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Die Welt · 1899-05-12 · 19 (12.5.1899) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
19 (12.5.1899)
Article
Paris
Date
1899-05-12
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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„Die A Welt“ Seite.11 Nr. 19 müssen, und als er, in der Deputiertenkammer darob interpelliert, sich stammelnd zu vertheidigen suchte, musste er schliesslich die Tribüne verlassen, weil ihn das lärmende Haus nicht zu Worte kommen liess. Daraufhin nahm Frey ein et seine Demission. Das Portefeuille des Krieges erhielt Kr a n t z, der bisherige Arbeitsminister. K r a n t z ist ein unbedingter Anhänger Dupuys und wird die Affaire Dr eyfus nach dessen Plänen rasch finalisieren. England. London, 5. Mai. Für diejenigen, die Tag um Tag das Anwachsen des Posteinlaufes im Bureau der Jüdischen Colonialbank beobachtet, die die verwirrende Fülle von Städte- und Personennamen in immer länger werdender Liste sich häufen gesehen, und die halb staunend, halb ermüdet sich gefragt, wann denn das alles ein Ende nehmen werde, bedeutet die Entscheidung der Directoren und die zur Zutheilung der Actien unternommenen Schritte eine willkommene Erholung. Noch einen langen Discussions- und Berathungstag hatten die Directoren durchzumachen: als der Tag zu Ende gieng, wusste man, dass ein Capitel jüdischer Geschichte gemacht worden und die Bank gegründet sei. Gegen 100 Städte und Plätze in England figurieren in den Shares-Listen, London, Manchester und Leeds an erster Stelle. London, 5. Mai. Obwohl die Bedingungen zur Actienzutheilung in dem finanziellen, vom Prospecte angegebenen Sinne erfüllt und das erforderliche Minimum von Anmeldungen vorliegt, kann vorläufig die Zutheilung nicht unternommen werden. Der Grund liegt darin, dass die Anmeldungen sich auf alle Theile der Welt erstrecken. Keine der existierenden Bankinstitutionen vermag eine so gewaltige Zahl von Shares-Inhabern aufzuweisen. Dieser Erfolg, der ein glänzender Beweis für die Stärke der zionistischen Bewegung ist, darf uns aber nicht veranlassen, zu feiern. Es ist eben nur eine von den vielen Schwierigkeiten, mit denen unsere Sache zu kämpfen hat, glücklich überwunden worden. Die Bank hat jetzt so viel, als sie unbedingt braucht, um leben zu können. Weitere Anstrengungen dürfen aber darum noch nicht für überflüssig erachtet werden! Mögen nunmehr diejenigen, die bis jetzt unsere Gegner waren, sich mit uns im Erfolge vereinigen und die Einigkeit des jüdischen Volkes consolidieren! Wir warten auf diejenigen, die schweigend und unthätig das Fortschreiten der zionistischen Idee aus einer Distanz beobachtet haben, die den Massstab ihrer Indifferenz bildet 1 I. de H. Russland. Petersburg. Anlässlich der bevorstehenden .Feier des 100jährigen Geburtstages Puschkins beabsichtigt das Comite der „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Russland" die Herausgabe einer Uebersetzung von gewählten Gedichten des berühmten Dichters in hebräischer Sprache zu veranstalten. — Dem wirklichen Staatsrathe Jakob Salomonowitsch No 1 j a ko w Ist der Titel eines Geheim rathes verliehen worden. ff. In dem Orte Hidasnemeti bei Kaschau wurde bei einem grossen Brande auch die dortige einzige Synagoge zerstört, wobei alle Kostbarkeiten und Sefertoras dem Feuer zum Opfer fielen. -r- In Berlin begieng der Redacteur der „Volkszeitung", Hermann Hold heim, das fünfzigjährige Journaliste»- Jubiläum. * Unter den Legaten, welche der verstorbene Reichstagabgeordnete Bamberg er gestiftet, befindet sich auch eines im. Betrage von 20.000 Mark für Obdachlose. * In Berlin starb im Alter von 73 Jahren der durch eine reiche wissenschaftliche Thäfcigkeit bekannte Dr, Max Sim on, welcher durch volle 44 Jahre an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde thätig war. Von seinen wissenschaftlichen Werken sind besonders hervorzuheben: ein Lehrbuch der Geographie, ein vorzüglicher Leitfaden der Geometrie und eine übersichtliche Karte von Palästina. Ferner befasste er sich mit jüdisch-chronologischen Studien, die er zusammen mit Lehrer C o f e n-Rees herausgab. * Ein schönes Bild wahrhafter Bruderliebe bietet der Jahresbericht pro 1898 der „Achawa", Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrerwitwen und -Waisen in Deutschland, der 34. seit Bestehen des Vereines. Der Verein zählt 363 Activ- und 1000 Inactivmitglieder. Die Jahresunterstützungen betrugen 15.244 Mk., aussergewöhnliche 1639 Mk. Das Vereinsvermögen ist 236.041 90 Mk. (plus 8660 Mk , was hauptsächlich einer hochherzigen Spende von 5833 Mk. aus dem Nachlasse der sei. Frau Regine Goldschmidt in Frankfurt a. M. zu danken ist. Das Beispiel dieses Vereines sollte man überall nachzuahmen sich bestreben! * Seit einiger Zeit veröffentlichten die in Paris erscheinenden Revuen mit Vorliebe Aufsätze über jüdische Fragen. Letzter Tage brachte die bekannte „Revue des Revues" eine grössere Abhandlung über „Das jüdische Proletariat in Frankreich", wobei der Verfasser, Paul Pottier, die Zahl der jüdischen Proletarier anf 20.000 beziffert und besonders der jüdischen Wohlthätigkeits-Anstalten, Schulen etc. erwähnt, die für sie errichtet sind. Auch die „Revue socialiste" hat vor kurzer Zeit einen interessanten Artikel über die Judenfrage publiciert. Endlich beschäftigt sich im „Journal des Economistes" der bekannteSenator Passy mit der „wahren Lösung der Judenfrage", wobei er zum Schlüsse an eine Aeusserung erinnert, die der rumänische Unterrichtsminister Carp im Jahre 1875 gethan hat, wo er den Rath gibt, es den Juden in Arbeitsamkeit, Sparsamkeit und in ihrem ökonomischen Verhalten gleichzuthun. m Allerlei Nachrichten Neulich berichteten wir über die Aeusserung eines preussis dien Richters, der eines Juden Eid. für nicht vollwichtig bezeichnete. In Prag hat ein anderer Richter das gerade Gegentheii herausgefunden. Nach seiner Ansicht werde der Eid gerade bei den Juden mit grosser Gewissenhaftigkeit aufgefasst. Jetzt wissen die Juden nicht, welchem von den beiden widersprechenden Urtheilen sie Glauben schenken sollen. * Ober-Stabsarzt I. Ul., Dr. Moriz Lion in Josefstadt wurde anlässlich seiner Versetzung in den Ruhestand durch den Charakter eines Gereralstabsarztes und die Verleihung des Eisernen Kronenordens III. CI. ausgezeichnet. .;* Wir berichteten jüngst, wie sehr die Schätzungen über die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Nordamerika auseinandergehen. Es scheint das ein chronisches Uebel zu sein. Ein soeben von Dr, Winterst.ein in Cassel herausgegebenes Kärtchen beziffert die Zahl der Juden der ganzen Welt auf nur 7 Millionen, während man bis jetzt allgemein 9—10 Millionen annahm. Am dichtesten seien sie in Ungarn mit 6 25, Oesterreich mit 4*80, Russland mit 4'10 Percent; am wenigsten hat Norwegen: 300, d, i. OTO Percent. Insgesammt: ist der. Percentsatz vier Zehntel Percent der Erdbevölkerung. Me MiftW Kemgimz. Spenden für zionistische Zwecke, sowie SchekelzaHlungen sind an das Bureau des Zionisteneongresses, Wien, IX., Türkenstraße S., Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionisteneongresses, Basel, zu senden. -Das Actionseonnte. Das Bureau des Zionistencongresses befindet sich vom Mai angefangen: Wien, IX. Türkenstrasse 9. Wien. (Agitationsversämmlung.) Die vom Einzelvereino „Wien", am 27. April a. c. im Cafe „Commercial" I. Bezirk, Rudolfsplatz, veranstaltete Agitationsversammlung hatte einen geradezu glänzenden Verlauf. Nach dem formvollendeten, mit wohlverdientem Beifall aufgenommenen Vortrage des Referenten Herrn Dr. J. W. Marmor ek, entspaifh sich eine lebhafte Discussion, die in eine’einstimmige Sympathiekundgebung für unsere Bewegung ausklang. Als bedeutungsvollsten Redner des Abends müssen wir Herrn Kaufmann Halä witsch bezeichnen. Er ergreift unmittelbar nach dem Referenten das Wort, um auszuführen, dass er Christ sei und lange schon die Gelegenheit herbeigesehnt habe, den Anhängern unserer Idee seine vollste Anerkennung und Hochachtung öffentlich auszusprechen. Redner prognostiziert der Bewegung eine glückliche Zukunft und weist darauf hin, dass sie heute, auch unter seinen Glaubensgenossen , schön viele Freunde besitze. Wir können es uns nicht versagen, einen der markantesten Sätze aus seiner Rede wörtlich wiederzugeben, er läutet: „Meine Verehrten, lassen Sie sich durch Ihre Gegner nicht ent-

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