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Die Welt · 1899-05-19 · 20 (19.5.1899) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
20 (19.5.1899)
Article
Floridsdorf
Date
1899-05-19
Page
14 (sequence 1)
Language
German
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„Die Welt** Seite' 1'4 Nr. 20 r' F or dsdorf. Samstag, den IX d. M. fand in Floridsdorf die erste zionistische, von der „Ivria“ veranstaltete .Versammlung statt, welche von 250 Personen besucht war. Herr Dr. Felix Rosenfeld eröffnete die Versammlung, worauf Herr Cultusvorstand Dr. König zum Vorsitzenden und Herr Wald zum Schriftführer gewählt wurden. An das mit stürmischem Beifalle aufgenommene Referat des Herrn Dr. Schallt, schloss sich eine lebhafte Debatte, an der sich Dr. Rosenfeld, Dr. Schallt und von socialdemokraüscher Seite die Herren Pragah und Schlinger betheiligten. Die letzteren, welche ihre „arischen Genossen“ von Nachod, Boryslaw und Witkowitz in Schutz nehmen zu müssen glaubten, wurden durch einen studentischen Redner, welcher die Vorgänge in Nachod und Boryslaw einer sachlichen und eingehenden Besprechung unterzog, ad absurdum geführt. Der Erfolg dieser ersten zionistischen Versammlung war ein glänzender. Die Gründung einer Ortsgruppe, die über eine stattliche Mitgliederanzahl verfügen wird, ist der beste Beweis hierfür. Brünn. (J ü d iseli-a k a demische V e r b i n d u n g „Veritas“. Das Ergebnis der am 15. d M. stattgehabten 01 iargiertenwählen ist folgendes : Erstchargierter : stud. ehern. Moritz K ü rschiie r, 2 weit chargierter : stud. mech. Rudolf Geisel, Drittchargierter: stud. ehern. Eeopold Basch. Jarosiau. In der am 10. d. M. stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung wurden folgende Mitglieder des Vereines „Bnej Zion“ zu Ausschussmitgliedern gewählt: Die Herren Dr. B 1 u m e nie 1 d, Vorsitzender; Dr. Heldin a n n, Vorsitzender-Stellvertreter; W. S t r a m e r, Cassier; Heinrich S u m p f, Schriftführer deutscher Sprache; Saul S i e i n hell, Schriftführer hebräischer Sprache; David K o r m a n n, Israel Schusheim, B. W einber g, I. G a s c h g e, Salamon Mund e 1 b e r g, Jacob G o lds c h m i d t, Isak Abend jun., H. M. L i o n, M. Rapapo r t. Czernowitz. (Akademischer Verein „Z e p h i r a“.) Bei der letzten Plenarversammlung wurde der akad. Verein „Zephira“ in eine akad. Verbindung, mit den Farben b 1 a u - w e i s s - g o 1 d umgewandelt. Gewählt wurden stud. pliil. Josef Tennen häuser, Präses, stud. iur.. Max D i a in a n t, Vicepräses, stud. iur. Moses Bar d a c h, Schriftführer. Czernowitz. Die hier anwesenden Mitglieder der Wiener Verbindung Mac c ab ä a“ veranstalteten am 8. April in der Turnhalle einen Festcommers, dem fast die gesammte jüdisclie Bürgerschaft beiwohnte. Die Festrede, die ungemeinen Beifall fand, und in der das Wesen des Zionismus und die Gründung der jüdischen Colonialbank besprochen wurden, hielt stud. ing. Liquornik. Nachdem stud. ing. Fuhrm ann auf die Damen toastiert, hatte, sprachen noch die alten Herren der „Hasmonäa“ Dr. Ebner, Doctor K r o m m e r und Dr, Mens c h 1, und der Präses der Verbindung „Zephirah“, phil. Tennen h ä u s e r. Oberrabbiner Dr. Weiss gab seiner Freude Ausdruck, im Judenthum eine Jugend zu finden, die noch die tausendjährigen Ideale ihres Volkes hegt und pflegt. Dem Gommers folgte ein Tanzkränzchen, das die Festgäste noch bis an den grauenden Morgen vereinigte. Bohorodczany. Montag den 20. April fand die III. ordentliche Generalversammlung des Vereines „Esratb Israel“ statt. Bei den Neuwahlen wurde Herr M. Ringe, Bosch Haknhal, zum Präses, H. Rapaport zum Vicepräses gewählt. Der Verein ist sehr thäfcig; zu seinen aufrichtigen Freunden gehört der hiesige Rabbiner. G Bücherwelt. Das tedte Maer ur.d der Untergang von Sodom und Gomorrha. Von Max Blanckenhorn. Berlin, Reimer, 1808, 8°. Kein Land der ganzen Erde ist den europäischen Culturvölkern so ans Herz gewachsen wie das heilige Land, an dem Juden und Christen mit gleicher Liebe hängen. Aber obwohl Palästina von jeher oft bereist und eingehend studiert wurde, hat die Wissenschaft hier doch noch manches Problem zu lösen. Hauptsächlich gilt dies für die rein naturwissenschaftlichen Disciplinen, besonders für die Geographie im modernen Sinne und die Geologie, deren Vertreter erst seit einigen Jahrzehnten das Land zum Gegenstände ihrer Forschungen gemacht haben. So knüpft sich noch eine Fülle von interessanten Fragen an das todte Meer und seine Eingebung, welche gegenwärtig weit davon entfernt sind, ein Mikrokosmos des fürchterlichen Reiches der Hölle zu sein. Der Verfasser, welcher zur Zeit ägyptischer Landesgeologe ist, leuchtet mit der durch die Naturforschern g entzündeten Fackel in das schauerliche Strafgericht Gottes hinein und kommt zu dem Ergebnisse, dass der Untergang von Sodom und Gomorrha auf ein Erdbeben zurückzuführen ist. Indem sich bei demselben die Gehirgsspalten öffneten, wurde den in der Tiefe ein geschlossenen beweglichen, flüssigen und gasförmigen Massen, d. h. den Thermen, dem Petroleum, Asphalt und den Kohlenwasserstoff- und Schwefelwasserstoffgasen der Weg zur Oberfläche gebahnt, und sie wurden durch den Druck der sinkenden Scholle in die Höhe gepresst. Bei der stattfindenden Reibung konnten speciell die genannten brennbaren Gasarten sich leicht entzünden. Vielleicht, ja sogar höchst wahrscheinlich, kamen auch elektrische Entladungen in der Atmosphäre dazu, wie dies häufig bei Erdbeben der Fall ist. So gerieth die ganze Luft über den Spalten und mit ihr dann die ausgeflossenen Asphalt- und Petroleummassen in Brand, so dass ein ungeheures Flammenmeer, die Gegend bedeckte, bevor noch die Fluten des Binnensees die tieferen Stellen einnehmen und hier wenigstens das Feuer löschen konnten. Die Verbrennung der Kohlenwasserstoffe gieng unter Rauchbildung, die des Schwefelwasserstoffs unter Schwefelgeruch von schwefliger Säure vor sich. Dies ist der überlieferte Schwefel- und Feuerregen, aus dem ein Rauch aufstieg, wie ein Rauch vom Ofen, den Abraham von dem Gebirge in der Gegend bei Hebron erblicken konnte. Die göttlichen Warnungen, welche dem überlebenden Lot zutheil wurden, lassen sich wie hei der Sintflutsage als kleinere mit unterirdischem Getöse verbundene Erdstösse auffassen, welche der eigentlichen Katastrophe voraus-- giengen und gerade den Nomaden, die mehr auf die Naturerscheinungen zu achten und mit ihnen vertraut zu sein pflegen, verdächtig sein mussten, von den Städtern aber 'unbeachtet gelassen wurden. So konnte sich Lot mit seinen -Töchtern, den Stammüttern der Moabiter und Ammonitei-, noch rechtzeitig nach Zoar flüchten. S. W Unsere Palästinafahrt. Von Dr. Bodenheimer. Rechowoth. Als wir in Rischon le Zion des Morgens beim hellen Sonnonschein erwachten, und die grossen Fenster unseres geräumigen, hohen Zimmers öffneten, ^strömte eine wahrhaft balsamische Luft herein, und wir blickten in eine reizvolle ländliche Umgebung. Rechts und links sind die Gärten mit Eukalyptusbäumen parkartig bepflanzt, die in jenem Klima überraschend schnell wachsen. Die Strasse zieht sich, wieein weisser Streifen zwischen grünen Baumreihen hin, die Häuser sind dem Anscheine nach fast alle aus Stein erbaut und enthalten luftige, grosse Wohnräume. Zwei Stockwerke sind die Regel. An erhöhter Stelle befindet sich die Synagoge der Colonie, in der Nähe eine Knaben- und Mädchenschule. - N Einige für Hospitalzwecke eingerichtete Baracken waren mit Kranken belegt, und zwar, wie man leicht sehen konnte, ausschliesslich mit Malaria- und Augenkranken, zwei Uebel, die vor allem durch Drainage und Sanierung des Landes bekämpft werden müssen, wenn die Grosseolonisation beginnen soll. Uebrigens soll die Lage Rischon le Zions in sanitärer Beziehung durchaus nicht vorzüglich sein. Wir versammelten uns hei Herrn Hazen, der uns einen Wagen der Administration für die Weiterfahrtzur Verfügung stellte. Ein Colonist zu Pferde' gab uns das Geleite nach Rechowoth, wohin die Kunde unserer Ankunft bereits gedrungen war. Am Rande der Colonie begann wieder die Wildnis. „Dem Wunsche der Colonisten entsprechend, machten wir in Wad el-Chan in Halt, einer kleinen Siedelung auf dein Wege nach Rechowoth. Vor dem Dorfe erwarteten uns! die Gemeindeältesten. Rechts und links von der Strasse war die Schuljugend in Feierkleidern aufgestellt und Hess aus jugendlich frischen Kehlen ein hebräisches Lied erklingen. Hierauf wurden wir zur Gemeindestube geleitet und mit Chocolade und Backwerk bewirtet. Eine kurze. Ansprache des Vorstehers wurde von Dr. Herzl unter dem Jubel der in den engen-Zimmern-sich drängenden Mengcerwidert. Wir besi chtigten auch eine Anzahl Colonistenhäuser, die alle durch ihre Sauberkeit einen vorzüglichen Eindruck machten und auf. beginnenden Wohlstand:

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