Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 20 (19.5.1899)
- Article
- Die Verwandten
- Date
- 1899-05-19
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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ISeite 4 „Die H Welt“ Nr. 2Ö vermuthete Ankunft den bereits vorhandenen Knoten unserer vaterländischen Nationalitätenfrage noch mehr schürzen, sind engere Landsleute der Juden; sie stammen ebenfalls aus Asien und zwar aus Siam. Und in der That, aus dem ganzen Charakter der Fremdlinge ist die Verwandtschaft mit den Juden unverkennbar herauszuspüren. Wir wollen nicht davon sprechen, dass auch der siamesische Gaumen mit einer wahren Affenliebe den Zwiebeln huldigt, wir wollen nicht erwähnen, dass die siamesischen Tänzer einen „Schuhplattler“ aufführen, der auf die anatomische Gestaltung der siamesischen Fusssohle ein bedenkliches Licht wirft. Nur auf eines sei hin gewiesen: Was suchen die Siamesen in Wien? Sie brandschatzen die Taschen der autochthonen Bevölkerung, sie parasitieren auf dem geduldigen Leibe der Einwohnerschaft Wiens. Die siamesische Raubtaktik weist typisch jüdische Grundzüge auf. Der jüdische Kaufmann lockt durch allerhand Kniffe und Pfiffe die friedlichen Pilger in seine Räuberhöhle und nimmt hier den armen Opfern, die durch das Geschehene viel zu verwirrt sind, als dass sie um Hilfe rufen könnten, den letzten Heller ab. Diesen brutalen Vorgang nennt er mit einem gewissen Cynismus ein „abgeschlossenes Geschäft“, die Opfer bezeichnet er hämisch als „Kunden“. Nicht um ein Härchen besser sind die Siamesen. Diese verschmitzten Orientalen locken durch allerlei Spiegelfechterei den vorüberwallenden Wiener in ihr Thiergarten-Ghetto und plündern ihn dort unter dem plumpen Vorwände eines „Entrees“ aus. Das ist echt jüdisch. Aber das Volk von Wien, dem bekanntlich durch freundliche Vermittlung wohlwollender Aufklärer schon sehr viele Schuppen von den Augen gefallen sind, das Volk von Wien wird es hoffentlich auch gegenüber den Siamesen nicht an einem solchen Schuppenfalle fehlen lassen; der Boycott, der über das Geschäftslocal des Juden verhängt ist, wird auch auf das verwandte, morgenländische Zelt des Siamesen übergreifen, der asienmüde Wiener wird sich in spröder Zurückhaltung dem Thiergarten höchstens auf Steinwurfweite nähern, und nur hie und da wird sich ein wissensdurstiger Landtags-Abgeordneter in das verpönte Gebiet verirren, um in den heiligen Sagen Siams nach den blutigen Spuren des „Ritualmordes“ zu fahnden .... Dass es über kurz oder lang in unseren Vertretungskörpern zur Bildung einer Fraction kommen muss, die mit dem Schlachtrufe „Los von Siam“, auf Siam losgehen wird, darauf können alle Juden — wenn sie ihren verschiedenen Widersachern eine Freude bereiten wollen — getrost Gift nehmen. Wie wir erfahren, ist bereits ein antisemitischer Schulverein in Gründung begriffen, welcher der drohenden Ausbreitung des siamesischen Idioms im ganzen Umkreise des Praters unerbittlich Halt gebieten wird. Derartige Schutzmassregeln gegen das Vordringen des fremden Volksthums sind nur allzu begreiflich, denn gerade die Siamesen darf man nicht auf die leichte Achsel nehmen. Die Bevölkerungszahl dieser Leutchen steigt ja bekanntlich doppelt so stark, wie die der anderen Nationen, da der siamesische Nachwuchs, wie jedermann weiss, in Form von Zwillingen erfolgt; dieses zwiefache Ueberhandnehmen der Fremdlinge erheischt doppelt kräftige Abwehr. Dazu kommt noch, dass derartig gestaltete Menschenrassen naturgemäss in dichter Phalanx, Schulter an Schulter, vergehen, dass sie unter allen Verhältnissen fest und treu Zusammenhalten, was jedem einleuchten wird, der einmal eine Abbildung der erwähnten siamesischen Zwillingsfigur gesehen hat. Der innige Zusammenschluss der asiatischen Gegner ist wieder eine Mahnung an die Völker Oesterreichs, den nicht genug zu rügenden Zwist im eigenen Lager doch endlich ruhen zu lassen und mit unzersplitterter Kraft dem auswärtigen Hannibal, der aber bereits ante portas ist, die Stirne zu bieten. Videant Gonsul es! „Ante portas“ — das ist es! In der nächsten Nähe von Wien haben die Siamesen ihr Lager aufgeschlagen. Dieser vom strategischen Standpunkte wichtige Umstand wirkt noch beängstigender, wenn man bedenkt, dass der Prater hart an die Leopoldstadt, das Wiener Bollwerk der Juden, grenzt. Das kann sehr verhängnisvoll werden! Es kann eines Tages der Fall Eintreten, dass die gewappneten Wiener Antisemiten unter klingendem Spiele einen Ausfall auf das asiatische Lager im Prater machen — vorne die Streiter, rückwärts die Musikkapelle, sowie sie es von der „Burgmusik“ her gewohnt sind — und während die Streiter damit beschäftigt sind, das siamesische'Lager nach gutem Nachoder Brauche auszuplündern, brechen plötzlich die Verwandten der Siamesen aus den Verschanzungen der grossen und kleinen Schiffgasse in fliegenden Gewändern hervor und fallen mit betäubendem Rachegeschrei und hebräischen Flüchen den Antisemiten in den Rücken. Es wird sich hoffentlich irgendein judenfeindlicher Volkstribun finden, der diese Gefahr in einer der nächsten Sitzungen des niederösterreichischen Landtages, ohne die Juden weichherzig zu schonen, beleuchtet. Vaterland sverräther, die mit jedem hergelaufenen Siamesen gemeinsame Sache machen, verdienen keine Schonung. Erwin Rosenberger. > Ei« Kettfaden durch die Irrgange des DreyfnsHandels. ii. Die ersten Fälschungen. In demselben Maße, wie bei Piequart und wohl auch bei den in die Angelegenheit eingeweihten Offieieren des Generalstabs die Ahnung, dass Dreyfus mit unerhörtem Leichtsinne unschuldig verurtheilt worden sei, zur - Ueberzeugung auswuchs, scheint sich bei den an dem Processe Nächstbetheiligten das Bedürfnis verstärkt zu haben, jenen Fehler zu vertuschen und die Richtigkeit des Urtheiles nachträglich um jeden Preis nachzuweisen. Diesem Bedürfnisse entsprang die Kette von Vergehen und Verbrechen, die bis in die neueste Zeit hinein noch um weitere Glieder verlängert wurde. Sie beginnt mit einem „Weyter" Unterzeichneten Briefe, der an Dreyfus auf der Teufelsinsel gerichtet ist, einem Briefe harmlosen Inhaltes, zwischen dessen Zeilen jedoch, mit sympathetischer Tinte geschrieben, noch deutlich sichtbar folgendes zu lesen war: „Da ich von Ihrer letzten Mittheilung nichts verstehe, nehmen Sie das erste Verfahren wieder auf. Sagen Sie, wo die Schränke sind, aus denen man die Schriftstücke gestohlen hat und wie das Stichwort für die Schlösser heißt. Der Aeteur wird sofort handeln." Das Schreiben war, wie alle an Dreyfus gerichteten Briefe, vom Colonialministerium geöffnet worden, und dort hatte man es am 4. September 1896 dem Archivar Gribelin übergeben. Die Fälschung hatte vermuthlich nur den Zweck, Piequart einen Beweis der Schuld Dreyfus' vor Augen zu bringen, und dieser glaubte in der That an die Echtheit des Briefes, bis ihn ein hoher Polizeibeamter davon überzeugte, dass er eine Fälschung sei. Es ist auffallend, dass Gribelin diesen Weyler'schen Brief in seiner Aussage vor dem Cassationshofe gar nicht erwähnt, obwohl er schildert, wie Piequart ihn mit der Durchsicht der Briefe der Familie Dreyfus an den Verbannten beauftragte. Auf die Fälschung Weyler folgte der Artikel des Eclair vom 15. September 1896, in dem zum erstenmale mitgetheilt wurde, dass der wahre Schuldbeweis gegen Dreyfus in denr den Richtern vorgelegten geheimen Materiale gefunden wurde und der behauptete, in einem dieser geheimen Schriftstücke sei zu lesen: Decidement, cet animal de Dreytus devient trop exigeant. Ein solches Schriftstück aber gibt es nicht; es ist nur eines vorhanden, in dem die Wendung ce Canaille D. vorkommt, und dieses kann sich schon wegen des Tones, in dem es gehalten ist, nicht auf Dreyfus beziehen. Seltsamerweise hat General Mercier dem Präsidenten der Republik fast mit denselben Worten wie der Eclair (ce canaille de D. devient r6ellement trop exigeant) von dem Schuldbeweise berichtet, und dieselben Worte gebraucht auch der unglaubwürdige Geheimagent Guinee, der Henrys rechte Hand war, um zu erzählen, dass ein deutscher Major bei einer Frau Bodson Dreyfus Vorwürfe gemacht habe (celui-ci reprochait ä Dreyfus de devenir trop exigeant, sagt Guen^e). Der Artikel des Eclair, der bezweckte, der unruhig werdenden Oeffentlichkeit einen greifbaren Beweis der Schuld Dreyfus zu