Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 13 (31.3.1899)
- Date
- 1899-03-31
- Page
- None (sequence 3)
- Language
- German
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Jahrgang 8>W- Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunelzmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrrte. Dir Administration. Die Millionen der Ica, H.— Wenn redliche Meinungen streiten, gibt es auch eine Grossmuth der Besiegten. Ist man von loyalen Waffen geschlagen worden, so vergibt man sich nichts, man ehrt sich sogar selbst, wenn man dem im Kampfe glücklicher gewesenen Gegner die Hand hinstreckt. Der Händedruck nach der Mensur ist vielleicht das Männlichste an der ganzen Fechterei. Leider müssen wir bei unseren jüdischen Gegnern manchmal eine solche gute Regung vermissen. Den Anlass zu dieser Betrachtung liefert ein Vorgang der letzten Zeit. In jüdischen Blättern einer anderen Observanz, als die unsere, wird mit einer gewissen Absichtlichkeit gemeldet, dass die Millionen der sogenannten Ica (Anfangsbuchstaben der Jewish Colonization Association) ebenfalls für die Colonisierung Palästinas zur Verfügung stehen. Den Eingeweihten sind die wirklichen Umstände bekannt. Man muss sich demnach fragen, warum diese Dinge jetzt und so geflissentlich publiciert werden. Welchen Zweck verfolgt man dabei? Die Millionen der Ica (zwischen 260 und 270 Millionen Francs) sollen die Jüdische Golonialbank als überflüssig erscheinen lassen. Wenn schon soviel Geld für den Zweck da ist, wozu braucht man noch eine Bank mit nur fünfzig Millionen Francs Capital? Von dieser einfachen Erwägung, dass die Bank überflüssig sei, weil schon Geld genug da ist, bis zu dem Schlüsse, dass die Zionisten und wer sonst noch Vertrauen zur Sache hat, keine Shares zeichnen sollen, ist nur ein Schritt. Damit wäre die bei gewissen jüdischen Hochüänkern schon jetzt höchst unbeliebte Jüdische Golonialbank glücklich untergraben. Dem Subscribenten wird ein Zweifel eingeflösst, er muss sich sagen : Ja, wenn ohnehin die Millionen der Ica da sind, wozu soll ich noch ein Pfund, oder zehn Pfund, oder tausend Pfund Sterling dazu geben? Am Ende will man da nur unter einem Vorwände eine Bank gründen, wie es deren schon genug gibt. Ein solches Raisonnement würde aber auf einem Missverständnisse beruhen. Wir wollen es ruhig aufklären. Unsere Gegner haben uns wieder einmal einen Dienst geleistet, wenn auch in der denkbar schlechtesten Absicht. Wir hätten vielleicht nicht einmal daran gedacht, einiges von dem zu sagen, was nun folgen wird — für so vollkommen selbstverständlich mussten wir es halten. Zunächst darf der Unterschied zwischen dem Vermögen von Stiftungen und dem einer Bank nicht übersehen werden. Beides ist flüssig wie Wasser, aber das eine stagniert und das andere fliesst. Es ist der Unterschied wie zwischen einem Teiche und einem Bache. Mit dem Wasser eines Teiches kann man keine Mühlen treiben, mit dem Wasser eines Baches kann man das. Dieses Bild erspart uns wohl das Aufzählen jedes einzelnen Punktes, in welchem Bank und Stiftung verschieden sind. Das Vorhandensein eines Teiches macht doch einen Bach nicht überflüssig. Ja, wessen Mühlen sollen denn getrieben werden V Etwa die der Gründer dieser Bank? Der unsaubere Verdacht ist nicht einen Augenblick haltbar, wenn man die Statuten und den Prospect der Jüdischen Golonialbank liest. Die erste und unabänderliche Bestimmung ist, dass die Gründer oder Inhaber der Gründershares keinerlei Vermögens vortheil gewinnen können. Wohl noch nie ist eine Bank unter solchen Bedingungen errichtet worden. Und wir, die wir dem jüdischen Namen zu neuer Ehre verhelfen wollen, setzen darum das Beiwort „Jüdisch“ mit besonderer Lust an die Spitze des Unternehmens, welches für uns ein politisches ist. Jawohl, wir behaupten, dass diese Gründung anders ist, als woran die Hochbank die Welt gewöhnt Tat. Wenn die Hochbänker sich zu einer Gründung zusammenthun und ihre Unterschriften unter einen Prospect setzen, so bekommen sie dafür sofort gezahlt. Wenn man diesen finanziellen Vorgang nicht durch die rosig gefärbten und in Gold gefassten Brillen der berufsmässigen Vertheid iger ansieht, so muss man ihn in der folgenden Weise charakterisieren: Die Hochbänker machen sich für ihre Unterschrift aus dem Gelde bezahlt, welches durch die Subscription hereingebracht werden soll. Sie verkaufen also ihren Credit beim Publicum demselben Publicum, das diesen Handel nicht durchschaut. Es Hesse sich darüber noch viel sagen, aber wir wollen uns jetzt