenntnis. Damit hat wohl der Zionismus auch in die Allianz seinen Einzug genommen, wenn auch die Allianz vorläufig sich noch nicht ihren Statuten gemäss für den Zionismus öffentlich erklärt hat. Dr. Herzl wurde auch ein Ausschussmandat angeboten, das er jedoch dankend ablehnte. Lemberg. (Der galizische Katholikentag.) Seiten ist irgendeine Conferenz mit solcher Reclame und solcher Agitation vorbereitet worden, wie der letzte Katholikentag, der am 14. Mai in Lemberg tagte. Seit längerer Zeit forderten die Einberufer durch die gesammte Presse und in zahlreichen Placaten das galizische Volk auf, an der Versammlung theilzunehmen. Es galt eine imposante Demonstration für die Sonntagsruhe in Scene zu setzen. Der eigentliche Zweck aber war, für die sogenannte „christlichsociale“ Bewegung in Galizien eine regelrechte Propaganda einzuleiten, „welche auch das Volk aus dem lethargischen Indifferentismus aufraffen sollte.“ Zu der christlich-socialen Partei gehören nun in Galizien, wenn auch nicht, officiell, so doch factisch fast alle Stände. Die meisten Anhänger jedoch hat die Partei in den intelligenten Kreisen; hierher gehören besonders die Universitäts-Professoren aller Facultäten und die Beamten aller Kategorien. Man sollte meinen, dass das Programm dieser Herren irgendeinen idealen Anstrich hat. Aber weit gefehlt! Wenn sie im allgemeinen irgendein Programm haben, so besteht dasselbe lediglich im Hetzen gegen die Juden. Natürlich unterlassen sie es niemals, bei Gelegenheiten, wo sie mit „officiellen“ Juden Zusammenkommen, sich dagegen zu verwahren, dass die christliche Religion es zuliesse, gegen die Juden offensiv aufzutreten. Sobald sie aber nicht mit den Paradejuden in Fühlung zu treten brauchen, wenden sie alles an, um das Gros der Juden aus ihren letzten Positionen zu verdrängen. Es gelang ihnen thatsächlich auch fast alle Aemter „judenrein“ zu machen und der jüdischen Kaufmannswelt in den kleinen Städten und Dörfern durch Errichtung von christlichen Kaufläden das letzte Stückchen Brot zu entreissen.