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Die Welt · 1899-04-28 · 17 (28.4.1899) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
17 (28.4.1899)
Article
[Ohne Titel]
Date
1899-04-28
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 17 „Die A Welt“ Seite 13 Im Fürstenthuine R e u s s hat ein Richter den Eid eines Juden für ni c ht vollwichtig erklärt, und das Landgericht hat den Spruch entschuldigt, weil man anzunehmen „gewohnt sei“, dass ein Glaubensgenosse in einem Process gegen einen anderen nichts Nachtheiliges sagen werde. — Das Oberlandesgericht in Jena hat auf Beschwerde hin das Urtheil in energischer Weise missbilligt. * Gegen die drei antisemitischen Organe „Staatsbürgerzeitung“, „Sachsenschau“ und „Deutschen Generalanzeiger“ wurde seitens der preussischen Regierung Klage wegen Wiedergabe der Graf Püekler’sehen Reden erhoben. Dagegen hat die sächsische Staatsanwaltschaft eine Verfolgung der in Dresden erscheinenden „Deutschen Wacht“ abgelehnt. Die „Deutsche Wacht“ in Dresden brachte ein Feuilleton über eine Reise nach Palästina mit den gröbsten Schmähungen gegen die Juden. Auf eine Beschwerde antwortete die Staatsanwaltschaft, dass sie darin nur „harmlose Reisebetrachtungen“ erblicken könne. * Das bayerische Cultusministerium hat jüngst die principiell wichtige Entscheidung getroffen, dass ein jüdischer, staatlich geprüfter Lehrer, der an. einer — in diesem Falle protestantischen — Volksschule den jüdischen Kindern Religionsunterricht ertheile, auch zum Unterricht in anderen Fächern qualificiert sei. * Endlich ist es gelungen im Münchener SchlachthoCe einige drastische Falle von Thierquälerei festzustellen — aber nicht beim „Schlachten“ sondern beim „Schlagen“ der Thiers. Während nämlich der jüdische Beamte erst nachdem er die Autorisation besitzt zur „praktischen Ausbildung“ zugelassen werden darf, müssen sicli die arischen Metzgerburschen an lebenden Objecten ihre Fähigkeiten erwerben. Wenn etwas Aussicht hat im Münchener Schlachthause verboten zu werden, so ist es das Schächten — nicht! ❖ In Emden (Ostfriedland) soll ein jüdisches Waisenhaus, verbunden mit einem Ferienheim für schwächliche Kinder errichtet werden. Emden liegt am Dollart-Busen und eignet sich wegen seiner Lage in nächster Nähe der Nordsee vorzüglich zu diesem Unternehmen. * An Stelle des jüngst im Haag verstorbenen Oberrabbiners Tal wurde Rabbiner Dr. T. Lew enstein aus Leeuwarten fast einstimmig gewählt. Der Gewählte ist der Anciennetät nach der jüngste unter allen holländischen Rabbinern, während der Sitz im Haag mit zu den angesehensten gehört. * In Russland meldeten sich zum Militär unter 953.195 Gestellungspflichtigen 51.410 Juden gleich 54/10%* Genommen davon wurden 267.988 Nichtjuden oder 2972/100% und 16.595 Juden oder 3228/ioo%- * Es sind jetzt genau 100 Jahre, dass den Juden der Aufenthalt in Kurland gestattet ist. Zum Andenken soll eine grosse jüdische Gewerbeschule in Mi tau errichtet werden, die den Namen des Czaren Paul führen wird, der seinerzeit die Erlaubnis ertheilt hat. Am vorletzten Samstag wurde in Paris der frühere italienische Finanzminister L u z at ti unter grosser Feierlichkeit als auswärtiges Mitglied der französischen Akademie empfangen. Er hielt die Lobrede auf seinen berühmten Vorgänger Gladstone und erntete damit grossen Beifall. In Algier stehen sich jetzt Regierung und Commune feindlich gegenüber. Letztere hat die Polizeigewalt in Händen und verwendet sie zugunsten der Antisemiten. Erster e verfügt über die bewaffnete Macht, und nur ungern verwendet sie das Militär gegen den solcherart beschützten Pöbel. Die „Voss. Ztg.“ bringt einen Bericht, der die Situation in den schwärzesten Farben ausmalt und sehr ernste Auftritte weissagt, wenn es der Regierung nicht gelingt, sämmtliche Rädelsführer unschädlich zu machen. Wie traurig es um die Verhältnisse der Juden in Tripolis bestellt ist, mag aus der Thatsache her Vorgehen, dass die dortige 10.000 Juden zählende Gemeinde erst seit Anfang dieses Jahres ein Hospital mit — sechs Betten besitzt, aber zu dessen definitiver Gründung sich an die Wohlthätigkeit der englischen Juden wenden muss, die dort zahlreiche Handelsbeziehungen unterhalten. * Es dürfte interessieren zu erfahren, dass der anlässlich seines 80. Geburtstages hoebgefeierte Rabbiner 1 s a a c M. Wise in Cincinnati ein geborener Böhme ist. Er stammt aus dem Dorfe Stein grub, Bezirk Eger, und wurde am 3. Nisan 5579 (29 März 1819; als Sohn eines jüdischen Gemeindebeamten geboren. Im Jahre 1843 erhielt er die erste Stelle als Prediger in Raudnitz in Böhmen, wanderte aber schon 1846 nach Amerika aus und wurde bereits einige Wochen nach seiner Ankunft zum Prediger in der Stadl Albany gewählt. Seit 1854 wirkt er in seiner jetzigen Gemeinde und gründete dort die ersten, noch heute wöchentlich erscheinenden amerikanischen jüdischen Zeitungen „American Israelite“ und „Deborah“, deren Redaction er heute noch führt. G öir jioiüSW tzemMg. Spenden für zionistische Zwecke, sowie SchekelraHlungen find an daS Bureau des Zionisteucougresses, Wren, II., Rern- Krandtfiraße 11, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionistencongresses, Basel, zu senden. -Das Actiorrscomitö. Spenden für zionistische Zwecke. Isak Krieger, Grybow.fl. 1.— Hrn. Dr. Leopold Kahn und Norbert Rappaport anlässlich der Verehelichung des Gesinnungsgenossen Boris Barbasch in Bialystok mit Frl. Eva Gorschen, je.„ 2.— H. S., Rustschuk, Spende.Fr. 100.— „ „ Schekel.„ 50.— Versammlung, 29. März, Krakau, durch Löbl Taubes.fl. 5.60 Hr, David Kopelowicz zur Hochzeit des Frl. Marie Helmann mit Hrn. Esim Rosenweig in Bialystok am 2. März 1899 anstatt einer Depesche . . . . „ 2.— N. Poznansky Rubel 1.20, B. Bitsch Rubel 1.20, Abr. Lewkowitsch, B. Schlamowitsch, J. Czarbroda, H. Berber, S. Weisskoff, M. Goldmünz, S. Zajonckowsky, J. Krüger, Leon Futtermann je Rubel 1.—; H. Fischhof Rubel —.80, H. Rubinski, Z. Horn, M. Weiskoff, J. Millioner, Z. Lewetin, A. J. Gamulinski, Cb. Zyssman, A. Schuttenberg, David Bochsenberg, M. Schuretzky, S. Grünbaum Rubel— .50; A. Weisskoff Rubel —.40, J. Rosenblum Rubel —.20. Zusammen Rubel 18.30. Dann anstatt eines Begrüssungs- Telegrammes an Dr. Herzl Rubel 1.70. Totale: Rubel 20.—. Die Redaction der „Welt“ erklärt sich bereit, weitere Spenden entgegenzunehmen und im Blatte auszuweisen. Bon nun an finden die Vertranensmäuuer-Besprechuugeir anstatt am Dienstag an Sonntage n vormittags 11 Uhr statt. Die am Erscheinen Verhinderten wollen ihre Anträge schriftlich senden. Wien. Donnerstag den 30. März fanden vor einem zahlreichen, fast nur aus dem Kaufmannsstande bestehenden Publicum zwei Agitationsvorträge statt. Herr Hugo Benedikt, Mitglied der „Unitas", sprach über die Judennoth. Im Osten können die Juden nicht erwerben, im Westen das Erworbene nicht genießen. Referent detailliert die Judennoth nach beiden Seiten. Hilfe sei nöthig. Sechsmal fei während der Diaspora den Juden die Gleichberechtigung gegeben worden, und die Gesellschaft habe sie ebenso oft denselben entzogen. Die Geschichte soll aber unsere Lehrmeisterin sein, und daher sollten die Juden einmal selbst ihr Geschick leiten. Nach Herrn Benedikt sprach Dr. Leopold K a h n in bekannter geistreicher^ zündender Weise. Er wies auf die nationale Zusammengehörigkeit der Juden hin und sprach hierauf über die Colonialbank. Der Erfolg bestand in einer Anzahl Zeichnungen. Auch der moralische Erfolg war ein ausgezeichneter. So hoffen wir, auch in der Inneren Stadt bald unsere Ortsgruppe zu haben. Andvichau. Die jüdisch - akademische Ferialverbindung „E mmiö h" aus Bielitz veranstaltete Montag, den 3. April d. I. in Andrichau eine Versammlung, die im Tempel stattfand. Nach den einleitenden Worten des Präses stud. ing. Nachrnann, ergriff Ingen. Jos. I u n g m a n n das Wort, um in einer einstündigen, glänzenden Rede, aus der allgemeinen Nothlage der Juden die Nothwendigkeit einer radicalen Abhilfe zu deducieren. Stud. pliil. Victor Spitz legte nun klar, dass der Zionismus der einzige Weg sei, den die Juden einznschlagen haben, um ihren verfolgten und verkommenen Brüdern eine menschenwürdige Zukunft zu schaffen. Er wies auf die Beschlüsse der beiden Baseler Congresse hin und auf die Gründung der Colonialbank, welche bestimmt ist, die Bestrebungen des Zionismus ihrem Ziele näher zu bringen. Rauschender Beifall seitens der zahlreich

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