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Die Welt · 1899-05-26 · 21 (26.5.1899) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
21 (26.5.1899)
Date
1899-05-26
Page
None (sequence 5)
Language
German
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O---i Redaction * Erscheint jeden Freitag. ' ►-----♦ Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern Die viermal gespaltene Petit¬ Wien an die Redaction oder Administration: Wien, IX., zeile 10 kr. IX., Türkenstrasse 9. Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Telephon Nr. 8805. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. n---< > Manuscripte nicht zurückgesendet. 4 ►—-♦ Rß71lrfQnrßicß■ Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 6 fl. — 12 Kr., halbjährig 3 fl. — 6 Kr. Für das Ausland: Deutsch- DGZiUgupiUuDi land ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 8hg., halbjährig 7 8hg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Ct. Nr. 21 Wien, 26. Mai 1899. 3. Jahrgang CP*“- Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements ablaufi, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunrhmen, damit in der Zustellung des Blattes Keine Unterbrechung rinirrte. Abonnenten, welche in Bäder reisen oder sonstwie ihren Aufenthalt verändern, wollen dies rechtzeitig der Administration bekanntgeben. Die Administration. Nach dem Haag! Von Bertha v. Suttner. Wien, 14. Mai. Meine Koffer sind gepackt, morgen geht es nach dem Orte, wo „der Frieden geboren“ werden soll. Ultimus ante omnes de parta pace triumphu s, heisst es auf der Inschrift im Oraniensaal. Dieser Spruch drückt deutlich aus, was der Einberufer der Conferenz im Sinne hat, und was die Völker von dieser zu hoffen und zu fordern hätten: — dass etwas geboren werde, was bis jetzt noch nie und nirgends zu finden war, der gesicherte Friede als Normal- und Legalzustand; nicht Phrasen und Hymnen soll es da geben für den altbekannten abgehetzten, seit Noahs, Zeiten sattsam gepriesenen Interimsfrieden — der, w‘e der gewohnte Stossseufzer lautet, „noch recht lange erhalten bleiben möge“. Nein, an der Erhaltung des bestehenden Waffenstillstandes — der da auch fälschlich Frieden genannt wird — ist die Conferenz nicht berufen zu arbeiten — ein Neues soll zur Welt kommen und ein Neues, das „des höchsten Ruhmes wert ist“. Dass dies geschehe, wagt die kleingläubige Mitwelt gar nicht zu hoffen, und viele der Einberufer werden gar nickt versuchen, daran zu arbeiten, weil auch ihnen der Glaube, manchen auch der Wunsch fehlt — aber das Ziel ist mit dem Satze verkündet, und für dessen Erreichung werden sich die Streiter linden. Aus der Conferenz wird ein Neues, Weltumwälzendes hervorgehen — dieser Glaube beseelt mich durch und durch. Nichts Fertiges und Ausgedehntes braucht es zu sein — Neugeborenes ist immer klein und dennoch wird es ein Grosses — Wunderbares. Von wunderbaren Wandlungen ist ja die gegenwärtige Zeit auf allen Gebieten voll. Und Wandlungen sind es in der Richtung der immer grösseren Glücksmöglichkeiten. In gehobener, freudenerregter Stimmung treffe ich die Anstalten zur Abreise — nur noch ein Blick in die heutige Zeitung. Was gibts Neues aus dem Landtage? Ein Priester, spricht (ein Priester der Religion der Liebe und des Friedens, der wird ja zu meiner Stimmung passen), Pater Scheicher: „Die Wiener Universität war eine katholische Stiftung, und wir werden einfach verlangen, dass von dem, was katholische Gelder geschaffen, kein Jude Antheil haben dürfe. Wir müssen also verlangen, dass kein Juden mehr die Universität betritt, dasselbe gilt auch von anderen Institutionen, wie Spitäler etc. Die Regierung erlaube nicht, dass Juden von Christen erbaute Häuser bewohnen. Von jetzt an sei der Krieg zwischen Juden und uns,der erklärt ist, geführt, wie ihn das deutsche Volk in seiner tiefsten Erniedrigung gegen Frankreich und den Corsen geführt hat, so lange, bis — wie einst — der Corse draussen und Deutschland wieder frei war“ ... Ich weiss wohl, welche Betrachtung da naheliegt. Wenige würden sich enthalten, mir zu sagen: Na, sehen Sie, was soll denn der internationale Friede für Chancen haben, wenn im Innern der Länder solche Kriegserklärungen fallen? Das muss doch entmuthigen P Entrüsten, empören ja, aber entmuthigen — nein. Eben weil die Welt noch auf Krieg gestellt ist, obgleich die erreichte technische und moralische Gultur schon über diesen Zustand hinausgewachsen ist, eben deshalb ist die vorgeschlagene Wandlung, sie auf das Recht zu stellen, so dringend geworden, eben deshalb kann man auf energischeres Lossteuern rechnen, weil zum Ziele nicht mehr allein der Wunsch, sondern die Nothwendigkeit hinweist. Nationaler Fanatismus, Völkerhass, Verfolgungs¬ und Verjagungswuth: das sind alles die Elemente des Krieges. Weil nun diese Dinge sich heute so aufdringlich hervorthun, sich auf die Tribünen der Volksvertretungen wägen, ohne kraftvoller Zurückweisung zu begegnen, glauben manche schliessen zu müssen, dass die der Haager Conferenz gestellte Aufgabe unerfüllbar sei. Umgekehrt aber könnte man schliessen, dass die Principien des Friedens, der Gerechtigkeit und der internationalen Solidarität, die jetzt eine so hohe, von allen Staaten sanctionierte Tribüne gefunden haben, und daher leicht zur Schaffung einer gesetzlichen Friedensinstitution gelangen können, auch leicht und schnell jene Kriegselemente aus der Welt schaffen werden.

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