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Die Welt · 1899-05-12 · 19 (12.5.1899) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
19 (12.5.1899)
Article
Die jüdische Colonialbank (Nachtrag)
Date
1899-05-12
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die Welt“ Nr. 19 Mückl; in Szczerzec (Gal.) S. Luft, H. Chili, D. Chili. Einzelheiten. Petrikau. Hier wurden 456 Shares von 96 Actionären subskribiert. M. Feinkind. Jassy. Die Subscription dauert fort. Bis zum 28. April wurden bei Banquier Popper 4500 Shares gezeichnet. F. Cervilia. Üng.-Brod (Mähren), 2. Mai. Seit einigen Tagen mit der Subscription begonnen. Bisher sind 60 Actien gezeichnet. Berthold Singer. Aiitz (Curland in Russland). In unserem kleinen Orte, welcher von circa 30 armen jüdischen Familien bewohnt wird, ist es unserem orthodoxen Rabbiner Awzinski gelungen bis 70 Actien zu verkaufen. Aehnliches hört man von den umliegenden Städten. Wilhelm Hirschwald. Glasgow, 24. April. H. A. Schönfeld, Präsident der „Glasgow Zionist Association“ verkaufte bis heute 385 Shares. Kalusz, 6. Mai. Bisher in unserem kleinen Städtchen 76 Shares aufgebracht. (Gez. M. Mühlstein, M. Lachs.) Bialystok. Grosse Dimensionen nimmt die Subscription bei uns erst jetzt an. Bis 18./30. April 3374 Actien, 871 Actionäre. Lebhafte Betheiligung aller Classen, grosse Begeisterung und Sympathie für die Bank. (Gez. Menachem.) Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Ung. Brod. Der 25. April d. J. bedeutete für unsere Judenschaft ein Ereignis. Am Abende des genannten Tages versammelte sich ein nach hunderten zählendes Publicum im Saale des Herrn Max Fuchs, um den Ausführungen des Herrn Dr. Kahn zu lauschen, der auf seiner Heimkehr aus Prag hier einen kurzen Aufenthalt nahm. Der Einberufer, stud. jur. Berthold Singe r, begrüsste die Erschienenen, betonte, in seiner Ansprache, dass diese Zusammenkunft überhaupt die erste jüdisch-politische Volksversammlung sei, die jemals im Orte stattgefunden, und drückte dem verehrten Gaste den wärmsten Dank für seinen Besuch aus. Bei der darauffolgenden WahlwurdeHerrOberlehrer Riesenfeld zum Vorsitzenden, Herr Advocat Dr. Beer aus Ung.-Hradisch zum Stellvertreter, Herr stud. jur. Josef J o kl zum Schriftführer gewählt. In einer fast dritthalbstündigen Rede erklärte Herr Dr. Kahn in glänzender, formvollendeter Weise die Entwicklung und die Ziele des Zionismus. Ein nicht endenwollender Beifallssturm folgte den begeisternden, hinreissenden Worten des Vortragenden. Herr Rabbiner Dr. J u n g als Contraredner bekämpfte mit Zuhilfenahme seines rabbinischen Wissens den politischen Zionismus vom religiösen Standpunkte. Der Herr Rabbiner, der nur einen ganz kleinen Bruchtheil der Anwesenden durch den Inhalt seiner Rede erwärmen konnte, wünschte zum Schlüsse aus humanitären Gründen unserer Bewegung das beste Gelingen; doch man könne - nicht verlangen, dass er und seine ^Gesinnungsgenossen, d. i. die orthodoxen Elemente, sich uns arischliessen. Herr Dr. K ahn verlangte, bevor er j*eplicierte, alle Contraredner zu hören. Unter grösster Spann urig des Auditoriums ergriff hierauf Herr Dr. K a h n das Wort Zur Entgegnung. Sein* ausserordentliches, geradezu bewundernswertes hebräisches Wissen, das jedem Rabbiner zur Ehre gereichen könnte, wirkte überzeugend auf die Versammlung. Er wies durch ein erdrückendes Beweismaterial aus Bibel, Talmud und anderen Schriften nach, dass die Selbsthilfe den Juden geradezu geboten sei, und dass nur durch Missverständnisse und falsche Deuteleien eine unrichtige Auffassung betreffs seiner Erlösung in das jüdische Volk hin ein getragen wurde, eine Anschauung, die in dem sogenannten „mystischen Zionismus“ ihren Ausdruck findet. Erwiderlegte in überzeugender Klarheit alle Ein- und Anwürfe des Rabbiners, der es vorzog, das Feld zu räumen. Herr Dr. Schweiger erklärte Doctor K ah n, dass wir Zionisten betreffs der Religion eine versöhnliche, tolerante Politik befolgen, dagegen gewisse Herren, die sich auf den streng-religiösen Standpunkt stellen, höchst intolerant und unjüdisch handeln. Der Dank, den der Vorsitzende in seiner Schlussrede unserem werten. Gaste darbrachte, klang in ein dreimal! gs Hoch auf Herrn Doctor Ka h n aus, in das die. ganze Versammlung aufs begeistertste einstimmte. Erst zwei Stunden nach Mitternacht schloss der anregende Abend, den viele als der! genussreichsten ihres Lebens bezeichneten. Graz. (Eine vergessliche VVange.) Von sehr bedauerlichen Folgen war eine Scene, die'sich hier ereignete, begleitet. Der germanischeRegenschirmlabrikantWolfin ger, welcher im hiesigen Gemein der atlie als Krakehl- Stellvertreter des Herrn Feichtinger fungiert, machte kürzlich den muthigen Versuch, eine jüdische Gesellschaft zur Abendzeit arizurempeln. Ehe sich's aber der gute Mann recht versah* hatte ßr bereits von einem jüdischen Herrn eine klatschende Antwort auf seine antisemitischen Annäherungsversuche erhalten. Der wackere Regenschirm-Erzeuger, dem nun die Sache nicht mehr ganz geheuer schien, rief nach der Polizei; der am Schauplatz der That erscheinende Wachmann notierte sich die Namen aller Anwesenden, auch den des Herrn Wolfinger. Als nun am nächsten Morgen der passive Held des Abends zur Polizei vorgeladen wurde, erklärte er mit erstaunter Miene, er wisse, von nichts, es habe sich durchaus nichts besonderes zugetragen. Der unglückselige Mann hatte von dem unsanften Ereignisse eine bedauerliche Gedächtnisstörung davon getragen. . , K—r. Budapest. In einer der jüngsten Sitzungen des ungarischen Abgeordnetenhauses — auf der Tagesordnung standen die staatlichen Volksschulen — wetterte der Abgeordnete Michael Juri s s, ein geistliches Mitglied der katholischjudenfeindlichen Volkspartei, gegen die Regierung, weil diese den Geist des Katholicismus angeblich aus den Schulen verbanne, upn den jüdischen Geist an dessen Stelle zu setzen. Er führte weiterhin aus, der teuflische Geist des Judenthums sei im Begriffe, die Alleinherrschaft im Lande anzutreten, und die Regierung scheue sich nicht, ihm hilfreiche Hand zu bieten. Als Zeugnis hierfür brachte er vor. dass in L’iptö-Szent-Miklös die katholischen und evangelischen Schulknaben — liorribile dictu — in die Synagoge geführt wurden, als die dortige jüdische Gemeinde für* die Kaiserin Elisabeth eine Trauerfeier veranstaltete. Der Cultusminister habe angeordnet, dass die jüdischen Schülerauf Wunsch vom Schreiben am Samstag loszusprechen seien. Die Jahrmärkte, die mit einem jüdischen Feiertage zusammenfallen, verschiebe die Regierung auf einen anderen Tag und den jüdischen Soldaten gewähre sh an den ..hohen Festtagen“' Dienstfreiheit. Weshalb, klagt« der biedere Gottesmann bitterlich, nimmt die Regierung au; das auserwählte Volk so viele Rücksichten? — Während dieser christliche Glaubensheld ernste Besorgnisse hegt, der Geist der staatlichen Schulen möchte verjudet werden, scheinen die Magyaren mosaischen Bekenntnisses mit Bezug auf ihre eigenen confessionellen Schulen dieselbe bang« Beklommenheit zu empfinden. In ihrer rathlosen Angst greifen sie, um nicht ganz in der Fluthenfülle jüdischen Geistes zu versinken, nach dem schwanken Strohhalm« eines „Parade-Gois“. Wie nämlich der ,Pester Lloyd' meldet, wählte die israelitische Cultusgemeinde^ in Guroi (Bäcs-Bodroger 0omitat) vor einigen Tagen den römischkatholischen Pfarrer Mathias N a g y zum Präsidenten de^ jüdischen Schulstuhles. Deutschland. Berlin. Nachdem bereits Herr Wolffsohn aus Köh anlässlich seines hiesigen Aufenthaltes in einer schnei: improvisierten Versammlung über die Bank gesprochen hatte, fand vorgestern wiederum eine Sitzung der „Berliner zionistischen Vereinigung“ statt. Vor zahlreicher Zuhörerschaft sprach Herr Dr. Adolf Friedemann über die Noth wendigkeit der Bank als eines Mittels zur Verwirklichung unserer Bestrebungen und giengan der Hand des Prospecte insbesondere auf die geschäftliche Seite des Unternehmen ein, um von vorneherein den laut gewordenen Befürchtungen und Angriffen zu begegnen. Dem äusserst beifällig auf genommenen Vortrage, der in eine Aufforderung zu'eifrige’ Mitarbeit ausklang, folgte eine Diseussion, in deren Verlauf der Referent verschiedene Anfragen zur Zufriedenheit de; Fragesteller beantwortete. Zum Schlüsse wurden erfreulicher weise eine grössere Anzahl Shares gezeichnet. In danken s werter Weise hat unser Gesinnungsgenosse Herr Banquiei Julius Kalmus die hiesige Zeichenstelle übernommen, und wir hoffen, wenn die Agitation für die Bank hier auch erst später eingesetzt hat, doch auch in Berlin zu einem befriedigenden Resultate zu gelangen. R. Mayer. Frankreich. Paris. (Demission des Kriegsministers.' Der Professor an der Kriegsschule von Saint-Cyr, George^ Duruy, Sohn des ehemaligen Unterrichtsministers untei Napoleon III., war von seinen Vorlesungen suspendier! worden, weil seine Schüler gegen ihn wegen eines Dreyfu> freundlichen Artikels im „Figaro“, den Duruy verfasst, laut demonstriert hatten. In jedem anderen Lande wäre den Herren Militär Schülern aus Gründen derDisciplin der Standpunkt klar gemacht worden, . aber der Kriegsminister Frey ein et glaubte seine Schneidigkeit an dem Professor, nicht aber an den zukünftigen Lieutenants erproben zu

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