Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 16 (21.4.1899)
- Article
- Stanislau [Nachricht]
- Date
- 1899-04-21
- Page
- 14 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite i4 Nr. 1s „Die H Welt“ Stanislau. (Akademischer Club „B ar Kochb a“.) Die Plenarversammlung des akademischen Clubs „Bar Kochba“ hat für die Dauer des laufenden Sommersemesters in den Ausschuss gewählt: cand. jur. M. Appenzeller- Herscher, Präses; cand. jur. Julius Wurzel, Vicepräses : cand. jur. Josef Füllenbaum, Schriftführer; in das Schieds- und Ehrengericht: cand. jur. Isidor L andy. Vorsitzender; cand. jur. Eduard Ebenso h n, Stellvertreter. G Zeitschriftenrundschau. Im dritten Hefte der Monatsschrift für jüdische Literatur und Belletristik, Jerusalem, die von dem Herausgeber des Krakauer Wochenblattes „Jüdische Volksstimme“ J. Krepp el geleitet wird, musste der Aufsatz über Zionismus und Zionistencongress mit dem Hinweis auf eine demnächst erfolgende ausführliche Publication eines zionistischen Führers abgebrochen werden. Herr Kreppei erklärt zugleich, dass diese Publication im Ganzen wie im Einzelnen vollständig seine Ansichten wiedergeben werde. Ve der emo. —Von den übrigen*; Artikeln ist die Arbeit Dr. Günzigs „über den Pessimismus im Jiulenthume“ und der Artikel L asers „über die David’sche Dynastie“ hervorzuheben. Ein Gedicht, das den Beschluss des Heftes macht, ist entschieden nicht am Platze. Wir hätten gewünscht, dass die Redaction diesen gewiss wohlgemeinten ‘dichterischen Gehversuch, bei dem eine Anzahl von Füssen schauerliche Verrenkungen erfuhren, andere dem Dichter auf eine von ihm unbemerkte Weise abhanden gekommen zu sein scheinen, — ganz zu geschweigen von anderen Vorzügen — ebenso höflich als energisch aus Rücksicht für ihre Leser abgelehnt hätte. In der Passalmummer des „American Hebrew“, über die wir bereits berichtet haben, war eine Reihe glänzender Artikel hervorragender jüdischer Schriftsteller, Gelehrter und Patrioten. Bekanntlich hatten auch zahlreiche Zionisten Artikel für diese Nummer geschrieben. Es ist nun interessant zu constatieren, dass gerade die Artikel zionistischen Inhaltes von einer ganzen Anzahl amerikanischer Zeitungen reproduciert wurden. Namentlich scheint der Artikel des Dr. Mandelstamm „Warum ich Zionist bin : Bekenntnis und Aufruf eines alten Zionisten“, den lebhaftesten Anklang gefunden zu haben. Der Aufsatz wurde wiederholt ins Englische, in den Jargon und ins Hebräische übersetzt Bücherwelt. Kautzsch. „Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments." Lieferung 1—10. (Complett in 24—30 Lieferungen.) Freiburg i. B. (I. C. B. Mohr.) 1898-1809. Wir verdanken Kautzsch die erste, dem heutigen Stande der Wissenschaft entsprechende Uebersetzung der heiligen Schrift Als willkommene Ergänzung tritt jetzt dazu die Uebersetzung der Apokryphen und Pseudepigraphen, die der gelehrte Herausgeber in Verbindung mit zahlreichen bewährten Fachmännern unternommen hat. Die bisher erschienenen 10 Lieferungen umfassen das dritte Esrabuch, die Makkabäerbücher, Tobit, Judith, das Gebet Manasses, die Zusätze zu Daniel und Esther, Baruch und Sirach 1—18, 17. Den einzelnen Büchern sind wertvolle literarhistorische und bibliographische Einleitungen vorangeschickt, während die Noten unter dem Text für das Studium der Originale ausgezeichnete Dienste leisten. So ist zu der Uebersetzung, wie im Vorwort mit Recht hervorgehoben wird, in der Hauptsache zugleich der nöthige Commentar gegeben. Bei der Bedeutung, die dieser ganzen Literatur für das richtige Verständnis des Judenthums wie des Ehristenthums zukommt, bei der Schwierigkeit des Vordringens zu den Originaltexten, die in verschiedenen Sprachen (hebräisch, griechisch, syrisch, lateinisch, äthiopisch) vorliegen, theilweise schlecht ediert und noch nirgends zusammengestellt sind, beim völligen Mangel genügender Uebersetzungen, ist mit dem vorliegenden Werke wirklich einem Bedürfnisse der Wissenschaft entsprochen. Durch glückliche Arbeitstheilung ist die schwierige Aufgabe aufs Glänzendste gelöst worden, und wir können allen Mitarbeitern nicht genug für die kritische Sorgfalt danken, mit der sie zuwerke giengen. Die Uebersetzungen sind auch durchwegs leicht verständlich und geschmackvoll. Besonderes Interesse nimmt das Buch Sirach in Anspruch, dessen hebräisches Original durch Schechter und Neubauer erst vor wenigen Jahren wieder entdeckt wurde und ungeahnte Aufschlüsse brachte. Wir sehen den weiteren Lieferungen mit Erwartung entgegen und geben der Zuversicht Ausdruck, dass das oben ausgesprochene uneingeschränkte Lob sich auf das ganze Werk wird ausdehnen lassen. F. P. Büchereinlauf. mpn fO Zwischen Hoffnung und Entsagung von A. SegalL (I. Heft der Sammlung. „Im-Leben und in der Literatur“). Verlag „Tuschijalr“ Warschau 1899. Zionismus oder Socialismus (Jargon) von Ben 5 li u d. Separatabdruck aus Nr. 0 der russischen Jargonzeitung „Jüdischer Arbeiter“, März 1899. jVSS'^IP Neue Lieder, theils mit bekannten Volksmelodien, tlieils mit eigener Composition. London 1899. J. Kopelowitz. Rom und Jerusalem von M. Hess. 2. Auflage. Mit einem Bilde des Verfassers und einem Vorwort von Dr. Bo denke im er. (Köln): Bei M.W. Kaufmann. Leipzig 1899. The History of Yiddish Literature in the nineteenth Century by L e o Wiener (Harvard University). New - York. Charles Scribners Sons 1899. The classified Psalter arranged by subjects. The hebrew Text witli a new English translation. By J. D. Eisenstein. New-York 1899. Beth-Israel, ein nationales Gedieht von Rubin Fahn. B’zman Hazeh, ein Epos von Rubin Fahn. Halicz. Galizien. Pflichten israelitischer Schulmänner nebst Erziehungs- und Unterrichtslehren von Israel Sin g e r, autor. Rabbiner, Hauptschul lehrei* und Gymnasial - Religionsprofessor zu S.-A. Uiholy. (Ungarn) I. Heft. Feuilleton Hebräische Laute. Ich hab’ Euch lange nicht gehört, So lang — ich weiss es kaum . . . Ein weicher Traum Und eine alte, schier verscholTne Weise Sie zieh’n durch meine Seele- Leise . . . leise. * Zwischen den Knien hält mich die Muhme Und stammelnd bet’ ich das Naclitgebet. Kaum weiss ich’s noch . . . Alts, stille Lieder Betet mir meine Kindheit wieder! . . P r e i b u r g i. Br. Theodor Z1 o c i s t i. P Der Auszug.*) Von Ben-Ami (Odessa). III. „Und Mosche weidete die Schafe des Jissro, seines Schwähers, des Priesters von Midjan. Und er führte die Schafe durch die Wüste und gelangte zum Choreb, dem Berge Gottes.“ Zwanzig Jahre lang streifte er umher mit seinen Herden in den Wüsten der sinaitischen Halbinsel, nachsinnend dem grossen Plane der Befreiung und Versuchung seines Volkes. Oft zog er an der Küste des Rothen Meeres umher und beobachtete alle Bewegungen desselben, alle Gesetze der Ebbe und Flut, um den Befreiten einen freien Weg zu schaffen, doch häufiger noch hielt er sich um den Gottesberg, um den Sinai auf, nachsinnend jenen grossen, sittlichen und staatlichen Grundsätzen, die seinem Volke, ja der ganzen Welt eine feste, unerschütterliche Zukunft schaffen sollten. Manchmal stieg er auf die höchste Spitze des grossen Berges, und dort, in der wundervollen Bergluft, inmitten des feierlichen Schweigens, verharrte er tagelang ohne Bewegung, in seinen erhabenen Gedanken versunken. Hoch, hoch über ihm schwebten die Adler, mit ihren mächtigen Flügeln die durchsichtige blaue Luft durchschneidend, oder es schwamm schwarzes, drohendes Gewölk, aus dem krachender Donner erdröhnte und blendende Blitze herniederzuckten. Einstmals stand er da, gestützt *) Siehe „Die Welt“, III. Jahrgang, Nr. 12 und 13,