Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 13 (31.3.1899)
- Article
- Momentbilder aus Palästina
- Date
- 1899-03-31
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 9 Nr. 1*3 „Die Welt“ schon zu so früher Stunde zu schaffen haben! Am Amboss stehen Vater, Sohn und Enkel, Juden, Flüchtlinge aus Yemen, die früher solche Arbeit nicht gekannt. Sie hämmern unbekümmert emsig weiten Ihre Arme werden stärker, ihre Seele froher! Sie schmieden an dem künftigen Glücke Israels, der Arbeit März 1899. G Weltchronik. Das Spinoza-Museum. Am 21 fand in Rhynsburg bei Leyden (Holland) die Einweihung des Spinoza- Museums statt, wobei Professor Boiland die Festrede hielt. Das Museum befindet sich in dem Hause, in welchem Spinoza die letzten Jahre seines Lebens gewohnt hatte. Die Welt der bildenden Künste. Behufs Veranstaltung eines Bankettes zur Feier des 60. Geburtstages Christian G r i e p e nkerls, Professors an der Wiener Akademie der bildenden Künste, hat das Festcomitd an sämmtliche Schüler des Jubilars eine Einladung erlassen, die zur Theilnahme an dem Bankette und zur Zeichnung der entsprechenden Summe auffordert. Allen an gemeldeten Theilnehmern des Bankettes, welche jüdische rConfession sind, sandte das Comite das Geld zurück. Auch den angemeldeten Czech.en ergieng es so. Ein Wiener Blatt bemerkt hierzu: Wir freuen uns von Herzen, dass endlich auch in der Welt der bildenden Künste ein kleiner, aber sehr gewichtiger Schritt gethan wird, um gegen die furchtbare Macht des Judenthums, das ja bekanntlich die Künstler jeder Art in der unglaublichsten Weise terrorisiert, anzukämpfen. Aphorismen aus dem niederösterreichischen Landtage. (Sitzung vom 28. März 1899.) A b g. Gregorig: „Richtig! Die Fremdkörper müssen entfernt werden, die Juden hinaus.“ — Abg. Schneider: „Jetzt spricht ein Jud’ über die Deutschen, das ist zu dumm.“ — Abg. Gregorig: „Die Austreibung der Juden und sonst nichts.“ — Abg. Noske: „Ich hätte sehr gewünscht, dass nicht von Seite eines der geehrten Herren Vorredner in der Debatte, in der es sich um die höchsten Güter unserer Nation handelt, der üble Ton angeschlagen worden wäre, der Angriffe auf einen Stamm enthält, der treu zum deutschen Volke gehalten, und dass nicht in das übliche Hepp, Hepp-Geschrei ausgebrochen worden wäre.“-Interessant ist der scharfe Unterschied, den der Vertheidiger der Juden, Abg. Noske, zwischen „unserer Nation“ (der germanischen) und „einem Stamm“ (dem jüdischen) macht. Und Noske ist doch kein Antisemit. Eine nette Gesellschaft. In den nächsten Tagen findet in Wien die gründende Versammlung des „Allgemeinen Pressverbandes“ statt, dessen Zweck die? Organisation der antisemitischen Journalisten ist. Dem Verbände werden sich auch französische antisemitische Journalisten unter der Führung Drumonts anschliessen, der in der „Libre Parole“ vom 28. März den Verband und seine Ziele bespricht. Nach Capland. Aus L i b a u (Kurland) schreibt man uns: Mehlsendungen nach Capstadt gehen von Zeit zu Zeit aus Libau ab. Allerdings sind es nur kleine Partien, die von Liebhabern hiesigen Roggenbrotes nach dem fernen Süden des schwarzen Erdtlieils bestellt werden. Neuerdings noch hat die Berend’sche Dampfmühle eine Sendung von 250 Pud für den langen Transport besonders präparierten Roggenmehls nach Capstadt ab gefertigt. Die Empfänger sind eine Gruppe ausgewandert er Ju den, die ihr Heimatsgefühl zu dieser kostspieligen Bestellung angetrieben hat. —ff. Der Vorname Loubets. Man schreibt aus London 13. d.: Während eines Diners in einem grossen Londoner Hause sprach man dieser Tage von dem neuen Präsidenten der französischen Republik. „Es ist eigenthümlich,“ meinte einer der Gäste, „dass man immer nur von Mr. Loubet spricht. Man pflegte zu sagen Jules Grevy, Casimir Hier, Sadi Carnot und Felix Faure, aber niemand scheint M. Loubets Vornamen zu wissen.“ Alles stimmte zu, nur eine naive, junge Dame widersprach: „O, ich weiss ihn“ — und voll Eifer, die Gesellschaft aufzuklären, fuhr sie fort: „Ich habe ihn verschiedenemale gelesen: Er lautet: Conspue z.“ Madame Pays — kein General. In der Unterredung die ein Mitarbeiter des „Matin“ mit Herrn Esterhazy in London hatte, kam der Interviewer auch auf Madame Pays zu sprechen, mit welcher Esterhazy bekanntlich in Paris gelebt hat. „Sprechen wir nicht von ihr,“ sagte Esterhazy, „sagen Sie nur, dass sie ein edles und ein sehr ergebenes Geschöpf ist. Hundertmal hat man sie schon bewegen wollen, mich zu betrügen, und hat ihr grosse Geldsummen geboten, sie hat aber immer refüsiert. Einmal rief sie: „Ich den Major betrügen? Niemals! Ich bin doch kein General.“ Baronin HirsGh hat der jüdischen Gemeinde in Jassy 52.000 Frcs. zur Errichtung j üdischer Schulen in Moineschti, Dorohoy, Bivoluri undLeschpezi zugehen lassen. Ein polizeiliches Verbrechen. Unter dieser Aufschrift veröffentlicht die rumänische Zeitung „Adeverul“ vom 12. Februar a. c. einen Artikel, der über die bestialische Brutalität eines dortigen Beamten klaren Aufschluss gibt: Ein armer Jude, 'Srul Mendelsohn, begab sich nach Focsani behufs Abwicklung eines Geschäftes. Von einem Detectiv verhaftet, dem er trotz wahrheitsgetreuer Wiedergabe seines Nationales verdächtig schien, wurde er der II. Abtheilung der Focsanier Polizeidirection übergeben und kam unter die Aufsicht des Polizeicommissärs Florescu. Dieser Hess eine Leibesuntersuchung an Mendelsohn vornehmen, bei welcher Gelegenheit er sich der ganzen Habe des Juden, bestehend aus 1 Frc. 40 Cts., bemächtigte. Als der arme Jude dagegen protestieren wollte, ergriff der Commissär einen Prügel und hieb auf den Unglücklichen so lange ein, bis dieser unter den Händen des Wütherichs den Geist aufgab. Von dem Vorfälle wurde die Frau des armen Opfers verständigt, welche sich sofort an die Staatsanwaltschaft in Foscani wandte. Diese veranlasst^ nun die Verhaftung Fiorescus und eruierte mehrere Zeugen, die die Wehklagen Mendelsohns vernommen hatten. Letzterer wurde unter grosser Theilnahme seiner jüdischen Mitbürger zu Grabe getragen. Die Zahl der aus Corfu auswandernden Juden mehrt sich von Tag zu Tag. Der Antisemitismus der Corfioten nimmt solche Formen an, dass sich die Juden nicht mehr ihres Lebens sicher fühlen. Die Juden wenden sich zum Theile nach Alexandrien, zum Theile nach Triest oder Italien. Die Hausierer. Im Gebiete der Stadt Pancsova (Ungarn) wurde die Ausübung des Hausierhandels verboten. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wie«. Das Secretariat des Actionscomitös sendet uns folgende Zuschrift: Da von verschiedenen Seiten, die sich den Anschein geben, gut informiert zu sein, die gehässigsten Nachrichten über die angeblich volksfeindliche Wahlreform des Actionscomitös verbreitet werden, so bitten wir um nochmaligen Abdruck des in Nummer 5 der „Welt" vom Jahre 1899 in der Rubrik „Conferenz des großen Actionscomitos" veröffentlichten Passus über die Modistcation der Wahlordnung. Der Passus lautet: Ferner wurde über die Organisation und Wahlreform Bericht erstattet, und wurden die Vorlagen mit wenigen Aenderungen angenommen. Demnach werden die Wahlen für den dritten Congress im Sinne der neuen Organisation erfolgen, da keinerlei principielle Aenderungen vor genommen, sondern nur Maßregeln getroffen wurden, welche eine Sicherung der Wahlen gegen etwaige Missbrauche und Fälschungen bezwecken. Der Congress soll eine aufrichtige Vertretung der Zionisten sein. Die neue Organisation wird demnächst an dieser Stelle veröffentlicht werden. Die Vertretung der Hundertschaften erscheint darin vollkommen durchgeführt. Budapest. Vor kurzer Zeit verschied hier der bekannte jüdische Millionär Alexander Wahr mann, ein Bruder des vereinigen Jahren verstorbenen Parlamentariers und Präsidenten der Pester isr. Cultusgemeinde Moriz W a li r m a n n. Er hinterliess 1,000.000 Kronen zu wohltliätigen. meist jüdiscli-confessioiiellen Zwecken. Aus diesem Anlasse kann icli es mir nicht versagen, eine Notiz des „Magyar Hirlap“, die sich mit dem Testamente Wahrmanns beschäftigt und liebstdem eine kurze Charakteristik des Verblichenen enthält, für Sie zu übersetzen, da sie mir geeignet erscheint, die Segnungen der Magyarentlnirnelei unserer ungarischen „Glaubensgenossen“ ad oculos zu demonstrieren, und die Ernsteren unter den Prolest-Arpaden im Rabbinertalare nachdenklich zu stimmen. Das erwähnte Blatt schreibt nämlich in seiner Nummer vom 15. d. M.: „Alexander Wahr mann war ein interessanter Mann, den namentlich die Annen der Haupt-