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Die Welt · 1899-04-21 · 16 (21.4.1899) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
16 (21.4.1899)
Date
1899-04-21
Page
None (sequence 5)
Language
German
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MßfiArft» Redaction * Erscheint jeden Freitag. > . —.-.. < Preise der Anzeigen: und Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern Die viermal gespaltene Petit¬ Wien an die Redaction oder Administration: Wien, IX., zeile 10 kr. IX., Türkenstrasse 9. Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Telephon Nr. 8805. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. *-4 * Manuscripte nicht zurückgesendet. < L-* RP711 tfCFWAlQfl■ .Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 6 fl. 12 Kr., halbjährig 8 fl. 6 Kr. Für das Ausland: Deutsch- DUnUgüplUiübi ’land ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 8hg., halbjährig 7 8hg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Fr cs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40 Ct. Nr. 16. Wien, 21. April 1899. 3. Jahrgang Die Zukunft Palästinas die mit Kopf und. Herz und Hand, mit der Leidenschaft Von 0. Erter. I Es ist sonderbar, wie hartnäckig unsere Gegner, sich sträuben, an die Zukunft Palästinas zu glauben.1 Der Vergangenheit zollen sie mit frostigem Unbehagen den Tribut ihrer Erinnerung, denn diese Vergangenheit legt jenen, welche innerlich bereits ganz von ihr losgelöst sind, keine Pflichten auf. Aber die Zukunft! Indem man die Möglichkeit einer solchen leugnet, beschwichtigt man das elastische Gewissen, das ohnehin darnach lechzt, den Widerstreit von Mannesbewusstsein und Heimatsgefühl auf möglichst unschädliche Weise in sich zu überwinden. Es nützt aber wenig, sich der Wahrheit zu verschliessen, weil sie unbequem ist, und alle assimilatorische Hypokrisie ist ohnmächtig, sie zu escamotieren, denn wo die Thatsachen der Geschichte sich mit denen der unmittelbaren Anschauung und Er* lährung vereinigen, ist jeder Widerspruch ein leeres oder ein tendenziöses Sophisma. Palästina war einst das Land) wo Milch und Honig floss. Gegen diese Ueberlieferung gibt es keinen tun wand, und man lässt sie gelten, weil man nicht anders kann. Man betrachtet ja ähnlich auch Jehovah als etwas Ueberliefertes, zu dem man kein innerliches Verhältnis hat, und wenn man aus äusseren Gründen der Gewohnheit oder der Convenienz zu ihm betet, so weiss das Herz nichts von dem, was die Zunge spricht. Zur Selhstbeschwichtigung aber, wenn es einer solchen bedarf, construiert man sich die sehr wohlfeile Ausrede, dass zweitausend Jahre der Verwüstung und Verwahrlosung das Heilige Land devastiert und für alle Zeit in eine unfruchtbare Einöde verwandelt hätten. Es ist .einer der feigsten und verlogensten Gemeinplätze, welche jemals Courswert erlangt haben. Ei freilich, der üppige Garten, der es einstens war, ist Palästina nicht mehr, denn mit eisernem Schritte ist die Weltgeschichte darüber hin gefahren, und was sie an Spuren gewesener Blüte übrig iiess, entbehrte liebevoller Pflege und Obhut, so dass Sprödigkeit und Sterilität wie ein anscheinender Schicksalsfluch der geweihten Stätten sich bemächtigten. Wahr ist aber trotzdem nicht, dass auch nur der geringste Grund vorhanden wäre, an einer neuen Entwicklung des Heiligen Landes zu jeder Art von Wohlfahrt zu verzweifeln, vorausgesetzt, dass die Arbeit an dieser neuen Entwicklung denen überlassen wird, des Heimatgefühls und dem Eifer des geschichtlichen [Verantwortlichkeits-Bewusstseins sich ihr widmen wollen, n An anderer Stelle veröffentlichen wir einen Brief aus Palästina, der sehr lehrreichen und zuverlässigen Aufschluss gibt über die Aussichten, welche einer planmässigen und liebevollen Neucultivierung sich eröffnen. Man kann aus diesem Briefe, der keineswegs von eitler Schönfärberei dietiert ist, ersehen, was trotz aller injuria temporum an unzerstörbaren Keimen und Bedingungen künftigen Gedeihens geblieben ist und nur aus den Händen einer indolenten Verwaltung, einer trägen und rückständigen Bevölkerung in diejenigen eines europäischen Culturelements überzugehen braucht, um sich verheißungsvoll zu entfalten. Wer bloss entlang der Nordküste gefahren ist, und vom Schiffsverdeck aus mit dem Fernglas einen Blick auf den Strand geworfen hat, dem mag es immerhin geschienen haben, als ob der weisse Dünensand sich weit hinein durch das ganze Land erstrecke. Aber es ist gewissermaßen eine umgekehrte Fata Morgana, die spurlos zerrinnt, wenn das Auge südwärts von Jaffa über das fruchtbare Flachland hinstreift, wo selbst bei primitivstem Anbau die kostbarsten Getreidesorten zu jährlicher Doppelernte gedeihen, wo die Orangen in einer Fülle reifen, dass bei sorgsamer und ausdauernder Pflege jeder Hektar einen Reinertrag von 5000 Francs per Jahr verspricht; Die Skeptiker, deren es leider aus verschiedenen Gründen so viele gibt, und so viele jüdische mehr als nichtjüdische, werden trotzdem die traurige Ausflucht wiederholen, dass es auf bereits bebauter Scholle in der Fremde behaglicher und sättigender zu leben ist, als auf erst zu bebauender im heimatlichen Eigenbereiche. Diese Skeptiker, deren Seelen jedes idealen Schwunges bar und jedcsGefühles für historische Ehren* pflicht ledig geworden sind, erinnern ein wenig an das berühmte Wort: „Für den Bedienten gibt es keine Helden, aber nicht, weil der Held kein Held, sondern weh der Bediente ein Bedienter ist.“ Sie wollen von Palästina nur hören, wenn man es ihnen durch stereoskopische Gläser als geographisches Fembild zeigt. Es ist darum auch höchst wahrscheinlich ganz zwecklos, sie darüber zu belehren, dass trotz aller bisherigen Ungunst und Unbill der Geschichte nicht bloss die Entwicklungsfähigkeit des Bodens in Palästina eine

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