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Die Welt · 1899-05-26 · 21 (26.5.1899) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
21 (26.5.1899)
Article
Lemberg [Nachricht]
Date
1899-05-26
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. °h „Die A Welt“ Seite 13 des Vaters fortzuschreiten. Herr Rudolf Gail spendete 30.000 fl. zur Verwaltung und Einrichtung. Mit Absingung der Hymne und einem Gebete für unseren allergn’ädigsten Kaiser Franz Josef I., die Behörden und den Statthalter Grafen Pininski endete diese schöne Feier. Am Schlüsse überreichten die Verwalter die Herren (t. D u b s k i und V ogelsanger dem Sohne Herrn Rudolf Gail ein schön ausgestattetes Ehrendiplom. Für den Armenverein spendeten Herr Rudolf Gail und Herr Moritz Gail je 1000 fl. Storozynetz. Am 30. April veranstaltete unser Verein „Zion“ im Saale des Hotel „Central“ eine Schülerfeier. Der mit Reisig, Blumen, Zionsemblemen und den Bildern unserer Führer Dr. Herz 1 und Dr. Nordau gezierte Saal war von einer ansehnlichen Zahl jüdischer Frauen und Männer bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Nach der von unserem Vereinspräsidenten Herrn Ad. Lippe gehaltenen Begrüssungsrede ergriff Dr. Presser, der eigens auf unsere Einladung hin aus Czernowitz hierhergekommen war, das Wort zur Festrede. Die vorzüglichen Ausführungen fanden reichen Beifall. Die Hebraistin Frl. Betti Rosenkranz aus Sniatyn hielt in schönem Hebräisch einen Vortrag über den Zusammenhang des Zionismus mit dem „Schülerfeste“ und declamierte unter lautem Applaus des Publicums zum Schlüsse einige hebräische Gedichte. Frl. Hedw. Sch äff er besprach die Erfolge des Zionismus, die Stellung der Frau zum Zionismus und regte die Gründung eines zionistischen Frauenvereines an. Zum Schlüsse trug Herr Rubin Iv a n t o r einige zionistische Lieder vor. Der von Fräulein Hedw. Schaffer angeregte Frauen verein wird hoffentlich bald constituiert sein. Braila (Rumänien). Einer Einladung des zionistischen Frauen- und Mädchenvereines „Judith“ folgend, trug Herr Professor Josef Sussmann aus Botoschani im Saale des Eesevereines „Zion“ eine Anzahl selbstverfasster Gedichte vor. Die stimmungsvollen Dichtungen, die von nicht gewöhnlicher Begabung zeugen, fanden bei der zahlreichen Zuhörerschaft ungeteilten Beifall. Am selben Abende sprach derVortragende vor den Mitgliedern des Lesevereines „Zion“ über „das Ethische im Zionismus“. Der tiefdurchdachte Vortrag machte auf dieZuhörer einen nachhaltigen Eindruck, und Herr Sussmann wurde heim Verlassen der Tribüne allseits und in wärmster Weise beglückwünscht. Zeitschriftenrundschau. Ein zionistisches Blatt in spaniolischer Sprache wird unter dem Titel „El Progreso“ vom 1. nächsten Monats ah in Wien zu erscheinen beginnen. Es soll unsere Glaubensgenossen in den Orientländern über die zionistische Bewegung auf dem Laufenden erhalten. Herausgeber und Redacte ur des Blattes ist unser Freund Herr Moritz F. Cohen in Wien, II., WalJensteinstrasse 00, an welchen alle bezüglichen Correspondenzen zu richten sind. „El Progreso“ wird vorläufig zweimal monatlich., am 1. und 15. jeden Monats, erscheinen. Die „Jüdische Chronik“ (herausgegeben und redigiert von Rabbiner Dr. Ad. Kurrein in Teplitz) bringt an der Spitze des letzten Monatsheftes (Nr. 1 desVI. Jahrganges) das Programm des Blattes. Unter den Zielen, die sich die ..J ii d i s c h e Chroni k“ setzt, befindet sich auch die Förderung des zionistischen Gedankens. In dem von Doetor K urrein verfassten Programm heisst es: „Das Ende unseres Jahrhunderts hat Bewegung und Gährung in alle Schichten der Gesellschaft gebracht, und so sind und konnten auch die jüdischen Kreise nicht unberührt davon bleiben. Der Nationalitätsgedanke ist zur bewegenden Kraft der Menschen und Völker geworden. Viel stärker und nachdrucksvoller als jemals wird immer und überall die Nationalität betont, und je schärfer sie betont wird, je ausschliessender sie sich geltend macht, desto mehr Enttäuschungen erfahren die Juden in jenen Kreisen, deren Ideen, Bestrebungen, Lebens- und Denkweisen sie im öffentlichen Leben ohne Rückhalt als gleichberechtigt und ebenbürtig sich angeschlossen haben. Während die einen charakterlos wie alle Ueberläufer rasch in die Fluten des Christenthums tauchten und sich hinüberretteten, andere grollend in den Schmollwinkel sich zurückzogen und unthätig auf bessere Zeiten harren, hat ein grosser Theil sich auf sich selbst besonnen und die Einsicht gewonnen, dass das jüdische Volk auch eine Geschichte hat, auch eine glänzende, ruhmvolle Vergangenheit besitzt, die vor keiner aller europäischen Nationen zurückzutreten braucht, und bei keinem der modernen Völker ein nationales Anlehen zu machen genöthigt ist. Der Jude soll in erster Linie Jude sein. Das ist die grosse zionistische Bewegung am Ende unseres Jahrhunderts. Sie hat dieselbe Berechtigung wie das nationale Erwachen aller Nationalitäten, die ein oder mehrere Jahrhunderte im Scheintode schliefen und zum vollen nationalen Leben sich selbst erweckten oder erwachten. Keine Volksbewegung hat in der Judenheit in so kurzer Zeit so mächtige Wellenkreise erfasst als die zionistische. Diese todtzuschweigen oder ihr gegenüber gl eich gütig zu bleiben oder Theilnahmslosigkeit zu heucheln, wäre Unehrlichkeit und Unaufrichtigkeit den Lesern gegenüber. Die Leser müssen über diese heute unberechenbare und unübersehbare Zukunft des Judenthums und der Judenheit unterrichtet sein. Die „Jüdische Chronik“ unterzieht sich dieser Aufgabe mit der Gewissenhaftigkeit eines Chronisten. Sie kann aber nicht kalt und gleichgiltig dieser weltgeschichtlichen Bewegung gegenüber sich verhalten, wenn sie sieht, wie die Söhne des Judenthums, die ihm schon so ferne standen, die ihm mit Geist und Herzen nicht mehr angehörten, auf Zions Ruf von allen Enden der Erde sich sammelten, sich brüderlich eines Herzens und eines Sinnes zusammenfinden und sich die Losung geben : Auf nach Zion! Ein neuer Geist, ein neues Leben erwacht in der Judenheit und weist die Zukunft auf Zion hin. Der Zionismus bedeutet die Zukunft des Judenthums, das Wiedererwachen des jüdischen Geistes, die Befreiung der Juden vom mittelalterlichen Geiste und die Rückkehr zum nationalen Bewusstsein, zur Selbstkenntnis, zur Selbstschätzung, die Befreiung von der Fremdherrschaft des unjüdischen Geistes. Wie Moses am Eingang des Lagers den Ruf ertönen Hess: „Wer zu Gott steht, stehe zu mir!“ so ruft der Zionismus, so winkt die Fahne des Zionismus : „Zum Judenthum! das ist: zum Zionismus!“ Dieselbe Nummer der „Jüdischen Chronik“ bringt auch den an den Herausgeber des „Jewish Chronicle“ gerichteten Brief Zangwills über den Zionismus. Die „Krakauer jüdische Zeitung“ enthält in Nr. 3 des TI. Jahrganges unter dem Titel „Zionistische Erfolge“ eine ausgezeichnete Polemik gegen Angriffe, die ein Berliner zionistisch-antizionistisches Blättchen jüngst gegen den Zionismus gerichtet hat. Die Polemik erstreckt sich über 6 Spalten und enthält eine Fülle geistreicher Wendungen.— „Und alles um eine Kuh“. Verdient es der Berliner Herr wirklich, dass man soviel Geist an ihn verschwendet? Das nunmehr erschienene zweite Heft des fünften Bandes der hebräischen Vierteljahresschrift „Jeruscholajim“, die von dem trotz seiner Blindheit unermüdlichen, um die Palästinaforschung hochverdienten A. M. Luncz herausgegeben wird, enthält eine Anzahl ansgezeichneter wissenschaftlicher wie auch publicistischer Aufsätze. Von Interesse ist der Aufsatz über den Tempelplatz von dem deutschen Baurath Dr. C. Schick, dann über Cäsarea in der talmudischen Literatur, dann ein Aufsatz, der die Erläuterung vieler Bibel- und Talmudstellen durch orientalische Bräuche und Sitten bietet, die sich noch heute bei den Arabern erhalten haben. Ein Artikel schildert die Ankunft des deutschen Kaisers in Palästina, ein anderer weist alle Bemängelungen Bambus’ an der Statistik Mozkins als unwahr und unrichtig zurück. Wir erfahren auch, dass die englische Gesellschaft „Palästina Exploration Fund“ nunmehr mit der Ausgrabung der alten Pliilisfcäerstadt Gath beschäftigt ist, dann von der Entdeckung eines Schwefelbades bei Gerasa und der Ausgrabung einiger merkwürdiger Münzen bei Medaba. Im ganzen ist die Zeitschrift sehr interessant, im wissenschaftlichen Theile ernst, sachlich und modern. Es wäre ihr eine recht grosse Leserzahl zu wünschen, denn sie ist wirklich berufen, das Interesse für das heilige Land zu steigern und eine bessere Kenntnis desselben zu fördern. j. b. In der „Ungarischen Wochenschrift“ tritt Bernät Singer, Rabbiner in Tapolcza, für den Zionismus ein. Die Einwände, die gegen den Zionismus erhoben werden, widerlegt Doetor Singer in sachlicher, vornehmer Weise. Bücherwelt. Hat Moses Maimonides d e m K r y p t o - Mohammedanismus gehuldigt? Von Hermann Kohan. C. Boas Nachfolger, Berlin. Die Broschüre, die ein Abdruck aus der „Ungarischen Wochenschrift“ ist, gibt einen kurzen Abriss aus Maimonides Leben und ein Bild seines Charakters. Die Art wie die biographischen Daten gruppiert sind, drängt zur Verneinung der Titelfrage. Der Abhandlung, die mit zahlreichen hebräischen Noten versehen ist, ist ein alphabetisch geordneter, chronologischer Index der wichtigeren jüdischen Gelehrten aus Spanien und der Provence als Anhang beigefügt.

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