Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 16 (21.4.1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-04-21
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 16 „Die A Welt“ Seite 18 Betriebsdirection und erhielt, nach wenigen Tagen schon nachstehenden Bescheid: „in Erledigung Ihres Schreibens danken wir Ihnen für Ihre Mittheilung über das ungehörige Benehmen unseres Schaffners, den wir dafür in Ordnungsstrafe genommen haben. Derartige Uebelstände, die uns nur zu selten bekannt werden, verurtheilen wir aufs entschiedenste und werden sie jederzeit strengstens rügen.“ Bei der in voriger Woche stattgeb ab ten Ersatzwahl, zum Reichstage in Berlin wurde ein Socialist mit kleiner Majorität gewählt. Dabei entfielen ISO Stimmen auf — Graf Pü ekler. & Im Leitartikel des „Intransigeant“vom 31. v. M. tischte Rochefort seinen Lesern die Blutlüge von Damaskus aus dem Jahre 1840, die längst als ein Märchen anerkannt worden, als Thatsache auf, um - - Osterstimmung zu machen. In verschiedenen jüdischen Gemeinden Russlands sind Sabbathschulen eingerichtet, die nicht nur von Arbeitern und sonstigen, während der Woche beschäftigten Angestellten besucht werden, sondern auch von zahlreichen Frauen und Mädchen. Die Tagespresse zollt diesen Bestrebungen der ärmeren jüdischen Bevölkerung ungeteilten Beifall. Die letzthin erfolgte Decorierung des Arztes Dr. Grünkrug in Smolensk mit dem Wladimir-Orden hat eine interessante Frage aufs Tapet gebracht. Mit der Verleihung dieser Decoration ist der erbliche Adel verbunden, aber das dahinzielende Gesuch ist von der Adelskammer abgewiesen worden. Nun hat der Senat als oberste Behörde in dieser Frage die Eintragung in die Adelsliste angeordnet. -kr In einem an den „Woschod“ gesandten offenen Briefe bespricht Rabbiner Schnitkind in Kowno die ungünstige materielle Lage der russischen Rabbiner, die hauptsächlich dadurch hervorgerufen wird, dass sie stets nur auf 3 Jahre gewählt und bei eintretender Invalidität in den weitaus meisten Fällen ohne Pension entlassen werden. Seitens desDr. Günzberg in Cherson wurde ein allgemeinerRabbiner- Congi ess vorgeschlagen, um in dieser Frage einen Beschluss zu fassen behufs Verbesserung der Anstellungs-Bedingung e i. * Im Gouvernement Kjletz (Russisch-Polen) wohnen 120.000 Juden, die 12.000 schulpflichtige Kinder haben, wovon nur circa 3500 Knaben und — 40 Mädchen in der einzigen existierenden jüdischen Elementarschule und in 180 Chedarim Unterricht gemessen. Woran es fehlt, dass die übrigen 8500 Kinder — darunter nahezu 6000 Mädchen — ohne Unterricht bleiben, verschweigt der Bericht. * Von den in Frankfurt a. M. bestehenden drei jüdischen Volks- resp. Realschulen liegen die Jahresberichte von 1898/99 vor. Sie werden insgesammt von 15000 Schülern (Knaben und! Mädchen) besucht, und die Resultate sind mit einem Worte : vorzüglich. * Infolge eines vorliegenden Falles wird seitens des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes dahin gewirkt, dass ein Zusammenfallen der Herbst-Jahrmärkte mit den hohen Feiertagen vermieden wird. Die Bockbeinigkeit mancher Stadtbehörden in dieser Hinsicht trifft allerdings in den weitaus meisten Fällen die christlichen Marktbesuch er, namentlich die Landleute. Das Material ist bereits dem Minister des Innern übergeben worden, der eine eingehende Prüfung im allseitigen Interesse zugesagt hat. ❖ Ein neuer Beweis, dass die Juden nicht zum Handwerk taugen : In Bernburg begieng Herr Eduard M i - chael sein 50jähriges Jubiläum als Klempnermeister. Der Jubilar, der im Alter von 79 Jahren steht, wurde durch grosse Ovationen aus allen Kreisen geehrt. * Die „J. W.“ gibt jenen englischen Politikern, welche die gegen die jüdischen Arbeiter gerichtete Einwanderungs-Bill zur Annahme empfehlen den guten Rath, die wöchentlich erscheinenden officiellen statistischen Notizen bezüglich öffentlicher Unterstützungen durchzusehen. Sie würden dann finden, dass die Juden darin beständig —- fehlen» Sie wenden sich eben an die jüdischenUnterstützungs- Vereine» Und wie diese Unterstützungen gewährt werden geht daraus hervor, dass die Zahl der Gesuche sich im vorigen Jahre auf 32.000 belaufen hat, wovon nur 5% abgewiesen wurden. * Bekanntlich war London die erste grossere Stadt der Welt, die einen Juden zum Stadtoberhaupt gewählt hat. Dem Beispiele sind seitdem verschiedene andere Städte gefolgt, wie z. B. Havanna. Ga.. (Tilpeppor. Vn.. und Bradford. Pa., in den'Vereinigten Staaten, sowie Beltäst. Irland. Wie bereits früher berichtet worden, wurde auf der Insel Cypern ein grösseres brach liegendes Terrain behufs Ansiedelung an jüdische Bauern überlassen. Die Vertlieilung wurde jüngst vorgenommen; jeder erhielt 120 Dunam. Ausserdem liess die Regierung ein Geschenk von 200 Obstbäumen den Ansiedlern zugehen. Die englischen Ausgrabungen in Palästina ani; der Stelle, wo man die alte Philisterstadt Gat vermutlich schreiten rüstig vorwärts. Bereits hat man Mauerreste, Gräber, Cisternen. Ziegelsteine und Vasen aufgofVmden. die letzteren mit Ornamenten und Inschriften. Wie man weiss, gab es in den Vereinigten Staaten auch gewisse Kreise, die mit Z a n g will und seiner' Verherrlichung des Ghetto nicht übei/einstimmtcn und ihn „kühl“ behandelten. Diese Gegensätze in seiner Aufnahme hat unser berühmter Novellist mit einem hübschon — „Wörtchen“ könnte man es fast nennen — gekennzeichnet. Befragt wegen des Resultates seiner Reise gal) er zur Antwort: .,(), ich kam her letzten Sommer hei der grössten Hitze und fahre weg zwei Tage nach dem fürchterlichen Blizzard. Daraus sehen Sie. dass mir sowohl Glühhitze wie eisiger Frost begegnet ist.“ * In allerletzter Zeit ist von Leo Weiner, Professor an der amerikanischen Harvard-Universität, eine „Geschichte der jüdisch-deutschen Literatur im 19. Jahrhundert.“ bei Scribn er erschi en en. Trotz des grossen Einkommens, das dem Rabbiner Dr. Hirsch in Chicago seitens der reichen Tempei-Emanuel- Gemeinde in New-York an geboten wurde, wird derselbe wahrscheinlich in seiner Stellung verbleiben. Die Mount- Sinai-Congregation beschloss den Gehalt auf Dollars 12.000 zu erhöhen mit Engagement auf Lebenszeit — und noch für ein Jahr nachher, wie der angebotene Vertrag lautet, Darüber machen sich nun alle Blätter lustig. Tn C a n a d a werden keine Mazzolh gebacken, vielmehr wird der Bedarf aus den Vereinigten Staaten bezogen, und zwar — um den Lingangszoil zu sparen als gottesdienstliche A r t. i k e 1 (Pnssahhrot). die nach dem c an ad i sehen Gesetze zollfrei sind. Einem Manne passierte es, dass er die Mazzoth als „ungesäuertes Brot“ declarierte, und er musste 30% Zoll zahlen. Vereinsnachrichten. Wien. (V ortrag s n b e n d.) Die Zionsvereine def südlichen Bezirke Wiens veranstalteten am 13. d. einen Vortragsabend, dem ein vornehmes Publicum beiwohnte. Der Schriftsteller Herr Heinrich Glücks mann las eine geistvolle Plauderei „Auf den Brettern der Lebensbühne“ mit bekannter Wirkung. Er erhielt sowohl als Autor, wie auch als Interpret seines Werkes wohlverdienten Beifall. Frau v. T ii r k, die als Fräulein L e u t h o 1 d dem Burgtheater angehört hatte, trug humoristische Arbeiten von Theodor H erz 1, Ferd. Gross, Heinr. G1 ü c k s m ann u. a. vor. Sie erzielte stürmische Heiterkeit durch ihre natürliche Sprechweise, die sich bei ihr mit der Kunst der scharfen Pointierung eint Man musste sich oft fragen, ob wirklich die vornehme Dame in ihrer hellen mit Blumen bemalten Brocatrobe, die nachlässig irn Fauteuil sass, das Publicum in solche Lachstürme zu versetzen vermochte. Zum Schlüsse sprach Herr York - Stein er über die Bank. Wie wir hören, wollen die hiesigen Zionsvereine im nächsten Jahre einen ganzen Cyclus künstlerischer Vorträge veranstalten, an die sich gesellige Abende anschliessen sollen. Brünn. (Jüdisch-akademische Verbindung „Z e p h i r a ".) Die Chargenwahlen ergaben folgendes Resultat: Präses Max B enedict, Vicepräses Ernst T r o 11 e r, Schriftführer Otto Abel e s. Lemberg. Bei der unter Vorsitz des Culfcusrathes Ignatz Fried am 16. März stattgefundenen Generalversammlung des hiesigen Montefiore-V er eins „T o m c h e G e h e m i m“ zur Unterstützung alter erwerbsunfähiger Kaufleute wurden in den neuen Ausschuss Herr Jacob Stroh, Julius. Hochfeld, Samuel Spiegel gewählt. Kaiserlicher Rath Herr Jacob Stroh spendete 1000 fl, Herr Ignatz Fried 500 fl, für den Verein.