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Die Welt · 1899-03-31 · 13 (31.3.1899) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
3 (1899)
Issue
13 (31.3.1899)
Article
Professor Dr. Richard Gottheil über den Zionismus
Date
1899-03-31
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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-k. 13 Seite 7 „Oie H XVelt" Katseine Theilnabme kür äie sehreek- 11 eben Leiden^ welchen sie unterlagen und noch weiters zu unterliegen haben wer eleu, aus gedrückt. Dr. Hirsch rieth, dass die russischen Juden weiter dulden müssen, damit die grossen Ideale der Judenheit bewahrt bleiben. Das Riclimonder Meeting hat vorläufig nur seine Theilnahme zu bieten. Wir Zionisten wünschen eine Heimat zu schaffen für die 5 Millionen Juden, welche im östlichen Th eile Europas ärger als im Ghetto existieren. Wir wünschen auch eine Heimat zu gründen für jene Juden in West-Europa, welche den Anti-Judaismus (fälschlich genannt Antisemitismus) nicht als ein augenblickliches Aufwallen, sondern mehr oder weniger als constantes Phänomen betrachten, welches nur zeitweise eingeschränkt ist, aber in jedem christlichen Gemeinwesen hervortritt, sobald Juden in grösserer Anzahl dort erscheinen: in kurzem eine Heimat zu sichern für jene Juden, welche im Lande ihrer Geburt nicht leben können oder nicht leben wollen. Das kann einzig in Palästina sein, in dem Lande, wo wir einstens lebten und welches unsere Anstrengungen wieder zu einer gebietenden Stellung auf der Erde aufrichten können. Wir wünschen nicht, in der Givilisation nach rückwärts zu gehen, sondern nach Osten die Eroberungen materieller Natur zurückzubringen und jene Errungenschaften des Geistes., welche im Westen sich entwickelten und bei deren Erwerbung die Juden stets lebhaft initthaten. Sowie die Juden die Religion einst nach Westen brachten, wollen sie die Wissenschäft zum Osten zurückbringen. Es ist dies nicht im geringsten Begierde nach grösserem Gewinn, nicht die Aussicht auf Reichthümer, nicht der Wunsch nach zeitlichen Gütern. — Das Recht auf vollkommene Freiheit, die Möglichkeit, unsere Religion auszuüben, unser besseres Selbst nach jüdischen Vorschriften zu entwickeln — das ist es, was der Zionismus sucht. Und der Zionismus hat bereits Grosses vollbracht. Denn er ist gegründet auf gemeinschaftlicher Basis, auf der die Juden Schulter an Schulter, Arm in Arm stehen können. Das Verlangen nach einer Synode ist in unser Land gedrungen, das Verlangen nach etwas, welches einst wieder Juden mit Juden vereinigen und unsere zerstreuten Kräfte in einen mächtigen und einflussreichen Strom leiten soll. Solch eine Synode kann niemals allein auf religiöser Basis gebildet werden. Der ehrwüdige Mayer Sulzberger hat dies' kürzlich erklärt, und die Vereinigung der ,,American Hebrew Gongregation“ schliesst ausdrücklich alle religiösen Dinge von ihren Berathungen aus. Solch eine Synode kann allein gebildet werden auf breiter Basis gemeinsamer Interessen, auf eine Gemeinsamkeit, welche sowohl auf Basis der Nation als auf Basis der Rasse beruht. Der Baseler Gongress ist eine solche Synode, und bei diesem Gongresse arbeiteten Orthodoxe und Reformer, Conservative und Radicale wie Brüder in einem gemeinsamen Haushalte. Ich muss schliessen. Ich habe soviel zu sagen dass ich mit dem verfügbaren Raume nicht das Auslangen finde. Vielleicht werde ich noch Gelegenheit haben, Zu den guten Juden Pittsburgs mehr über diese, höchst wichtige Lebensfrage zu sprechen. Allen ergeben in brüderlicher Gesinnung Richard Gottheil Präsident der Amerik. Zionisten-Vereinigung Columbia-Universität, 3. Februar 1899, G Pariser Brief. Für den Abend des 18. März hatte die Vereinigung „Mwasereth Zion" das in Paris wohnende Mitglied des Actionscomites, Dr. Alexander Marmore k, eingeladen,, einen Vortrag über die „Jüdische Colonialbank" zu halten. Dr. Marmorek nahm die Einladung an. Der Abend gestaltete sich zu einem der interessantesten der Vereinigung. Der Vortragende besprach in ebenso klarer als beredter Weise die Frage der Bank. Bevor Dr. Marmorek auf das Meritorische seines Vortrages eingieng, hob er in Ausdrücken, in denen seine aufrichtige und glühende Ueberzeugung vibrierte, die NothWendigkeit hervor, dass das jüdische Volk eine äusserste Anstrengung zu machen habe, um seine Freiheit wieder zu erlangen. Hierauf besprach er ausführlich die Organisation und den Wirkungskreis der Bank, ihre ausserordentliche Wichtigkeit für die zionistische Bewegung, die Garantien, welche der Gongress vorgesehen habe, um eine beständige Controle über die Thätigkeit der Bank auszuüben, endlich die Nichtigkeit der Einwände, die man bisher gegen sie vorgebracht habe. Zum Schlüsse brachte der Referent einen wunderschönen Vergleich vor. „Als man die Centennarfeier der amerikanischen Republik begieng,“ sagte er, „da erinnerten viele Juden voll Stolz daran, dass der eine oder andere ihrer Vorfahren ebenfalls seinen Obolus zu dem patriotischen Werke beigetragen hätte, um die Fonds aufzubringen, welche man zur Führung des Befreiungskrieges benöthigte. Jetzt strebt das jüdische Volk auch seine Freiheit an, und die Bank soll ihm die Mittel liefern, um dieses grosse Friedenswerk zu vollbringen. Und wenn der Zionismus sein Ziel erreicht haben und man eines Tages das Jahresfest der Befreiung feiern wird, dann werden unsere Nachkommen aus ihren Schränken die vergilbten Blätter der ersten Actien der Jüdischen Colonialbank hervorholen und werden es mit Stolz ihren Kindern erzählen, dass ihre Vorfahren unter den ersten waren, die dieses Werk unterstützt haben.“ Der Vortrag wurde mit grossem Beifalle aufgenommen, und der Vorsitzende, Herr M. S ch ornstein, dankte unter erneuten Zustimmungskundgebungen dem Vortragenden für seine beredten und instructiven Ausein andersetzungen. Aber der Zufall wollte es, dass diese Versammlung* noch interessanter werden sollte. Während dieser Tage waren nämlich unter anderen auch Herr Bambus und Herr Prag, zwei Säulen des „praktischen" Zionismus, deren erste "allerdings etwas geborsten und trotz der Affiche des Baseler ‘Programmes an ihrem Capitäl nicht gerade vertrauenerweckend aussieht, in Paris, um an den Berathungen der Gesellschaften für die Colonisation Palästinas theilzunehmen. Die beiden Herren kamen gerade in die Versammlung, als diese schon geschlossen werden sollte. Die Gelegenheit, sich ein wenig zu messen, war aber für die „Politischen" und die „Praktischen“ zu schön, als dass man sie nicht eifrig ergriffen hätte. Man erinnert sich, dass beim letzten Baseler Congress Dr. Marmorek und Herr Bambus die Generalredner waren, von denen der eine in der Bankfrage pro, Herr Bambus natürlich contra sprach. Am 18. März fand die Fortsetzung ihres damaligen Redekampfes statt. Als Dr. Marmorek auf eine Anfrage erklärte, die Bank werde mit den disponiblen Geldern auch den bereits in Palästina gegründeten Colonien zu Hilfe kommen, beeilte sich Herr Bambus, zu bemerken, dass die politischen Zionisten, die er Jungzionisten nannte, capituliert hätten, indem auch sie sich der Klein-Coloniöation zuwenden. Dieser Vorstoss machte auf die Versammelten wenig Eindruck, besonders als Dr. Marmorek kategorisch erklärte, dass die Bank ihr Hauptziel nie aus dem Auge lassen werde, und dass sie sich nur vorläufig und bis zu einem gewissen Grade mit den bestehenden Colonien zu beschäftigen gedenke. Ein nationales Werk werde nicht durch Geschenke und Almosen realisiert, sondern nur durch die Kraft und Anstrengung des Volkes selbst. — Die Jungzionisten, ich acceptiere diesen Ausdruck, mit dem uns Herr Bambus wahrscheinlich herabsetzen wollte, werden weiter arbeiten an der Verjüngung und Neugestaltung der jüdischen Nationalidee, Dr. Marmorek aber möge an dieser Stelle herzlichen Dank entgegennehmen für die Würde und den Ernst, die er bei ihrer Vertheidigung bewies. Argus.

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