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Die Welt · 1899-04-28 · 17 (28.4.1899) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
17 (28.4.1899)
Article
Lemberg
Date
1899-04-28
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 17 „Die H Welt" Seite 11 gesinnten zu fördern und die Juden wo nur möglich, hauptsächlich von Handel und Industrie zu verdrängen. Es könnte nun jemand meinen, dass jetzt, wo sowohl das Inland wie auch das Ausland zu den polnischen Credit-Instituten im allgemeinen und zur Galizisehen Sparcasse im besonderen das Vertrauen verloren hat, unsere Juden sich von denselben fernhalten und ihr Geld etwa anderweitig anlegen. Wer so denkt, kennt aber nicht das „zähe" jüdische Volk. Die in der Zeit des ..Runs" ausgeh oh orten Einlagen werden jetzt wieder mit Hast und Eifer in diese Institutionen zurückgetragen, trotzdem für die Juden noch immer keine genügende Garantie geleistet wurde, dass sie fürderhin eine bessere Behandlung gemessen und irgendeinen Einfluss auf die Verwaltung ausüben könnten. Unsere Juden scheinen sich offenbar damit schon zu begnügen, dass ein Jude in den aus 35 Mitgliedern bestehenden Verein aufgenommen wurde. Schon die Wahl dieses einzigen Juden hätte uns die Augen öffnen sollen, denn etwas so Erniedrigendes wie diese Wahl, wird es kaum, irgendwo geben. Sie charakterisiert das polnische „System" ganz deutlich. Von allen Seiten gedrängt, einigten sich die „massgebenden Kreise" dahin, einen unabhängigen, jüdischen Banquier vorzuschlagen. Bei der Generalversammlung wurde nun zum grössten Erstaunen aller Aussenstehenden nicht der vorgeschlagene Jude, sondern ein jüdischer . . . Reichsrathsabgeordnefcer gewählt. Sogar die Art der Wahl dieses unschädlichen Juden war ekelerregend. Während nämlich die christlichen Mitglieder einstimmig oder mit sehr grosser Stirn inenzahl gewählt wurden, wurde der Jude mit einer überaus geringen Majorität cooptiert. Dazu kommt noch, dass fortwährend polnische „Grossmänner4. welche mit diesen Anstalten im engsten Contacte sind, sich Selbstmorden, oder, wenn sie weniger muthig sind, davonlaufen. Dies alles hindert nicht unsere Juden, wiederum voll Vertrauen ihre Sparpfennnige in dieselben Institute zurückzutragen. Jetzt, wo d a s j ii d i s c h e V o I k eine E i u - r i c h t u ii g e r h ä 1 t, w e 1 c h e v o n u n e r m e s s 1 i c h e r Tragweite f ü r d i e Zukunft d e s J u d e n thums s e i n w i l* d, w o w i r d a r a n gehen, die Colo n i a 1 - b a n k zu a e t i v i e r e n, ist das oben geschilderte Vorgehen keine Lei c h t g 1 ä u b i g k e i t m e h r. s o n d e r n e i n V e r b r eche n, b e g a n g e n an sieh s e 1 1» s t u n d seinen Na c h k o m m e n. M'enn von den circa 15 MiUionen Gulden jüdischen Ursprunges bloss ein Theil für unsere Bank verwendet würde, könnten es die Einleger m indestens so p r o d u c t i v anbringen, wie es bei den fremden Instituten der Fall ist. Am traurigsten sind diese Zustände bei den wohlhabenderen Intelligenz- und Orthodoxenkreisen, welche sehr ..froh“ wären, wenn das grosse Werk nicht gelänge. Dieser Wunsch wird aber dank den unermüdlichen Anstrengungen unserer Gesinnungsgenossen nicht'in Erfüllung gehen. In den meisten Städten Galiziens wird fortwährend und mit Erfolg agitiert. Besonders ist es die ärmere Volkschichte, welche ihren letzten Groschen hergibt, um ja nur rechtzeitig, wenigstens 1 Share zu zeichnen. In letzter Woche meldete sich hei uns ein armer jüdischer Wasserträger, der sich bereit erklärte, 10 Shares aus dem ganzen Ersparnisse seiner und der Kinder Arbeit zu kaufen. Der Mann meinte sich noch entschuldigen zu müssen, indem er hinzufügte : er habe bis jetzt noch nicht kaufen können, weil er bei „ihnen*4 (d. h. bei der Sparcasse) das Geld nur schwierig herausbekommen könne. England. London, 21. April. Die Bnei Zion Association hat in der vergangenen Woche mehrere Versammlungen zugunsten der Bank veranstaltet. In jeder Versammlung wird viel subscribiert. Für die nächste Woche sind acht Meetings für den Eastend in Vorbereitung. — Letzten Sonntag fand unter den Anspielen der North London Zionist Society in der New Daiston Synagogue eine Versammlung statt, die mit einerVorlesung Mr. Herbert Bentwichs über die „Makkabäer" eingeleitet wurde. Einige Redner protestierten in scharfen Worten gegen die unwürdigen Angriffe des „Jewish. Chronicle". In einer Zwischenpause wurden 100 Shares gezeichnet, zum Theil von Damen, denen Mrs. Bent wich mit dem guten Beispiel vorangegangen war. Hierauf wies Mr. B e n twich in einer beifällig aufgenommenen Ansprache den Vergleich zurück, vermittelst dessen die englischen Antizionisten eine Analogie zwischen den Zionisten und den irischen Bürgern Amerikas statuiren. Während die Treu im Laufe einer Generation sich vollständig assimilieren, sei Israels Liebe zu dem Lande der Vorfahren "2000 -Jahre alt und noch immer nicht geringer worden. Der „Jewish Chronicle" habe in Beantwortung von Mr. Z a n g w j 11 s wundervollem Brief gesagt: „Sollte selbst die Summe aufgebracht werden, so genügt uns die angebotene Sicherheit nicht." Wer frage denn nach der Zufriedenheit oder Unzufriedenheit eines Blattes, das sich der scaudalöscsien Angriffsweise befleissige? London, 21. April. Die Bank ist noch immer das Hauptthema in den Diseussionen der Londoner Juden. Fortwährend werden in allen Theiien von London und in den Provinzen Meetings abgehalten. Es ist noch nicht möglich, eine lieber siebt zu geben. Was die dünn gesäte jüdische Bevölkerung von Schottland und Irland für die Bank leistet, ist hervorragend. Der Eastend bildet ein Centrum von Enthusiasmus und Opferwilligkeit, Tags Propaganda, abends Versammlungen. Das geht so unermüdlich fort! Von der Bank ist nichts Neues zu berichten, das Bild bleibt sich -- glücklicherweise — gleich. Hunderte Briefsendungen, im Tage, das ist für das Bankpersonale ein kaum der Rede werter Einlauf. Uebrigens hat der Beamtenstab neuerdings vergrößert werden müssen, obwohl viele begeisterte Zionisten der Bank ihre Gratisdienste zur Verfügung gestellt haben und bereit sind, ihre Mussestunden mit Schreibarbeiten für die Bank auszufüllen. Kurzum, jeder Besuch, den ich unserer Bank abstatte, überzeugt mich mehr und mehr von der Lebenskraft der Bewegung. Wie ich schon vor einigen Monaten andeutete, hat die Londoner Gemeinde alle in der Eastend-Frage gehegtem Hoffnungen schliesslich aufgegeben. Das Eastend-Schema, ein Kind neunjähriger.Debatten, wird bald -- gewesen sein. Das Russo-Jewish-Committee, an dessen Spitze Sir Samuel Mo n t agu steht, und welches im Jahre 1 St) I hunderttausend Pfd. St. sammelte, veröffentlicht soeben seinen Jahresbericht. Derselbe spricht sich alles eher als optimistisch über die Lage der russischen Juden aus. Südafrika. Johannesburg, Am 10. v. M. veranstaltete die Handtönte in Zionist Society ihre erste Jahresversammlung. Mr. Bebro, der bisherige Präsident, wurde zum Vorsitz berufen. Der Jahresbericht wurde mit Dank zur Kenntnis genommen und Herr S. Kaplan zu in Präsidenten der Gesellschaft gewählt. Nachdem mehrere Redner die Nothwendigkeit der Jüdischen Colonialbank begründet hatten, wurden in zehn Minute n f ü n fta u se n d Sh a res gezeichnet. Die Versammlung schloss mit begeisterten Hochrufen auf Dr. H e r z 1 und Dr. Norda u. Amerika. New-York. (N o w - Y o r k e r Chro n i k). Die amerikanischen Zionisten haben alle Hände voll mit der Bank zu tluui. Sehr günstige Berichte laufen aus allen grösseren Städten der Union ein. Uoberall finden grosse, von Begeisterung getragene Versammlungen statt oder werden vorbereitet. Professor Richard G o t th e i 1. der unermüdliche Präsident der American Federation, sprach in Boston -an einem Tage in vier Meetings. Tn dem dichtbevölkerten jüdischen Districte von New-York gibt es jeden Abend zum mindesten eine Versammlung. * * * Es hat der C e n t r a 1 c o n f e r c n z der amerikanische n R a b b i n e r, die unlängst in Cincinnati zusammentrat, nicht zur Ehre gereicht, dass sie die antizionistischen Tiraden zweier ehrwürdiger Mitglieder ohne ein Wort des Protestes anhörte. Zum Trost finden wir Zionisten die öffentliche Meinung der besten christlichen Kreise des Landes voll Sympathie mit unseren Bestrebungen. So erklärte der Herausgeber undEigenthümer des „Chicago Tribüne“, Mr. Joseph Medill, auf eine Aufforderung des „Daily Jewish Courier of Chicago“, sich über den Zionismus zu äussern, folgendes: Ich habe bereits einigemal© in meinem Blatte zum Zionismus Stellung genommen und mich mit Entschiedenheit dafür eingesetzt, dass es zu einer jüdischen Restauration in Palästina komme. Die christlichen Freunde des Judenvolkes würden sich vom Herzen über eine solche Entwicklung freuen**. — Rev. Dr. Edward L o r i m o r

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