Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 13 (31.3.1899)
- Article
- [Kommentar]
- Date
- 1899-03-31
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 13 „Die A Welt“ Seite 15 den Weg dorthin, wo Deine Helden gekämpft und gesiegt, wo Deine Propheten einstens der ganzen Menschheit gepredigt, wo Du Freiheit, Glück und Unabhängigkeit genossen hast. Erwache, Du müder Wanderer, so tönt der Ruf unseres theuren Patrioten Dr. H e r z l, erwache! Sammle Deine letzte Kraft, erhebe Dich, richte Dich empor mit allen Deinen Kräften und thue den Schritt zu Deiner Ruhe Deiner Heimat!" — Mit einem schwungvollen Appell schließt der Artikel. Der Redacteur kündigt für die Woche nach dem Passahseste das Erscheinen einer neuen ^eit* schrift unter dem Titel „Zion" an. Damit ist das erste zionistische Organ in Ungarn geschaffen. Das Märzheft des „Flambeau“ enthält folgende Artikel und Besprechungen : Die Juden in Marokko von Moste M a r r a ch e. Die jüdische Jugend und der Judaismus von Jacques Bahar. Jüdisch-muckerischer Maechiavelismus von L'Arni Schaddai; eine Fortsetzung der Besprechung der Rabbinerconserenzen, über welche Pinhas wieder die Lauge seiner Satire ergießt, eine Art Chao- Gadjah-Dichtung unter dem Titel „Das Zicklein" und noch einige kleinere Aufsätze von geringerer Bedeutung. Ueber einige nicht unwichtige Vorkommnisse, die eben jetzt die Zionisten aller Welt in Athen: halten, haben wir trotz aufmerksamen Suchens soviel wie nichts entdecken können. Wir freuen uns auf das nächste Heft. Die in New - Dork erscheinende Zeitung „frese" spricht, nach einer statistischen Uebersicht über die jüdische Bevölkerung von Palästina und die bestehenden Eolonien, in hoffnungsvollen Ausdrücken von der Zukunft des heiligen Landes, das sich einer stetigen Entwicklung erfreue. Der Sultan scheine zu wichtigen Concesstonen an die Zionisten geneigt zu sein. Die Jüdische Colonialbank werde unter gewissen Garantien an der industriellen Entwicklung des Landes einen bedeutenden Antheil nehmen. Die palästinensischen Juden haben einsehen gelernt, dass die Bewirtung eines geliebten Bodens der würdigste Gottesdienst sei. — Vor einiger Zeit haben die Vorarbeiten zu einer von Haifa nach Damaskus zu führenden Bahn begonnen. Eine englische Compagnie ist die Unternehmerin. Der „New-York Observer“ beschäftigt sich in einer interessanten Ausführung mit der Palästina-Frage, die durch die zionistische Bewegung einerseits, den Besuch Kaiser Wilhelms andererseits wieder ins Rollen gekommen sei, und nicht mehr so bald wieder ruhen werde. Noch vor wenigen Jahren schien Palästina bloß Frankreich, Russland und England zu interessieren. Heute fiele es leichter, bei der Discussion des Problems Frankreich zu eliminieren, das, in Aegypten und Westafrika vollauf beschäftigt, zu einem freundlichen Einvernehmen mit den Russen in Palästina gezwungen und durch die rapide Entwicklung der deutschen Interessen in Syrien an die Wand gedrückt, seinen Einfluss langsam, aber sicher einbüße. Die Lösung des Problems, wer die Controle über die heiligen Stätten aus den Händen der Türkei zu übernehmen habe, gehe eigentlich nur mehr Deutschland und Russland an, da auch England, das von dieser Seite keines Angriffes auf Aegypten gewärtig sei, sich für die Frage nicht übermäßig erhitze. Nun taucht das zionistische Project auf und eröffnet die Aussicht auf einen sicheren Ausweg aus den diplomat.schen Wirren. Nur die Feindseligkeit aller betheiligtcn Secten gegen die Juden scheint dem Projecte Abbruch zu thun. Bücherwelt. „Inden und Jndenlhum im neunzehnten Jahrhundert". Von S. Bernfeld. Berlin, Siegfried Cronbach 1898, 8°. Das Mittelalter der Juden hat viel später als das der anderen Völker begonnen und auch.später, fast am Vorabend des Jahres 1789, sein Ende erreicht, so dass der Umschwung in den Geistern und in der Lebensweise bei den Juden unter dem Anpralle der rasch einander drängenden äußeren Ereignisse hastig, mit Ueberspringung der Zwischenstufen, sich vollziehen musste. Wenn die Neubelebung der Juden in Frankreich durch die Principien der großen Revolution beschleunigt wurde, so ist sie in Deutschland, wie in der vorliegenden Rückschau lichtvoll dargethan wird, aus rein geistiger Grundlage erfolgt. Mendelssohn und Lessing, die als Herolde der geistigen Reform auftraten und die alten Vorurtheile bloßlegten, wirkten zu einer Zeit, da die deutschen Juden sich noch in ihrer früheren rechtlosen Stellung befanden, die zu erleichtern dem „Philosophen auf dem Throne", Friedrich dem Großen, gar nicht einfiel. Es musste noch eine ganze Generation vergehen, bevor sich die bürgerliche Emaneipation der deutschen Juden vollzogen hatte. Inzwischen schritt jedoch die geistige Emaneipation derselben ohne Förderung von oben ununterbrochen emfig weiter, und schon seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts hielten die Juden gleichen Schritt mit ihren christlichen Mitbürgern auf dem Wege des eulturellen Fortschritts. Die aufgeklärten Juden traten in nähere Verbindung mit den aufgeklärten Christen und assimilierten sich ihnen auf dem Boden des universalen Menschenthums als Gesinnungsgenossen, die sich zu den gleichen Grundsätzen bekannten. Mendelssohn stand dabei noch gänzlich auf religiös-nationalem Boden, allein das ihm nachfolgende Geschlecht räumte schon mit dem historischen Partieularismus aus. Es berauschte sich an der wundervollen Atmosphäre, die Schiller und Goethe hervorgezaubert, es ließ sich von den freiheitlichen Principien des Jahres 1789 fortreißen, stürzte sich über Hals und Kopf in den Strudel der Romantik und betheiligte sich lebhaft an vielen hervorragenden politischen, socialen und literarischen Bewegungen des damaligen Europa. Aber dieser Taumel verflog sehr rasch. Als nach den Befreiungskriegen, an denen die Juden den thatkräftigsten Antheil genommen hatten, die fanatische Reaction wieder ihr Haupt erhob nnd wilde Hep-Hep-Stürme entfesselte, besannen sich einige muthige, charaktervolle und wissenschaftlich hochstehende Männer darauf, dass über der begeisterten Hingebung an die allgemeine deutsche Bewegung das jüdijcheVolksthumvollständigrernachlässigt undfürdasselbe fast gar nichts geleistet worden war. Und doch hatte das jüdische Volk seine eigenen praktischen und geistigen Bedürfnisse, die zwar von den Interessen der gesammten Menschheit umspannt, von denselben aber keineswegs absorbirt werden. Altmeister Zunz, welcher den Grundstein zur. Neubelebung der jüdischen Wissenschaft legte, war von dem Gedanken getragen, dass der Grund alles Hasses gegen die Juden der allgemeinen herrschenden Unkenntnis über Wesen und Lehren des Judenthums entspringe, dass der Anerkennung des Geistes die Anerkennung der Person folgen werde. Diese Hoffnung hat sich freilich als Utopie erwiesen. Zunz und seine Mitarbeiter, welche von dem Verfasser nach Gebür) eingehend gewürdigt werden, erlahmten zedoch nicht; sie blieben sich selbst treu, holten aus den Schächten des jüdischen Schriftthums rastlos verborgene Schätze hervor, ihr begeistertes Wirken entflammte jüngere Talente, und so ging die „unter Thränen ausgestreute Saat" nach einigen Jahrzehnten unter Jubel auf.. In herrlicher Schöne erstrahlt das mit vereinten Kräften hergestellte plastische Gemälde der glorreichen Vergangenheit Israels, welches das nationale Selbstbewusstsein unter den Juden ungemein hob. Immer mehr rangen sie sich zu der tröstenden Ueberzeugung empor, dass, um ein Wort Börnes zu gebrauchen, ihre missliche politische Lage für sie wohl ein Unglück, aber keine Schande sei, und sie hörten auf die Stimmen, welche davor warnten, in der Erreichung der bürgerlichen Gleichstelllmg das höchste Ideal zu erblicken, für das alle angestammten Tugenden der Vorfahren preisgegeben würden. Mit prophetischem Blicke sahen Männer wie LuMtto und Zunz die unausbleibliche Verwüstung voraus, welche die einseitige Vertheidigung der politischen Interessen in der Judenheit anrichten musste: das Aufhören des Stammesbewusstsein, die Verleugnung der ruhmreichen Geschichte, die nationale Selbstvernichtung, die leidige Nachäfferei aller Modethorheit, den Verrath an der „Krone der Lehre", das Schwinden der Kenntnis der hebräischen Sprache und des hebräischen Schriftthums. Auch der Verlaus der Reformbewegung hat das Seinige dazu beigetragen, dass in das durch den kühnen Bau der Wisfenschaft des JudenthmnK geschaffene Einigungswerk Bresche geschossen wurde. Wir fihtnen uns nicht" weiter auf das Meritorische des Buches einlassen, sondern müssen uns darauf beschränken, Bernfeld das Zeugnis auszustellen, dass er seiner Aufgabe sine ira et studio gerecht geworden ist. Es ziert ihn auch die in der Jetztzeit leider so selten gewordene Tugend der edlen Männlichkeit und Steifnackigkeit Er trägt anlässlich der Schilderung der antisemitischen Hetze kein Bedenken, der jüdischen Intelligenz und Finanzaristokrntie das Kainszeichen aufzudrücken, dass sie den ungeheuerlichen Umfang derselben zum großen Theile mitverschuldet habe. Er bemerk: sehr richtig: „Die Geschichte wird es später nicht verschweigen können, dass die wohlhabenden und einflussreichen Juden in Deutschland nch anlässlich dieser gefährlichen Strömung nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe befanden, dass sie nicht jenes Solidaritätsgefühl bekundeten, das uns von gegnerischer Seite immer. wenn auch ohne jede Berechtigung, „vorgeworfen" wird. Noch niemals ist ein so schwerer Angriff auf die Juden und das Judenthum gemacht worden, der eine so schwache Abwehr gefunden hätte. Ost muss man dabei an das philonische Zeitalter in Alexandrien denken, zur Zeit als Apion und ähnliche judeufeindliche Klopffechter das Judenthum verunglimpften; aber damals zeigte die alexandrinische Judenheit Muth und Selbstbewusstsein, was der Gegenwart zumeist abgieng." 8. Büchereinlauf. „mbw" 12. Heft, 1898. „rfi-nn nDJ3" oder „Der zweite Zionifteneongress in Basel" von N. Sl ouschz. Warschau 1898. Verlag „Tuschijah". //OTlWvP ’^BD" zweite Serie, Heft 1—c>» Herausgeber I. Fernhos. Tltf (PftS ~ Eine Gedichtsammlung für Schulknaben von A. L i b o s z i tz kr>. Verlag „Tuschijah". Warschau 1899* rrn nstr* Illustrierte hebräische Fibel für Schule und Haus von P. L. Fisch mann und M. Lieberma.nm D Auflage. Riga 1898. G