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Die Welt · 1899-05-19 · 20 (19.5.1899) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
20 (19.5.1899)
Article
Wien
Date
1899-05-19
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die A Welt“ Nr. 20 Universität, nie mehr von einem Juden betreten oder benützt werden dürfe (Beifall); 2. dafür zu sorgen, dass die Juden nicht Vortheile unseres von Christen civilisierten Landes gemessen, ohne alles nachgeholt zu haben, was die Christen einstens dafür angewendet haben. (Beifall.) 3. Die Regierung erlaube nicht, dsss Juden von Christen erbaute Häuser bewohnen, dass sie die Strassen und Wasserkräfte benützen, kurz das Christengeld dem Juden zugute komme. Der Jude soll haben, was er gewünscht hat. Von jetzt an sei zwischen uns und dem Juden der Krieg, der erklärt ist, geführt, wie ihn das deutsche Volk in seiner tiefsten Erniedrigung gegen Frankreich und den Corsen geführt hat, so lange, bis der Corse draussen und Deutschland wieder frei war. (Lebhafter Beifall.) Königgrätz, 12. Mai. (V erurtheilung derNachod er PI ü n derer.) Bis zum 10. Mai standen bereits 83 Angeklagte vor einem Vierrichter-Collegium, die sich verschiedene Delicte während der Nachoder Excesse hatten zu Schulden kommen lassen. Hiervon wurden 78 verurtheilt und nur fünf freigesprochen. Das höchste Strafausmass, eine Kerkerstrafe von drei Jahren, erhielt der bereits wiederholt abgestrafte Arbeiter Josef P ospischil. Derselbe hatte mit einer Eisenstange die Thür des Versandtmagazins von Lederer & St r an s k y erbrochen und sich später bemüht, die feuerfeste Casse bei Richard M ii 11 e r zu sprengen, was ihm allerdings nicht gelang. Bei der nächsten Schwurgerichts-Periode, die am 5. Juni beginnt. erscheinen zahlreiche Nachoder Plünderer wegen Lassen- und Magazinseinbruch vor den Geschwornen. Tarnow. Die Leitung des Vereines „Ahawath- Zion“ ersucht uns um Richtigstellung einzelner Ungenauigkeiten, die in unserem Berichte über die diesjährige Generalversammlung des genannten Vereines enthalten sein sollen. Unser in Nr. 18 der „Welt“ veröffentlichter Bericht hält sich peinlich an die Information, die uns unser Correspondent aus Tarnow zukommen liess. — Die Vereinsieitung bezeichnet es als unrichtig, dass aus Anlass der Eröffnung der diesjährigen Generalversammlung des Vereines „Ahawath- Zion“ in Tarnow Herr Dr. Salz erklärt habe, dass besonders das Factum der Entsendung von 16 galizischen Zionisten moralisch und materiell günstig gewirkt habe. Der Wahrheit entspreche es vielmehr, dass Herr Dr. Salz im Verlaufe seiner Eröffnungsrede darauf mit Nachdruck hingewiesen hat, dass der Verein durch Gewinnung fast aller galizischen Rabbiner und Herausgabe ihrer Gutachten über den Zionismus im Sammelwerke „Ahawath-Zion“ und ..Darke-Zion“ dem Zionismus die moralisch-religiöse Sanction verschafft hat, und dass durch die Gründung der Colonie ..Machnajim“ in Palästina und Ansiedlung in derselben von 16 galizischen Colonisten der Verein seine materielle Stärke bewiesen habe. Die Einnahmen des Vereines von 36.050 fl. 88 kr. entfallen nicht auf die Jahre i8vi7 und 1866. sondern diese Gesammteinnahme bezieht sich bloss auf die Jahre 1867 und 1868, während die Einnahmen von Jänner 1866 bis zum Tage der Generalversammlung ausserdem eine erspriessliehe Summe beitrage?}. Deutschland. Frankfurt a. M. (Eindringlinge in eine S y n a - goge.) Der Frankfurter ..Generalanzeiger* berichtet über einen noch nicht aufgeklärten Vorfall, der sich am Vorabend des Schebuothfestes in der neuen Synagoge ereignet hat. Drei Männer erschienen auf der Frau engaller ie und schlugen den Portier, der sie hinausweisen wollte, nieder. Zwei von ihnen konnten erst nach heftiger Gegenwehr auf der Strasse festgenommen werden, während der dritte entsprang. Auf der Polizei gaben die Verhafteten falsche Namen an und behaupteten, zugereist zu sein. Da man grössere Steine bei ihnen fand, glaubt man, sie hätten beabsichtigt, die Steine in den Betsaal zu schleudern, eine Paniqüe hervorzurufen und während derselben Beraubungen auszuführen. Der Portier soll schwer verletzt sein. England. London, 12. Mai. Die Frage, die uns Juden in England im Augenblicke am meisten interessiert, ist die, ob der gegen die „Seven-day“-Journale*eröffnete Feldzug auch weiter hin als Medium einer antisemitischen Bewegung benütz werden wird. In der letzten Woche hat es in der englische] Provinz- und religiösen Presse mehr Angriffe auf die Jude] gegeben, als in den letzten 25 Jahren. Für den Momen ohne sonderliche Bedeutung, lässt diese Bewegung meh für die Zukunft fürchten. In diesem Zusammenhang» erwähne ich einen Boycott, der über die Juden einer kleiner amerikanischen Stadt verhängt worden, sowie die Dis qualificierung eines Jurors an einem New-Yorker Gerichts hof, die erfolgte, weil der betreffende Herr ehrlich gestand Juden gegenüber keine unparteiliche Gerechtigkeit üben zi können. Geben diese isolierten Facta nicht zu denken? J. de H. Rumänien. Bukarest. (D j e F r e m d 1 i n g e.) Der jüdische Artillerie- Reservelieutenant Moriz Leibowitz wurde aus den Listei der Reserve-Offieiere der rumänischen Armee gestrichen „weil er das rumänische Bürgerrecht nicht besitzt.“ Seir Vater ist naturalisierter Rumäne, dem Lieutenant aber hal der rumänische Senat die Anerkennung des rumänischer Bürgerrechtes versagt. Moriz Leibowitz war am 28. September 1888 zum Unterlieutenant und am 31. Jänner 1867 zum Lieutenant ernannt worden. Amerika. Montreal (Canada.) Es wird Sie interessieren, zu erfahren, dass wir Zionisten von Canada uns eifrig in der Propaganda befchätigt haben. Eine Abordnung, bestehend aus Mr. J. S. Leo und meiner Wenigkeit, besuchte mehrere Städte in Westeanada, um daselbst Zweiggesellschaften zu gründen. In Toronto hielten wir in einer Versammlung vor 506 Juden Ansprachen und hatten die Freude, dem von uns gegründeten Vereine mehr als 200 Personen beitreten zu sehen. Dass eine Menge Shares gezeichnet wurde, ist selbstverständlich. Bei dieser Versammlung waren Delegierte der jüdischen Gemeinden von Hamilton und London (Provinz Ontario) anwesend, die in der Folge in diesen Städten Zweigvereine ins Leben riefen. In Anbetracht der leider viel zu kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand, hoffen wir, dass das Resultat unserer Bankagitation als zufriedenstellend wird befunden werden. Mit den Judengemeinden von Ottawa. Ouebec, Halifax, 8 t. Job n. She r brooke, Cornwall und V ancouver haben wir Verbindungen angeknüpft. Obwohl die Organisationsarbeit durch die immensen Entfernungen, die zwischen den einzelnen Städten liegen, sehr erschwert ist, hoffen wir doch in kurzer Zeit die c an a di sehen Zionsvereine zu einem Centralverband einigen zu können. CI. de S. Allerlei Nachrichten Das jüdische Waisenhaus in New-York, eines der grössten, welches existiert, hatte im ab gelaufenen Jahre mit einer Epidemie zu kämpfen, die nicht nur die verfügbaren. Kräfte in einer niemals dagewesenen Weise angestrengt, sondern auch grosse finanzielle Anforderungen an dir Leitung dieses grossartigen Institutes gestellt hat, und mir den bis aufs äusserste angespornten Kräften war es zu danken, dass die Situation eine im grossen Ganzen normale geblieben ist. * Trotz der berühmten und an dieser' Stelle oft hervorgehobenen amerikanischen Wohlthätigkejt macht sich doch eine gewisse Abspannung — um nicht zu sagen Indifferentismus — bemerkbar. Die Verwaltung der „vereinigten jüdischen Wohlthätigkeilsanstalten“ New-Yorks, die in kurzer Zeit einen neuen Prachtbau beziehen werden, klagen in dieser Beziehung namentlich darüber, dass die meisten gar keine Idee haben von dem Umfange der Anstalt und ihres Wohlthätigkeitsgebietes. Die Einnahmen sind in der ersten Hälfte des abgelaufenen Rechnungsjahres um 3000 Dollars zurückgeblieben, während die Ausgaben um 12.000 Dollars

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