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Die Welt · 1899-04-28 · 17 (28.4.1899) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
17 (28.4.1899)
Article
New-York
Date
1899-04-28
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die A Welt“ Nr. 17 einer der bedeutendsten Prediger Bostons, bemerkte unlängst: „Es scheint, dass die deutlichen Vorhersagungen der Bibel durch die beharrlichen Anstrengungen des Zionismus verwirklicht werden sollen. Durch diese Hoffnung ermuthigt, athmen schon heute die unglücklichen jüdischen Arbeitssclaven von New-York und London erleichtert auf.“ — Schliesslich citiere ich aus der Ihnen bereits angekündigten Vorlesung Prof. Thomas Davidsons „Zionismus von einem nichtjüdischen Standpunkt“ folgenden, bemerkenswerten Satz: „Abgesehen von den religiösen und philanthropischen Gründen, die den Zionismus rechtfertigen, verlangt der Menschheitsstandpunkt die Rückkehr der Juden nach Palästina. Der Genius der jüdischen Rasse verlangt zu seiner vollen Entwicklung die deutliche nationale Existenz“. Stephen S. Wi se. Eine Berichtigung von Dr. Saul Ralael Landau. Auf Grund des § 19 versucht der wackere Streiter für die von ihm mit einigen anderen Cumpanen neucreierte Species des antizionbtischen Zionismus in unserem Blatte kostenlose Propaganda zu machen. Wir sind sonst gegen die Unver—zagtheit des Herrn Saul Rafael Landau, der ä tout prix noch immer der Mitarbeiter unseres Blattes sein möchte, ziemlich abgestumpft. Wir wussten auch, dass man ein jedes Blatt auf Grund des § 19 zwingen kann, selbst die gröbsten Unrichtigkeiten zu repruducieren. Da aber auch persönliche Angriffe und subjective Betrachtungen dieses ehrenwerten Mannes in der Berichtigung zu finden sind, so wollten wir es auf einen gerichtlichen Bescheid ankommen lassen. Das Gericht entschied in erster Instanz, dass die Berichtigung zu bringen sei. Wir haben -gegen diese Entscheidung sofort die Berufung eingelegt. Wir wollen uns daher jetzt einer jeden Kritik enthalten, bis der Bescheid der nächsten Instanz erflossen ist, und geben hiemit durch die Pubiieierung der Berichtigung unseren Lesern Gelegenheit, sich in dieser Sache ein eigenes Urtheil zu bilden. Die Berichtigung des Dr. Saul Rafael Landau lautet: An Herrn Dr. Siegmund Werner, verantwortl. Redaoleur der „Welt“ in Wien. Aut Grund des § 19 Pr. G. fordere ich Sie auf, nachfolgende Berichtigung in der nächsten Lummer Ihres Blattes zu publi eieren. Es ist unwahr, dass ich „seit Jahr und Tag den „Jewish Chronicle“ mit antizionistischem Material versorgt“ hät'e. Wahr ist es vielmehr, dass ich niemals auch nur ein Wort gegen den Zionismus oder die zionistische Bewegung geschrieben habe. — Es ist unwahr, dass ich „berufsmässig antizionistischen Organen incorrecte Informationen zugehen lasse“. Wahr ist vielmehr, dass alle von mir ausgehenden Mittheilungen den Thatsachen entsprechen, und dass.bisher keine einzige der von mir dem „Jewish Chronicle“ gemachten Mittheilungen als unwahr bewiesen wurde. — Es ist unwahr, dass ich „in keinerlei Verbindung mit den Führern der Bewegung stand und dass meine Correspondenzen einer lebhaften Einbhdungski aft ihre Entstehung verdanken“. — Wahr ist \ielmehr, dass ich mit einzelnen Mitgliedern des Actionscomites, sowie mit dessen Obmann, Herrn Dr. Herzl, in Verbindung stand. Wal r ist weiters, dass ich von Mitgliedern des Actionscömites und insbesondere von Herrn Dr. Herzl Informationen erhielt.' W;lir i t weiters, dass mich einer der Führer, Herr Dr. Herzl, schon nach Veröffentlichung der jetzt als unwahr hingestellten Berichte, u. zw. am 11. Mai 1898, ersuchte, sowohl dem „Jewish Chronicle“ als dem „Jewish World“ telegraphisch zu berichten, dass er für sich und seine Kinder je 1000 shares subscribiert habe. — Wahr ist weiters, dass mich bei derselben Gelegenheit Hei r Dr. Herzl einlud, jeden Montag zu ihm zu kommen, damit er mir für die englischen Blätter, u. zw. den „Jewish Chronicle“ und „Jewish World“ Informationen gebe — Es ist unwahr, dass ich meine Stellung bei der „Welt“ verlor, „als den Leitern der Bewegung klar geworden, dass ich berufsmässig antizionistischen Blättern incorrecte Informationen zugehen lasse“. Wahr ist vielmehr, dass es zwischen mir und Herrn Dr. Herzl als Eigenthümer der „Welt“ zu einem Bruche kam, weil ich die erwähnten Informationen bei ihm nicht einholen und seine Reclamenotizen über die Bank den von mir vertretenen Blättern nicht zusenden wollte. — Es ist unwahr, dass sich „daraus meine Haltung gegenüber dem Präsidium des zweiten Congresses erkläre“. — Wahr ist vielmehr, dass ich mir auch während meiner Thätigkeit bei der „Welt“ die Unabhängigkeit der Gesinnung und der Meinungsäusserung stets bewahrt habe; wahr ist weiters, dass ich Herrn Dr. Herzl gegenüber stets betont habe, dass ich mich nicht als seinen Beamten, sondern als seinen Parteigenossen betrachte; wahr ist schliesslich, dass ich schon am ersten Congress gegen den Willen des Präsidiums die Notliwendigkeit eines Parteiprograrnmes vertreten habe. Wien, den 7. April 1899. Dr. S. B. Landau. Allerlei Nachrichten. In Pilsen wurden auf einer Bank des Stadtgartens Aufrufe gefunden mit der Aufforderung, die Juden todtz uschlagen. * In Budapest stiftete der Grundbesitzer Moritz Löwy 100.000 Kronen zum Zwecke, davon jährlich 8 Stipendien zu 500 Kronen für solche Mittelschüler zu errichten, welche sich in der Kenntnis der hebräischen Sprache und jüdischen Geschichte besonders auszeichnen. * In Bulgarien hat ein Deputierter zwei gegen die Juden gerichtete Anträge bei der Regierung gestellt: 1. den Juden keinen Landesschutz mehr zu gewähren und deren Einwanderung zu verbieten und 2. den Juden zu verbieten, in den Dörfern Handel zu treiben. * Neben einer neuen Synagoge hat die jüdische Gemeinde in Cöln nunmehr auch ein neues dreistöckiges Gebäude für ihre Religionsschule erhalten, das vorige Woche feierlich eingeweiht wurde. Director ist der zweite Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal. * Einen schönen Erfolg weist wiederum die Religionsschule der Ad&s-Jisroel-Gemeinde in Berlin auf. Der soeben ausgegebene Jahresbericht besagt, dass die Schülerzahl von 489 auf 524 gewachsen und dass sich die Befürchtungen erfreulicherweise nicht erfüllt haben, welche aus der Einführung des in seinen Erfolgen ziemlich problematischen Religionsunterrichtes an den öffentlichen Schulen einen Rückgang der Religionsschulen prognosticierten. Die Schlussprüfung am 18. und 19. ergab auch qualitativ ein ausgezeichnetes Resultat. * Wie man es mit einigem guten Willen von beiden Seiten erreichen kann, dem jüdischen Religionsunterricht auch an den christlichen Lehranstalten zu seinem Rechte zu verhelfen, davon liefert das Gymnasium in Ratibor einen Beweis. Dort werden nämlich wöchentlich 17 Stunden ertheilt, d. h. genau so viel und in den gleichen Stunden wie für den christlichen, natürlich in combinierten Abtheilungen, so dass die jüdischen Schüler f hat säe hl ich 2— 8 mal mehr Unterricht geniessen. * Das Israelitische Lehrerseminar in Cassel begeht demnächst die Feier seines 75jährigen Bestehens. Schon 1810 bestand dort ein jüdisches Seminar mit Schule, die aber wieder eingiengen und erst im Jahre 1824 durch die jetzt noch bestehende Anstalt ersetzt wurden. * Unter den im letzten Wintersemester an den preussischen Universitäten studierenden 412 Frauen befanden sich 300 evangelischen, 24 katholischen und 88 jiidisc li e n Glaubens. Da der Unterrichtsminister die Ermächtigung ertheilt hat, in Zukunft genügend vorgebildeten Frauen die Erlaubnis auch ohne die bis jetzt geforderte Genehmigung des Universitäts-Curatoriums zu gewähren, dürfte die Zahl — und damit auch die fler jüdischen Frauen — erheblich steigen. * In Mannhei m hat die antisemitische Partei, die es b<ri den letzten Wahlen auf ganze 928 Stimmen von 19.694 gebracht, gegen die Bewilligung eines städtischen Zuschusses heim Börsenbau protestiert und den Ober-Bürgermeister als Freund der Juden und Judengenossen, Börseane.r und Socialdemokraten hin gestellt. * In Weimar wurde für das dortige Karl Friedrich- Hospital ein „Assistenzarzt christlicher Confession“ gesucht und deshalb seitens eines socialdemokratischen — nicht jüdischen — Abgeordneten eine Interpellation an den Minister gerichtet. Die Antwort ist bezeichnend: Es müsse bei Nerven- und Geisteskranken alles vermieden werden, was das Vertrauen zwischen Arzt und Kranken stören könne, und deshalb müsse auf die Religion Rücksicht genommen werden. * Zwei antisemitische Nouveautes in Gestalt von Ansichtskarten haben vorige Wo ehe das Licht der Welt erblickt, Die eine, eine Pückler-Karte mit dem Motto „dreschen, dreschen, dreschen“, die andere eine Bismarck-Karte mit dem Hermannsdenkmal und dem Spruche „im deutschen Namen Heil!“

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