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Die Welt · 1899-03-31 · 13 (31.3.1899) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
13 (31.3.1899)
Article
[Ohne Titel]
Date
1899-03-31
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die 2$ Welt“ Nr. 13 Untersuchung endete, ehe die Sache für spruchreif erklärt werden kann. — Prompte Justiz das im Lande der Menschenrechte! Die „Figaro"-Actien sind infolge der vor Jahresfrist erfolgten veränderten Stellungnahme des Blattes in der Dreyfus-Affaire von Fr. 1075 auf Fr. 750, also um fast ein Drittel gefallen. „Die Juden sind Vateriandsverrätlier", lautet das Raisonnement der Franzosen, weil Dreyfus «inen Verrath begangen haben s o 11. Und derweilen werden der jüngstverstorbenen Frau Coralie Cahen militärische Ehren erwiesen, weil sie die in deutscher Gefangenschaft befindlichen und wegen kleiner Subordinations-Vergehen zu schweren Strafen verurtheilten französischen Soldaten durch Fürsprache der deutschen Kaiserin A u g u s t a befreite und dafür mit der Ehrenlegion belohnt wurde. Die Zeiten ändern die Menschen . . . * Bezüglich der in der vorletzten Nummer erwähnten Sammlung für die Londoner Religions- (Frei-) Schulen muss noch bemerkt werden, dass 5200 Kinder am Unterrichte theilnehmen, aber für weitere 4000 Lerngelegenheit geschaffen werden muss, und das hofft man schon in kürzester Zeit zu erreichen. * Zum Gouverneur von Sierra-Leona wurde Major Nathan ernannt, der, obzwar erst i>7 Jahre alt, bereits eine glänzende C andere hinter sich hat. * Ueber den riesigen Reichthum, den sich die in öffentlichen Stellungen befindlichen Juden zu erringen wissen — wie nämlich die Antisemiten behaupten — gibt der soeben verstorbene und mit hohen Ehren bestattete Sir Julius Vogel einen sprechenden Beweis. Millionen und Abermillionen giengen durch seine Hände bei den gewaltigen finanzpolitischen Unternehmungen für die von ihm verwaltete Colonie Neu- Seeland, er aber starb arm. * In West moreland, Penn., sind die Verhandlungen zum Abschlüsse gelangt behufs Ankaufes eines Complexes von 700 Acres Bergland für eine jüdische Colonie. In zwei Monaten werden die Colonisten — im ganzen 200 Personen — erwartet. Man ist bereits damit beschäftigt, die nöthigen Unterkunftsräume herzustellen. Professor Jastrow, der an der Pennsylvanischen Universität den Lehrstuhl für semitische Sprachen bekleidet, wurde als Delegierter zum nächsten in Rom stattfindenden Orientalisten-Congresse ernannt. Haupt und Laura an n sind die Namen der beiden arideren Delegierten. Es ist das erstemal, dass Amerika den Congress beschickt. * Wir berichteten letzthin über die Unruhen in Grau. Eines der wenigen „vernünftigen“ Blätter der „Colon oranais", geisselte die Aufreizungen gewisser Elemente. Dafür wurden im Redactionsbureau während der mittäglichenPause dieThüren erbrochen und allerhandVerwüstungen angerichtet. Die Th ater waren nicht etwa halbwüchsige Burschen, sondern — 10 Officiere der Garnison. Die Civil- und Militärbehörden sind mit der Untersuchung betraut. * Ueber den nach New-York berittenen Rabbiner Hirsch von Chicago werden seineneuenGemeindemitglieder vielleicht nicht allzusehr erbaut sein, trotz des hübschen Gehaltes, den sie ihm bewilligten. H. ist nämlich ein Mann, der sich nicht geniert, von der Kanzel herab — ohne Rücksicht auf Personen, anwesende oder nicht. — derbe und bittere Wahrheiten zu sagen. Dabei ist er eine überaus selbständige Natur, die sich vor niemandem beugt und bei dem der Reiche genau soviel gilt, wie der Arme. P Me Mstifche KkiokMg. Spenden für zionistische Zwecke, sowie Schekelzahlungen sind an das Bureau des Zionisteneongresses, Wien, II., Rembrandtstraße 11, Schekelblocks, sowie -Juxten an das Bureau des Zionisteneongresses, Basel, zn senden. -- Das Actionscomitc. Spenden für zionistische Zwecke.. Aus Anlass, dass ich am ersten Tage flDS im Tempel zur min gerufen wurde, und unserem Führer Dr. Herzl ein TTÜM?" machen ließ, spendete ich unter anderem für unsere edle 'Zionssache 6 Kronen, welche Sie hiermit in Empfang zu nehmen belieben. Ich appelliere an unsere P. T. Gesinnungsgenossen, die uns seitens der verehrten Nedaction „Die Welt" freundlickfft eingeränmte Rubrik für Zionsspenden bei jeder Gelegenheit thunlichst zu fördern. I. Schönwetter (Krakau). Schächter Isidor B., Botosani, spendet anlässlich der Geburt eine' Sohnes fl. —.86. Wien. Herr Bernard Lazare hat mit einer Zuschrift, datiert vom 24*. März 1899, Paris, seinen Austritt aus dem Actionscomite angemeldet. Wien. DIeir-tlg der 4. Apcil h'ilt Herr Dc. Marmorek aus Paris im Ronacher-Saale einen Vortrag „Zur Psychologie des Zionismus". Anfang präcise 8 Uhr abends. Entree frei. — Dieses Vortrages wegen findet die nächste Vertrauensmänner-Besprechung anstatt am Dienstag erst am Mittwoch den 5. April präcise 7 Uhr abends im Locale der „Welt" statt. Des um 8 Uhr abends am selben Tage in der Brigittenau stattfindenden Vortrages wegen wird um pünktliches Erscheinen gebeten. Wien. Die Ortsgruppe „Mariahilf-Neubau" des Verbandes „Zion" veranstaltete für Samstag den 18. März in Löbls Restaurant eine öffentliche Vereinsversammlung, die von zahlreichen Mitgliedern und Gästen besucht war. Vors. Doctor W e i s l eröffnete die Versammlung nach 8 Uhr abends und erstattete unter lebhaftem Beifall einen Bericht über die Vereinsthätigkeit im vergangenen Monate, insbesondere über die glänzend ausgefallene Purimfeier und die Gründung einer selbständigen Ortsgruppe Rudolfsheim-Funfhaus. An die Stelle des vom Ausschuss designierten, aber leider unpässlichen Referenten Doctor M a r m o r e k trat Dr. Sieg. Werner und erstattete ein ausführliches Referat über das Thema: „Colonisation und die Thätigkeit der jüdischen Colonialbank". In sachkundiger Weise schilderte Dr. Werner das Aufblühen der jüdischen Colonien in Palästina, erörterte aber auch die Nachtheile des bisherigen Colonisatioussystems, dessen Beseitigung das Baseler Programm zunächst durch die Colonialbank, im weiteren Verlaufe durch die öffentlich-rechtlichen Garantien anstrebe. Die ungeheure Noth im Osten, die durch raffinierte Schachzüge ans wirtschaftlichem Gebiete gegen die Juden immer mehr gesteigert werde, während der Westen Europas sich gegen die hungernden Tausende aus Galizien absperre, ja sogar schon Seßhafte wieder ausweise, die empörenden Ruchlosigkeiten, die selbst durch leitende jüdische Kreise inUngarn,Mähren und Deutschland an ihren darbenden jüdischen Brüdern aus dem Osten verübt werden, all das fordere eine rasche Abhilfe des Judenelends in einer Form, die den Aermsten nicht ein Almosen, sondern eine dauernde Existenz gewähre. Und das Mittel sei geregelte Colonisation, das Werkzeug die jüdische Colonialbank. Für seine Ausfübrungen wurde Dr. Werner durch lebhaften Beifall belohnt und vielfach beglückwünscht. Ueber die Nächstliegenden Aufgaben der Bank und deren Organisation ertheilte nun'Dr. Leop. Kahn eingehend Auskunft und lud schließlich die Anwesenden zur Subscription ein. Welch mächtigen Eindruck die geistsprühenden, von echter Begeisterung für die Gesammtheit getragenen Worte auf das Auditorium machten, das wird am besten die Subseription im 0. und 7. Bezirke beweisen, die schon am Abend der Versammlung mehrere hundert Aetien überschritt. Mit dem Ausdruck des Dankes an die Referenten für ihre lichtvollen Ausführungen schloss der Vorsitzende die Versammlung. Die Vereinsmitglieder und jüdischen Bürger der Gemeindebezirke VI. und VII. werden aufmerksam gemacht, dass Herr Hof- und Gerichtsadvocat Dr. E. F. W e i s l, Präsident der Ortsgruppe Mariahikf-Neubau, VII. Mariahilferstraße 48, in Angelegenheiten der Colonialbank gerne Auskünfte ertheilt und gefertigte Subscriptionsscheine entgegennnnmt. Wien. Der Einzelverein „L and st r a ß e" des „Z i o n" veranstaltete am 20. März eine öffentliche Versammlung, in welcher Dr. S. Werner über „Indische Colonialpolitik" referierte. Der Redner besprach die bisherige Politik der Juden, wies auf ihre Schwächen und ihre ganz nutzlose, oft sogar verderbliche Arbeit hin und schilderte dann die Politik des Zionismus als die wahre Voltspolitik, als jüdische Colonialpolitit. Hierauf besprach der Referent die Thätigkeit der Jüdischen Colonialbank als des wichtigsten Instrumentes dieser Politik. Dem Amt lebhaftem Beifalle aufgenommenen Referate folgte eine ausgezeichnete Auseinandersetzung des Herrn Dr. Kahn, der die Details der Colonialbank und die.Art der Subscription ausführlich erklärte und in außerordentlich anregender Weise über die voraussichtlichen Geschäftsgebiete der Jüdischen Colonialbank sprach. Der Appell

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