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Die Welt · 1899-05-12 · 19 (12.5.1899) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
19 (12.5.1899)
Article
Ein Leitfaden durch die Irrgänge des Dreyfushandels
Date
1899-05-12
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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„Die H Welt44 Seite 5 Nr. 19 eingetragen: 5. Jänner 1896. Später wurde jedoch erkannt, dass die betreffende Stelle des Eclair nicht aus der Nummer vom 5. Jänner 1896, sondern aus der vom 5. Jänner 189V stammte. Die Vertheidiger Henrys haben dieses „Versehen" damit -entschuldigen wollen, dass man beim Beginne eines neuen Jahres leicht irrthümlich die Zahl des alten Jahres schreibe. Wie es seine Pflicht erheischte, stellte Picquart nun Nachforschungen über den Adressaten des Petit Bleu an, und sie ergaben, dass Esterhazy liederlich, in ungeregelten Verhältnissen lebte, auf alle mögliche Weise Geld aufzutreiben suchte, mehrfach in der deutschen Botschaft verkehrte, sich bemüht hatte, von Kameraden Nachrichten über die Mobilmachung der Artillerie und Bestimmungen über das Schießen zu erfahren, und eifrig bestrebt gewesen war, seine Commandierung in das Kriegsminrsterium zu erreichen. Inzwischen hatte ein gewisser Richard Cuers, angeblich ein deutscher Spion, Mittheilung gemacht, dass man sich in Deutschland vergeblich bemüht habe, zu erfahren, für wen Dreyfus eigentlich „gearbeitet" habe, dass man dort nur einen französischen Officier, einen Major, im Alter von 45—50 Jahren kenne, der Spionage treibe und der wenig wichtige Schriftstücke über Artillerie und Schießvorschriften geliefert habe. Picquart schickte den Hauptmann Lauth nach Basel, damit er versuche, von Cuers den Namen dieses Officiers zu erfahren, und er gab ihm auf sein dringendes Bitten Henry mit. Die Sendung war erfolglos, die beiden behaupteten, Cuers habe ihnen keinen Namen nennen wollen. Cuers hat sich später bei einer Mittelsperson (M. F.) beschwert, dass, bei der Zusammenkunft Henry fortwährend auf ihn eingeredet, sich den Anschein gegeben habe, als gehöre er zur Polizei, und ihn (Cuers) dadurch verhindert habe, zu reden. Nachdem Picquart sich Briefe Esterhazys verschafft hatte, fiel ihm sofort die Aehnlichkeit dieser Handschrift mit der des Bordereaus auf; du Paty, dem er die Schrift Esterhazys vorlegte, sagte: „Das kommt von Mathieu Dreyfus", und Bertillon, der bekannte Erfinder der polizeilichen Messungen und einer der Schriflkundigen aus dein Processe Dreyfus, rief aus: „Das ist die Schrift des Bordereaus". Jetzt erst erkannte Picquart den Zusammenhang der Fälle Dreyfus und Esterhazy, er ließ sich zum erstenmale das geheime Dossier des Dreyfus-Proeeffes geben und las, wie er sagt, mit einer Anwandlung von starrem Schrecken, woraufhin man Dreyfus verurtheilt hatte. Er fand, dass von den erwähnten Schriftstücken zwei überhaupt nichts beweisen, dass das erste sich ebenso gut auf Esterhazy wie auf Dreyfus beziehen kann, und dass es unmöglich ist, das.dritte auf Dreyfus anzuwenden. Er fand ferner, dass Esterhazp in der Lage war, die im Bordereau angeführten Dinge zu liefern und dass auch der Ausdruck „jo vais partir en manoeuvres“ auf ihn passte, weil er im August 1804 die Uebungen im Lager von Chalons mitgemacht hatten Der Chef und der Unterchef des Generalstabes, die Generäle Boisdeffre und Gonse, denen Pieqart Bericht erstattete, schienen ebenso wie der Kriegsminister Billot mit ihm von der Schuld Esterhazys überzeugt zu sein, redeten aber stets davon, die Sache Dreyfus von der Esterhazys zu trennen, wollten keine Untersuchung und entledigten sich schließlich Picquarts dadurch, dass sie ihn in besonderer Mission nach Tunis schickten. Sein Nachfolger in der Leitung des Nachrichtenbureaus wird Henry, der Fälscher. (Fortsetzung folgt.) W Lin Dementi. An die geehrte Redaction der „ W 6 1t“ W i e ii. Herr Willy Bambus in Berlin stellt in der Ende April erschienenen Nummer III/IV seiner Monatsschrift „Zion“, die mir erst heute zu Gesicht kommt, dem officieilen Dementi des Secretariates des Congresses, dass eine Aenderung des Wahlgesetzes vom Actionscomitd nicht vorgenommen worden sei, mein angebliches Zugeständnis von diesem geplanten „Staatsstreiche des Dr. Herz 1“ entgegen. Ich erkläre hiermit ganz entschiedenst, dass die Behauptung des Herrn Bambus, ich hätte ihm in Paris die seitens des Wiener Actioncomites erfolgte Aenderung des Wahlgesetzes zugegeben, mit derW a h r h e i t im Wide rspruebe steht, indem ich ihm ausdrücklich erklärte, dass das Actionscomite kein neues Wahlgesetz, sondern nur die stricte, strenge und ehrliche Durchführung des bestehenden, vom Baseler Congresse beschlossenen Wahlmodus bei den demnächst stattfindenden Wahlen zum III. Congresse beschlossen habe. Herr Willy Bambus reiht sich würdig der Reihe unserer Gegner an, welche in dem Kampfe gegen uns zu Entstellungen, Unterstellungen und Unrichtigkeiten greifen, da sie über wahre Argumente nicht verfügen können. Ihr stets ergebener Dr. Alexander M armor ek. Paris, 4. Mai 1899. W Neues aus Palästina. Von T. Blanco. Requiem. Am 12. April,. 3 Uhr nachmittags, veranstalteten die Herren Director Niego und Haym, Vertreter der J. C. A. für die verstorbene Baronin Clara Hirsch eine Trauerfeier zu Mikweh Israel. Der herrliche Frühlingstag stand im grellen Widerspruche zu dem düsteren Ton der mit Traueremblemen geschmückten Tempelhalle der Anstalt. Von weit und breit waren Leute herbeigeströmt, 1200 an der Zahl, um durch ihr Erscheinen das Andenken der Verstorbenen zu ehren. Eingeleitet und geschlossen wurde die Feier durch die von einem Schülerchore unter Leitung des Colonisten Kleiner aus Rechoboth vorgetragenen Trauergesänge. Von den anwesenden Honoratioren sprachen die Herren Haym, Benvenisti, Director der Allianceschule in Jaffa, Feinberg, Rokach namens der Gemeinde Jaffa und schliesslich Rabbiner Jacob Meyer aus Jerusalem in hebräischer Sprache. Der letztere, ein bedeutender Redner, besprach das segensreiche Wirken der Verstorbenen zugleich mit den heiligen Aufgaben unseres Volkes in einer Weise, die ein Gleiches auch von anderen Kanzeln Palästinas wünschenswert erscheinen Hesse. Spende. Aus einer von der seligen Baronin Clara Hirsch zugunsten eines Spitalbaues in Jaffa im Vorjahre gemachten Schenkung von 75.000 Francs, wurde kürzlich ein 22.000 Quadrat-Ellen grosser Gebäudecomplex von dem Österr.-ungar. Consul zu einem sehr günstigen Preise erworben (37.000 Francs). Es ist daher zu hoffen, dass diese humanitäre Anstalt in Bälde ihrer Bestimmung zugeführt wird. Das bisherige jüdische Hospital war in einem fremden Hause eingemiethet und seinen Zwecken nicht ganz entsprechend. Fremdensaison. Dieselbe ist nun vorüber, konnte jedoch die Frequenz vergangener Jahre nicht ganz erreichen, nachdem einerseits die sonst zahlreichen amerikanischen Touristen durch die kriegerischen Verhältnisse ihrer Heimat vielfach abgehalten wurden, andererseits aber auch manche die nächstjährige französische Weltausstellung zu einem Aufschübe benutzt haben mochten, um analog den Vorbereitungen einzelner Reisebureaus den Besuch von Paris mit einer Orientreise zu verbinden. Eilverbindung mit Palästina. Es dürfte in Europa vielleicht nur wenigen bekannt sein, dass von der Peninäular and Oriental Steam Nav. Co. zwischen Brindisi, Port- Sai’d und Ismaila Eildampfer verkehren, welche zu der Strecke Brindisi—Port-Said nicht mehr wie 48 Stunden brauchen. Jaffa ist von Port-Said in 12 Stunden zu erreichen. Ziegenimport. Um die Ziegenzucht in den jüdischen Colonien einzuführen, wurden von Baron Edmund Rothschild fünf prächtige Exemplare von Malta nach Pessach- Tikwah gebracht und im Administrationsgebäude eingestellt. G Eine Gerichtsverhandlung. Herr Dr. Saul Raphael Landau, der am 9. Mai in Wien als Angeklagter vor dem Richter stand und dort nicht gerade erquickliche Dinge zu hören bekam, hat es sich selbst zuzuschreiben, dass er jetzt um eine unliebsame Erfahrung reicher ist. Er hätte sich die verschiedenen Misslichkeiten, die der Aufenthalt auf der Anklagebank während der Verhandlung mit sich brachte, gewiss ersparen können. Es wurde ihm lange genug Zeit

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