Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 3 (1899)
- Issue
- 12 (24.3.1899)
- Article
- Storozynetz [Nachricht]
- Date
- 1899-03-24
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 12 „Die Welt“ Seite 13 wesenden Gäste statt. In freudiger Stimmung sass man beisammen, Toast reihte sich an Toast, und erst gegen B Uhr morgens verliess man in höchst animierter Stimmung den Restaurationssaal. Giessen. Am 17. Jänner nahm der akademische Senat die Gründung der „Jüdischen Studentenverbindung Zionah“ zur Kenntnis. („Zionah“ ist zugleich in Deutschland der erste zionistische Verein mit akademischem Charakter.) Die Verbindung hat neben der Pflege einer gemüthlichen Geselligkeit im Geiste des Judenthums und der Förderung der jüdischen Geschichte und Literatur in engerem Kreise auch die zeitweilige Veranstaltung öffentlicher Vortragsabende in ihr Programm aufgenommen. Auf den 12. d. M. war der erste Vortrag angekündigt. In dem Saale der „Kaiserkrone“ fanden sich zahlreiche Gäste, Damen und Herren aus der Intelligenz der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung, ein. Unter den Gästen bemerkten wir Herrn Provinzialrabbiner Dr. Hirs chfeld. Nachdem der Erstchargierte, stud. jur. Eis o ff e r, die Gäste begrüsste und die Ziele des Zionismus in wenigen Sätzen dargethan hatte, übergab er das Wort Herrn cand. phil. Glück zu einem Vortrage über rD a s Leben und Wirken Maimonide s“. Herr Glück verstand es, aus dem reichen Materiale das Wichtigste herauszugreifen und ein interessantes Lebensbild dieses grossen Mannes zu entwerfen. Die Zuhörer folgten mit Spannung dem Vortrage. Die Versammlung, die ihre warme Sympathie für den Zionismus durchaus nicht verhehlte, blieb noch bis Mitternacht beisammen. Nach dem Vortrage wurden noch einige zionistische Lieder und Gedichte vorgetragen und schwungvolle Trinksprüche auf die akademische Jugend und auf Dr. H e r z 1 gehalten. Am Schlüsse meldeten sich zahlreiche active und inactive Mitglieder dem Vereine an. In Giessen wird der Zionismus nur Indifferente und Freunde finden, aber keine Gegner. Wir unsererseits haben Grund, von unseren Erfolgen in verhältnismässig kurzer Zeit mit Befriedigung zu sprechen. Rustschuk. (Bulgarien.) Das am 13./25. Februar im Saale des Cafe Central abgehaltene Gründungsfest unseres Vereines „Ahawath Zion“ hat einen grossartigen Verlauf genommen und unserer Sache einen glänzenden Sieg errungen. — Bei ausverkauften Plätzen wurde unter dem grössten Beifalle des Publicums „BarKochba“ gegeben, undBhat dieser Abend, wohl das schönste Purimfest, das unsere Stadt jemals gesehen hat, unserem Vereine viele Mitglieder und Freunde, unserer Sache aber viele Anhänger, sowohl unter den Aschkenasim, wie auch unter den sich bisher fernhaltenden Sephardim, erworben. S. R. Jassy. Endlich ist es der hiesigen zionistischen Vereinigung, an deren Spitze die Herren Dr. Lippe und Armin D u x stehen, gelungen, die zionistische Idee unter der Universität.? - Jugend zu verbreiten. Dienstag den 15. d. M. fand im Locale der Knabenschule „J umiue a“ eine Studentenversammlung statt, deren Zustandekommen grösstentheils den Bemühungen unseres Gesinnungsgenossen Herrn Dr. med. Osias zu verdanken ist. Der Saal war von Studierenden dicht besetzt. Herr Dr. Lippe begrüsste die Versammlung in einer glänzenden Ansprache, die das Thema: „Die Stellung der Juden unter den Völkern“ behandelte. Diese Rede wurde von den Zuhörern mit langanhaltendem Applaus aufgenommen. Hierauf sprach Rabbiner Dr. Niemer o wer, der in letzter Zeit eine eifrige Thätigkeit im Dienste des Zionismus entwickelte. Er zeigte, wie wichtig der Zionismus für die studierende Jugend sein müsse, die doch sonst kein nationales Ideal für Rumänien in Aussicht haben könne. Dr. Osias dankt in kurzer Rede den Anwesenden dafür, dass sie sich endlich nach langem Zögern entschlossen haben, einen zionistischen Verein zu gründen. Dr. Osias hofft, dass dieser Verein den früheren Verein der Studenten der Medicin ersetzen wird und stellt ihm auch ein längeres Leben in Aussicht. Die Wahl des Comitds wurde vorgenommen; gewählt eiv scheinen: Dr. med. Osias Präsident, Bercovici und Grünberg Vizepräsidenten, Schön f c 1 d und H o 1 o m y Secretäre, Mattes Cassier. Die Vereinigung führt den Namen unseres hochverehrten Kampfgenossen „Moses Gastei“, der Rumäne von Geburt ist. Diesen Sonnabend 13./25. Februar hielt die Vereinigung eine grossartige Versammlung im Tempel Beth-Jacob ab. Ausser den Mitgliedern sind auch Vertreter der anderen zionistischen Sectionen erschienen. Auch ein grosser Th eil der „Benot h- Z i o n“. Herr Dr. Osias dankte in einer kleinen Ansprache den Anwesenden für ihr Erscheinen. Hierauf ertheilt er das Wort Herrn Armin Dux, Präsident der Section „D orsche Zion“. Herr Dux gibt ein klares Bild der Pflichten der Zionisten in materieller wie in moralischer Beziehung. In materieller Beziehung sind der Schekel und die Colonialbank Hauptsache. Es ist die Pflicht eines jeden. Zionisten, für diese beiden Institutionen mit Wort undThat zu wirken. Grosser Beifall wurde der Rede des Herrn Dux gezollt. Stud. med. Grünberg schildert mit seiner klaren und klangvollen Stimme die bedrückte und bedauerliche Lage der rumänischen jüdischen Studenten und tritt für die Pflege der hebräischen Literatur ein. Mit einem Hoch auf Dr. Her z 1, Dr. Nord au, Dr. Mos es Gast er, Dr. Lippe und Herrn Samuel Pineies sehliesst Redner unter nicht endenwollendem Beifall des Auditoriums. Herr Frigtu zieht eine Parallele zwischen Zionismus und Socialismus, Herr Grosswald sprach über „Religion und Zionismus“'; das Schlusswort hatte Herr Rabbiner Dr. Niemerower, Sulina. In Ihrer werten Zeitung Nr. 9, III. Jahrg., vom 3. März a. c. lese ich die Constituierung unseres Zionvereines unter dem Namen „Ar s e Halibanon“, und bemerke dazu, dass obgenannter Name und der in Nr. 8 Ihres werten Organes publicierte Vereinsname „Arzei Halwu noin“ in rumänischer Sprache die gleiche Bedeutung haben. Zugleich wollen Sie gütigst meinen Namen, den Sie unrichtig publicierten, rectificieren, u. zw. ist mein Name nicht D. Ing all, sondern D. Segall. D. S. G Zeitschriftenrundschau. In Wien erschien am 1. März die erste Nummer einer neuen jüdischen Halbmonatsschrift: „Blüten der jüdischen Mational- Literatur“. Dem Programme des Blattes entnehmen wir Folgendes: Die Redaction des Organes „Blüten der National-Literatur“ verfolgt den Zweck, das Neueste und Beste auf dem Gebiete der National-Literatur zu bringen. Jeder politischen Tendenz fernstehend, sind wir in der Lage, die besten und modernsten Kräfte für unser Blatt zu gewinnen, und sind wir bereit, die an unsere Redaction gesandten Aufsätze mit Vergnügen erscheinen zu lassen. Als Weltorgan wollen wir klare Berichte über die Lage unserer Brüder bringen, diesbezüglich hoffen wir, bereits in der demnächst erscheinenden zweiten Nummer dieses Blattes Correspondenzen der sämmtlichen Provinzhauptstädte, sowohl der österr.-Ungar. Monarchie als auch der Balkan-Länder, bringen zu können. Die Londoner „Military Review“ veröffentlicht eine kleine Statistik über die Juden, welche in der Armee lind Marine Englands dienen. 5000 Juden sind in der Landarmee und 4000 in der Marine. Die Zahlen sind nicht genau und sicher zu klein, weil es viele gibt, welche ihr religiöses Bekenntnis nicht angeben wollen, und weil kein Gesetz existiert, das sie zu dieser Angabe zwingen könnte. Ausser den zahlreichen Capitäns und der nicht geringen Zahl der Obersten, sowie der höheren Militärbeamten, gibt es auch jüdische Generäle in der Armee. Die Anzahl der jüdischen Soldaten und Matrosen übersteigt bedeutend den Percentsatz, wie er der jüdischen Bevölkerung Englands entspräche Bücherwelt. DTHffl Dmn Hebräische Gedichte von M. K ä s Wien, im Selbstverläge des Verfassers. 127 S. Als hätten wir diese Gedichte bereits früher einmal gelesen, so vertraut muthen sie uns an. Abgeblasste Retniniscenzen aus M. G. L u z z a 11 o, aus Hartwig Wessely und vorzüglich aus M. L e 11 e r i s und den späteren Biuristen erhalten in unserem Bewusstsein einen frischen Farbenüberzug, wenn wir in den Käs’schen Poesien blättern. Moderne Gedichte sind das allerdings nicht, die solche Erinnerungen herauf beschwören. Allein wir können heutigentags vollauf zufrieden sein, wenn wir einen hebräischen Gedichtband aufschlagen und darin Stücke finden, die überhaupt-den Namen Poesie verdienen. Verwöhnt sind wir in dieser Beziehung keineswegs und bescheiden uns deswegen gern mit jeglicher Art von Dichtung, die vermöge ihres Stimmungsgehaltes und ihrer Suggestionskraft ihre Benennung nicht zuschanden macht. Darum sind uns auch die Gedichte der vorliegenden Sammlung trotz des vielen Altfränkischen in ihrer Mache durchaus sympathisch. Einzelne Poeme aber berühren uns sogar ganz neuartig-lebensvoll und zeugen überdies von tiefer dichterischer Empfindung. So z. B. „Schulamiths Sehnsucht“, S. 40, eine Variation zu Goethes „Mignon“, in der unser Autor nationale Accente von ergreifender Innigkeit anstimmt, ferner „Der Ursprung des Liede s“, Seite 8 ff. u. a. m. — Die Sprache ist, obschon nicht nach dem „neuen Co ms“ zugestutzt, oder vielleicht gerade deshalb, von rühmenswerter Correctheit. Allen Freunden der hebräischen Poesie sei die Käs’sche Gedichtsammlung aufs wärmste empfohlen M. Z.