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Die Welt · 1899-04-21 · 16 (21.4.1899) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
16 (21.4.1899)
Article
Blätterstimmen [Kommentar]
Date
1899-04-21
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 16 „Die H Weit“ Seite b Ich, für meine Person, glaube noch immer nur an eine s p o n t a n e Einwanderung von der Art der Judenimmigration nach Amerika und dem Cap; die Hoffnung aber des Zionismus (oder des Nationalismus) geht nach meiner Meinung die Nicht-Armen, die einer Unterstützung nicht bedürftigen Enthusiasten an. Nun hat aber Dr. Herzl in so kurzer Zeit soviel erreicht, dass er für eine kleine Weile freie Hand haben sollte. Er hat, hoffe ich, sich die Option für eine Gründung seines Staates ausserhalb Palästinas Vorbehalten. Ich schreibe diese Zeilen in einer koscheren Pension, wo ich am vergangenen Freitagabend zuerst Ihre Herausgeber-Bemerkungen las und dann das Vergnügen hatte, an dem gemeinschaftlichen Tischgebete theilzunehmen. Wir sangen mit viel Salbung ein halbes Dutzend zionistischer Sehnsuchtsverse und hofften sogar, das alles werde in Erfüllung gehen, „bald und in unseren Tagen“. Nicht als ob Sehnsucht, im hebräischen Wortkleid und unter einfachen Liedklängen wandelnd, etwas für unsere wirklichen Bedürfnisse und Begehrungen zu beweisen vermöchte; gewiss aber, wenn einer an das, was er sang, auch dachte, muss er sich voll Staunens gefragt haben: wie kann ein Versuch, diese Sehnsucht zu erfüllen, in den Synagogen niedergeschwiegen werden? Es gibt nur zwei Arten zu kämpfen: mit Waffen oder mit Geld. Die erste Methode der Landgewinnung ist für uns unanwendbar, und die Frage ist, ob nicht auf dem anderen Wege die wissenschaftlichere Form des Militarismus gefunden wird. Jedenfalls sind die armen Juden, die ihr Geld um Israels Ehre auf eine edle Art verlieren, ebensosehr des Preises würdig, wie irgendwelche andere Freiwilligenkämpfer für eine verlorene Hoffnung. Ihr eigener, streng kaufmännischer Standpunkt erinnert mich an die amerikanische Kritikprobe: „In dieses Mannes Tasche hätte niemals Geld kommen dürfen!“ * Der „ J e w i s h Exponen t“ in Philadelphia, Ver. Staaten, bringt eine sehr sympathische Anzeige der Subscription, von der so viel für das Gelingen unserer Bewegung abhängt. Das Bankmanifest der English Zionist Federation. Die English Zionist Federation als Vertreterin der zionistischen Bewegung im Vereinigten Königreiche betrachtet es als ihre Pflicht, den folgenden Aufruf, betreffend die Jüdische Colonialbank, zu erlassen. Der vom Trust ausgegebene Prospect war von den gewöhnlichen ganz abweichenden Umständen anzupassen. Es mussten viele Arrangements temporären Charakters getroffen werden. Die Nothwendigkeit solcher Arrangements wurde den Führern der Bewegung nahegelegt durch die passive oder active Opposition von Leuten, deren eingreifende Hilfe bei Gründung des Trust man erwartet hatte. Diese Haltung resultierte — so glauben wir — in den meisten Fällen aus einem Zweifel, der darüber gehegt ward, ob die Zionisten dem an sie gerichteten Appell Folge leisten und bereit sein werden, ihrem Wunsche nach einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina praktischen Ausdruck zu geben. Es ist selbstverständlich, dass, sobald die Gründung des Trust (mit dem Sitze in London) perfect geworden, ein tüchtiger Manager bestimmt und das Bankgeschäft von in diesem Lande lebenden Männern mit specielLer Eignung zur Führung eines financiellen Unternehmens dieser Art geleitet werden wird. Die Angelegenheit liegt also ganz und gar in den Händep der Zionisten selber. Wenn rie alle die Hoffnungen, denen sie auf den Congressen Ausdruck verliehen, erfüllt zu sehen wünschen, so müssen sie jetzt ihre Bereitwilligkeit zeigen, in die Hände der Führer das den Zwecken der Bewegung dienende Werkzeug zu legen. Die Männer, die dem Trust so weit in den Sattel geholfen, haben dazu grosse Opfer an Zeit und Arbeitskraft bringen müssen. Es ist ganz klar, dass diese Bürde der Arbeit und Verantwortlichkeit erleichtert, ja womöglich abgenommen werden'sollte den Männern, die bei ihrem Eintreten in die Bewegung nicht erwarteten, zu solchen Aufgaben berufen zu werden, und die der Bewegung in anderen Thätigkeitsrichtungen weit nützlicher, ja unentbehrlich sind. Das kann nur so bewirkt werden, dass die Zionisten die Energie und Opferwilligkeit der Führer sich zum Muster nehmen und die Banksubscription mit allen Kräften unterstützen. Wir wissen, dass wir, zur Bankunterstützung aufrufend, es nicht noth wendig haben, durch Profitversprechungen zu werben. Die Zionisten werden uns folgen, willens, für die Sache ein Opfer zu bringen. Sie werden in den Certificaten, die sie im Austausch für ihre Subscription erhalten, nicht so sehr einen Geldeswert bestätigende Papiere, als vielmehr Ehren certificate sehen, die sie ihren Kindern und ihre Kinder den folgenden Geschlechtern hinterlassen können als Zeugnis dafür, dass sie Dr. Herzl und seine Genossen in dem edlen Werke der Befreiung des jüdischen Volkes unterstützt haben. Thue daher jeder Zionist, was in seiner Macht liegt, um den Erfolg des Trust herbeizuführen, damit die ganze, im Prospecte beanspruchte Summe innerhalb der hiefiir bestimmten Frist durch Subscription aufgebracht werde. Wir hoffen fest und zuversichtlich, dass in diesem Bestreben die englischen Zionisten, die die Segnungen der Freiheit und Gerechtigkeit zu schätzen wissen, nicht hinter ihren, in den Ländern der Bedrückung und Unduldsamkeit lebenden Brüdern zurückstehen werden. Sie werden der Welt zeigen, dass Israel als Nation noch immer eine lebendige Kraft bedeutet. Die hingebende Liebe zu unserer Bewegung wird uns, wenn wir nur unseren Idealen die Treue bewahren, vorwärts und nahe zur Verwirklichung unserer Ziele, zum endlichen Erfolg leiten. Für die English Zionist Federation : Francis A. Montefiore, Joseph Cowen, J. de Haas, L. J. Greenberg. * . * -r- Die Veröffentlichung dieses Bankmanifestes im „Jewish World“ wird von folgender Bedactionsanmerlamg begleitet: Wir werden ersucht zu constatieren, dass das Bankmanifest nicht im „Jewish Chronicle“ erscheinen wird. Wie wir erfahren, gieng dasselbe dem bezeichneten Blatte zu gleicher Zeit wie uns zu, doch wurde die Einschaltung verweigert, ausser wenn dafür wie für eine gewöhnliche Annonce gezahlt würde. Unser Gewährsmann fügt hinzu: Daraus lässt sich ersehen, wie ängstlich bemüht der „Jewish Chronic Le“ ist, seine Leser mit den Ansichten der englischen Zionisten bekannt zu machen. * Das Manifest der „English Zionist Federation” erregte grosses und freundliches Aufsehen in der englischen Presse. Die „Times“ publicierten dasselbe. Londoner Brief. Das erste, so recht in die Augen fallende Merkmal der Woche war die sprungweise Steigerung der Ziffern; was gestern und vorgestern nach Hunderten zählte, wird heute schon in Tausenden ausgedrückt. Die Correspondenz nimmt einen neuen Charakter an. Die Darbringung von Glückwünschen- und die Nachfrage nach Prospecten lassen zwar nicht nach, aber ihnen zur Seite stehen jetzt, fast, eben-

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