Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 17 (28.4.1899)
- Article
- Andrichau
- Date
- 1899-04-28
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3315796-3315814-3386909--12349-3387031- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
Seite 14 „Die H Welt“ Nr. 11 erschienenen Gäste folgte den Reden, und nach einer kurzen Discuffion wurde folgende, von Herrn I. Blum vorgeschlagene Resolution per Acclamation angenommen: „Die heute, den 3. April! 890, im Tempel in Andrichau versammelte Judenschaft von Andrichau und Umgebung, erklärt sich mit den Beschlüssen der Baseler Congresse einverstanden, drückt dem Actionscomit4 in Wien ihre vollste Sympathie aus und wünscht allen seinen Unternehmungen zum Wohledes jüdischen Volkes bestes Gelingen." Hierauf constituirte sich ein Coinito von fünf Herren, welches die Agitation für die Zeichnungen von Shares übernahm. Am Albend veranstaltete die Cultusgemeinde den Gästen aus Bielitz zu Ehren ein Bankett, welches sehr animiert verlief. Präses stiul. ing. H. Nach m a n n dankte im Namen der „Emunah" dem Cultusvorstande für die Bereitwilligkeit, mit welcher er den Tempel beigestellt hatte, und für die Zuvorkommenheit und Aufmerksamkeit, welche er der Verbindung entgegengebracht. — I — Stanislau. Sonntag den 30. l. M. findet im Locale des Vereines „Erez Israel" in Stanislau die zweite Delegierten- Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: I. Sitzung um 3 U hr N ach mitla g:!. Begrüßung; 2. Vorlesung des Protokolles der vorigen Delegierten-Versammlung; 3. Bericht über den bisherigen Stand und die Thätigkeit des .Kreisverbandes (Res. Hr. E b e r s o h n): 4. Die Organisation (Ref. Hr. Land y). II. Sitzung um 8 U h r abends: 0. Die Presse (Ref. Hr. Dr. Jona s); 0. Stellung des Kreisverbandes zur einzuberufenden Landesconferenz (Ref. Hr. Bacher); 7. Anträge und Interpellationen; 8. Wahl des Kreiscomitos. Jeder der Organisation angehörigen Vereine hat das Recht, laut 8 3 des Regulativs auf je .~>o Mitglieder einen Delegierten zu entsenden. Bruchtheile werden für ein Ganzes gerechnet. Die Mitglieder des bisherigen Kreiscomitäs haben kein Stimmrecht, wenn sie nicht zu Delegierten wiedergewählt werden. Wir ersuchen, fämmtliche Delegierte uns namhaft zu machen und sie mit Legitimationen zu versehen. Bureau des Zion-Kreiscomites in Stanislau, Dr. R. Jonas, Ebersohn. Stanislau. Hier fand unlängst in einer Familie eine K i n d e r v e r s a m m l u n g statt, in der ein Mädchen den Zionismus mit Begeisterung erklärte. Pruchnik (Galizien). Die Judennoth hat auch die Einwohner unseres kleinen Städtchens aufgerüttelt. Am 29. März fand in der hiesigen Synagoge eine Versammlung mit zionistischem Programme stattz Herr Dr.'W a h r h af ti g und Herr Berner aus Jaroslau referierten über Zionismus und die Jüdische Colo-, nialbank und es wurde beschlossen, auf Grund der längst be-j stätigten Statuten einen Zionsverein zu gründen. Es wurden einer endlichen Lösung der Judenfrage und bewies, dass dieselbe nur durch den Zionismus möglich sei. Redner setzte genau Ziel und Wesen des Zionismus auseinander, erklärte den Zweck und die Bedeutung des Schekels und schloss mit einem Appell an die Anwesenden, auch in Burdujeni, wo das Gros der Bevölkerung . die Juden bilden, einen Zionverein zu gründen und für die heilige Sache des jüdischen Volkes zu arbeiten. Die Rede verfehlte nicht ihren Zweck. Der Verein, der sich am 27. v. M. constituierte, zählt vorläufig 80 Mitglieder, zu denen recht viele Orthodoxe gehören. In den Ausschuss wurden gewählt die Herren: B. Brettl er, I. Marko wiez, M. Ruck enstein, Eh. L. Brüger, B. Brill, A Ameni S. Landau. M. R Bukarest. (D ie erst e M ass env ers a m m lun g in Bukarest.) Sonntag den 9. d. M. hielten die Vereine „Bas Zion", „Joschua" und „Bnei Zion David" eine von hunderten Damen und Herren besuchte Volksversammlung ab, welche von großem Erfolge begleitet war. Nachdem der Chor des Vereines „Bnei Zion David" die Versammlung eröffnet hatte, bestiegen die Frl. K a h a l, Debora S t e i n h a r t, Rosen und Rosenfeld, sowie die Herren Carl D. S i l b e r st e i n, Alfred Segall und Josef S e g a l l die Rednertribüne. Die Mädchen beschäftigten sich mit der Organisation der zionistischen Bewegung, mahnten Väter und Mütter, ihre Kinder jüdisch zu erziehen, und ernteten für ihre glänzenden Ausführungen stürmischen Applaus. Dann besprach Herr S i l b e r st e i n unter ununterbrochenen Beifallskundgebungen die Dringlichkeit des Schekel- und Sharekaufes mit der der Mazes vergleichend. Den Höhepunkt jedoch erreichte der Enthusiasmus der die russische Synagoge dicht bis hinter die Thür überfüllenden großen Vollsmenge, als Alfred Segall und Josef Segall mit wahrem Feuereifer und überzeugender Kraft die zwei Themen: „Die Jüdische Colonialbank" und „Die Parole des Baseler Programmes" in je mehr den einstündigen Reden, die oftmals durch minutenlangen Applaus unterbrochen wurden, besprachen. Rednerinnen und Redner wurden allseits bebegliückwünscht, es wurden Actien gezeichnet und Schekel gesammelt. Kasan (Russland). Fern von jüdischen Centren, fern vom jüdischen Ansiedlungsrayon, haben die hiesigen Juden den Contaet mit ihrem Volke fast vollständig verloren. „Möglichst vollkommene Assimilation" haben sie auf ihre Fahne geschrieben und ihr Verhalten entspricht dieser Devise. Die Zahl der Getauften wächst hier mit jedem Jahre immer merklicher. Nur eine kleine Gruppe „kleiner Leute" ist es, die der Nation treu bleibt. Gestern ^hatte sie sich versammelt, um auch ihre Liebe zu Zion an den '.!Tag zu legen. Herr Dr. W i r s ch u b s k y referierte über die Vice-Präsideuten Herr 9t. S ch ö n b l u in, zum Schriftführer Herr B.. M a n d l gewählt. Pilzno. In feierlicher Weise begiengen unsere Zionisten Montag den 27. v. M. abends im Vereinslocale „Jeschurun" das Pessachfest. Die Betheiligung seitens der Gesinnungsgenossen war eine sehr starke. Die Seele der Veranstaltung war Rechtsanwalt Dr. Abraham K ornhäuse r. Es wurden 'beim Palästinaweine auf die hochgeehrten Herren Dr.H er z l, Nord au, Salz, sowie auf den Gründer unseres Vereines, Herrn Dr. Kornhäuser Toaste ausgebrächt. Als erster Redner begrüßte der Vereinspräsident Herr V. Früh mann die Versammlung. Er zog eine Parallele zwischen der Befreiung der Juden aus ägyptischer Knechtschaft und dem heutigen Zionismus. Hierauf erllärte Herr Dr. Kornhäuser den Zweck und die Wichtigkeit der Colonialbänk. Stürmischer Beifall lohnte die Redner. Unter dem Eindrücke der Ansprachen wurde Die Agitation für D. Kapeller. ^Beifall. Während der Pause trug der hiesige Cantor einige stimmmngsvolle zionistische Lieder vor. Die Subscription auf Shares der Colonialbank ergab ein überaus günstiges Resultat. Riga. Wenn man über den Zionismus in Russland spricht, so muss man ohne Zweifel die Stadt Riga an erster Stelle nennen. Es sind hier nicht blos Leute, die sich Zionisten nennen, sondern treue Juden, die für ihr Volk thätig sind und fl das Gedeihen des Zionismus wirklich fördern. Es gelang ihnen y bereits auch in den umliegenden Städten (Pleskau, Tuekum) \ Zionistenvereine zu gründen. Die akademische Jugend nahm es z'f. sich diesmal vor, auch die „großen" Juden der Stadt, die bis 7, jetzt dem Zionismus ferne gestanden, zu sich heranzuziehen und i] für das Zeichnen der Actien zu gewinnen, indem sie eine Passah- Vi feier veranstaltete. Um zu zeigen, dass die jüdische Kraft noch ipm iTiTirmirrp nPr!! nicht gebrochen, das jüdische Talent noch nicht erlahmt ist, hat ö Jugend dem Publicum ihre eigenen Erzeugmtze vor Augen ^/»?Äere Anvon AcUen Sbserchnet. ^führt. Das Fest hatte den Charaeter echt jüdischen Lebens; es die Bank legt rn den Händen de^> &nxn Kunstleistungen geboten, wie sie hier selten zu finden sind. f/Die Gäste versammelten sich im Casino der Zionisten. Mit edlem, Radautz. Der hiesige Verein „Dorsche Zion" veranstaltetes jugendlichem Feuer begrüßte st ml. Eduard Levy das Publicum, am 19. März l. I. in der großen Synagoge eine Bolksversamm-D worauf einige musikalische und deklamatorische Vorträge folgten, lung, au der sich ein außerordentlich zahlreiches Publicum aller.-^(Frl. Back, Gesang; Herr Taw jew, hebräische Declamation; lüdrschen Bevölkerungsschichten betheiligte, und in welcher Herr! Mi u l l n e, deutsche Declamation) die alle mit großem Beifalle der Beifall bei Dr. Ph. W enczel aus Czernowitz über „Zionismus und jüdischeIjaufgenommen wurden. Noch mehr steigerte sich ' Eolonralbank" referierte. — Redner, wiederholt von stürmischem .'^der Aufführung eines Festspieles (Dichtung von stuck. Eduard to QtßT» Soi? ilSro _ .. ' _C .- om . r r .. _ir.r.-o /tk .. Beisall unterbrochen, setzte m zweistündiger Rede die Ziele des MLevy und Simon Mullne) welches das Erwachen des Zionismus und die Zwecke der Jüdischen Colonialbank klar und « d e n t h u m s durch den Zionismus darstellte. deutlich auseinander. Mit stürmischem Applaus lohnte die Bersamm-fl Das Stück, vom Dichterpaar und von Frl. Levy dargestellt, lung Herrn Dr. Menczel am Schlüsse der Rede und wurden.Mfaud großen Beifall und übte auf das Publicum eine tiefe (wie bereits telegraphisch berichtet) bei der Versammlung 200 Actien ck- Wirkung aus. Einen nicht »rinderen Erfolg hatte das gezeichnet. - Auch jetzt wird vom Vereine die Agitation fort- -jO darauffolgende Lustspiel in althebräischer Sprache zu vergesetzt. j Bttrdujeni. Samstag den!8. v. M. hielt das Mitglied der akademischen Verbindung „Zephir ah" zu Czernowitz, Herr stuck, piiil. T. K ern, in der hiesigen großen Synagoge vor einer äußerst zahlreichen Volksversammlung eine Agitationsrede behufs Gründung einer zionistischen Ortsgruppe. In schwungvoller Weise s entwarf Herr T. K e r n zunächst ein deutliches Bild von der " gegenwärtigen Lage der Juden, folgerte daraus die Nothwendigkeit Zeichnen, eine Dichtung des beliebten hebräischen Feuilletonisten Herrn Tawjew, eines der regsten Mitarbeiter im Zionismus. Soviel mir bekannt, ist es die erste dramatische Aufführung in hebräischer Sprache. Höchst wohlthuend berührte es, unsere bisher todt gesagte Muttersprache auch nun auf den Brettern ertönen zu hören. Der Autor bewies, dass die hebräische Sprache eine recht lebendige, ausdrucksvolle ist. Der begeistertste Beifall ertönte, als zumSchluss einige vom Herrn F r i s ch m a n n