Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 21 (26.5.1899)
- Article
- Weibliche Apother im alten Testament
- Date
- 1899-05-26
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 21 „Die Welt“ Rechten des Königs die Rede ist: „Das wird des Königs Recht sein, der über Euch herrschen wird: Eure Söhne wird er nehmen zu seinen Wagen und Reitern, die vor seinem Wagen hertraben, und zu Hauptleuten über tausend und über fünfzig, und zu Ackerleuten, die ihm seinen Acker bauen, und zu Schnittern in seiner Ernte, und dass sie seinen Harnisch und was zu seinem Wagen gehört, machen. Eure Töchter aber wird er nehmen, dass sie Apothekerinnen, Köchinnen und Bäckerinnen seien.“ Es mag überraschen, die Apothekerinnen in Gesellschaft von Köchinnen und Bäckerinnen zu finden, aber diese Zusammenstellung ist nicht so ganz ungewöhnlich. In Urschriften früherer Jahrhunderte, auch in Satzungen der Berliner Kaufmannsgilde, wurde damals der Apotheker mit den Conditoren und „Italienern“ zusammen genannt. Ehrung. Zahlreiche in den Hirsch-(Kolonien ansässige Colonisten beschlossen, dass alle im Laufe des Jahres zur Welt kommenden Mädchen den Namen der verstorbenen Baronin Hirsch erhalten sollen. Ein Memorandum an den Friedenscongress. Dr. J. M. Wise in Cincinnati hat kürzlich in Vorschlag gebracht, es möge dem in diesem Augenblicke im H a a g tagenden F r i e denscongress ein Memorandum bezüglich der Lage der Juden in den verschiedenen Ländern überreicht werden, um den Congress zu einer Intervention in der Judenfrage anzuregen. Die Vaterlandslosen. Die „Ung. Wochenschrift“ schreibt: „Die Juden haben kein Vaterland!“ — Das ist der Ausspruch des an der königl. ung. Handelsakademie zu Pressburg tradierenden Herrn Professors Stierling. Wie uns nämlich von dort geschrieben wird, hat dieser Professor vorige Woche einem jüdischen Schüler, der anstatt „Magyar orszäg“ (Ungarn) „hazänk“ (unser Vaterland) sagte, vor der ganzen Classe zugerufen: „Reden Sie doch nicht so buntes Zeug, die Juden haben kein Vaterland!“ Von diesem Vorfälle, der sowohl im städtischen Schulstuhle als auch beim Vorstande der Pressburger israelitischen Religionsgemeinde zur Sprache kam, wurde dem Unterichtsministerium Anzeige erstattet. Ein verweigertes Denkmal. Drumont hat bei der Pariser Stadtverwaltung beantragt, man möge seinem verstorbenen Preunde, dem Marquis von Mores, ein Denkmal setzen. Der Antrag wurde abgelehnt. Legate. In Amsterdam starb der sehr angesehene Philanthrop Dr. da Costa Gomez de la Penha. Er hinterliess 30.500 fl. verschiedenen jüdischen Instituten, 10.000 fl. der portugiesischen Synagoge und 10.000 fl. den Armen der deutsch-israelitischen Gemeinde. Ein Duell auf Degen fand jüngst in Paris zwischen einer „Grösse“ der studentischen antisemitischen Jugend und einem jüdischen Studenten der Rechte namens Wertheimer statt. Beim dritten Gange wurde der „Arier“ von seinem Gegner am rechten Arme schwer verwundet und der Kampf damit für beendet erklärt. In Jerusalem wurde Rabbiner Bechor-Aron Alharif zum Chacham-baschi gewählt. Costüme nach der „Natur“. Auf Veranlassung Zangwills werden für die Aufführung der „Kinder des Ghetto“ Costüme nach den Mustern des Londoner Ghettos angefertigt; zu diesem Zwecke haben Zeichner anlässlich des letzten Osterfestes eigene Studien in London gemacht. Auch für „Interieurs“ dient das Londoner Ghetto als Muster. Die Juden des New-Yorker Ghettos sind darob neidisch. Das Drama soll, wie man hört, unter dem Namen „Die Juden“ in Scene gehen. Stöcker redivlvus? Während im deutschen Reichstage Herr Kar.dorff und der frühere Hofprediger Stöcker sich auseinandersetzen, und letzterer einen schon lange nicht von ihm gehörten „hohen Ton“ von sich gibt, über den sein früherer Freund sich ereifert, wittern die Stöcker nahe- Seite 9 stehenden Blätter in ihm den „kommenden Mann“. Sie tragen eine grosse Zuversicht zur Schau und sehen ihn schon wieder in Gnaden aufgenommen. Die Mormonenstadt Salt-Lacke-City scheint, nachdem sie von den Mormonen verlassen ist, auf die Juden eine besondere Anziehungskraft auszuüben. In kurzer Zeit wird dort schon diezweite jüdische Gemeinde gegründet, diesmal eine orthodoxe. Die russisch - jüdische Zeitschrift „W oscho d“ wurde dieser Tage für den Preis von 35.000 Rubeln an eine Gesellschaft verkauft. Die Leitung des Blattes übernimmt M. Kulischer. „Jud Süss.“ In Stuttgart wird demnächst ein interessantes Haus vom Erdboden verschwinden. Es ist das an der Ecke Friedrichsstrasse und Schlossplatz gelegene langgestreckte Gebäude, in welchem unter Herzog Carl Alexandar der allmächtigeFinanzdirector Süss wohnte; er ist als „Jud Süss“ aus der Ha uff sehen Erzählung bekannt. Die Verschwörung im Tempel. In Moskau hatte ein Gerichtsbeamter Juden beschuldigt, dass sie sich Samstags in ihren Synagogen während der Geschäftsstunden einfinden, um auf Veranlassung des Rabbiners falsche Zeugenaussagen zur gegenseitigen Unterstützung vorzubereiten. Hingegen remonstrierte der Vertheidiger in sehr kräftiger Weise und erzielte ein freisprechendes Urtheil. Die dagegen erhobene Beschwerde hat der Senat verworfen, indem er sich der Anschauung des Verfcheidigers, dass der Tempel kein „Verschwörungssaal“ sei, anschloss. Ein Dreyfusgegner, der den Excapitän in Odessa ersäufen will. In einem Pferdebahnwagen in Odessa sass kürzlich ein Mann namens D ombrowsky in die Lectüre einer Zeitung vertieft. Neben ihm sass sein Freund, der Thierarzt O r low s ky. Nach einer kleinen Weile legte Dombrowsky das Zeitungsblatt beiseite und knüpfte mit Orlowsky ein Gespräch über die Dreyfusaffaire an. Dieser bemerkte spöttisch: „Das Syndicat möchte Dreyfus von der Teufelsinsel nach Frankreich bringen, um ihn — zum Präsidenten der Republik zu machen. Hätte ich in Frankreich das Heft in Händen, ich würde diesen elenden Juden einfach ersäufen lassen.“ Der Jude Fürstender g, der diese Aeusserungen an hörte, rief dem Orlowsky empört zu : „Sie sollten sich als gebildeter Mann schämen, derartige thörichte Reden zu führen.“ Daraufhin gerieth der wackere Russe ganz aus dem Häuschen und führ Fürstend erg wüthend an: „Schweig’, Saujud’, oder Du kriegst eine Ohrfeige, dass Dir die Ohren gellen.“ Fürstenberg strengte die Ehrenbeleidigungsklage an. Die Angelegenheit kam kürzlich vor dem Friedensrichter des VI. Bezirkes in Odessa zum Austrage. Die einvernommenen Zeugen bestätigten den von Fürstenberg geschilderten Sachverhalt, mit Ausnahme eines einzigen, der gehört haben will, wie Fürstenberg zu Orlowsky sagte: „Sie müssen sich erst den Mund waschen, ehe Sie Dreyfus’ Namen erwähnen.“ Orlowsky rechtfertigte sich vor dem Richter, indem er behauptete, es sei nicht seine Absicht gewesen, Fürstenberg zu beleidigen und er habe niemals daran gedacht, Dreyfus zu ersäufen. Der Richter erkannte auf schuldig und verurtheilte Orlowsky zu einer Geldstrafe von 25 Rubel, im Nichteinbringungsfalle zu fünf Tagen Arrest. Der Wochenbericht des Matrikelamtes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 14. bis 20 Mai meldet 60 Geburten, 5 Trauungen, 29 Sterbefälle. Die älteste Synagoge Berlins ist die sogenannte „Bischitz- Schul“ gewesen. Sie wurde anfangs des 17. Jahrhunderts von Juden, die aus dem böhmischen Städtchen Bischitz vertrieben waren, gegründet. Die Nachkommen jener Flüchtlinge nannten sich „Beschitz“. Antisemitismus in Amerika« Ein Jude, namens Shocket. beabsichtigte, in Shelter Island einen Fruchtladen zu eröffnen und mietete zu diesem Zwecke das Haus eines gewissen