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Die Welt · 1899-05-05 · 18 (5.5.1899) · p. 15

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
18 (5.5.1899)
Article
Zabie [Nachricht]
Date
1899-05-05
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 18 „Vie Welt“ Oeite iä nunmehr genehmigt. Die erste ordentliche Generalversammlung findet demnächst statt. Buezacz (Galizien). Am 29. März l. I. veranstaltete der hiesige Verein „Z i o n" unter Mitwirkung der akademischen Jugend im Haufe des Herrn A. M e e r e n g e l eine Passah-Feier, dtachdem der Vicepräsident Herr Dr. G o l d st a u b die zahlreich erschienenen Gäste in einer warmen Ansprache begrüßt hatte, hielt Herr cand. theol. Lauterbach aus M o u ast erz y s k a eine schwungvolle Festrede. Es concertierten hierauf Frl. Stern und Frl. Mandel (Piano) und der bekannte Violinist Herr M. Jonas aus Stanislau. Die Gesangvorträge des Herrn cand. med. P r eminge r, die deutschen Declamationen des Herrn stud. jur. Anderma n n und die hebräischen Vorträge des Herrn H ers a s errangen groben Beifall. Der durchwegs aus Hochschülern bestehende Chor sang nationale Lieder. Das Schlusswort hielt in hebräischer Sprache Herr M. Ch. Stern. Nach der Feier fand zu Ehren der Gäste im Hotel Schapira ein Gommers statt. ~ H. B. Podhajee (Galizien). Am 25. Februar hat der hiesige Verein „Zion" ein Purimfest veranstaltet, welches einen sehr würdigen Verlauf nahm. Besonders hervorzuheben sind die Musikdarstellung und der Chor mit Musikbegleitung unter der Leitung des Herrn stud. jui*. Sternschuss, die Festrede von Herrn M. Liebli ch u.id das Schlusswort des Herrn stud. jur. S. Marienberg. Ursprünglich hatte die Feier in der großen Synagoge stattfinden sollen. Äber unsere Herren Gultusvorstände, welche die Synagoge zur Verherrlichung ~ fremder Nationalhelden jederzeit bereitwilligst zur Verfügung stellen, waren offenbar der Ansicht, dass eine speeifisch jüdische Feier ihre Synagoge nur entweihen könne und schüttelten verneinend die weisen Häupter, als wir das Ersuchen stellten, in der Synagoge die Purimfeier veranstalten zu dürfen. Wir werden dieses Verhalten für künftige Cultuswahlen ad notam nehmen. Spenden für zionistische Zwecke. R. H, Paris, durch Vermittlung des Herrn Di*. Alex. Marinorek 1000 Francs, Weinstein in Go erhersdorf mit Beiträgen der Gesinnungsgenossen Helfer, Grünberg, Jakow, Frl. Wirlichman und Weinstein, sämmtlich aus Russland, 10 Mark: derselbe: Schekelbeitrag 2 Mark. Spenden für Boryslawer Arbeiter. Jacob B o d e t z, Postassistent, Lemberg, 2 fl. G Bücherwelt, Das altjüdischeZauberwescu. Von LudwigBlau. Budapest, 1898. 8". Der Aberglaube ist älter als der Glaube, wie die Verehrung von Götzen älter ist als die Anbetung Gottes. Der Aberglaube ist der Vorgänger des Glaubens, aber der Glaube ist nicht sein Erbe, da jener nicht zu den Todten gehört. An der Hand von Beispielen, die in den letzten Jahren gesammelt wurden, ward jüngst ein düsteres Bild von den religiösen Anschauungen der europäischen Völker entrollt und dargethan, dass die Religion vom Aberglauben überflutet wird. Wir können dies wohl begreifen, denn der Aberglaube ist wohl durch den Glauben z u r ü ck g e d r ä n g t, aber nicht verdrängt worden. Er hatte immer und überall seine Heimstätte, er kennt keinen Unterschied der Rasse, der Erdstriche, der Zeiten, er ist gewissermaßen allgemein menschlich; sein Gebiet ist unbeschränkt. Die in den letzten Jahren zahlreich zum Vorschein gekommenen Zauberpapyri haben die Aufmerksamkeit in höchstem Maße auf die antike Magie gelenkt und dieser Umstand drückt der vorliegenden Schrift, welche durchwegs aus den Originalquellen geschöpft ist, den Stempel der Zeitgemäßheit auf. Das altjüdische Zauberwesen bildet an sich einen hochinteressanten Abschnitt in der Geschichte des menschlichen Glaubens und Denkens, es bietet aber auch zugleich den schlagendsten Beleg für die Zähigkeit magischer Vorstellungen. Diese wurzeln so tief in der menschlichen Natur, dass sie der jüdische Monotheismus trotz seiner weltgeschichtlichen Triumphe aus dem eigenen Volke nicht gänzlich auszurotten vermochte. Mit „alljüdisch" bezeichnet der Verfasser das Zeitalter der jüdischen Tradition, also beiläufig das erste halbe Jahrtausend unserer Zeitrechnung. Das jüdische Zauberwesen des Mittelalters, wie es sich namentlich in der Kabbala und ihrer Literatur breit macht, hat er wohl nicht berücksichtigt, immerhin aber hat er uns einen Schlüssel zu seinem Verständnis an die Hand gegeben, denn die Kabbala ist nicht nur ein Kind der Philosophie, sondern auch der Magie. Es ist des Verfassers Verdienst, den vorhandenen Stoff zum erstenmale vollständig gesammelt und den gesammelten Stoff übersichtlich geordnet und beleuchtet zu haben. S. P Die Goldschilds. Roman aus dem Ende des 19. Jahrhunderts von Friedrich Fürst Wrede. (4 6. Fortsetzung.) Die herbeigerufenen Diener wussten keine Aufklärung über die Person der Kleinen zu goben. Erst der Obergärtner, den Dr. David aus dem Schlafe hatte wecken lassen, vermochte das Rath sei zu lösen. Er erklärte, das Mädchen sei die kleine Gertrud — die Tochter des Heizers Schmit. Einer der Angestellten müsse immer Nachtwache bei den Oefen der Warmhäuser halten, und am heutigen Tage habe die Reibe den Schmit getroffen. Da aber zur Feier der Taufe des jungen Barons in Siegling eine Tanzunterhaltung stattfinde, habe der gewissenlose Vater wahrscheinlich das Kind statt seiner geschickt. Dies sei umso wahrscheinlicher, da die Gertrud in den Gemüsegärten oft zu leichter Arbeit verwendet werde. Das übrige ergab sich von selbst. Das Mädchen hatte schon leidend dem strengen Befehle Folge geleistet und war von der Krise der Krankheit ii b e i-rum |) e 11 w ord on. Man überlegte, sie in das elterliche Haus zurückzu sei mffen. Das aber gab Dr. David nicht zu. Sein Weg führte ohnedies durch Siegling und er beschloss, die Kranke in seinem Wagen heimzuführen und sich zu überzeugen, ob ihr dort gute Pflege würde. Ein Diener trug die Kleine zum Wagen. Der Arzt, der Obergärtner und die übrigen folgten. So bewegte sich der abenteuerliche Zug durch die langen, gewundenen Glasgänge, durch das Speisezimmer und den Gartensaal. Hier irrte der dicke Baron Moritz noch immer schlaflos in seinem lichten, buntfarbigen Morgenanzug am Arme seines Wärters umher. Als man die kleine Gertrud durch das Zimmer trug, schien ihn dies höchlich zu belustigen. Er lallte kaum verständlich.: „Nettes Mädel — nettes Mädel!“ und wollte durchaus auf sie zuwatscheln. Da ihn aber sein Führer daran hinderte, begnügte er sich damit, dem besinnungslosen Kinde eifrig Kusshämlcben zuzuwerfen. Dann nahm er wieder seine Wanderung durch das prächtige Gemach auf, den kleinen, kahlen Altar, vor dem sein Sohn die Taufe empfangen, unzähligemale wie ein unvernünftiges Thier in seinem Käfig rastlos umkreisend. XI. Das Heim des Goldschildischen Heizers Schmit war am äussersten Rande Sieglings gelegen. Es war ein niederes, einstöckiges Gebäude, das mit seinem vorspringenden Dache und kaum über manneshohen Mauern eher einer grossen Hundshütte als einer menschlichen Behausung glich. Es war keineswegs Eigenthum der Leute. Vor Jahr und Tag war es zugleich mit einem halben Dutzend anderer als Versuch einer Arbeitercolonie von einem humanitären Vereine erbaut worden. Es war nur für eine Familie berechnet lind sollte gegen billiges Entgelt der Fabriksbesitzung überlassen werden. Die gesammte Presse hatte das gemeinnützige Unternehmen als einen wichtigen Schritt auf der Bahn des socialen Fortschrittes begrüsst. Wenn man die Berichte der Zeitungen las, so stellte man sich die neue Colonie als ein reizendes Idyll vor, in dem die Mutter dem Hauswesen vorsteht, die lieben Kinder wäscht und putzt, kräftige Speisen am Kochherde brodeln und der Vater abends im Kreise der Seinen aus „Ueber Land und Meer" vorliest. In Wirklichkeit gestaltete sich die Sache allerdings etwas anders*

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