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Die Welt · 1899-05-19 · 20 (19.5.1899) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
20 (19.5.1899)
Date
1899-05-19
Page
None (sequence 5)
Language
German
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I ♦-—< Redaction * Erscheint jeden Freitag. »-♦ Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern Die viermal gespaltene Petit¬ Wien an die Redaction oder Administration: Wien, IX., zeile 10 kr. IX., Türkenstrasse 9. Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. — Telephon Nr. 8805. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. o-- > Manuscripte nicht zurückgesendet. < >-♦ RP7HdQTUlpiQP1 Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 6 fl. 12 Kr., halbjährig 3 ü. — 6 Kr. Für das Ausland: Deutsch- Dv/iUgüjüCluUi larid ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 8hg., halbjährig 7 8hg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Gt. Nr. 20 Wien, 19. Mai 1899. 3. Jahrgang Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen» damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. Befrachtungen über die Colonialbank. Von 0. Erter. Durch eine grosse Thatsache ist wieder einmal, wie schon oft, einem sehr überflüssigen und sehr aufdringlichen Für und Wider das verdiente Ende bereitet worden. Diese Thatsache ist die Verwirklichung der Colonialbank. Nun können alle, die ohne Hintergedanken zweifelten, mit Beruhigung den weiteren Fortschritten der zionistischen Bewegung entgegensehen, und die anderen, welche mit frommem Augenaufschlage heuchlerische Bedenken fingierten, haben reichliche Ursache, sich ihrer Hypokrisie zu schämen. Von denen ganz zu geschweigen, die mit hochfahrendem Spotte oder offener Feindseligkeit der „Utopie“ entgegen wirkten, als welche sie die Idee der Bankgründung betrachteten. Die Colonialbank ist Wirklichkeit, gesunde, handgreifliche Wirklichkeit; man kann an ihr nicht mehr vorbeisehen, ausser wenn man sich zuziehen will, was Hamlet vom Flöteblasen sagt, dass es schier leichter sei als lügen. Wir für unseren Theil haben niemals gezweifelt, dass die Bankidee sich in befriedigender Weise realisieren würde, und wir könnten uns nun an der grossen Thatsache genug sein lassen, ohne sie glossierender Betrachtung zu unterziehen. Sie spricht für sich selbst mit überzeugenderer Beredsamkeit, als irgendein Commentar es vermöchte. Aber es ist einiges, was wir uns vom Herzen reden müssen auf die Gefahr hin, dass man uns Vorhalte, wir trügen Eulen nach Athen, oder dass man uns mit dem überlegenen Lächeln des Fachkenners belehre, es sei unpassend, rein geschäftliche Dinge mit enthusiastischen Arabesken einzufassen. Das aber ist es ja eben, dass diese zionistische Colonialbank nicht bloss ein rein geschäftliches Ding, eine Bank wie andere Banken ist, sondern dass an ihrer Wiege eine Idee von allgemeiner Geschichts- und Culturbedeutung steht. Da darf wohl auch in der Begrüssung, der sie begegnete, ein Ton mitschwingen, der nicht bloss wie monotone Ziffernsprache klingt. Vor allem ist es ein Schauspiel, welches nicht seinesgleichen hat, dass das Vertrauen zu einem Bankunternehmen mächtig genug ist, um sich ohne jede materielle Bürgschaft in freudiger Betheiligung zu offenbaren. Es sind grosse Bankgründungen von ungeheurer Bedeutung — nennen wir beispielshalber die Ostindische Compagnie — ins Leben gerufen worden, aber hinter ihnen stand als Bürge der Staat. Oder horrendes Capital that sich zusammen, um das Fundament einer bedeutenden Bankgründung zu bilden. Oder endlich es war eine Gonjunctur auf dem Geldmärkte, welche den Zusammenschluss zu einem grossen Finanzinstitute als sehr profitabel erscheinen liess. Kann von alledem bei der Entstehung der Colonialbank die Rede sein P Da gab es keine Bürgschaft als die der Idee, keinen Zusammenschluss als den des Gemeinsamkeitsgefühles, kein Interesse als das der nationalen Erlösung. Und dennoch ist das in Aussicht genommene Minimum ganz erheblich überzeichnet, ist die ursprüngliche Hoffnung weit über Erwarten erfüllt worden. Das Vertrauen allein, das Vertrauen auf die Berechtigung und die Kraft der zionistischen Idee, hat das Wunder gewirkt und von diesem Wunder gilt nicht etwa das Wort Nathans des Weisen, dass es ein alltägliches ist. Es muss eine unermessliche Stärkung für die Zuversicht der zionistischen Bewegung sein, dass ihr durch das geradezu überwältigende Vertrauensvotum, welches in dem Zustandekommen der Colonialbank enthalten ist, bewusst geworden, wie tief und wie weit sie in dem Grunde des jüdischen Volksgemüthes wurzelt. Darüber mag wohl ein geriebener Geschäftsmann— einer von denen mit der Heine’schen „satten Moral“ — als über eine Sentimentalität lächeln: eine Bank, die ihr Fundament im Volksgemüthe hat, deren Existenzgrund eine Idee ist! Ei ja doch, der Inhaber von Creditactien schmunzelt in behaglicher Sicherheit, weil er weiss, dass Rothschild hinter der Creditanstalt steht, oder die Deutsche Bank kann ihre Arme über die Welttheile ausstrecken, weil der mächtige Staat ihr zugleich als Pionnier und Escorte die Wege bahnt und sichert. Und dennoch hat unsere Colonialbank trotz allem eine nicht minder verlässliche Bürgschaft, die Bürgschaft eines um seiner höchsten Ideale willen opferfreudigen Volkes. Noch etwas anderes aber gibt der Physiognomie unserer Colonialbank einen besonderen Zug. Sie hat

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