Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 16 (21.4.1899)
- Article
- Die jüdische Colonialbank
- Date
- 1899-04-21
- Page
- 4 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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dleite 4 >,Die & Weit*4 Nr. 16 Czenstochau. Bisher über 1000 Shares gezeichnet. Bis Ende (Jer Subscription hoffen wir das Dreifache zu erreichen. . (gez.) M. Molcrauer. Pinsk. 18. April. (Telegramm.) Bei uns bisher hundertzwanzigtausend Shares. Wilna. In der kleinen Stadt Lida hat die Subscription Dank dein Einflüsse des Rabbiners Herrn Reiner tausend Shares (von 400 Zeichnern) ergeben. London. Grössere, telegraphische Shares-Aninbldungeh aus Chicago und Baltimore. Die amerikanischen Berichte sind im allgemeinen sanguinisch. (Gez.) Loewe. New-York. Die Meldungen aus Boston, Providence und Morcester sind sehr ermuthigend. (Gez.) New-York. Wir arbeiten mit aller Kraft für die Bank. Professor Richard Gottheil von der Columbia Universität und Rev. Stephan R. Wise halten eine Versammlung nach der anderen ah. Wir versprechen uns einen grossen E v f o 1 g der Subscription. Montreal (Canada). Wir hielten hier im Verlaufe des Monats März mehrere Versammlungen zur Propagierung der Jüdischen Colonialbank. Insbesondere war es ein Massenmeeting der Juden von Montreal am 19. März, das eine ausgezeichnete Stimmung erregte. Sogleich begann auch die Zeichnung von Shares. Wir hoffen, Ihnen von dieser Stadt gute Resultate schicken zu können. Die Zeit ist nur bei diesen Entfernungen kurz bemessen. Wir glauben aber, bis 28. April eine ordentliche Anzahl Subscriptionen aufzubringen. — Sowie in Montreal, hat unsere Zions-Gesellschaft auch in allen anderen Städten von Canada, wo es Judengemeinden gibt, die Subscriptionen ein geleit et. Wir haben namentlich gute Berichte von Winnipeg .(Manitoba). (Gez.) Clärence J. de Sola. Blätterstimmen. Das in Wien erscheinende „Jüdische Volksblatt“ hatte in seiner Nummer vom 7. April einen Artikel mit dem Titel „Ein Interview mit Dr. Nordau“ veröffentlicht. Den Kennern der Verhältnisse mussten die Aeusserungen des Interviewers (Dr. Salz) sofort sehr problematisch Vorkommen. Geradezu lächerlich in der Plumpheit ihrer Erfindung wirkten jene Sätze, in denen Dr. Salz den Interviewten über „rücksichtslos reclamevolle Versprechungen“, die man angeblich dem jüdischen Volke mache, die Aeusserung thun liess, „man müsse dem Volke alles versprechen, um es zu dieser letzten, grössten Anstrengung (dem politischen Zionismus) fähig zu machen.“ Ebenso glaubwürdig war die angebliche Aeusserung Nordaus über die sogenannte Wahlreform. Die Berichtigung blieb denn auch nicht aus. Dr. Nordau sendete dem „Jüdischen Volksblatte“, das sich in gutem Glauben von Dr. Salz Märchen als Thatsachen erzählen liess, folgende Berichtigung : An die geehrte Redaction des „Jüdischen Volksblatt“ in Wien. Unter dem Titel „Ein Interview mit Dr. Max Nordau“ veröffentlichen Sie in Ihrer Nummer vom 7. d. M. einen Bericht über eine Unterredung, die Herr Dr. Salz mit mir gehabt haben will. Es ist richtig, dass Herr Dr. Salz mich in Paris besucht und mir zu meinem grössten Erstaunen auseinandergesetzt hat, dass er, der als politischer Zionist .in Vertretung politisch-zionistischer Wähler an zwei ausdrücklich politisch-zionistischen Congressen theilgenommen, nun plötzlich ein Feind des politischen Zionismus geworden ist. Dagegen ist die Darstellung des ganzen Verlaufes der Unterredung vollkommen unrichtig, und manche Einzelheiten sind schlechthin erfunden. Ich habe z. B. niemals von „drei gekrönten Häuptern“ gesprochen, deren Hilfe uns sicher sei, es ist eine bare, dreiste Unwahrheit, dass ich gesagt hatte, man müsse dem jüdischen Volke allerlei versprechen, es ist eine ebenso dreiste Unwahrheit, dass ich über eine „famose“ oder nichtfamose Wahlordnung, von der ich kein Sterbenswörtchen weiss, „ausweichende Antworten“ gegeben haben soll. Wenn Herr Dr. Salz sich Unterstanden hätte, vor mir von „rücksichtslos reclamevollen Versprechungen“ zu sprechen, die man den „Volksinassen“ mache, so würde selbst die Rücksicht eines höflichen Hausherrn auf einen Besucher mich nicht abgehalten haben, ihm sofort mit einer Entgegnung zu dienen, die seinem Besuche ein jähes Ende bereitet hätte. Herr Dr. Salz hätte ehrlicher gehandelt, wenn er, statt wirkliche Aeusser* ungen bis zur Unkenntlichkeit zu entstellen und andere, die ich nie gethan, frei zu erfinden, wenigstens andeutungsweise wiederholt hätte, was ich ihm über sein Gehaben auf den 1898er Congresse gesagt habe. Mit der Bitte, dieser Erwiderung in Ihrem Blatte Raum geben zu wollen, bin ich Ihr hochachtungsvoll ergebener Dr. Max Nordau. Paris, 13. April 1899. * An der Spitze der jüngsten Nummer des „Hamagid“ ist folgender Brief an den Redacteur ab gedruckt: Geehrter Herr Redacteur! In der jüngsten Nummer der „Welt“ werden die Mitglieder einer kleinen Gruppe in Galizien geschmäht, „die lügenhafte Gerüchte über die Gründer der Colonialbank verbreiten.“ Auf diese Weise hat die bereits erwähnte Zeitung bereits einigemale den Verein „Ahawath Zion“ herabgesetzt, indem die Anhänger des Blattes einander nachher zuflüstern : „Unter dieser Gruppe werden die Mitglieder des „Ahawath Zion“ verstanden. Ich fordere daher den Redacteur des genannten Blattes vor aller Welt auf, die Leute der „kleinen Gruppe“ zu nennen, die nach seiner Behauptung Antizionisten sind, widrigenfalls ich zur Rettung der mir theueren Ehre der Beleidigten genöthigt sein werde, alle die geheimen Verfolgungen, denen der Verein „Ahawath Zion“ seit ungefähr zwei Jahren ausgesetzt ist. zu veröffentlichen. Mit. Zionsgruss Tarnow, D r. A. S a 1 z. Wir nehmen hiermit diese Erklärung des Herrn Dr. Salz zur Kenntnis und fragen ihn, ob er von einem in Galizien colportierten Gerüchte, wonach die Gründer der Jüdischen Colonialhank 100.000 Gulden oder Mark oder irgend einen anderen Betrag sich ausbedungen hätten, nichts gehört und es nicht weiter erzählt hat. Wir werden eine bestimmte Erklärung des Herrn Dr. Salz über diesen Gegenstand bereitwilligst registrieren. Erwünscht wäre es übrigens auch, dass der „Ahawath Zion“ in Tarnow bei nächster Gelegenheit ausdrücklich und in einer Missverständnisse nicht zulassenden Weise mittheile, ob er auf dem Boden des Congressprogrammes steht oder nicht. Damit wird die Situation dann für alles Weitere genügend geklärt sein. Von einer Gegnerschaft unsererseits gegen den „Ahawath Zion" als einen zionistischen Verein kann wohl nicht die Rede sein. Wir müssen nur wissen, ob dieser Verein auch wirklich noch in unserem Lager steht. * J. Z ang will hat an den Herausgeber des „Jewish Chronicle“ folgenden, aufsehenerregenden Brief gerichtet: „Als einer, der die praktische Seite des Zionismus stets freimüthig kritisiert hat, möchte ich heute meinem Erstaunen Ausdruck geben über die wenig respectvolle Haltung, die Sie gegen die so einzigartige Manifestation des jüdischen Idealismus einnehmen. Ich kann mir kein geeigneteres Kanzelthema denken, sei es im zustimmenden, sei es im absprechenden Sinne, als den Prospect der Jüdischen Colonialbank. Warum sollen denn nur todte Fragen von unseren Predigern einer Besprechung wert gehalten werden? Von der Bank als einer „unseligen Mischung von Finanz und Frömmigkeit“ zu sprechen, heisst wirklich mit Worten spielen, die besser in eine charakterisierende Beschreibung der „United Synagogue“ passen. Sie fürchten: das Geld wird verloren sein. Nun, was ist weiter dabei? Welche schreckliche Aengstlichkeit wegen lumpiger 2 Millionen Pfund Sterling! Absurd ist die Behauptung, dass der Verlust dieser Summe dem Prestige und dem guten Namen der Gemeinde Abbruch thun könnte. Im Gegentheil, die werden nur verbessert, wenn sich herausstellen sollte, dass Juden imstande sind, ihr Geld schlecht anzulegen, und dass sie nicht einmal durch die Abwesenheit der Barney Barnatos im Directorium entmuthigt werden. Mich freut es, dass dieses Jahrhundert der Judeneman cipation nicht zu Ende gehen wird, ohne ein so schlagendes Argument gegen die Schmähschriften des Mittelalters gesehen zu haben. Wir sind reich genug, um an ein Experiment in der Werkstätte der Geschichte 2 Millionen zu setzen. Sie sagen aber: Diese Millionen haben die Armen zu zahlen. Umso schlimmer für die Reichen! Auch glaube ich nicht,dass der Arme über seine Kräfte hinaus oder mit einiger Gewinsthoffnung geben wird und nicht vielmehr den Verlust seines Geldes ins Auge gefasst haben sollte.