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Die Welt · 1899-05-19 · 20 (19.5.1899) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
20 (19.5.1899)
Article
Die jüdische Colonialbank
Date
1899-05-19
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 „Die A Welt44 Nr. 20 darum einkommen, falls sie rechtzeitig die betreuende Stempelgebühr einzahlen. Agenten und Vertrauensmänner, welche uns auf Listen Verzeichnisse von Subscribenten .eingeschickt haben, belieben uns jetzt Verzeichnisse derjenigen Subscribentenninzuschicken, welche I n h a b e r-Actien wünschen, . .unter geil, gleichzeitiger Mittheilung, an welche autorisierte Banken die Gelder unter Hinzurechnung der jStempelgebühren «ungezählt sind. Nicht voll bezahlte .Aktien können nur auf Namen, nicht auf Inhaber ausgeschrieben werden. Mittheilungen an die .Jüdische Golonialbank können in Hebräisch, E n g 1 i c h, I) e u t s c h und J a r g o n gerichtet werden. 1 1 London, 11. Mai 1899. 1. Subscriberiten, welche nur 2 0% eingezahlt haben, erhalten auf ihre Namen ausgestellte Certificate, in welchen die eing^zahlten Geldbeträge und die Anzahl der Actien angegeben sind. Nachdem die ferneren 20% bei einer autorisirten Zahlstelle eingezahlt worden sind, müssen die Certificate nach London gechickt werden, behufs Vornahme eines Vermerks über die geleistete Zahlung. 2. Diejenigen Subscribenten, welche voll gezahlt haben, erhalten — falls nicht ausdrücklich andeis verlangt — auf ihre Namen ausgestellte Actien. Auf ausdrückliches Verlangen können jedoch diejenigen Actionäre, welche voll gezahlt haben, Inhaber-Actien erhalten, welche jedoch einer beträchtlichen englischen Stempelgebühr (Gerbowy sbor) unterliegen. Laut englischem Gesetz ist der Actionär verpflichtet, “diesen Stempel zu zahlen. Diese Inhaber-Actien (na predjawitelja) verleihen (laut § 52 der Statuten) kein Stimmrecht in General-Versammlungen. Cours-Notierung: 1 Sk 9-50 Rubel. „ * — 25*25 Francs. „ „ — 20*45 Mark. „ „ 12*— Oest. Florin. Weltchronik. Excesse. Petersburger Blättern zufolge fänden in Nikolaj 3w, der grossen Handelsstadt am Bug, am griechischen Ostermontag antisemitische Unruhen statt, welche an Ernst und Wildheit die Judenverfolgungen von 1882 in mancher Hinsicht übertrafen. Einjüdischer Sodawasserverkäufer, dessen Standplatz sich auf der Sennoistrasse befand, wurde von einem Häufen halbwüchsiger Burschen überfallen, arg geprügelt und misshandelt. Dies gab den um die benachbarten Schankhäuser herumlungernden Arbeitern das Signal, sich den Burschen anzuschliessen und die jüdischen Kaufläden und Geschäfte zu plündern. Unter wildem Gejohle und unter dem Rufe: „Häuf die Juden nieder!“ stürzte die Menge in die jüdischen Läden, und im Nu begann das Werk der Zerstörung. Esswaren, Spielzeug, Pfaidlerzugehör — alles wurde auf die Strasse geschleudert und vernichtet. Bei der Ver« theidigung von Hab und Gut wurden die jüdischen Kaufleute durch Steinwürfe arg verletzt und verwundet; einem Juden wurde die Schädeldecke zertrümmert. Die Lauheit der Polizei ermuthigte nur die Plünderer, welche nun auch in die Wohnungen der Juden drangen und dieselben verwüsteten. Claviere wurden vom zweiten Stocke auf die Strasse geschleudert, Polster aufgeschnitten und deren Inhalt auf die Gasse geschüttet. Erst als dem wilden Aufruhr eine Frau und zwei Männer, welche von der Horde getödtet wurden, zum Opfer gefallen waren, ergriff der Militär- Gouverneur von Nikolajew, Admiral Fedorow, energische Massnahmen zur Unterdrückung der Unruhen. Er all armierte die ganze Garnison, Kosaken, Matrosen, und das ganze Pragaer Regiment, und ertheilte die Ordre, die Ruhe unter jeder Bedingung wiederherzustellen. Aber hier erwies sich erst, wie gefährlich es war, den Leidenschaften der Menge zu schmeicheln. Die Menge leistete dem Militär hartnäckigen Widerstand und griff sogar die Kosaken und die Soldaten thätlich an. Sie bewarf die Kosaken mit Steinen, verwundete einige schwer und flüchtete dann in die Seitengassen, um dort die Plünderung der jüdischen Geschäfte wieder aufzunehmen. Mit grosser Mühe gelang es den Kosaken, die Verhaftung der Plünderer, 800 an der Zahl, vorzunehmen, wobei zwanzig Kosaken verwundet und dann infolge der erlittenen schweren Verletzungen in das Spital transportiert werden mussten. Die Genossen der Verhafteten machten noHi in der Nacht den Versuch, die Gefangenhäuser zu demolieren und die Arrestanten zu befreien, wurden jedoch von den Kosaken auseinandergetrieben. Die Stadt bietet jetzt ein Bild arger Verwüstung. Die Juden wagen es nicht, ihre Häuser zu verlassen und ihre Geschäfte zu öffnen. Auf den Strassen sieht man nur berittene Polizisten und Kosaken, welche jede Ansammlung mit Waffengewalt auseinandertreiben und für die Erbaltung der Ruhe sorgen. Rumänisches. Für den ersten Mai, den Ostermontag des rumänischen Kirchenkalenders, war in Berlad ein antisemitischer Putsch geplant. Eine locale antisemitische Gruppe hatte für den genannten Tag eine öffentliche Versammlung angesagt, an der auch Mitglieder des nationalen Studentencomites von der Jassy er Universität theilnehmen sollten. Am Tage vorher war eine Flugschrift verbreitet worden, welche zui* Vertreibung der Juden aufforderte. Da eine Nachahmung der Bukarester Judenhetzen vom,5. December 1807 gefürchtet wurde, so verliessen zahlreiche Judenfamilien die Stadt. Der von diesen Vorgängen verständigte Ministerpräsident gab dem Präfecten sofort den Befehl, gegen eventuelle antisemitische Strassenexcesse mit aller Energie vorzugehen. Das Antisemitenmeeting ist aber ungehindert abgehalten und auf demselben zur Vernichtung des Judenthums in Rumänien aufgefordert worden. Ein Taubstummer als gewerbsmässiger Tempeiräubor. Die Synagoge zu Gran in Ungarn wurde kürzlich in der Nacht ausgeraubt. Der Th ater wurde am nächsten Tage in einem Gran er Gasthofe in der Person eines Taubstummen namens Josef Szabö verhaftet. Dieser leugnet zwar die ihm zur Last gelegte That, aber eine Anfrage über ihn hei der Polizei seines Zuständigkeitsortes ergab, dass Szabö den Tempelraub gewerbsmässig betreibt. Er pflegt an der Thür dieses oder jenes Bethauses Almosen zu sammeln und versteckt sich, während die Thür gesperrt wird, unter den. Bänken. Beim Tempelraub in Gran hatte er einen Complicen, der noch nicht ausfindig gemacht werden konnte. Ein freigesprochener Antisemitenhäuptling. Der Antisemitenhäuptling von Preussisch-Schlesien, Graf Walter Pückler aus Klein-Tschirne, hatte sich am 12. Mai im Vereine mit dem Drucker seiner Reden gegen die Juden, Josef Schliebs aus Glogau, vor der Strafkammer des Landgerichts in Glogau wegen Aufreizung zum Classenhass, beziehungsweise der Mithilfe zu derselben zu verantworten. Die Strafthat bestand in einer am 20. Februar d. J. im Gasthofe Tschirschky in Klein-Tschirne gehaltenen Brandrede über das Judenthum, in der der edle Graf die Gefahren, die dem deutschen Volke von der U eh erb an dn ahm e des Einflusses der Juden in Deutschland drohen, geschildert hat. Die incriminierte Hetzrede strotzte von Ausfällen gegen das Judenthum lind forderte den „deutschen Michel“ auf, endlich einmal aufzuwachen und den Kampf gegen das Judenthum aufzunehmen. Einige Sätze der Rede waren geeignet, den christlichen Theil der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen die Juden in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden

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