Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 19 (12.5.1899)
- Article
- Wien [Nachricht]
- Date
- 1899-05-12
- Page
- 13 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 19 „Die Weit44 Zerte 13 Wien. Die akademische Verbindung „Libanonia" veranstaltet am 20. Mai zur Feier ihres zehnsemestrigen Bestandes einen Festcommers mit anschliessendem Tanzkränzchen. Ort: Prachtsaal des „Hotel BayrischerHof",II.,Taborstrasse. Zeit: 8 Uhr abends. Tanzmusik besorgt das k. u. k. Tiroler Kaiser-Jäger-Regiment Nr. 3. Gäste herzlichst willkommen. Wien. Die Ortsgruppe „Mariahilf-Neübau“ des Verbandes „Zion" veranstaltet Samstag den 27. Mai (im Falle ungünstiger Witterung Mittwoch den 31.) ein Frühlingstest in dem grossen Garten und sämmtlichen Saallocalitäten des Restaurant Löbl, unter Mitwirkung der k. u. k. Miiitärcapelie Nr. 76, mehrerer hervorragender Kunstkräfte und des akad. Sängerchors. Nach den Vorarbeiten des Comites und der zu erwartenden massenhaften Betheiligung aus allen zionist. Ortsgruppen verspricht dieses Fest eine imposante Demonstration der zionistischen Partei Wiens zu werden. Die Karten werden, um eine lästige Ueberfüliung gleichwie am Purimfeste zu verhindern, nur in beschränkter Zahl ausgegeben, und sind für die Ortsgruppen im Redactionslocal der „Welt"vom 12. bis26. MaizumPreise von 50 kr. erhältlich, an der Abendcassa 60 kr. Die übrigen Ortsgruppen werden ersucht, am gleichen Tage keine Veranstaltung zu treffen. Wien. In unserem Berichte in Nr. 18 über die in Fünfbaus abgehaltene Versammlung soll es heissen statt S. M o 1 a: Salomon Mohr; statt 1. Schriftführer Rechwitzer: 1. Schriftführer R e c li n i t z e r. Wien. Am 29. v. M. hielt in der „Jüdisch-akademischen Lesehalle" Herr Dr. Leo Soler einen Vortrag: Eine neue Hamlet-Erklärung, dem das zahlreich versammelte Publicum mit grosser Aufmerksamkeit folgte. Wien. Im Verein jüdischer Mädchen „Hadassa" hielt diesen. Sonntag Herr Dr. J. W. Marmorek einen literarhistorischen Vortrag über den Romancier Zangwili, dessen „Kinder des Ghetto", „König der Schnorrer" und „Träumer des Ghetto" kurz skizziert, ersteres Werk eingehender, behandelt wurden. Das aus Damen und Herren bestehende Auditorium zollte dem Referenten begeisterten Beifall; anschliessend an den Vortrag fand eine kurze Discussion statt, an der sich die Herren Berliner und Prediger Grün betheiligten. Am 11. Mai schliesst die Reihe der Vorträge mit dem Thema: Die Stellung der Frau im Judenthum. Versammlung: Restaurant Hatschek, II., JTaterstrasse 11, um 4 Uhr. Referentin Frau E. VV. Wien. (Lsr a eli tische Cultusge meinde.) In der Sonntag den 30. April 1899 abgehaltenen Plenarsitzung des Vorstandes, in welcher, in Abwesenheit des durch Unwohlsein verhinderten Präsidenten, der 1. Vice- JTäsident Dr. Alfred Stein den Vorsitz führte, wurden die Baumeisterarbeiten des neu zu erbauenden Siechenhauses auf Grund der durchgeführten Offertverhandlung vergeben. — Dem Tempel vereine für Wieden und Margarethen wird eine Subvention für die Adaptierung seines Bethauses bewilligt. — Ausserdem sind eingelaufen: Von FrauPhilippine Samson für Arme 20 11. — Von den Erben nach Frau Fanny Fröhlich zur Vertheilung an verschiedene Wohlthätigkeits-Anstalten 1000 fl. — Zur Errichtung einer Fanny Fröhlich’schen Seelenheilstiftung 2000 11. — Zur Errichtung einer Jonas und Fanny Fröhlich’schen Grufterhaltungs- Stiftung 2000 Kronen. — Zur Errichtung einer Alexander und Mathilde Goidstein’schen Graberhaltungs-Stiftung 600 II. Grodno. Bei der am 2./14. April hier stattgehabten ordentlichen Versammlung unserer zionistischen Vereine wurde an Stelle unseres Bezalel Jaffe, welcher sein Domicil in Grodno aufgibt, als Vertrauensmann und Secretär Herr L. Ripp gewählt. Herr L. R i p p wird künftighin sämmt- 1 ieile officielle Berichte, Mittheiiungen, Zuschrilten etc. entgegennehmen. Bei der oben erwähnten Versammlung wurde der scheidende Bezalel Jaffe, im Hinblicke auf seine Verdienste um den Zionismus einstimmig zum Ehrenmitglied unseres Vereines gewählt. L. Zeitschriftenrundschau. Der „Woschod" veröffentlicht unter dem Titel „Er-- innerungen an Basel" in dem Märzhefte d. J. einen Artikel, ein Zerrbild des H. Baseler Congresses. Ein grosser Theil des Artikels besteht aus persönlichen Angriffen. Der eigenartige Artikel stammt aus der Feder eines H. R a p p a p o r t. Die „Erinnerungen“ geben ein klares, deutliches Bild von der staunenswerten Vergesslichkeit ihres geistigen Vaters, dem wir hiermit eine baldige G esundung seines angegriffenen Gedächtnis Vermögens wünschen. J. P. Der „Correspondant" enthält aus der Feder des bekannten politischen Schriftstellers Albert de Chenelos einen grossen, zusammen fassenden Artikel über Zionismus und Colonisation. Der mit grosser Sachkenntnis geschriebene und ins Detail eingehende Artikel beurtheilt die Aussichten der zionistischen Bewegung in durchaus günstigem Sinne. Bücherwelt. Bei E. Pierson, Dresden, ist „Bar Kochba“ Dichtung von J aroslav Vrchlicky in einer autorisierten Uebeiv setzung von Graf Loos- W a 1 d e c k er schienen. Die Herausgabe von „Bar-Koehba" in deutscher Sprache erfolgt au ^Veranlassung des Wiener „Vereines zur Abwehr des Antisemitismus." — Wir werden demnächst auf das ausgezeichnete Buch in einer ausführlichen Besprechung zurückkommen. Mittheiiungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde unter Mitwirkung hervorragender Gelehrter herausgegeben von M. Grünwal d. Heft I. Hamburg 1898. Mit der französischen Revolution beginnt das Volk in der Staatsverfassung mitzureden. Später wird es auch bühnenfähig, in Deutschland haben Hauptmanns „Weber" die Bühne demokratisiert. Nun wird das Volk auch als Geschiehtsfactor betrachtet, und die Geschichtsforschung wendet ihm ihre Aufmerksamkeit zu. Auch die jüdische Geschichtsforschung war bisnun eine aristokratische, sie befasste sich nur mit den „oberen Zehntausend".des Geistes. Das Volk wurde ausseracht gelassen. Ganz besonders gilt dies von der Geschichte des Mittelalters, des Ghettos. Vor allem flössen noch die Quellen spärlich upd dann steckten eben die Geschichtsforscher selbst noch im Ghetto tief genug, um es nicht objectiv beschreiben zu können. „Man kann die Geschichte einer-Religion schreiben, wenn sie im Sinken begriffen ist" schrieb ungefähr der Philologe Jacob Bernays in seiner Recensioii des Gibbou’schen Geschichtswerkes. Dasselbe gilt auch von unserem Volksthum im Ghetto. Der erste, der seine Aufmerksamkeit dem Judenthume zuwandte, war darum ein ausserhalb der „Mauern" Wohnender, der Frankfurter Gymnasialdirector Jacob Gebar dt, in seinen „Jüdischen Merkwürdigkeiten". Nun da das Ghetto mit seinen Geisteserzeugnissen und seiner Mythologie, wenn man es so nennen darf, verschwinden soll, will man es festhalten nicht nur in Dichtung, sondern auch in Wahrheit, Wir sind, wie Zunz einmal gesagt, „eine von der Weltgeschichte anerkannte Besonderheit“ und unsere geistigen Erzeugnisse durchzieht über zwei Jalirtausende unzerreissbar e i n e Lebensader". Die nivellierende OiviÜLation droht diese Besonderheit undeutlich zu machen, zu verwischen und darum entstand instinctiv das Bestreben, das Volksthum durch die neue Wissenschaft festzuhalten. Die Volkskunde wird diese Lebensader blosslegen, das Wesen der jüdischen Volksseele feststellen. Denn trotz unserer Absonderung hat fremder Aberglaube die Ghettomauern gesprengt. Das Reine, Gesunde und Edle wird wieder ausgesondert werden. Darum wird die Volkskunde auch in dieser- Hinsicht nützlich sein. Ueberdies wird sie in unser Herz Begeisterung hauchen, die aus den naiven Geisteserzeugnissen des Volkes strömt, eine Begeisterung, die der Verfasser eine inductive nennt, weil sie eine Forderung des klaren Verstandes, der nüchternen Datensprache ist. Die Begeisterung wird zwar nicht raketenhaft aufflackern und zünden, aber dafür wie Eisen in unser Blut sich senken, uns stärken. j. b. G Judenlieder. Von S. Lublinski, „Auffällig schwach" nannte ein sonst wohlwollender Kritiker von Adolph Donaths Gedichtsammlung „Tage und Nächte" gerade die „Judenlieder" unter diesen Gedichten» Andere haben anders geurtheilt, und auch in der „Welt" liess sich bereits eine billigende Kritik vernehmen. Aber es verlohnt sich, auf diesen ersten Versuch — denn ein solcher ist es den Judenschmerz und die Sehnsucht nach Zion in moderner Weise lyrisch zu gestalten, etwas näher einzugehen. Wir wollen vorwegnehmen: der Gipfel der Vollkommenheit ist in diesen Liedern noch nicht erreicht, und man könnte sich schon vorstellen, dass auf diesem von Donath gebahnten Wege ein grösserer noch ganz andere