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Die Welt · 1899-04-14 · 15 (14.4.1899) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
15 (14.4.1899)
Article
[Ohne Titel]
Date
1899-04-14
Page
12 (sequence 1)
Language
German
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Leite 12 „Die A Welt“ Är. 15 Allerlei Nachrichten. Der Berliner Verein für jüdische Krankenpflegerinnen versendet seinen fünften Jahresbericht, der ein wohlthuendes Bild gedeihlicher Entwicklung und segensreicher Wirksamkeit bietet. 60 Schülerinnen wurden ausgebildet (1897 48). Die Einnahmen betrugen 44.000 Mark, die Ausgaben 31.100 Mark, das Vermögen 70.600 Mark. Auch in Wien dürfte eine solchelnstitution insEeben treten, — aber wahrscheinlich erst dann, wenn auch bereits Schilda einen derartigen Verein haben wird. * In Dessau hat der Magistrat einer neuen Strasse den Namen „Mendelssohnstrasse“ beigelegt. * In Giessen starb am 4. d. M. der grossherzoglich hessische Landesrabbiner Dr. Levy im 93. Lebensjahre, nachdem er sich erst vor drei Jahren hatte pensionieren lassen. Volle 67 Jahre war er, der älteste Einwohner Giessens, im Amte. General-Musikdirector Levy in München ist sein Sohn. * Ein Dorado für Wohnungsmieter ist die Colonie Amalienhof bei Spandau, eine von dem verstorbenen Justizrath Lazarus geschaffene Ansiedlung für kleine Leute. Die Häuser bestehen aus Zwei-Familien-Wohnungen nebst Stallung und einem beim Hause gelegenen Stück Land von einem Morgen Grösse für jede Familie. Der Mietpreis beträgt 150 Mark jährlich und darf niemals erhöht werden. Wer 5 Jahre hintereinander wohnt, hat das 6. Jahr frei. Leider beträgt die Anzahl der Häuser nur 50, so dass nur selten eine Wohnung zu bekommen ist. * In Deutschland, Oesterreich, Schweiz etc. sind es unsere Gegner, die uns das Leben sauer machen wegen des Schächtens, in England sind es die Juden untereinander. Die jüdischen englischen Zeitungen müssen in jeder Nummer spaltenlange „Eingesandt“ bringen, wo principielle Fragen mit persönlichen Ansichten und Personalien vermischt werden. Ist das einerseits ein gutes Zeichen, dass von aussen keine Gefahr droht, so sollten die Leute doch lieber den Teufel nicht zu sichtbar an die Wand malen, er könnte sonst thatsächlich erscheinen. * In Berlin geht man jetzt damit um, jüdische Asyle und jüdische Arbeitsstätten zu schaffen, um dem Wanderbettel zu steuern. Es sollen diese jüdischen Institutionen in allen grösseren Gemeinden Deutschlands ins Leben gerufen werden. Im-Programme des Zionismus steht bekanntlich auch etwas, das für die armen, bis jetzt dem Schnorrerthum verfallenen Juden Arbeit schaffen will. * Die Stadt Carls ruhe in Oberschlesien hat einen jüdischen Cultusbeamten, der das Ehrenamt eines Stadtverordneten bekleidet, vielleicht der einzige in der preussischen Monarchie. Salomo n Translateur ist sein Name, er begieng am 1. April sein 25jähriges Amts- Jubiläum. * In Hannover begieng die Meier-Michel-David’sche Stiftungschule — eigentlich für arme Kinder errichtet, aber wegen ihrer tüchtigen Leistungen von Söhnen wohlhabender Eltern besucht — ihr lOOjähriges Be.-teilen. In Nürnberg ist eine Altersversorgung^Anstalt für dürftige Israeliten von Lazarus Schwarz mit einem Capital von 400.000 Mark letztwillig begründet. Graf P ü c k 1 e r hat seine dritte Rede gehalten, sie ist ihrer Vorgängerinnen würdig. Zur Belohnung soll ihm von einigen wohlthätigen — Nichtjuden ein Platz in Dalldorf (der grossen preussischen Irrenanstalt) reserviert sein — allerdings der passendste Aufenthalt für die Ritter vom „Dalles im Kopfe“, wie’s in dem bekannten Gedichte heisst. * Inzwischen haben die preussischen Antisemiten eine Ohrfeige erhalten, die noch lange in ihren Köpfen nachdröhnen wird: Dem Deutsch-israelitischen Gemeindebunde — der Vertretung der jüdischen Gemeinden Deutschlands — wurden mittelst Patent vom 13. Februar d. J. die Rechte einer juridischen Person verliehen. Es ist das ein politi scher Erfolg von grosser Tragweite für die Juden Deutschlands. * Der 80. Geburtstage des deutschen Reichskanzlers, Fürsten Hohenlohe wurde bekanntlich von allen politischen Parteien gefeiert, mit einziger Ausnahme der Antisemiten. Sie legten dem greisen Fürsten nahe, abzudanken, weil es ihm an der nöthigen Thatkraft gebreche, welche —- die Antisemiten zu verlangen das Recht haben. * Bezüglich der im vorigen Jahre anlässlich der Unruhen in Thessalien von den Judenfeinden erhobenen Anklagen hat nunmehr der Generaladvocat selbst deren Unhaltbarkeit ausgesprochen und zugleich die Freilassung der Juden anbefohlen. ❖ In Warschau wurde der jüdische Oberarzt im jüdischen Hospital, Dr. L. C h w a t, vom russischen Kaiser in den erblichen Adelstand erhoben. * In Wilna wurde die berühmte „Schneider-Synagoge“ nach genau 100jährigem Bestehen mangels der zur Unterhaltung nöthigen Mittel, geschlossen. * Die Verwaltung der Jüdischen Freischule in London geht mit der Absicht um, Abendcurse zu errichten, zu dem auch Nichtjuden Zutritt erhalten werden. Bereits sind die dafür nöthigen Mittel zur Verfügung gestellt. Der Unterricht wird sich sowohl auf Handwerker-, wie auf kaufmännische Branchen erstrecken. * Aus dem Yemen kommen traurige Nachrichten über die trostlose Lage der dort ansässigen Juden, die unter den fortwährenden Unruhen der nomadisierenden Araber entsetzlich leiden. Dazu bemerkt die „Jüdische Presse“: „Angesichts dieser trostlosen Zustände ist es umso thörichter und sträflicher, dass das an sich groteske Project noch immer angepriesen wird, russische und rumänische Juden im Yemen anzusiedeln.“ Der Propagateur dieser Idee war bekanntlich Herr Dr. Glaser. * Die Feier des 80. Geburtstages des Nestors der amerikanischen Rabbiner, Dr. Isaac M. W i s e in Cincinnati war so grossartig, wie sie wohl noch nie einem Rabbiner bereitet worden sein dürfte. * Bei Eröffnung der März-Session des amerikanischen Repräsentantenhauses wurde das Eröffnungs-Gebet vom Rabbiner Gustav N. Hausmann aus Grand Rapids, Mich., gehalten. Derselbe betonte unter anderem, dass die Union jetzt in eine neue — die dritte — geschichtliche Epoche eingetreten sei. Die erste habe die Union begründet und ihre Gründer haben dem amerikanischen Volke die Freiheit geschenkt. In der zweiten habe der grosse Präsident Lincoln seine eigenen Landsleute — die Sclaven — befreit. Und nunmehr seien die Vereinigten Staaten für die Befreiung ausserhalb der Grenzen wohnender Völker eingetreten. P Vereinsnachrichten. Wien. Donnerstag, den 20. April um 8 Uhr abends findet in Wieningers Restauration, IX., Porzellangasse Nr. 50 (Ecke Glasergasse), die constituierende Generalversammlung des Einzelvereines „Alsergrund“ des „Zion“, Verbandes der österreichischen Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens statt. Tagesordnung: 1.Constituierung und Wahlen. % Festrede, gehalten von Herrn Schriftsteller York-Steiner. Wien. (Kranken-Unterstützungs - Verein „Liwias Chen“.) In der am 9. d. M. stattgehabten Sitzung der Vereinsleitung wurde beschlossen, für die verstorbene Wohlthäterin dieses Vereines, Baronin Clara von Hirsch, am 17. d. M., um 7 Uhr abends, im Vereinshause, II., Obere Donaustrasse 89, einen Trauergoftesdienst abzuhalten. — Ueber Antrag des Ausschussmitgliedes, Herrn Anton L o e w, hat sich der Verein an der Subscription für die Jüdische Colonialbank betheiligt und folgten die meisten Herren der Vereinsleitung diesem Beispiele auch für eigene Rechnung. — Das dem Vereine seit seiner Gründung angehörige Mitglied, Herr Jacob Kur mann, spendete als ein sichtbares Zeichen seiner Treue und Verehrung für den erspriesslich wirkenden „Liwias Chen“, eine Thorarolle. Wien. Am 16. d. findet im literarischen Geselligkeits- Verein jüdischer Mädchen „Moria“ ein Vortrag statt. Referent: Herr Dr. B enedikt. Thema: Völkerassimilation. Anschliessend daran wird Herr Josef H alp er n, Schauspieler, Gedichte von Lud. Aug. Frankl zum Vortrage bringen. Gäste (Damen) herzlich st willkommen. Beginn 3 Uhr, I., Schottenring 23.

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