Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 14 (7.4.1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-04-07
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 „Die H Welt« Nr. 14 Wieweit aber die Schändlichkeit der Antisemiten in Algier geht, davon ein neuer Beweis: Sie beantragen, dass die Hauptstrasse im Juden quartier, die Eue de 1a Lyre, zukünftig den Namen des grössten Judenfeindes, Marquis de Mores, trage, „damit die Juden dessen Namen stets vor Augen haben". Die Antisemiten hoffen, dass — was nach dem Gesetze nothwendig — die Regierung ihre Zustimmung dazu geben werde. * In Algier besteht seit langen Jahren der Gebrauch, dass seitens der Stadtverwaltung an arme Kinder Schuhwerk verabfolgt wird. In diesem Jahre wurden die jüdischen Kinder bei der Vertheilung übergangen. * Zangwill hat in Boston einen „Star" entdeckt, und das kam so. Ein armes Mädchen, kaum 12 Jahre alt, kam vor 4 Jahren mit ihren Eltern aus Russisch-Polen und schrieb nach Kinderart einen Reisebericht, dem sie den Titel gab „Von Plotzk nach Boston!" Aufgeweckt, wie alle Kinder der russischen Einwanderer, lernte sie bald die Landessprache und übertrug das in Jüdisch - Deutsch geschriebene Opus ins Englische mit einer Widmung an eine Wohlthäterin in Boston. Dort erfuhr Zangwill davon, und welchen Eindruck die Erzählung auf Zangwill machte, mag daraus hervorgehen, dass er ein „Vorwort" dazu schrieb und sie, mit diesem versehen, in den Buchhandel brachte. Professor Gates von der Ha ward Universität sagte, dass man es mit einem ausgesprochenen Talente zu thun hat und dass das Mädchen eine grosse Zukunft vor sich habe. * Das National-Council of Women in den Vereinigten Staaten, dessen Generalversammlung jüngst in Washington stattfand, hat Frau Hann ah G. Salomo ns aus Chicago, die Präsidentin des Jüdischen Frauen-Verein es der Vereinigten Staaten, zur Schatzmeisterin gewählt. G. Me;wlljKW Kemglmg. Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind an das Bureau des Zionistencongresses, Wien, II., Rembrandtstratze 11, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionistencongresses, Basel, zu senden. -Das Actionscomite. Wien. Herr Rabbiner Kramer hielt am 8. Tage des Passahfestes in der Synagoge des Vereines „Achdus Israel" eine Rede, welche in einer Aufforderung zur Actien-Zeichnung für die . Jüdische Colonialbank gipfelte. Die Predigt machte auf die Anwesenden einen ausgezeichneten Eindruck und sie wird auch ohne Zweifel von Erfolg sein. Erwähnenswert dürfte noch sein, dass die Rede über 800 Zuhörer hatte. Wien. Donnerstag den 30. v. M. fand in Neufelds „Cafe Schrvenderhof" eine vorberathende Versammlung der bereits angemeldeten Mitglieder der zu constituierenden Ortsgruppe „Fünfhaus" statt, welche sehr gut besucht war. Die Versammelten kamen überein, Donnerstag den 13. April d. I., präcise um 8 Uhr abends im Restaurant Herlingl, XIV., Reindorfgasse 42, die constituierende Festversammlung, abzuhalten und beschlossen weiters, Herrn Dr. Theodor H erz l zu bitten, bei dieser Versammlung zu erscheinen. Bielitz. Sonntag den 19 März veranstaltete der hiesiege Verein „Haschachar" im „Kaiserhof" eine öffentlche Vereinsversammlung, in welcher Herr H. Jork-Steiner aus Wien über Zionismus und Colonialbank referierte. Der Redner gieng vom Baseler Programm aus und bewies Wort für Wort die Richtigkeit desselben. In der Theorie findet der Zionismus sogar unter vielen Politikern Anhänger. Wie sieht es aber in der Wirklichkeit in Palästina aus? Für die vielen fleißigen Hände gibt es fast keine Arbeit. Nur die Handwerkerschule der .Alliance Israel." und die Ackerbauschule in Mikweh-Jsrael, weiche den Schülerandrang nicht bewältigen kann, sorgt für tüchtige Arbeiter. In günstigen Verhältnissen leben nur die Colonisten, denn der Boden ist fruchtbar und unermessliche Schätze an Salz, Kohle und Asphalt ruhen in demselben. Hier. wäre ein Gebiet für das Capital, für eine Colonialbank. In kurzer Zeit würde das Land blühen, denn auch der Jude kann wie die anderen Völkern das Feld bebauen und ein Handwerk betreiben. Der Redner geht sodann auf die Institution der Colonialbank über. Mit reichem Beifall lohnte die Versammlung die herrliche Rede, in welcher Herr Uork-Steiner auch Schilderungen und Einzelheiten seiner Palästina-Reise einfügte. Nach der Versammlung zeichnete ein Theil der Anwesenden Aetien. Auch jetzt wird vom Vereine die Agitation fortgesetzt. Lemberg. In der hiesigen Synagoge hielt in den Feiertagen in einer Versammlung vieler Hunderter Gemeindemilglieder der bekannte Talmudist Herr Aron Lew in, Sohn des Herrn Nathan Lew in, Rabbiner in Rohatyn und Enkel des hiesigen eonservativen Oberrabbiners Herrn Isaak S chmelkes, einen Vortrag über das Befreiungsfest, über die Nothlage der Juden in Galizien und über die zionistische Bewegung, der einen tiefen Eindruck auf dieser Versammlung ausgeübt hat. Desgleichen hielt in den Feiertagen Herr Julius H o ch f e l d einen Vortrag: Erklärungen über die Colonialbank. Lemberg. Der hiesige Verein „Dorsche Schlom Zion" hat am 18. März eine Volksversammlung veranstaltet, bei der zionistische Tendenzreden gehalten und Aetien der Jüdischen Colonialbank gezeichnet wurden. Die Agitation für die Bank liegt in den Händen unserer Gesinnungsgenossen Julius tzochfeld und G.L.Lifschütz. Jassy. Das Mandat des Comites des „Vereines junger Mädchen" ni^D" ist abgelaufen und findet nächste Woche eine neue Wahl statt. — Der Zionismus nimmt überhaupt mit jedem Tage mehr zu, so hat sich in den letzten Tagen ein neuer Verein unter dem Namen (Curierul Zionului), Seetion Dr. Lippe, gebildet. Der Verein zählt bereits über 50 Mitglieder. Hermann F i s ch l e r, Präsident, Moritz B e h l e s, Secretär, M. Goldstein, Cassier; Simon Großwald, PH. Großmann, K. und N. R os enb latt, Ausschuss; Ehrenpräsident Dr. Lippe. — Stud. jur. Albert Nacht geht mit dem Plane um, einen Turnverein zu gründen. Wir wollen hoffen, dass ihm dies gelingen wird. Genf. Vor einem zahlreichen Publicum hielt Herr Ch. Chissin am 13. März einen überaus fesselnden Vortrag. Er ist einer der Studenten, welche, durch die Verfolgungen des Jahres 1882 veranlasst, die russischen Universitäten verließen, um in Palästina dem jüdischen Volke ein Beispiel zu geben, wie es Ruhe und Glück finden könne. Anlässlich seiner Durchreise durch Genf gelang es dem hiesigen Zionsvereine ihn zu dem Vortrage zu veranlassen. Herr Ehiffin schilderte die schrecklichen Leiden und die furchtbaren Hindernisse, welche diese ersten jüdischen Colonisten in Palästina zu überwinden hatten. Wie die Studenten in ihrer Begeisterung vor keiner Arbeit, auch vor der härtesten nicht, zurückschracken, wie sie förmlich mit den Nägeln den Boden aufkratzten, da ihnen anfangs die Behelfe fehlten, und wie jetzt aus den sandigen, uncultivierten, trostlos aussehenden Flächen wundervolle Gärten und herrliche Wiesen erstanden. Als er auf den Boden Palästinas zu sprechen kam, wies der Redner auf alle die Fabeln und Erfindungen hin, als ob Palästina für den Ackerbau ungeeignet sei. Er kenne das Heilige Land, er habe es selbst zehn Jahre lang im Schweiße seines Angesichtes bearbeitet und das Resultat habe ihn so ermuthigt und begeistert, dass er keine Gelegenheit vorübergehen lasse, ohne für die Besiedelung Palästinas und die zionistische Idee Propaganda zu machen. Der Erfolg dieser Idee, die Realisierung der Pläne des Baseler Congresses, werde nicht nur für die Juden und Palästina sondern für die ganze Welt ein Glück bedeuten. Er werde sie von dem Alpdruck des Antisemitismus befreien. Den geehrten Zionsvereinen theilen wir mit, dass wir bei der Enge des verfügbaren Raumes nur ganz kurze Berichte bringen können. Wollten wir die uns massenhaft znkommenden Berichte der Reihe nach unverkürzt geben, so würden viele Wochen vergehen, bis sie darankommen. Die Redaktion. P V ereinsnachrichten. Wien. Der Allgemeine h e b r ä i s c h e Sprachverein, dessen Aufruf wir heute unserem Blatte anschliessen, hat seine constituierende Generalversammlung am 28. März 1899 im Restaurant Guth abgehalten. Herr Lector Friedmann begrüsste die Anwesenden, unter weichen sich eine grosse Anzahl von Religions- und öffentlichen jüdischen Lehrern befanden, und ertheilte sodann Herrn Dr. Leopold Kahn das Wort zum Referate. Dieser führte unter Vorlesung der wichtigsten Bestimmungen der Statuten aus, wie dringend nothwendig und nach vielen Richtungen äusserst nützlich die Pflege der hebräischen Sprache und Literatur sei. Redner exemplifieierte' aus Anlass des Passahfestes auf die in der Hagada angeführten vier Typen von Leuten, die sich zu einer ihnen neuen Sache je von ihrem Standpunkte aus stellen, und beleuchtete deren Positionen zu dieser Vereinsgründung. Der Chaham wird sofort nach dem tieferen Gehalte blicken und nach den Statuten fragen, welche Zwecke verfolgt und auf welche Weise diese erreicht werden sollen. Der Rascha wird den