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Die Welt · 1899-04-21 · 16 (21.4.1899) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
16 (21.4.1899)
Article
Spenden für zionistische Zwecke [Nachricht] / Aktionskomitee
Date
1899-04-21
Page
12 (sequence 1)
Language
German
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Seite 18 „Die $ Welt“ Nr. 16 Die zionMe Kmegung. Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahtnngett find an das Bureau des Zionistenrongresses, Wien, ll., Rembrandtstratze H, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionisteneongresses, Basel, zu senden. -Das Actionscomite. Wien. Dienstag den 25. April 8 Uhr abends findet im Restaurant Weninger, IX., Porzellangasse 50 die constituierende Versammlung des Einzelvereines „Alsergrund" des Verbandes „Zion" statt. Festredner Herr Schriftsteller H. Jork-Steiner. Wien-Brigittenau. Am vorigen Mittwoch fand in W e i l a n d s geräumigem Nestaurantsaale eine gut besuchte zionistische Versammlung statt, in der Dr. L. K a h n über die Selbsthilfe der Juden nahezu -2 Stunden sprach und das Auditorium zu begeistertem Beifalle hinriss. Als Oontra-Redner trat ein Herr Kraus auf, der sich in nichts weniger als parlamentarischer Weise ausdrückte und den Zionisten Demagogie, undiplomatisches Vorgehen u. dgl. Dinge vorwarf. Ganz confus sprach ein jugendlicher Socialdeuwkrat, der alles Heil für die Juden von seiner Partei erwartet. Noch zwei svcialistische Redner, Marktb r e i t e r und Hasterlik kamen zu Worte, letzterer mehr für den Zionismus plaidierend. Die Wogen der Debatte stiegen gewaltig hoch, und Herr Dr. Schalit musste dem Vorsitzenden Berliner Succurs leisten. Prediger Grün und Herr Groß suchten zu vermitteln und mahnten zum Frieden. Neben den Zionisten, welche der Meinung sind, dass die als zu schwach für den Ackerbau erscheinenden Juden gleich dem Riesen AUtäus auf heimatlichem Boden an Kraft zunehmen werden, könnten andere für jene bedacht sein, die als Nationaljudeu hier bleiben wollen. Das Schlusswort erhielt der Referent, welcher nachwies, dass die Arbeiterpartei vom Philosemitismus weit entfernt sei. Lange nach Mitternacht schloss der Vorsitzende die Versammlung. Olm ritz. Am 15. April hielt Herr Dr. Birnbaum im Reichertsaale einen Vortrag über „Socialismus und Zionismus^. Eine stattliche Anzahl von Zuhörern, unter denen man auch Nichtjuden bemerkte, hatte sich eingefunden und folgte mit lebhafter Aufmerksamkeit den scharfsinnigen Auseinandersetzungen des bekannten Schriftstellers. Wir müssen es uns versagen, auch nur auszugsweise den Inhalt dieses Vortrages anzugeben, und verweisen auf die demnächst erscheinende Buchausgabe. Wir heben nur hervor, dass der Vortragende Socialismus und Zionismus sehr wohl miteinander vereinbar findet, dass er eine scharfe Scheidung zwischen dem Zionismus der osteuropäischen und dem der westeuropäischen Juden macht. Jenen nennt er Eulturzionismus und legt ihm große Bedeutung für die Zukunft bei, diesen nennt er einen Zionismus aus Empfindlichkeit und aus einem Reste nationalen Gefühls. Mit der Zunahme der Eolonisatiou werde das Uebergewicht des ersteren und zugleich des Jndustrie- und Bauernproletariats deutlich hervortreten. Reicher Beifall lohnte den Vortragenden. Boskowih. Nun hat auch diese alte Judengemeinde ihren Zionsverein. Infolge der von der Brunner „Veritas" und der Wiener „Libanonia" hier betriebenen Agitation constituierte sich zu Ostern eine Ortsgruppe „Boskowitz" des „Zion", zu der^n Obmanne Herr S z e b e l erwählt wurde. Obmann-Stellvertreter ist Jakob Nltmann, Eassier O. Tische, Schriftführer für Hebräisch Herr Rafael Lazar Storch, Schriftführer für deutsche Sprache Herr Basch. Rabbiner Tr. Salomon Funk stellt sich unserer Sache sehr freundlich gegenüber und hcu in seiner Haftarah- Predigt am letzten Passahtage des Zion.Onus in günstigster Weift Erwähnung gethan. Krakau. Mittwoch, 21). März hielt der bekannte Volksredner L ö b e l Taubes im neuen großen Saale des Hotel de Londres einen Vortrag über die Jüdische Eolonialbank. " Der große Saal war von Damen und Herren, Orthodoxen und Fortschrittlichen bis aufs letzte Plätzchen" besetzt. Den Vorsitz führte der Präses des Zion Vereines „E h o w e w e E r e z I s r a e 1", Herr Julius S ch ö n w e t t e r. Der ausgezeichnete Vortrag des Referenten währte zwei Stunden. Es wurden nach Schluss des Referates Aetien der Eolonialbank gezeichnet und Schekel gesammelt. Akademiker des „IGzedswii“ haben sich um die Veranstaltung sehr verdient gemacht. Przemysl Herr Julius Hochfeld aus Lemberg hielt im Vereinslocale des hiesigen Zionsvereines einen Vortrag über die Bedeutung der „Jüdischen E o l o n i a l b a n k". Der Vortrag wurde von den Anwesenden mit großem Beifalle ausgenommen und eine größere Anzahl Actien gezeichnet. Dorna - Watra. Am 29. März a. c. fand im Vereine „Zion" die erste ordentliche Generalversammlung statt. Nach Ablegung des Rechenschaftsberichtes wurde die Wahl vorgenommen und erschienen als gewählt die Herren: „Gerson Tauber, Präses: Jakob G o l d e n b e r g, V i c e p r ä s e s; Moses G o l d sch l ä g e r, E a s s i e r; A l b e r t K r a k a u e r, I. Schriftführer; A. K a tz, V. Schriftführer; I. Blu m, O ek ottom; H. Bi euer, Z e i t un g s v er w. e f e r; M. Weingarten, M. Retter Und B. Brecher. Als Ersatzmänner Moses K a tz und Adolf G r i l ll" Leipzig. Mittwoch, den 5. April fand hier unsere dritte öffentliche Versammlung statt, der ungefähr 500 Personen beiwohnten. Dr. R ü l f aus Bonn sprach über Entwicklung und Bedeutung der nationalen Idee im Judenthum und wies nach, wie vor ihrer Größe und Herrlichkeit keiner von den schwächlichen Einwänden unserer Gegner bestehen kann. Der Vortrag wurde mit begeistertem, langänhaltendem Beifalle aufgenoinmem In der darauffolgenden DiscussioN Machte sich eine allgemeine Rathr losigkeit der Opponenten bemerkbar, besonders nachdem Doetor Loewe, der die Versammlung leitete, in einer glänzenden, von tiefer Sachkenntnis erfüllten Rede die Begründung des Zionismus in der jüdischen Religion nachwies. Es wurde sodann mit allen gegen li Stimmen folgende Resolution gefasst: „Die aM 5. April im „Eldorado" tagende Versammlung spricht ihrs Begeisterung für die großen Ideale des Zionismus aus und beschließt, all deren Verwirklichung mitzuarbeiten." Zahlreiche Gemeindemitglieder, die bisher zu unseren Gegnern gehörten, gaben ihre Stimmen für die Resolution ab. Der moralische Erfolg der Versammlung, kann als ein außergewöhnlicher bezeichnet werden; aber auch die Shareszeichnungen erfuhren durch dieselbe eine erfreuliche Steigerung. KiWtgsderg in O. P. Behufs Gründung eines zionistrschett Vereines fand hier am 12. d. M. im „Hotel Epstein" eine Versammlung statt, die sehr gut besucht war. Der Vorsitzende, Herr Sachs, begrüsste die Anwesenden mit herzlichen Worten und ertheilte Herrn cand. phil. Scheftel owitz das Wort zur Tendenzrede. Der Redner entwickelte unter großem Beifalle fcte Bestrebungen des Zionismus und kam auf die Eolonialbank als das geeignete Instrument zur Verwirklichung dieser Bestrebungen zu sprechen. Er betonte schließlich die Notwendigkeit der Gründung eines im zionistischen Ginne wirkenden Vereines in Unserer Stadll Nach Herrn Scheftelo.witz besprachen noch mehrere Redner den Zionismus von verschiedenen Gesichtspunkten. Ueber die Benennung des Vereines entspann sich eine rege Diseussron. Endlich einigte man ssch auf den Namen „Verein zur Förderung der Colonisation und Cultur in Palästina". In das Präsidium des neuen Vereines wurden die Herren Dr. Scherschewsky, Sachs, Wolfsohn, Meierowitz, Alt mann und I s a k o w i tz gewählt. Binnen kurzem wird eine zweite Versammlung stattsinden. Jsak W i e r n i k o w s k y. Chicago. Herr Dr. B. F e l s e n t h a l, em. Rabbiner der Chicagoer Ziongemeinde, wurde auf Grund eines Artikels, der angeblich in der „Ehicago Tribüne" gestanden sein soll, unter die „Antizionisten" eingereiht. Dr. Felsenthal verwahrt sich nun entschieden gegen diesen Vorwurf und führt folgende Thatsache an: „Vor etwa vier Monaten (in der ersten Novemberwoche) ersuchte mich ein Mitarbeiter der hiesigen „Daily News" um ein Interview, und als dasselbe statt hatte, fragte er mich Verschiedenes über den Zionismus, und ich gab ihm natürlich die gewünschten Belehrungen. Am nächsten Tage brachte sein Blatt einen langen Bericht über dieses Interview und einen oder zwei Tage später druckte die „Ehicago Tribüne" einen Auszug daraus ab. Dass man gegen den Zionismus arbeiten müsse, davon war auch nicht die allergeringste Andeutung von mir gegeben worden Im Gegentheite; aus dem ganzen Artikel leuchtet meine prozionistische Tendenz klar hervor." Dr. Felsenthal schließt: „Ich möchte nicht gerne als Gegner einer Bewegung verschrien werden, die mir warme Herzensangelegenheit ist." I)6i' Ausweis der Spenden für zionistische Zwecke und für die Boryslawer Arbeiter wegen Raummangels in der nächsten Nummer. Allerlei Nachrichten. In L ü n e h u r g war ein Jude, der greise Banquier H eine m a n n der Gegenstand herzlichster Ovationen anlässlich seines 80. Geburtstages. Alle Classen der Bevölkerung wetteiferten, ihm ihre Theilnahme und Hochachtung zu beweisen. Guter dem Titel: ..Die jüdische Race, ihre Vergangenheit und Rolle in der Geschichte'4 ist eine kleine Broschüre von Paul. M a h i 11 e, Professor der Philosophie (Paris. Foumeau) erschienen, die sehr bemerkenswert im Augenblicke ist, wo in Frankreich so gegen die Juden gewüthet wird. Sie enthält nicht viel Neues. Sie weist nach, dass die Juden sich stets durch Klugheit auszeichneten, und dass alle VorurtheiJe und Verfolgungen nur die Früchte verabscheuungswerter Unduldsamkeit waren. In Breslau hatte ein Schaffner den Passagieren zugerufen: „Christen links. Juden rechts!'4 Ein jüdischer Reisender wandte sieh besehwerdeführend an die Eisenbahn-

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