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Die Welt · 1899-05-26 · 21 (26.5.1899) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
21 (26.5.1899)
Article
Der dritte Congress
Date
1899-05-26
Page
5 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 21 „Die Welt“ Seite s Der dritte Congress. Die Einberufung des Congresses auf den 15. August macht es allen Ortsgruppen zur Pflicht, rasch und energisch an die nothwendigen Vorarbeiten zu gehen* Vom Congressbureau wird den Ortsgruppen und Vertrauensmännern rechtzeitig eine Instruction für die Durchführung der Delegierten wählen zugeschickt werden. Schon jetzt empfiehlt es sich für die Zionisten, die ein Mandat für den Congress wünschen, sich darum zu bekümmern. Inhaber von Schekelblocks haben die Schekelgelder nach Wien und die Mitglieder Verzeichnisse bezw. die Juxten der Schekelquittungen spätestens am 31.Mai 1899 andasCongressbureau nach Basel einzusenden. An diesem Tage werden die Schekellisten für den diesjährigen Congress geschlossen. Später einlangende Listen werden nicht mehr berücksichtigt. * Das Congressbureau in Basel legt die Listen in Druck und versendet sie an die Blocksinhaber zur Vertheil ung an die legitimierten Schekelzahler. Bis 30. Juni werden Reclamationen gegen etwaige Auslassungen, unrichtige Eintragungen u. s. w. entgegengenommen. Die Delegiertenwahlen müssen bis 15. Juli vollzogen sein, und das Resultat derselben unter Anschluss der vom Wahlbureau beglaubigten Wahlprotokolle dem Congressbureau nach Basel in der ersten Augustwoche bekannt ge geben werden. * Die Delegierten brauchen nicht aus der Mitte der zu wählenden Schekel gruppe gewählt zu werden. * Das Congressbureau versendet Nr. II der zionistischen Mittheilungen. In Bezug auf die Delegiertenwahlen zum Congress heisst es : „Zur Wahl für den dritten Congress wurden Durchführungsbestimmungen getroffen, um das Princip des ersten Baseler Congresses zur vollen Geltung zu bringen. Demgemäss gelten die Normen nach wie vor: Jeder Schekelzahler, der bis 31. Mai 1899 seinen Schekel entrichtet hat, besitzt das active und passive Wahlrecht. Hundert Schekelzahler wählen einen Delegierten. Finden sich in einer Ortsgruppe keine hundert Schekelzahler, so wird diese mit der nächstgelegenen Gruppe oder den nächsten Gruppen vereinigt. Nur die vom Congressbureau ausgegebenen und von den Wählern auszufüllenden Wahlzettel haben Giltigkeit/4 Die Woche. Wien, 24. Mai 1899. Ein praktischer Mensch thut heutzutage in Oesterreich am vernünftigsten, wenn er als unverbesserlicher Schwachkopf auf die Welt kommt. Auf den Gesichtern eines Ehepaares, dem Fortuna einen kleinen strampelnden Cretin in die Wiege legt, muss sich fortan Dankbarkeit und reinstes Elternglück spiegeln. Und sicherlich kann man einem Freunde, mit dem man es aufrichtig gut meint, zum neuen Jahre nichts Nützlicheres wünschen, als dass ihm im Laufe der kommenden zwölf Monde während eines Rundganges durch die Stadt aus irgend einem vierten Stockwerke eine Blume sammt Blumentopf auf den Kopf fallen und ihn zum geistigen Krüppel schlagen möge. Denn für den Hafer der Schwachköpfe ist ein Blütezeitalter sondergleichen angebrochen, wie aus eine)' Reichsraths wähl, die jüngst in Weisskirchen stattfand, klar ersichtlich ist. Dort standen zwei Candidaten vor der hochgeehrten Wählerschaft und bettelten um Einlass in das Pförtchen, das von Weisskirchen aus in das wohnliche Wiener Reichsrathsgebäude führt. Die hochverehrte Wählerschaft mass die zwei Bittsteller nachdenklich von oben bis unten, und vereinigte dann die Majorität der Stimmen auf denjenigen von den beiden Herren, der ganz ohne sein Verschulden und Vorwissen im lebenslänglichen Besitze der einfältigeren Physiognomie zu sein schien. Und die hochansehnliche Wählerschaft scheute sich auch gar nicht, dieses für die Wahlentscheidung ausschlaggebende Moment kräftig hervorzuheben und ausdrücklich zu betonen, dass sich der Erkorene nur deshalb die Herzen weiterer Kreise wie im Sturm erobert habe, weil er seinen candidierenclen Nebenbuhler an Schwachköpfigkeit merklich zu überragen scheine. Durch diese seine Geistesanlage habe er sich, obwohl er ein prononcierter Germane sei, sogar die Sympathien und die Stimmzettel prononcierter Czechen erworben. Als Ausdruck der feierlichen Weisskireh ener Wahlstimmung möge folgende Aeusserung der „Lidove Noviny" hier Platz finden. Das czechische Blatt schreibt; „Im Nationalismus steht der eine dem anderen nicht nach, und der Unterschied ist nur der, dass Dr. Plachky ein geriebener Deutscher und Dr. Fochler (der Gewählte) ein dummer Deutscher ist, dass Dr. Plachky das Deutschthum im Reichsrathe stärken würde, während es Dr. Fochler compromittieren wird.“ * * * Die ganze ergötzliche Komödie unseres modernen Parlamentarismus tritt in dem Weisskirchner Exempel leuchtend ans Tageslicht. Die Volksvertretung soll — so berichtet eine schöne landläufige Fabel — in der Gesetzgebung und Staatsverwaltung* alles zu Nutz und Frommen der braven Landeskinder regeln. Das soll der Hauptzweck des Vertretungskörpers sein. Was thun nun die klugen Land eskinder? Sie suchen sich einenVertreter heraus, von dem sie mit Sicherheit annehmen, dass er „dumm" sei, und schicken ihn ins Parlament, damit er dort für ihr Wohl und Wehe sorge. Und zwar nehmen sie keineswegs den ersten besten „Dummen", der ihnen über den Weg läuft; o nein, sie gehen sehr vorsichtig zu Werke, sie brauchen einen auserlesenen „Dummen", sie fahnden nach ihm im ganzen Reiche, unter vielen hunderten erkiesen sie den kostbaren Schatz, sie laufen in Wählerversammlungen und überzeugen sich schmunzelnd mit eigenen Ohren, dass die Dinge, die ihr Mann zusammenredet, echte, wirkliche „Dummheiten" sind, und wenn der Gegencandidat, der so dumm ist, nicht so dumm zu sein, es wagt, die Rednerbühne zu besteigen und vernünftigere Dinge zu sprechen, so verhöhnen sie ihn und weisen ihm in einer erbitterten Replik nach, dass er zwar für einen Beruf, der eine angestrengte Kopfarbeit erheische, sehr gut geeignet sei; dass er aber nie und nimmer den Anforderungen, die das Abgeordnetenmetier an geistige Mängel stelle, gewachsen sein werde. Nachdem sich also die Wähler durch längeres Ueberlegen und Vergleichen die unerschütterliche Ueberzeugung verschafft haben, dass ihr zukünftiger Vertreter zweifelsohne die ausgesprochene Fähigkeit besitze, ihr bürgerliches Wohlergehen durch öffentliche Minierarbeit in die Luft zu sprengen, drücken sie ihm freudig die Zündschnur und die Sprengkapseln in die Hand, und geben ihm, damit er sich nicht, ein armer Ausgebeuteter, ohne jede Entlohnung mit der Schädigung seiner Wähler abplage, einen Taglohn von 10 fl. Einen Landwirt, der die Maulwürfe, Raupen, Engerlinge etc. auf seinen Feldern hegt und pflegt, damit sie sich unbehindert ihrem Z er stör ungs werke widmen können, würde man in die Zwangsjacke stecken. Einige hundert Männer, die einen Abgeordneten wählen, weil sie ihn für „dumm" halten, lässt man in unseren modernen Staaten frei herumlaufen. * * * Die Weisskirchner Wahl hat aber noch eine recht amüsante Seite: Die Wähler, die einem Manne die Stimme geben, erklären durch diese symbolische Handlung, dass sie sich mit dem Manne ihrer Wahl identifieieren. In dem

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