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Die Welt · 1899-05-26 · 21 (26.5.1899) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
21 (26.5.1899)
Article
Die jüdische Colonialbank
Date
1899-05-26
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 21 „Die Welt4* Seite 7 englischen Actiengesetze fast wörtlich aufgenommen werden, obgleich sie nicht immer dem Zwecke der Bank entsprachen und zum Theile dem grossen Publicum nicht recht verständlich waren. Man behielt sich jedoch vor, bei der ersten Generalversammlung eine Revision des Statutes vorzunehmen. Um die bezüglichen Wünsche und Anträge rechtzeitig kennen zu lernen, zu prüfen und in ein System zu bringen, werden die Gesinnungsgenossen ersucht, Anträge auf Aenderung oder Ergänzung des Bankstatutes Herrn Dr. 0. K o k e s c h, Hof- und Gerichtsadvocaten in Wien, schriftlich bekannt zu geben. Herr Dr. Kokesch wird sohin bei der Generalversammlung hierüber referieren und die geeigneten Anträge stellen. Selbstverständlich bleibt es den Actionären unbenommen, ihre Anträge direct bei der Bank anzumelden und dieselben in der Generalversammlung persönlich zu begründen. Das Actionscomite. Es dürfte interessieren, wie sich dieser oder jener Ort an der Actienzeichnung betheiligt hat. Nachträglich werden uns noch folgende Details gemeldet : Einzelheiten. Charkoff. Bei uns wurden bis 7. Mai von circa 600 Personen 2300 Shares gezeichnet. Jos. Pokrotta. Teplitz-Schönau. Durch Intervention des Rabbiners Herrn Dr. Kurrein wurden bis 8. Mai 30, und durch meine Intervention 61 Shares gezeichnet. Ernst Bechert. Louisville. Dank der Agitation des Präsidenten unseres Zionsvereines, Herrn Rabbiner Salomon S c h e i n f e 1 d, wurden hier 250 Shares gezeichnet. N. L ü b c h s i t z Secretär des „Mebhasereth-Zioir\ Piatra. Wir haben bis 1./13. d. M. 1402 Actien aufgenommen. B. Samsony. Kozowa. Durch die rastlose Thätigkeit des Cultusvorstandes Herrn K urzrok wurden in unserem kleinen Städtchen bis zum 28. April 98 Actien gezeichnet. J. F. Libau. Bis 26. Apr. 1000 Actienzeichnungen mit 20%lger Anzahlung nach London abgeschickt. Subscribenten circa 500. M. H o s i v s k y. Folticeny. 500 Actien sind gezeichnet worden. M. G r a b s t e i n. Kelcse-Zemplen. Hiermit benachrichtige ich Sie, dass in dem kleinen Gebirgsorte Kelcse-Zemplen, in dem kaum 3 jüdische Familien wohnen, 5 Actien gezeichnet wurden. E. Lutwak. Sereth. In unserem Städtchen wurde durch die rege Agitation unseres Herrn Dr. Brukenüorf 32 Shares gezeichnet. Samuel Rappaport. Bohorodsczany. Dank der regen Agitation der Herren H. Rapoport und B. Raucher, wurden auch in unserem kleinen Orte 50 Shares vertheilt. Verein „Ezrath Israeli Sobozkin bei Grodho (Gouv. Sonvalky). Hier sind!93 Actien verkauft worden. Das Städtchen zählt knapp 300 Familien. Jacob M a r e i n. Zabie. Dank der Agitation der Herren Isr. D r i m m e r und Z. Schächter gelang es uns, bis 9. Mai 27 Shares zu sammeln. Wir agitieren weiter. L. S p o 11 h e i m. Kairo. Durch Vermittlung des Vereines „Bar-Kochba“ wurden hier bis zum 28. April d. J. 501 Actien der Jüdischen Colonialbank subscribiert. Die entfallenden 20% hat der Gefertigte an die Centralstelle nach London gesandt. M. Herdan Präs, der „Bar-Koheba“. Mlawa. Bisher 184 Actien gezeichnet. T. Alter. Kaschau.Es gelang mir bis 17.Mai 86 Actien der Jüdischen Colonialbank aufzubringen, und habe begründete Aussicht, bis zum Schlüsse der Snbscription eine weit grössere Anzahl zusammenzubringen. Das Geld sandten wir theils an das Bankhaus Brecher, Wien, theils direct nach London. Hermann S p i e 1 b erge r. Bendsin (Russisch-Polen). In unserer Gegend wurde bis 17.Mai subscribiert: 730 Stück Shares in Bendsin,300 Stück Shares in Sosnovice, 100 Stück Shares in Dombrova. Jacob Stattler. Eupatoria Taurien. Dank der regen Agitation der Herren Dr. Michelsohn, H. Malkin und Ch. Werschzakowsky wurden hier 500 Shares gezeichnet und 20% angezahit, welche sammt den Subscriptionslisten nach London abgesendet sind. Cantor Naehum Resnikoff. Warschau. Die Zahl der bei uns gezeichneten Actien beträgt etwas mehr als 10.000. Herr Elias Koppelmann aus No wo-Alexandrien hat auf Anregung des Herrn W. Glaskin, Mitinhabers des „Karmel“, allein 500 Actien gezeichnet. M. Feldstein. Rymanöw. Bei uns wurden bis zum 28. April 70 Shares gezeichnet und eingezahlt. Besonders nehmen wir die Verlängerung der Subscriptionsdauer mit wahrer Freude entgegen, und wir hohen noch schöne Resultate in der Subscription erlangen zu können. J. Wolf jun. Der Zionismus im Urtheile hervorragender Zeitgenossen. (II.) Die Antwort des bekannten deutschen Schriftstellers und demokratischen Politikers M. G. Conrad: Die positiven Bemühungen der Zionisten um die Gründung eines eigenen Volkssitzes in Palästina sind unter allen Umständen eines der interessantesten Experimente unserer Zeit. Das Aufbauen eines reinjüdischen Staates im „Heiligen Lande“, um das sich Christen und Türken und wiederum die christlichen Specialconfessionen unter sich so oft die Köpfe blutig geschlagen, kann nur in dem Masse gelingen, in welchem die christliche Tradition, soweit sie nicht allein im Bibelglauben lebendig und an Palästina geknüpft, sondern kirchenmässig befestigt ist, an Stärke und Einfluss verliert. Ein selbstherrliches Judenreich in Palästina ist nicht gut denkbar, solange es noch eine geschlossene christliche Orthodoxie und insonderheit einen universalen Papst-Chauvinismus gibt. Der Sieg des Zionismus könnte erst mit der Vernichtung des Christianismus in seiner überlieferten Form und all seinen historischen Begleiterscheinungen inner- und ausserhalb Palästinas vollendet sein. Ein staatlich herrschendes orthodoxes Judenthum in Palästina würde sich kaum mit den ausgedehnten christlichen Niederlassungen in Jerusalem und den übrigen „heiligen Orten“ und den damit zusammenhängenden Protectionsansprüchen europäischer Reiche auf die Dauer vertragen. Vermöchte der Zionismus tliatsächlich zu staatenbildender und in einem reinen Judenreiche unumschränkte Herrschaft übender Volkspotenz aufzusteigen, so würde dadurch der Assimilierungsprocess der semitischen Rasseangehörigen mit den „Gastvölkern“, deren Culturleben und Culturideale sie seither getheilt, zweifellos eine starke Hemmung erfahren. Im Zionismus ringt ein wesentlich religiöses und reactionäres Element um Einfluss auf die Volkscultur und widerspricht deren modernen /Aspirationen mit voller Schärfe. Die Kraft dieses Elementes ist heute nicht abzuschätzen. Daher ist auch die besondere Art und Stärke des Einflusses des zionistischen Nationalismus auf das moderne Cu Ihn leben im allgemeinen, auf Kunst, Dichtung und Wissenschaft im besonderen, zur Zeit nicht zu übersehen. Erst wenn der Zionismus aus dem Stadium eines Experimentes fm de siede zu positiver staatlicher Formgebung mit lebenskräftigen Organen fortgeschritten ist und nationale Plastik gewonnen hat, lässt sich mit einiger Sicherheit über die in Frage II aufgestellten Punkte reden. *) S. Nr. 20 der „Welt“.

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