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Die Welt · 1899-04-21 · 16 (21.4.1899) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
16 (21.4.1899)
Article
[Ohne Titel] / Rosenberger, Erwin
Date
1899-04-21
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 16 „Die chr Welt“ Seite 7 der Strasse befinden sich ein paar Fensterscheiben, aber die können dank ihrem leichten Baue der Endbestimmung des Gesteins glücklicherweise nicht hemmend entgegen treten. Sagt doch schon jener deutsche Dichterfürst: Glück und Glas etc. etc. -l- * * Das Passahfest soll ein Freudenfest sein. Die Befreiung aus ägyptischem Leide wird fröhlich gefeiert. Dieses Jubelfest ist eine Ironie, schon jahrhundertelang. Seit dem Tage der Zerstreuung. Das winzige böhmische Nest legt dafür Zeugnis ab. Die Steine predigen es, die Steine, die man den Juden in die Wohnstuben schleudert. Noch immer quält der Ziegelstein die Juden. In dem Steinhagel, der irgendwo am ersten Passallabend in die Zimmer eines Juden niedergeht, liegt viel Symbolisches. Da sitzt die Familie behaglich beim feierlich gedecktem Tische, sinnreiche Gesänge erzählen von entschwundenem ägyptischen Kummer. Aut kleinem Schüsselchen ist eine braune Gewürzmischung, das bedeutet den Lehm, den die Juden im Nillande stampfen mussten, als sie Ziegelarbeiter waren im schweren Joche des grausamen Pharao. Der Vater erzählt, die Kinder lauschen. „Ja, sie haben uns arg geplagt, die Ziegel; aber jetzt sind wir frei, wir wissen nichts von Ziegeln“.-Und es klirren die Scheiben, und herein kommt in flinken Rotationen der genannte Gegenstand. Er zeigt ein frisches Roth, hat glatte, regelmässige Formen, und lässt sich im Kreise der Familie nieder — just auf dem kleinen Schüsselchen. Doch die Kinder haben nicht Zeit, weiter zu fragen. Denn schon erscheint ein zweiter rother Gast, und ein dritter und vierter. Da ist es gut, wenn man sich zurückzieht. * * * Das alte Nilthal hat durch die Juden eine ungeahnte internationale Ausdehnung bekommen. Die zerstreuten Juden haben überall, wo sie hinkamen, judenfeindliche Aegypter vom Schlage jenes alten Pharao erzeugt, deren Dasein in spöttischem Widerspruche mit der frohen Feier des Passahfestes steht. Für Alt- Aegypten ist eine frappierende Renaissance gekommen, Alt-Aegypten ist zum Weltreiche geworden. Auch Po Ina liegt, obwohl dies sehr gelehrte Geographen entschieden bestreiten werden, an den schilfbewachsenen Ufern des alten Nil. Erwin Rosenberger. » Brief aus Palästina. Von T. Blanco. I. Der Bibelsatz, Palästina sei das Land, wo Milch und Honig fliesst, ist jedem Juden, jedem Gebildeten bekannt. Wie es heute um Palästina bestellt ist, wissen die Wenigsten, und zumeist sind ganz falsche, oberflächliche und unrichtige Ansichten verbreitet. Es ist ein Land, dem jede Grundbedingung kräftigen Emporbltihens und Gedeihens gegeben, ein unergründliches, mit Perlen und Diamanten gefülltes Schmuckkästchen, dem nur der Schlüssel fehlt, den verrosteten Deckel zu öffnen. Das kleine Stückchen Erde, auf dem sich die glorreiche Geschichte unseres Volkes abgespielt, wird durch den Jordan „den Herabfallenden" in zwei Hauptabschnitte getheilt: Das Ost- und das Westjordanland. Ersteres ist wasserreicher, letzteres enthält wieder die fruchtbare Ebene von Jericho, die Schlachtenebene Israels. Den Hauptbestandteil beider Landtheile bildet ein durch Schluchten und Thäler zerrissenes, bis zu 1200 Meter ansteigendes Kalkgebirge, das jedoch wie kein Gebirgsstock anderer Welten und Länder bis zu den Gipfeln hinauf culturfähigen, herrlichen Boden auf weist. Heute natürlich sehen wir, wenn wir diese Gebirgszüge durchqueren, kahles, ödes Land. Nur einzelne Lichtpunkte in der Nähe hochliegender Orte, wo man durch terrassenförmigen Abbau und Anpflanzung schöne Erfolge, wenn auch nur im kleinen Stile, errungen hat, beweisen die Richtigkeit der geologischen Angaben. Sie lassen die Folgerung zu, dass diese Berge einmal systematisch aufgeforstet und bepflanzt, nicht nur für ihre Pionniere reichen Ertrag bieten, sondern auch wegen ihrer pittoresken Schönheit das Ziel tausender und abertausende]* Touristen und Vergnügungsreisender sein werden. Die Küstenstriche hauptsächlich nördlich Jaffas bieten ein trauriges Bild. Meilenweit geschlossen sich hinziehende Sandhügel, die durch kriegerische Verwüstungen und Ausrodung der Wälder entstanden sind. Sie bilden vielfach ein e Sperre für den natürlichen Ablauf der Gewässer und somit leider eine Hauptursache der in einzelnen Theilen des Landes entstandenen Sümpfe. Den heutigen Technikern können sie jedoch kein Hindernis mehr bilden. Sie werden, wo nöthig, ordentliche Durchstiche machen und so den Ablauf der Wässer aus den durch Drainage oder andere Systeme trockengelegten Sümpfen sichern. Insolange aber kein Ablauf in diesem Sinne gesichert ist, ist auch keine Trockenlegung denkbar. Die Eucalyptusanpflanzungen, wenn sie nicht in Massen erfolgen, wobei sie wieder dem Boden zuviel Kraft entziehen, sind nur halbe Massregeln. Nehmen wir nun die grosse Küstenebene, welche sich südlich Jaffas bis unterhalb Gaza hinzieht, so finden wir einen Grad der Fruchtbarkeit, resp. des Ernte-Ertrages, der Staunen erregt. Ein Product, wie zum Beispiel Gerste, das ähnliche Qualitäten anderer Länder ganz in den Schatten stellt. Aehnlich verhält es sich mit Weizen, Sesam und Dura (eine Weizenart). Letzterer wird von den Beduinen sogar zweimal i m J a h r e a ngebaut und geerntet. Und dabei ist das ganze eben erwähnte Gebiet, insoweit es bebaut ist, im Besitze von Arabern, deren Bodencnltur doch in gar keinem Verhältnisse zu der rationellen Arbeit unserer jüdischen Bauern steht! Das engere Gebiet von Jaffa selbst ist vorwiegend der Orangencultur gewidmet. Und welch reicher Ertrag lohnt die Gärtner! 1 Hektar trägt rein 5000 F r a n c s p e r Jahr! Wohl braucht so ein Garten, bis er Früchte trägt, C Jahre. Vor wenigen Tagen wurden noch Orangen gepflückt," und heute steht schon alles wieder in herrlichster Blüte. Den schlagendsten Beweis für die Ertragsfähigkeit unseres Landes bilden unsere Colonien. In nächster Folge berichte ich über sie in ausführlicher Weise. Sie verdienen ein eigenes Capitel, ein Ruhmesblatt in unserer modernen Geschichte des Judenthums. Wenn ich Städtebilder entwerfen soll, so will ich vorderhand nur jene Orte berühren, die für uns in absehbarer Zeit handelspolitische Bedeutung erlangen dürften. Jerusalem will ich nur streifen und bloss in wenigen Worten auf die traurigen Verhältnisse unserer dortigen Volksgenossen liinweisen. Leute, die nach Arbeit rufen, selbst aber nicht die Initiative besitzen, sich solche zu schaffen. Unter solch traurigen Umständen ist die Institution der Chaluka für die Masse der Jerusalemer Juden zur Lebensbedingung geworden. (Dass natürlich bei Verteilung der Spenden Uebelstände platzgegriffen, Vermögende betheilt, Unbemittelte übergangen wurden, kann nicht‘Wunder nehmen. Etwas C-ontrolle und allen wäre geholfen.) Im übrigen wird Jerusalem für uns wohl nur das bleiben, was es ist: Ein Zeuge vergangener Pracht und Herrlichkeit! Jaffa ist als Schlüssel zu Palästina von der Seeseite .aus von besonderer Bedeutung. Die günstige Lage Jaffas

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