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Die Welt · 1899-04-28 · 17 (28.4.1899) · p. None

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
17 (28.4.1899)
Date
1899-04-28
Page
None (sequence 5)
Language
German
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♦-r-:—:-< Redaction Erscheint jeden Freitag. ' >-♦ Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern Die viermal gespaltene Petit¬ Wien an die Redaction oder Administration: Wien, IX., zeile 10 kr. IX., Türkenstrasse 9. Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. — Telephon Nr. 8805. *-4 Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und > Manuscripte nicht zurückgesendet. < Einzelne Nummern 15 kr. >--♦ RP7Il^nrpiQP* Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 6 fl. — 12 Kr., halbjährig 3 fl. — 6 Kr. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 8hg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Fr cs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Gt. Nr. 17 Wien, 28. April 1899. 3. Jahrgang Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert', die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. „Primeltag“. Von Leo Rafaels. Wahrhaftig, man muss es mit eigenen Augen sehen, um es zu glauben. Wenn alle Wiesen und Gärten, alle Wälder und Treibhäuser Englands keine andere Blume hervorbrächten als die gelbe Frühlingsprimel, so müsste man sich doch wundern, woher diese fabelhaften Blumenmengen herkommen, die am 19. April die Londoner Strassen wie ein Blütenregen bedeckten. Man verlässt am Morgen seine Wohnung: kleine Burschen und Mädchen halten einem Primelbouquets in allen Grössen entgegen; man setzt sich in den Zug, der die Vorstadt mit der City verbindet: jeder Herr in der ersten und zweiten Glasse und so mancher Arbeiter in der dritten trägt einen ungeheuren gelben Strauss im Knopfloche, so dass die Wagen nichts anderes zu enthalten scheinen als Schwarz und Gelb; wie man in die belebten Strassen der südwestlichen Bezirke kommt, wo der Verkehr der vornehmen Welt am stärksten pulsiert, sind die endlosen Reihen von Mietwagen und Equipagen anzusehen wie langgestreckte Blumenbeete, in denen die gelbe Farbe alle anderen erdrückt; die Damen des Westens tragen an dem schönen, dem ersten rechten Frühlingstage die duftigsten, glänzendsten Toiletten, aber die Primel herrscht unumschränkt: Primeln auf dem Hute, an der Brust, in der Hand, Primeln überall! Am Nachmittage versammelt sich in der Albert-Halle eine nach vielen Tausenden zählende Menge, um einer Rede des Ministers Arthur Balfour zu lauschen: die Tribüne, sowie der Redner sind mit Primeln bedeckt. Und erst der schöne Platz vor dem Parlamente und der Westminster-Abtei! Man zerdrückt Primeln bei jedem Schritte, den man mit Mühe durch die dichte Menge von elegant gekleideten Männern und Frauen macht, und immer neue Körbe von Primeln werden im Handumdrehen verkauft. Das Standbild des Mannes, der eine merkwürdige Vorliebe für die gelbe Frühlingsblume hatte, ist über und über mit Primelguirlanden bekränzt, das wie von der Last der Gedanken geneigte Haupt ist mit einer prachtvollen Primelnkrone geschmückt. So wird in England nach achtzehn langen Jahren der Todestag Benjamin Disraelis, Lord Beaconsfields, gefeiert. Wenn man so mitten drin steht unter der Menschenmasse und mitansieht, wie das Andenken des einst so vielgeschmähten Mannes heilig gehalten wird, wie die zeitliche Entfernung seine Fehler verringert und seine Vorzüge ins Legendenhafte, Uebermenschliche vergrössert, so löst sich aus dem Chaos dunkler Empfindungen, des Stolzes, der Freude, des Bedauerns, der Sehnsucht, der Selbstbenvitleidung, welche der Anblick des getauften Juden erweckt, ein Gedanke zuerst losrLordBeaconsfield hat den gelben Schandfleck in ein Ruhmeszeichen verwandelt. Denn was sagt der gelbe Fleck im Knopfloche Arthur Balfours, während er die „Primelliga“ mit ihren tausenden von adeligen Mitgliedern ermahnt, am Todestage Disraelis ihren Treuschwur der conservativen Sache gegenüber zu erneuern? „Der verachtete Sohn jüdischer Eltern“, erzählt die Primel, „der als Schulknabe von den anderen Schulknaben, als Politiker von den anderen Politikern seiner jüdischen Abkunft wegen geschmäht und herabgesetzt wurde, dieser als Phrasenheld und Schwindler verschrieene Mann hat England die Machtstellung gegeben, die es heute besitzt, so gross war der Ideenreichthum und so weitreichend der politische Blick dieses wegen seiner orientalischen Phantasie verspotteten Führers, dass man jetzt erst, Jahrzehnte nach seinem Tode, die volle Tragweite seiner Gedanken zu erfassen beginnt.“ Auch wenn es sich nicht nachweisen liesse, dass die Wiedergeburt der conservativen Partei in England auf Ideen zurückzuführen ist, die Beaconsfield als Jude und nur als Jude hatte, so wäre der „Primeltag" dennoch ein Gedenktag in der jüdischen Geschichte. Ein so grosses, zielbewusstes, erfolgreiches Wollen hat in neuerer Zeit kein Jude ausser Beaconsfield gezeigt. Wir haben in den letzten hundert Jahren Grössen ersten Ranges in der Kunst und Wissenschaft hervorgebracht, aber trotz Lasker und Cremieux nur einen grossen Politiker.. Und es ist nicht schwer, zu zeigen, worin Beaconsfields Grösse bestand, warum er das Höchste erreichte, während die anderen kaum halbe Erfolge erzielten. Lasker und Cremieux, die Juden geblieben

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