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Die Welt · 1899-04-28 · 17 (28.4.1899) · p. 15

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
17 (28.4.1899)
Article
Riga
Date
1899-04-28
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Är. U „Die 4& Welt“ Seite 15 arrangierte lebende Bilder: „DiejüdischenLan darbeiter in Palästin a", dargestellt wurden, und dann die Darsteller in Arbeitseostümen und Geräthen im Saale erschienen. Es erdröhnte ein nicht endenwollendes „Hedad", welches allmählich von einem Zionslied verdrängt wurde. Das ganze Publicum sang mit. Man zeichnete Aetien für die Eolonialbank und ergötzte sich in den blau-weiß deeorierten Sälen bis zum Morgen. Ein echtes jüdisches Fest! G V ereinsnachrichten. Wien. (Jüdisch - akademische Lesehalle.) Samstag den 29. d. M. findet in der „Jüdisch-akademischen Lesehalle“, IX.,Berggasse4, präcise 7 ’/2 Uhr abends ein Vortrag des Herrn Dr. Leo S o f e r : „Eine neue Hamleterklärung“ statt. Gäste willkommen. Wien. (Verbindung Oesterr. - Schles. Hochschüler „Ivria“.) Das Ergebnis des letzten Wahlconventes für das Sommersemester war folgendes: cand. jur. Rudolf Nassau X, cand. jur. Moriz Kohn XX.. cand. ing. Herrn. Nach mann XXX. Wien. (L iter a r isch er Geselligkeits-Verein jüdischer Mädchen „M o r i a“.) Am 10. d. hielt Herr Hugo Benedikt, vor einem zahlreichen Auditorium einen höchst beifällig aufgenommenen Vortrag über Völkerassimilation. Dem anregenden Vortrage folgte eine Discussion, an welcher sich sowohl Mitglieder als auch Gäste aufs lebhafteste betheiligten. Anschliessend daran brachte Herr Josef Halpern, Schauspieler, unter lebhaftem Beifall einige Gedichte zum Vortrage. Der nächste literarische Nachmittag findet am 30. April statt. Referenten: Herr Dr. Frank, Frau Director T h y 1 o. Themen : „Das Judenthum und der Socialismus“. „Nietzsche über die Juden“. Gäste (Damen) herzlichst willkommen. Beginn 3 Uhr, I., Schottenring 23. Wien. (Verein j ü d ischer M ä dchen „H ad a s s a“.) im Vereine jüdischer Mädchen „Hadassa“, II., Rembrandtstrasse Nr. 11, fand Sonntag den 10. April ein überaus interessanter Vortrag des Herrn Dr. Steif statt. Sonntag den 30. d. findet ebendaselbst um 4 Uhr ein Vortrag des Herrn Dr. J. W. M a r more k über „Z a n g w i 11“ statt. Gäste willkommen. Wien. Eine überaus lebhafte Discussion über den Zionismus entwickelte sich am vorigen Donnerstagabend am wöchentlichen Vereinsabend des „J il d i s c h e n V o 1 k sv er eins“. Anstatt sich an das vom Referenten angeregte Thema zu halten, nahm Herr Strauss — derselbe Herr, welcher den Zionisten Demagogie, Umstürzler ei etc. vorgeworfen, und sein gutes Th eil an den tumultarischen Scenen in der letzten Brigittenau er zionistischen Versammlung hatte — also Herr Strauss nahm Veranlassung zu seinen sattsam bekannten Tiraden. In sehr nachdrücklicher Weise wurde ihm von den Herren Dr. Engl än d er. Kohn und selbst vom Secretär des Jüdischen Volksvereins, Herrn Rüpel, der Standpunkt klar gemacht. Herr Berliner, dem in erster Reihe der Angriff gegolten, erklärte, wie das Programm der „Jüdischen Volkspartei“ nach seiner Meinung im Grunde genommen weiter nichts sei als ein auf den österreichischen Staat resp. auf innere Verhältnisse sich beziehendes zionistisches Programm, und dass es absolut unerklärlich erscheint, wie man in einem Vereine, der eine Concentration der Juden Oesterreichs erstrebt, gegen den Zionismus sich wenden könne. Natürlich wurden von der gegnerischen Seite wiederum die zionistischen Talesweber Kolomeas ins Treffen geführt, um den socialistischen Standpunkt zu vertheidigen. Diesen Einwand zu widerlegen, war natürlich nicht schwierig. Schliesslich erklärte Herr Rüpel, es werde demnächst den Mitgliedern Gelegenheit geboten werden, über das Thema „Die Stellung der Jüdischen Volkspartei zum Zionismus“ in eingehender Discussion sich zu orientieren. Rymanow. Sonntag den 23. d. M. hielt unser hochgeehrter Gesinnungsgenosse Dr. Kornhäuser aus Jaslo einen Vortrag im Bureau unseres Creditvereines über den Zweck der „Jüdischen Colonialbank“. Die erschienene Zuhörerschaft folgte mit gespannter Aufmerksamkeit den interessanten Ausführungen und belohnte sie mit langanhaltendem Applaus. Dank der rührigsten Agitation der Herren Leo Chili, Salomon Seelenfreund, Dawid Chili und Isaac Wolf, wurde nach dem Vortrage eine schöne Anzahl Shares gezeichnet. In Anbetracht der grossen Gegnerschaft war der Erfolg bei uns glänzend. Wolf jun. Ismail. Wie an manchen anderen Orten, so hatten die zionistischen Vereinigungen auch in Ismail lange Zeit hindurch mit der orthodoxen Partei zu kämpfen. Wie überall blieb aber auch hier die Wirkung des in hebräischer wie in deutscher Sprache veröffentlichten Briefes des Herrn Dr. Mandelstamm nicht aus. Die Führer der orthodoxen Partei beriefen nämlich vor einigen Tagen alle ihre Mitglieder in die hiesige Synagoge, bei welcher Gelegenheit Herr M. Rubin über die Verbreitung und Bedeutung des Zionismus sprach, worauf man zur Wahl der Vereinsleiter schritt. Gewählt wurden die Herren N. D u 1 i z k y. Sch. Glückmann, A. Feld mann und D i a m a n t. Wir haben nun hierorts bereits vier Gruppen. Um unsere Talmud - Thora machen sich die hiesiger Damen Samuely und L i b .i d i n s k y, sowie Herr G u k o w sky besonders verdient. G Zeitschriftenrundschau. Die Jüdische Volksstimme, das von J. Kr e p p el geleitete Krakauer Blatt (deutsch in jüdischen Lettern), beschäftigt sich in der Nummer vom 25. April im Leitartikel mit der Lage der Juden in Westgalizien. Es sind, traurige Verhältnisse, die da geschildert werden. Leider sind sie noch zu wenig bekannt, trotzdem, von zionistischer Seite namentlich seit Jahr lind Tag auf die drohenden Gefahren hingewiesen wird. Der Boycott der antisemitischen Bauern, den das Blatt vorschlägt, wird wohl nicht so rasch zustande kommen. Jedenfalls aber ist es dringend nothwendig, dass sich alle wahren Volksfreunde bemühen, diesen jammervollen Zuständen nach Möglichkeit abzuhelfen. Von den „conrpetenten“ jüdischen Gemeinden ist wohl nichts zu erwarten, solange sie, wie bisher, in den Händen einer polnisch-schillernden Clique sich befinden, die mit sclavischcr Kriecherei den herrschen de] i Stancyken sich zur Verfügung stellt. Auch da wird der Zionismus rücksichtslos aufräiimen müssen, wenn es besser werden soll. In wohlüberlegter durchaus praktischer Weise klärt die von M. I) o rnb usch und Julius G a b e I redigierte „Ungarische Wochenschrift“ die Ungarn über den Zionismus auf In der Nummer vom 21. April bespricht der in der zionistischen Bewegung wohlbekannte Rabbiner von Tapolcza, Dr. Bernät Singer, über den Zionismus vom Standpunkte des Patriotismus. Es ist zu hoffen, dass auch die Juden Ungarns endlich ihre Pflicht erkennen und ihren Brüdern, die in weniger glücklicher Lage sind, zuliilfe kommen werden. Bezeichnend ist es übrigens, dass in Mannaros Sziget jetzt ein von dem bekannten jüdischen Gelehrten H. L. Gottlieb redigiertes Wochenblatt im Jargon erscheint, das strenge auf dem Boden des Baseler Programmes steht und den Namen „Zion“ führt. Gottlieb tritt in begeisterter] Weise für den Zionismus ein und dürfte unserer Sache viele überzeugte Anhänger gewinnen. In der „St. Pauls Gazette“ veröffentlicht A. Hen ri quos Valentine ein interessantes Interview Mr. G re enhorgs über die zionistische Bewegung. Mr. L. J. G r e e n h e r g, der Ehren secretär der English Zionist Federation gibt als Supplement zur Monatsschrift „Israel“ ein kleines Journal „The Messenger of Zion“ heraus. Ein Artikel beschäftigt sich mit „Napoleon als Zionist“, ein anderer mit der Assimilation der reichen Jude]]. Das erinnert an das Londoner Wochenereignis : Die Verehelichung der Lady P e g gy Primrose mit Lord Crewe. Lady Peggy Primrose ist durch ihre Mutter Hann ah Enkelin des Meyer Amschel de Rothschild. Bücherweit. Die Psychologie Saadias. Von S. H o r o v i t z. Breslau. 1898. 8°. Selbständige Systeme der Psychologie haben die jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters nicht entwickelt. Es waren vielmehr gemeinhin nur die Anschauungen des griechischen Alterthums, an die sie sich hauptsächlich angelehnt haben. Nichtsdestoweniger ist es in hohem Grade lehrreich, den Entwicklungsgang zu betrachten, welchen die Psychologie bei ihnen genommen hat, um einen Einblick in die Art und Weise zu gewinnen, wie sie die überlieferten Anschauungen aufgefasst und ihrem sonstigen Standpunkte angepasst und namentlich, wie sie dieselben mit den Lehren der Schrift und den im späteren jüdischen Schriftthum gelegentlich vorkommenden Aussprüchen über die Seele in Einklang zu bringen gesucht haben. Freilich war die Ausgleichung zumeist eine einseitige und das Verfahren auf dem Gebiete der Psychologie ein gleiches, wie auf anderen Gebieten. Die Aussagen der Schläft und die im Talmud und Midrasch vorgetragenen

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