Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 15 (14.4.1899)
- Date
- 1899-04-14
- Page
- None (sequence 5)
- Language
- German
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Wenn man sich mit Ingrimm und Ekel erfüllen will, muss man lesen und hören, was unsere jüdischen Gegner jetzt gegen den Zionismus Vorbringen. Sie fühlen, sie wissen, dass eine Stunde der Entscheidung geschlagen hat, dass die Volksbewegung aus den Träumen und Discussionen hinaustreten will auf das Feld der erlösenden That, und sie verdoppeln ihre Anstrengungen, um das Werk noch in der letzten Stunde zu vereiteln. Sie tauchen ihre Pfeile in frisches Gift. Mit allen Waffen, die in loyalen Kriegen verpönt sind, dringen sie auf uns ein. Kein Mittel ist ihnen zu schlecht, keine Verleumdung zu niedrig und sie schrecken vor keiner Entstellung und Lüge zurück. Man pflegte von einer Schutztruppe der Juden zu sprechen. Die aber sind die Schmutztruppe. Das sind harte Worte. Aber für das, was man uns jetzt anthut, sind sie noch viel zu milde. Zum Glück — wenn das ein Glück ist — haben wir schon genug ausgestanden und überstanden. Wir kennen die elende Kampfesweise schon, mit der man uns auch jetzt wieder überfällt. Und wofür? Dafür, dass wir die drückende, alte Noth unseres Volkes durch eine gesetzliche, rechtschaffene,- menschenfreundliche Lösung für immer aus der Welt schäften wollen. Von den Massen unseres Volkes mit einem Aufathmen begrüsst, das in einen Schrei der Erleichterung übergehen will, von Fremden mit Wohlwollen und selbst von Feinden mit unwillkürlicher Achtung behandelt, hat sich der Zionismus in den letzten Jahren in der öffentlichen Meinung auf eine gewiss anständige Art zur, Geltung gebracht. Aber das passt gerade denen nicht, die soviel Schuld am Verruf und Verfall des Judenthums tragen. Sie wissen nicht, was sie thun; das erklärt ihr Verhalten, ohne es zu entschuldigen. Viele von ihnen bekämpfen unsere Bewegung und haben sich doch nie Mühe gegeben, sie kennen zu lernen* Sie wollen von der jüdischen Nation nichts wissen — vortrefflich! Aber, wenn dem so ist, mit welchem Rechte mischen sie sich in die inneren Angelegenheiten einer Gruppe von Menschen, die sich als diese Nation fühlt? Das ist nicht der einzige Widerspruch, es ist nur der grellste und frechste* Jemand erklärt, es gebe keine jüdische Nation, er selbst wünsche jedenfalls nicht, ihr zugezählt zu werden und, nachdem er dies vorausgeschickt hat, masst er sich an, als Mitglied der von ihm geleugneten Gemeinschaft zu sprechen. Dies und anderes haben wir erlebt, als wir daran gierigen, den Congress zu schaffen. Welche Verwahrungen, welche „patriotischen“ Besorgnisse, welche Proteste von Rabbinern, die man bis dahin keineswegs als Verteidiger des conservativen Judentums gekannt hatte, sondern höchstens als Hochzeits- und Leichenredner nach bestimmtem Tarif, wobei der Grossmuth keine Schranke gesetzt war. Nun, wir sind über das Gefasel hinweggeschritten, haben unseren Congress eingerichtet, und dieser hat sich durch seinen Ernst einiges Ansehen in der Welt erworben. Man konnte vor kurzem in den conservativsten Blättern merkwürdige Worte über den Zionismus lesen. „Erinnern sich die Juden ihrer Stammesherkunft“, hiess es da, „und der sich aus dieser ergebenden Verpflichtung, so wird deshalb niemand annnehmen, dass sie unpatriotisch seien." — Wahrlich, datz klingt anders, als was man von christlicher Seite den Protestrabbinern auf ihre falschen Anbiederungen zu erwidern pflegte. In der That, das schuftig denunciatorische Mittelchen, unsere Bewegung als eine antipatriotische anzugeben, hat seine Wirkung versagt. Mit Landesverräthern und Gesetzesfeinden würden sich manche sehr hoch in der Welt stehende Personen nicht eingelassen haben, wie mit uns. Wir brauchen auf diese bekannten Dinge heute nicht mehr zurückzukommen. . Man musste nach anders vergifteten Waffen suchen, um den gefürchteten, verkannten Zionismus zu erlegen. Jetzt arbeiten wir an der Herstellung der Bank, und wie vor dem ersten Congresse, sind wieder alle bösen Rotten auf den Beinen. Der Anblick wäre lustig, wenn er nicht so widerlich wäre* Söldlinge, die für ein Handgeld zu allem zu haben sind, fallen uns im Rücken an, käufliche Journalisten im Bunde mit gleissnerischen Pfaffen und anrüchigen Advocaten veranstalten als Landsknechte die grosse Hetze gegen den Zionismus, der sich anschickt, von Worten zur That überzugehem Gott sei Dank! zur Stunde, wo wir schreiben, haben wir bereits die Gewissheit, dass auch die Errichtung der Bank gelingen wird, wie der Congress gelungen ist* Diesmal ist nicht der Liebe, sondern des Hasses Müh'