Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 13 (31.3.1899)
- Article
- An Israel
- Date
- 1899-03-31
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite tz flachen, gleich gütigen Worten ein blendender Glanz zittert, herüberstrahlend aus einer Zukunft froher Verheissung. O, es wäre unseres Volkes unwürdig, auf die rein geschäftliche Seite dieses Unternehmens hinzuweisen oder von Profit zu schreiben und gewinnreicher Geldanlage, die allerdings auch in dem Unternehmen miteingeschlossen sind. Jedoch die Ehre unserer Vergangenheit will es, dass unsere Aufforderung an Hoch und Gering, Shares zu zeichnen, auf den eigentlichen Zweck hinweise: unserer Zukunft den Pfad zu ebnen. Die zielbewusste Begeisterung, die unser Volk aus seiner Verzweiflungsstarre erweckt und schliesslich den Grundstein auch zu diesem Werke gelegt hat, wird unsere Mühen zu einem würdigen, strahlenden Erfolge führen. Es ist eine Stunde, schwer von Ernst und Bedeutung. Die nächste Zukunft muss uns die Antwort bringen auf die Frage, ob unser Volk noch imstande ist, Geschichte zu machen, und von welcher Grösse. Das Gedächtnis dieser schicksalsschweren Stunde wird lange in dem Bewusstsein unseres Volkes fortleben, und es wird mit einem herzerwärmenden Gefühle der Befriedigung erfüllt sein, wenn jeder einzelne von uns so handelt, wie die Noth der Stunde es erfordert, wie es der Geist des Judenthums von uns verlangt. Lang genährt in der Brust von Millionen Opfern einer ungerechten, elenden Verfolgung, wendet sich der diese Bank begründende Gedanke an jedes Mitglied des Hauses Israel, er wendet sich zu allererst und mit aller Macht an die Glücklichen, die im Sonnenscheine der Freiheit aufgewachsen sind. Pflicht und Schuldigkeit der englischen Juden, die nur einen Theil des grossen Ganzen bilden, ist es, dem dringlichen Rufe, der heute an sie ergeht, Folge zu leisten. Für uns besteht nicht der leiseste Zweifel daran, dass dieser Theil des Judenthums die Herzensbande nicht wird lösen wollen, die jeden einzelnen in unserem Volke an den anderen knüpfen. In allen Augenblicken, die eine entscheidende That erforderten, hat Israel sich selber die Treue bewahrt. In der Prüfung war Hass und Bitterkeit, Streit und Entzweiung jedesmal vergessen. Auch heute wiederum wird der bewegende Gedanke verwandtschaftlicher Zusammengehörigkeit uns zu einer grossherzigen, gemeinsamen That begeistern. Nicht so bald wird eine solche Stunde, eine solche Gelegenheit wiederkehren. Das Haus Israel wird aufgefordert, den Kindern Israels zu helfen. Niemals zuvor ist ein solcher Ruf an uns ergangen. Ehre, Gerechtigkeit, Hoffnung, Freude endlich über den Anlass, der unsere Einigkeit strahlend vor aller Welt enthüllen soll, werden verhüten, dass dieser Ruf ungehört verklinge. Würdig der drängenden Stunde werden wir unser Opfer bringen. „The Jewish World". P Professor Dr. Richard Gottheil über den Zionismus. (Aus dem „Jewish C r i t e r i o n“.) Der Herausgeber des „Jewish Griterion“ in Pittsburg hat mich um einige Worte über Zionismus zur 5jährigen Jahresfeier dieses Blattes ersucht. Ich bin erfreut über dies Begehren, indem es mir Gelegenheit gibt, ein ernstes Wort an jene jüdische Brüder zu adressieren, welche vielleicht noch nicht Gelegenheit hatten, sich mit dem zionistischen Programme bekannt zu machen. Wir können verschieden über Zionismus denken, aber wir haben kein Recht, unorientiert zu bleiben über eine Bewegurg, welche das Innerste der Juden in der ganzen weiten Welt so tief erregte. Ich zaudere keinen Augenblick, zu erklären, dass die einzige grosse Frage, welche den Juden zum Schlüsse des 19. Jahrhunderts gegenübersteht, jene sei, welche von den zwei Ziönisten-Gongressen zu Basel — abgehalten in den Jahren 1897 und 1898 — discutiert wurde. Dies ist die grosse Frage, vor welcher alle anderen Fragen, ob der Kopf bedeckt oder unbedeckt bleiben soll, ob beim Gottesdienste mehr oder weniger Hebräisch dabei sein müsse, gänzlich verblassen. Das 20. Jahrhundert muss zur Kenntnis nehmen, dass der Jude seinen Standpunkt in der Welt genauestens festgestellt habe. Er will nicht bloss sich Jude nennen können und ein lola! imjüdbclies Leben führen. Er will nicht Rv. 13 die Fähigkeit besitzen zum Versuche, alles für jeden zu sein. Wenn Amerika Zion, und Washington Jerusalem sein sollte für die nordamerikanischen Juden, dann müsste Manila Zion und Iloilo Jerusalem werden für jene, welche sich auf den Philippinen niederlassen wollten. Uns würden eine Unzahl Zions und Jerusalems gegenüberstehen. Die Einigkeit Israels wäre dahin. Die gemeinsamen Wünsche und Hoffnungen würden hinschwinden. Die Gesellschaft, in der. wir leben, würde verlangen, dass wir ernstlich zuwerke gehen, um Washington beziehungsweise Iloilo, zu unserem Jerusalem zu machen, dass wir alles beiseite räumen, was der vollständigen Judenaufsaugung im Wege steht, den Samstag, die Feier- und Fasttage, dass wir die Hindernisse, welche den Mischehen entgegenstehen, wegräumen, damit die Krümmung unserer Nasen möglichst bald verschwinde und unsere Temperaments-Eigenthümliclikeiten in einer Flut arischen Blutes ertränkt werden. Ich frage meine Mitbrüder, welche dies lesen, ob denn dies das Ziel sei, dem sie entgegenstreben. Wenn es der Fall wäre, sollten sie es nicht mit unsicherer Stimme erklären. Wir Zionisten haben ganz anders geartetete Pläne. Wir glauben, dass unsere Voreltern nicht ausgedauert haben durch hunderte Jahre, damit wir in den umgebenden Nationen untergehen. Wir glauben, dass der Allmächtige uns mit einer gewissen Ausdauer ausgestattet hat, welche wir noch zum Besten seiner Schöpfung und zur Förderung seines Reiches auf Erden verwerten können. Wir glauben, dass in den Tagen, in denen die Gleichberechtigung niedergetreten wird von den Regierungen (oft von den Missregierungen) der Majoritäten, die Judenheit noch immer eine Sendung zu vollführen hätte, welche von guter Vorbedeutung — und der Friede wäre. Aber wir glauben, um diesen Geist ferners bei uns selbst zu pflegen, um befähigt zu sein, diese Botschaft zu lehren, müsste unsere Existenz ganz anders geordnet sein, als sie es jetzt ist. Israel müsste endlich einmal zur Ruhe kommen. Sie werden mir entgegnen: Aller Besitz muss mit der Schärfe des Schwertes erkämpft werden: Kampf ist die Grundlage zu jedem Fortschritte, die festen Plätze müssen dem. Erdboden gleich gemacht werden, bevor der Geist Gottes eindringen kann. Aber in welcher Weise kämpfen wir für diesen Geist, wir, die wir es lieben, Reichthümer anzuhäufen, uns angenehme Häuser zu erbauen und im Ueberflusse zu leben? Wir prahlen, ein heiliges Volk zu sein, ein Volk von Priestern, die Propheten einer messianischen Zeit, während unsere Synagogen leer bleiben, unsere Heimat nicht mehr die ist, die sie war, unsere Erziehungs- Institute am Rande des Verderbens stehen und selbst unsere Wohlthätigkeits-Institute betteln gehen. Wenn wir willens wären, mit wenigem auszukommen, wenn wir es versuchen würden, unser Leben als Muster von Güte und Barmherzigkeit einzurichten, wenn wir mit der That lehrten die Vorschriften, wie sie von den Synagogen- und Tempelkanzeln officiell gepredigt werden, wäre ich mehr beruhigt. So lange dies nicht unsere Lebensthätigkeit ist, scheint es Gotteslästerung unsererseits zu sein, über die Mission der Juden zu schwatzen. Der Zionismus will es den Juden möglich machen, als Juden zu leben und in der Lage zu sein, die grossen Wahrheiten des Judenthums mit einiger Aussicht auf Erfolg der gesammten Welt zu lehren. Mein ehrwürdiger Freund Dr. Emil G. Hirsch hat neulich Worte uneingeschränkten Lobes über die russischen Juden gesprochen. Das Richmonder Meeting, veranstaltet durch die Union der amerikanischen ’üdischen Vereinigungen. , J)le X* Weit?*