Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 13 (31.3.1899)
- Article
- London
- Date
- 1899-03-31
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 13 „Die # Welt“ Seite 11 hinweg vorwärts, behindert und belästigt, aber nicht aufgehalten. Immer kläglicher hörte sich das Gekläffe der nicht anständig informiert sein wollenden Pressmeute an. und in den letzten, von allgemeinen und localen Erfolgen ausgefüllten Zeiten diente es ausschliesslich zur Erheiterung zionistischer Abendgesellschaften. Nicht mehr als Abwehr, vielmehr als gerechte Züchtigung ist daher der Brief gerne!-1 und aufzufassen, den „ein Comitemitglied“ in der letztenWoche an den „Jewisli World“ richtet, um auf Grund der in der „Welt“ gemachten Angaben den Ursprung jener lügenhaften Berichte, soweit sie insbesondere das englische Publicum beeinflussten, auch hierzulande bekanntzugeben und den Namen des wohlinformierten Zionisten“ (Dr.S.R.Land au) festzuliagelnals des Correspondenten, von dem der „Jewish Chronicle“ seit Jahr und T> g sich mit antizionistischem Material versorgen lässt, ln diesem Briefe heisst es unter anderem: . . Dr. Landau verlor seine Heilung bei der „Welt“ in dem Momente, als den Leitern der Bewegung klar geworden, dass er beruf-massig ai.tizionistischen Organen incorrecte Informationen zugehen lasse über ihm nicht zugängliche Vorgänge in der Partei. Daraus erklärt sich seine Haltung gegenüber dem Präsidium des zweiten Congresses. Es braucht kaum gesagt zu werden, dass Dr. Land au in keinerlei Verbindung mit den Führern der Bewegung steht, und dass seine Correspondenzen einer sehr lebhaften Einbildungskraft ihre Entstehung verdanken. Dadurch, dass er einige contiiientale, jüdische Zeitungen mit Nachrichten versorgte, konnte er seinen irreführenden Berichten einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit verschaffen . . . Von jetzt an wird aber hoffentlich jeder Leser die aus derselben Quelle etwa noch zu gewärtigenden Auslassungen nach ihrem wahren Weite zu schätzen wissen.“ London, 24. März. Die Veröffentlichung des Prospcc-tes der Jüdischen Colonialbank hat hier allseitiges Interesse hervorgerufen. Eine Demonstration zugunsten der Bank wird kommenden Montag im Ostende stattfinden. In allen Theilen des Bezirkes ist ein von Londoner Zionisten herausgegebenes Manifest placatiert, das zur Shareszeichnung auffordert. Die Aussichten der Bank in England sind ausgezeichnet. Die „Times“ und die anderen Londoner Tagesjournale haben bereits in kurzen Berichten auf die Incorporation der Bank Bezug genommen. Amerika. New-York. (New -Yorker Chronik.) Der neue amerikanische Botschafter am englischen Hofe, der Hon. Joseph H. Choate, der als der bedeutendste unter den Juristen Amerikas gilt, hat bei mehreren, bemerkenswerten Anlässen erklärt, dass jenes Kriegsgericht, welches D rey f u s schuldig sprach, einen offenbaren Justizmord begangen habe und dass eine Wiederaufnahme des Processes unabweisbar sei. In der Ansprache, die er als Präsident der „American Bar Association“ m der letzten Jahresversammlung dieser angesehenen Körperschaft hielt, setzte sich Mr. Choat« mit warmen Worten für den unglücklichen Capitän ein, und erst unlängst wieder, als es sich darum handelte, einen Richter von zweifelhaftem Charakter, an den obersten Gerichtshof von New-York City zu versetzen, wies der wackere Mann auf die Gefahr hin, die in jeder Verringerung der Würde der Rechtsprechung liege, und berief sich, als auf ein warnendes Beispiel, auf die zerfahrenen Zustände des heutigen Frankreich, die in erster Linie der Schwäche und Unbeständigkeit der französischen Gerichtshöfe zur Last zu legen seien. „In diesem Zusammenhänge“, sagte Mr. Choate, „lassen Sie mich des heroischen Zola gedenken, dieses wahren Helden, der noch als triumphierender Sieger durch die Strassen von Paris schreiten wird mit dem rehabilitierten Dreyfus zur Seite. Zola wurde von einem Civilgerichte verurtheilt. Haben Sie den Bericht über die Verhandlungen verfolgt? Nun, würde nicht Mark Twains starkes Talent Mühe haben, dieselben würdig zu schildern? Der Mann war verurtheilt. ehe er dazu kam, seine Unschuld zu beweisen. Es gab kein contradictorisches Verfahren. Die Zeugen haranguierten den Gerichtshof, die Officiere die Geschworenenbank, die Richter sich gegenseitig. Und so wurde der arme Zola ins Exil geschickt durch ein Gericht, dass unter dem Drucke einer allmächtigen Regierung seine Selbständigkeit verloren hatte.“ Der amerikanische Zionismus geht seinen Weg weiter, wenn es auch nicht immer ein ganz ebener ist. Gegenüber der .Feindseligkeit der jüdischen Presse entfalten die Zionisten eine ungemein lebhafte Thätigkeit. Die Vereinigung der beiden, unter der Führerschaft Professor Gottheils, respective Dr. Philipp Kleins, stehenden Federationen ist beschlossene Sache und wird in der für den 28. und 29. Mai ausgeschriebenen Convention ratificiert werden. — Unter den Anspielen der rührigen „West SideZion Society“ von New-York fand diese Woche ein grosses Meeting statt, in welchem einer der grössten Gelehrten Amerikas, Professor Thomas Davidson, über „Zionismus von einem nichtjüdischen Standpunkte“ sprach. Es hat manche Juden überrascht, zu sehen, dass dieselbe jüdische Sache, um die sie selber sich kaum kümmern, Christen Anlass zum ernstlichen Nachdenken gibt. Stephen S. Wise. V Allerlei Nachrichten. In Köln wurde unter allgemeinster Betheiligung der militärischen, provinziellen wie communalen Behörden in der dem Feste vorangehenden Woche die neue Synagoge eingeweiht. Dieselbe wäre fast zu einer Spaltung ln der Gemeinde die Veranlassung geworden, da die Majorität eine Orgel hinein haben wollte. Kluges Nachgeben von Vorstand und Repräsentanten hat den Stein des Anstosses noch rechtzeitig beseitigt und dadurch den Frieden in dieser grossen und reichen Gemeinde, der ältesten Deut.sc hlands, wie Rabbiner Dr. Frank in seine" Festpredigt, erwähnte — erhalten. Er wies auch darauf hin, dass in Köln vor Jahrhunderten schon eine Hochschule für jüdische Wissenschaft existierte. Vor 3 Jahren schenkte ein Herr Löser der Stadt Elbing aus Anlass seiner Ernennung zum Commercienrath 15.000 Mark „zu einem gemeinnützigen Zwecke“. Der Genannte hat sich nun dem Magistrate gegenüber dahin ausgesprochen, es möge der Betrag den Grundstock bilden zu einem Kaiser Wilhelm-Denkmale, und der Magistrat stimmte diesem Wunsche zu. * Breslau wird in nächster Zeit ein vegetarisches Kinderheim erhalten, worin nach ausdrücklicher Bestimmung des Testators Professor Baron nur vegetarische Kost, ferner Milch, Eier und Käse, uncl zwar alles unter ärztlicher Aufsicht verabreicht werden. Natürlich ist dasselbe auch jüdischen Kindern offen, wodurch der dortigen Armen- und Waisenpflege eine nicht unbedeutende Erleichterung respective Entlastung zutheil wird. * Am 1. April scheidet der älteste Cantor der jüdischen Gemeinde in Berlin, Marksohn, aus seinem Amte, nachdem er 29 Jahre füngierte und mit den seligen Lewa n- ,d o w s k y und Liechtenstein das berühmte „Dreiblatt“ gebildet, welches neben dem seligen S u 1 z e r so ungemein viel für die Hebung des synagogalen Gesanges und damit für einen würdigen Gottesdienst geleistet hat. Wieder einmal ist eine antisemitische Seifenblase zum Platzen gebracht worden durch die unerbittliche Statistik. Im deutschen Reichstage steht die sogenannte lex Heinze, Gesetz zur Bekämpfung der Unsittlichkeit, im Vordergründe des Interesses, und die vorgelegte Statistik beweist — schrecklich, aber wahr — dass die Juden nicht nur äusserst günstig gegenüber anderen Confessionen stehen, sondern bei einzelnen Delicten sogar zurückgegangen sind. Vielleicht verirrt sich ein Exemplar der Denkschrift auch in den — niederösterreichischen Landtag. In Chemnitz (Sachsen) fand am 7. d. M. die Einweihung der neuen Synagoge statt. Eine — wie das allgemeiner Brauch ist — officielie Vertretung der Behörden bei dem feierlichen Acte fand nicht statt, weil der dortige Stadtrath zuvor den Wunsch zu erkennen gegeben hatte, mit einer Einladung verschont zu werden. Die Sache dürfte ein Nachspiel haben. Nach Mittheilungen antisemitischer Blätter — und die pflegen ja stets gut unterrichtet zu sein — starb Felix Fau re an einem erst in 3—I Tagen wirkenden Gifte, aqua toffana, dessen sich auch die Päpste bedient haben sollen, wenn sie sich einer missliebigen Person entledigen wollten. Diesesmal waren es natürlich — die Juden, die das Gift verabreicht hatten. •t* Ehren-Sigls Münchener „Vaterland“ hat wieder eine schreckliche Entdeckung gemachtDer frühere russische Botschafter Mohren hei m ist ein vom dänischen Hofe protegierter — Exjude, und er verdankte seine Ernennung dem mächtigen Einflüsse der Kaiserin-Witwe .... Während der vorjährigen Unruhen in Algier wurde ein jüdischer Arzt namens Sehe bat getödtet. Die Witwe strengte gegen die Commune eine Schadenersatzklage an, die 'jetzt endlich zur Verhandlung kam und mit einer — weiteren